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Full text of "Die Thrombose nach Versuchen und Leichenbefunden"

COLUMBIA LIBRARIES OFFSITE 

HEALTH SCIENCES STANDARD 



HX00033529 




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DI 



THROMBOSE 



NACH 



VERSUCHEN UND LEICHENBEFUNDEN 

GESCHILDERT VON 

Prof. C. J. EBERTH & Dr. C. SCHIMMELBUSCH 

IN HALLE. 








MIT 52 ORIGINALFIGUREN IN HOLZSCHNITT UND ZINKOGRAPHIE. 



COLUMBIA UNiVFRQiTV 

M^ARTIVIENT OF PHVSmLOG 

College of Physicians and Surgeon,' 

437 WEST FIFTY NINTH STHEET 
NEW YOHK 



STUTTGART. 
VERLAG VON FERDINAND ENKE. 

1888. 



/^C^ 34 



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Columbia ^änitJer^ttp 

mtJieCitpütlfttjgörk 

College of ^Ijj'öicianä anb ^urgeonö 
Eibrarp 




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in 2010 with funding from 

Open Knowledge Commons 



http://www.archive.org/details/diethrombosenachOOeber 



DIE 



THROMBOSE 



NACH 



VERSUCHEN UND LEICHENBEFUNDEN 



GESCHILDERT VON 



Prof. C. J. EBERTH & Dr. C. SCHiMMELBUSCH 

IN HALLE. 



MIT 52 ORIGINALFIGUREN IN HOLZSCHNITT UND ZINKOGRAPHIE. 



STUTTGART. 
VERLAG VON FERDINAND ENKE. 

1888. 



0-3 



ALLE RECHTE VORBEHALTEN. 



Druck von Gebrüder Kröner in Stuttgart. 



HEEKiSr 



RUD. VIRCHOW 



IN 



DANKBARKEIT UND VEREHRUNG 



GEWIDMET. 



Vo r ^^ o r t. 

Jjie folgenden Mittheilungen haben besonders die Bildung des 
Thrombus zum Gegenstande. Als ursächliches Moment für das Zu- 
standekommen eines Thrombus sind wohl längst die Circulationsstörung, 
die Veränderung der Gefässwand und die des Inhaltes — wenn auch 
öfters mit zu einseitiger Betonung des einen oder des anderen — 
anerkannt oder wenigstens angenommen. Aber erst die Circulations- 
beobachtungen haben uns präcisere Vorstellungen sowohl über das 
Wesen und die Beziehungen dieser Factoren zu einander, wie über 
die ersten Anfänge des Thrombus gebracht.* Der Beobachtung des 
strömenden Blutes sind jedoch durch äussere Verhältnisse Schranken 
gesetzt, und es war darum geboten, durch weitere Experimente und 
durch Untersuchung von Leichenthromben die Ergebnisse jener Ver- 
suche zu vervollständigen. Dieser Plan konnte, da die Sammlung und 
Verwerthung des Leichenmaterials viel Zeit in Anspruch nahm, erst 
nach mehrjähriger Arbeit zur Ausführung gelangen. Darum mag es 
auch entschuldigt werden, wenn wir gewissermassen als Vorläufer 
eine Reihe der experimentellen Befunde veröffentlichten. Ergänzt und 
in etwas veränderter Form erscheinen sie nun im Verein mit den 
Resultaten weiterer Studien. 

Die Verfasser. 



Inhalt. 



Seite 
Capitel I. 

Geschichtliches 1 

Die Lehre von der Dyskrasie des Blutes — John Hunter — Virchow — 
Thrombose und Embolie — Brücke's Theorie der Blutgerinnung — 
Mantegazza — Zahn — Pures — A. Schmidt' s Theorie der Blut- 
gerinnung — Weigert's Coagulationsnekrose — A. Köhler — Bciuin- 
garten's Versuch — Cohnheitn — v. Recklinghaiisen — Hagem und 
j Bizzozero. 

Capitel IL 

J Die Blutiolättchen beim Säugethier 12 

{ Geschichtliches über die Blutplättchen — Vorkommen derselben im 

Aderlassblut — Vorkommen im strömenden Blut — Technik der Cir- 

/ culationsbeobachtung — Die Plättchen sind normale Blutbestandtheile 

— Beschaffenheit der normalen Plättchen — Veränderungen der 

I Plättchen — Viscöse Metamorphose — Differenzirung in homogene und 

körnige Substanz — Chemische Reactionen — Die Blutplättchen der 

Säuger sind kernlos — Numerische Verhältnisse der Plättchen bei Ge- 

i Sunden und Kranken. 

Capitel III. 

1 Die Blutgerinnung und die Blutplättchen 37 

i Darstellung des Fibrinnetzes — Das Fibrin scheidet sich in Nadeln 

ab — Die Blutgerinnung ist ein Krystallisationsprocess — Weigert's 
Reaction des Fibrins — Es findet kein Uebergang von Plättchen in 
Fibrin statt — Die Blutplättchen haben überhaupt mit der Blutgerin- 
nung nichts zu thun. 

Capitel IV. 
Beobachtung von T h r o m b e n b i 1 d u n g im c i r c u 1 i r e n d e n B 1 u t e 

des Säugethier s 45 

Bedeutung der Circulationsbeobachtung für die vorliegende Frage — 
Technische Bemerkungen — Normaler Blutstrom — Der axiale Fluss 
der Blutkörper — Physikalische Gesetze der Blutcirculation — Die sog. 
Randstellung der Leucocyten — Die Randstellung der Blutplättchen — 
Die Bedeutung der Stromverlangsamung und der Wirbelbildung — Ex- 
perimente — Compressionen und Ueberstreichen von Gefässen — Rothe 
hyaline Thromben — Aetzungen von Gefässen — Die Blutplättchen 
bilden Thromben — Die farblosen und rothen Blutkörper betheiligen 
sich nur in secundärer Weise an der Thrombose — Gemischte und 
geschichtete Thromben — Bedeutung der Gefässwandverletzung für die 
Erzeugung von Thromben — Wachsthum und Schwund von Thromben. 

Capitel V. 
Die Blutplättchen im extr avasc ul är en und strömenden Blute 

der K altblüt er und Vögel . t>:5 

Im Blute der Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische kommen 
Elemente, die den Säugethierplättchen völlig gleichen, nicht vor — 
Meinungsdifferenzen über den dritten Formbestandtheil des Blutes bei 
diesen — Beobachtungen des strömenden Blutes — Gewisse spindelige 



— VIII — 

Seite 
Gebilde treten in gleicher Weise wie die Blutplättchen bei Circulations- 
störungen auf — Beschreibung derselben, Farbreactionen und Verände- 
rungen — Spindeln von Triton cristatus, Leuciscus, Testudo graeca, 
Vögeln (Taube, Huhn) — Die Spindeln sind die Blutplättchen der Kalt- 
blüter — Die Spindeln betheiligen sich ebenso wie die Blutplättchen 
an der Thrombose — Circulationsstudien am Froschniesenterium — 
Compression, Anätzung, Stichverletzung und andere Insulte von Ge- 
fässen — Verhältniss des Blutstroms zur Thrombenbildung — Verän- 
derungen der verschmolzenen Spindeln — Verkleinerung und völliger 
Schwund von Thromben — Die Leucocyten betheiligen sich nicht 
wesentlich am Aufbau des Thrombus, sondern sind secundäre Ein- 
schlüsse — Kritik der Arbeiten Zahn's. 

Capitel VI. 
Die ersten Stadien der Thrombenbildung in grösseren Ge- 

fässen beimWarm- und Kaltblüter 87 

Versuchstechnik — Experimente an den Hals- und Schenkelgefässen 
von Hunden und Kaninchen — Umschnürungen der Art. femoralis — 
Umschnürungen der Vena jugularis — Schnittverletzungen an Venen — 
Schnittwunden der Arterien — Aetzungen mit Höllenstein — Flättchen- 
massen mit spärlichem Fibrin auf den Aetzschorfen im Lumen — 
Durchziehen von Zwirnfäden durch Venen, Einführung eines Hollunder- 
markpfropfes — Viel Fibrin auf den eingeführten Fremdkörpern — 
Wandverletzungen ohne Thrombenbildung — Versuche am Herzen und 
Aorten von Frosch und Schildkröte — Umschnürung — Schnitt — 
Spindelmassen auf den verletzten Gefässwänden. 

Capitel VII. 
Aeltere Stadien experimentell erzeugter Thromben . . . 105; 
Aeltere Stadien von Thromben im Mesenterium bei Circulations- } 

beobachtungen am Säuger und Kaltblüter — Beobachtungen am 
Kaninchenohr — Bei geringen und nicht progredienten Verletzungen 
kommt es zu einer Plättchenconglutination, die bald vergeht — Experi- I 

mente an Hals- und Schenkelgefässen von Kaninchen und Hunden — | 

Umschnürung — Aetzung mit Lapis — Aetzung mit Salzsäure — Ver- \ 

brühung — Gefrieren — Verhältnisse nach Unterbindung — Zusammen- } 

fassung — Betheiligung der Blutplättchen und des Fibrins — Hyalin 
und kanalisii'tes Fibrin — Spätere Schicksale des Thrombus. 

Capitel VIII. 
Thrombose nach Infusion deletärer Stoffe in die Blutgefässe . 117 
Neuere Arbeiten über Gerinnselbildung nach Infusionen — Resultate 
derselben — Eigene Versuche — Infusion von Lackblut vom Hund und 
Hammel — Lackblut durch Gefrieren, Erhitzen und Aetherzusatz her- 
gestellt — Infusion von Wasser — von Aether — von Pyrogallus- 
säure — von fein zerriebenen und in Kochsalzlösung vertheilten Kork- 
theilchen — Wooldi-idge's Versuch — Lh'sachen der Gerinnselbildungen 
nach Infusionen. 

Capitel IX. 

Thromb en aus Leichen 127 

Verbindung des Thrombus mit der Gefässwand — Zusammensetzung 
der Thromben — Blutplättchen, Fibrin, Hyalin, Leucocyten, rothe Blut- 
körper — Dilatations- und marantische Thromben — Circulations- 
störungen — Circumscripte, endophlebitische und endarteritische Pro- 
cesse als LTrsaehen und Ausgangsstellen von Thromben. 

Capitel X. 

S c h 1 u s s b e m e r k u u g e n 134 

Zusammensetzung der Thromben — Blutplättchen — Leucocyten — 
Rothe Blutkörper — Fibrin — Gefässverletzung und Thrombose — 
Circulationsstörung und Thrombose — Dyskrasie und Thrombose. 



Literatur. 



Äfanassiew, M., Ueber den dritten Formbestandtheil des Blutes im normalen und 

pathologischen Zustande und über die Beziehung desselben zur Regeneration 

des Blutes. Deutsches Archiv für klin. Medicin 1884. Bd. XXXV, III. und 

IV. Heft. p. 217— 253. 
Aiiei-hach, Ueber die Obliteration der Arterien nach Ligatur. Inaug.-Diss. Bonn 1877. 
Baumgarten, P., Die sog. Organisation des Thrombus. Leipzig 1877. 
Derselbe, VircJwivs Archiv Bd. LXXVIll. p. 497. 
Beale, Quarterly Journal of microscop. science 1868. Transactions of the micro- 

scopical Society 1864. XII. On the germinal matter of the blood, with remarks 

upon the formation of fibrin. p. 47. 
Bettellieiiii, Centralblatt für die medicinischen Wissenschaften 1868. p. 345. 
Bizzozero, Ueber einen neuen Formbestandtheil des Blutes und dessen Rolle bei 

der Thrombose und Blutgerinnung. Virchoivs Archiv Bd. XC. p. 261 — 332. 
Derselbe, Centralblatt für die medicinischen Wissenschaften 1882. Nr. 2, 10, 20 u. 32. 
Derselbe, Blutplättchen im pejitonisirten Blute. Centralblatt für die medicinischen 

Wissenschaften 1883. 
Derselbe, Sur les plaquettes du sang. Comptes rendus. Tom. XCVII. Nr. 6. 

p. 458-461. 
Birk, Das Fibrinferment im lebenden Organismus. Inaug.-Diss. Dorpat 1880. 
Brücke, E., Ueber die Ursachen der Gerinnung des Blutes. Virchoiv's Archiv 

Bd. Xn. p. 81. 
Bubnoff, Ueber Organisation des Thrombus. Centralblatt für die medicinischen 

Wissenschaften 1867. Nr. 48. 
Donne, De l'origine des globules du sang, de leur mode de formation et de leur 

fin. Comptes rendus de l'acad. des sciences 1842. Tom. XIV. 
V. Düring , E., Die Fermentintoxication und ihre Beziehung zur Thrombose und 

Embolie. Deutsche Zeitschrift für Chirurgie Bd. XXli. 1885. 
Eberth, Ueber die Blutplättchen der Wirbelthiere. Fortschritte der Medicin 1887. 8. 

und Gratulationsschrift für A. v. Kölliker. Leipzig 1887. 
Eberth und Scliii)imelhusch, Experimentelle Untersuchungen über Thrombose. Fort- 
schritte der Medicin 1885. Nr. 12. 1886. Nr. 4, 13, 18. 1887. Nr. 6, 15. 

Virchoiv's Archiv Bd. CHI. p. 39-87. Bd. CV. p. 331—350, 456-465. 
Edelberg, Ueber die Wirkungen von Fibrinferment im Organismus. Ein Beitrag 

zur Lehre von der Thrombose und vom Fieber. Archiv für exper. Pathologie. 

Bd. XII. p. 283—334. 
Fa}io, Das Verhalten des Peptons und Tryptons gegen Blut und Lymphe. Aus dem 

physiol. Institut zu Leipzig. Archiv für Physiol. von Du Bois-Beymond 

1881. p. 277—296. 
Feiertag, H., Beobachtungen über die sog. Blutplättchen. Inaiig.-Diss. Dorpat 1883. 
Frankeil, Ein Beitrag zur Lehre von der Blutgerinnung im lebenden Organismus. 

Inaug.-Diss. Dorpat 1870. 
Fusari, Contributo allo studio delle piastrine del sangue allo stato normale e 

patologico. Archivo per le seien ze mediche. Vol. X. Nr. 12. 



GrotJi, 0., Ueber die Schicksale der farblosen Elemente im kreisenden Blut. Inaug.- 

Diss. Dorpat 1884. 
Hdyeni, Reclierches sur l'evolution des hematies dans le sang de riiomme et des 

vertebres. Archives de physiol. norm, et pathol. II<' S. Tom. Y. 1878. 79. 
Hayeni et Ferrij, Dosage comparatif de la fibrine dans le sang et dans la Ij-mphe. 

Archives de physiol. norm, et pathol. 1882. p. 275. 
Hayevi, Des giobules rouges ä noyau dans le sang de l'adulte. Archives de physiol. 

norm, et pathol. III S. Bd. I. p. 303—372. 
Derselbe, Sur les plaquettes du sang de M. Bizzozero et sur le troisieme corpuscule du 

sang, ou corpuscule invisible de M. Xorris. Comptes rendus Tom. XCVII. Kr. 6. 
Derselbe, Dasselbe, Gaz. medicale de Paris 1883. p. 432. Seance du 6 aoüt. 
Derselbe, Contribution ä l'etude de la structure des hematoblastes et des hematies. 

Gaz. medicale de Paris 1881. p. 479. 
Derselbe, Comptes i-endus de Tacad. des seiences. Tom. XCVII. Kr. 3. 
Derselbe, Experiences demonstrants, que les concretions sanguines formees au niveau 

d'un point lese des vaisseaux. debutent par un dej^ot d'hematoblastes. Gaz. 

medicale de Paris 1883. p. 125. Seance du 5 mars 1883. 
HaUa, üeber den Hämoglobingehalt des Blutes und die cjuantitativen Verhältnisse 

der rothen und weissen Blutkörper bei acuten, fieberhaften Krankheiten. 

Zeitschrift für Heilkunde 1883. Bd. IV. p. 198. 
Hanau, Zur Entstehung und Zusammensetzung der Thromben. Fortschritte der 

Medicin 1886. Nr. 12. 
Hamilton, M. B. F. R. S. E., The Circulation of the blood-corpuscles considered 

from a physical Basis. Journal of Physiol. Vol. V. Kr. 2. 
Heule, Anatomie des Menschen. 
Heiß, Nicolai, Zählungsresultate, betreffend die farblosen und die rothen Blutkörper. 

Dorpat 1882. ' 
Hluva , Die Beziehung der Blutplättchen Bizzozero's zur Blutgerinnung und 

Thrombose. Ein Beitrag zur Histiogenese des Fibrins. Archiv für exj^er. 

Pathol. 1883. 
Högyes, Zur Wirkung des zersetzten Blutes auf den thierischen Organismus. C'entral- 

blatt für die medicinischen Wissenschaften 1873. p. 469 — 471 
Hunter, JoJin, Observations on the infianimation of the internal coats of veins. 

Transactions of a society for the improvemeut of medical and chirurgical 

knowledge. London 1793. 
Köhler, Armin, üeber Thrombose und Transfusion. Inaug.-Diss. Dorpat 1877. 
Köllilccr. Gewebelehre 1863. p. 630. 1864. p. 629. 
Laker, Studien über die Blutscheibchen und den angeblichen Zerfall der weissen 

Blutkörper bei der Blutgerinnung. Sitzungsber. der k. Akad. zu Wien. 1882. 

Bd. LXXXVI. Heft HI u. IV. 
Derselbe, Die ersten Gerinnungserscheinungen des Säugethierblutes unter dem 

Mikroskope. Sitzungsber. d. k. Akad. d. Wissensch. zu Wien. III. Abth. 

1884. Bd. XC. 

Derselbe, Beobachtungen an den geformten Bestandtheilen des Blutes. Sitzungsber. 

d. k. Akad. d. Wissensch. zu Wien. 1886. XCIII. Bd. HI. Heft. 
Landoifi, Die Transfusion des Blutes. Leipzig 1875. 
Lavdoioskij, Mikroskopische Untersuchungen einiger Lebensvorgänge des Blutes. 

Vlrdiow's Archiv Bd. XCVH. 
Derselbe, Zur Frage über den dritten Formbestandtheil des Blutes der Menschen 

und einiger Thiere. Wratsch 1883. Nr. 11^15. Referat: Jahresberichte 

von Schipalbe-Hoff'inaiu) 1883. 
Leuhe, Ein Fall essentieller Anämie mit übermässiger Entwickelung der „Körnchen- 

Inldungen" im Blute. Berliner klin. Wochenschrift. 1879. Kr. 44. 
Löwif, M., Beiträge zur Lehre von der Blutgerinnung IL üeber die Bedeutung 

der Blutplättchen. Sitzungsber. d. k. Akad. d. Wissensch. zu Wien. III. Abth. 

Juli-Heft 1884. Bd. XC. p. 80-132. 
Derselbe, Die Blutplättchen und die Blutgerinnung. Fortschritte der Medicin. 1885. 

Nr. 6. p. 173-178. 
Derselbe, Berichtigung, die Blutplättchen betreffend. Fortschritte der Medicin. 

1885. Nr. 9. p^276 u. 277. 

Derselbe, üeber das coagulative Vermögen der Blutplättchen. Sitzungsber. d. k. 

Akad. d. Wissensch. zu Wien. III. Abth. 1884. Bd. LXXXIV. 
Derselbe, Ueber den dritten Formbestandtheil des Blutes. Lofox, Jahrbuch für 

Naturwissenschaft. 1885. Neue Folge. VI. Bd. 



— XI — 

Derselbe, Die Beobachtung der Cii-culation beim Warmblüter. Ein Beitrag zur 

Entstehung des -vreissen Thrombus. Archiv für exper. Pathol. undPharmakol. 

Bd. XXIII. p. 1—36. 
Lostorfer, Ueber das Vorkommen von Pilzen im Blute gesunder Menschen. Med. 

Jahrbücher, herausgegeben von der Gesellschaft der Aerzte zu Wien. 1871. 
Derselbe, Ueber die specielle Unterscheidbarkeit des Blutes Syphilitischer. Central- 

blatt für die medicinischen Wissenschaften. 1872. 
Liihiiitzl-y, Sophie, Die Zusammensetzung des Thrombus in Arterienwunden in den 

ersten fünf Tagen. Inaug.-Diss. Bei-n 1885. 
Xauiii/n, Untersuchung über Blutgerinnung im lebenden Thiere und ihre Folgen. 

Archiv für ex^aer. Pathol. und Pharmakol. I. p. 1. 
Xedu-etzJc), Zur Histologie des Menschenblutes. Kleine, sich nach allen Richtungen 

hin bewegende Körperchen als coustante Bestandtheile des Blutes. Central- 

blatt für die medicinischen Wissenschaften. 1873. 
Osler und Schäfer, Ueber einige im Blute vorhandene, Bacterien bildende Massen. 

Centralblatt für die medicinischen Wissenschaften. 1873. iS'r. 37. p. 576 u. 577 

1874. Nr. 15. p. 258. 
Osler, Ueber den dritten Formbestandtheil des Blutes. Centralblatt für die medici- 
nischen Wissenschaften. 1882. Nr. 30. 
Ploss und Gij'örgijai, Zur Frage über die Gerinnung des Blutes im lebenden Thiere. 

Centralblatt für die medicinischen Wissenschaften. 187-4. 
Pfitzner, B., Ueber den Vemarbungsvorgang an durch Schnitt verletzten Blut- 
gefässen. Virchows Archiv Bd. LXXIX. 
Pitres, Archives de physiol. norm, et pathol. 1876. p. 230. 
Ranvier, Du mode de formation de la fibrine dans le sang extrait des vaisseaux. 

Gaz. medicale de Paris. 1873. Xr. 7. 
Derselbe, Traite technique d"histologie. Livre IL p. 216 u. 217. 
Rausche iihach, Ueber die Wechselwirkungen zwischen Protoplasma und Blutplasma. 

Inaug.-Diss. Dorpat 1883. 
V. ReckJinghousen, A'erhandluugen der Würzburger physikal. med. Ges. 10. Juni 1871. 
Derselbe, Handbuch der allgemeinen Pathologie des Kreislaufs und der Ernährung. 

Deutsehe Chirurgie von BilhrAh und Lücke. 1883. 2. u. 3. Lieferung. 
Riess, Zur pathologischen Anatomie des Blutes. Du Bois-Reymonä's Archiv 1872. 

p. 237-250. 
Derselbe. Centralblatt für die medicinischen Wissenschaften. 1873. p. 530. 
Derselbe, Bemerkungen über die Zerfallskörperchen des Blutes und ihr- Verhältniss 

zur Anämie. Berliner klin. Wochenschrift. 1879. p. 696. 
Rinclßeisc.h, Lehrbuch der C4ewebelehre. Leipzig 1878. p. 156. 
Snclissendahl, Ueber gelöstes Hämoglobin im circulirenden Blut. Inaua'.-Diss. 

Dorpat 1880. 
SannieL Virchow's Archiv Bd. XL. p. 213. 
Derselbe. Der Entzündungsprocess. Leipzig 1873. 
Schiffe?-, Ueber die angebliche Gerinnung des Blutes im lebenden Thiere nach In- 

jection freier, fibrinoplastischer Substanz in die Gefässbahn. Centralblatt 

für die medicinischen Wissenschaften. 1872. Nr. 10. p. 145 u. 146. 
Schnitze, Max, Ein heizbarer Objecltisch. Archiv für mikroskop. Anatomie. 1865. 

Bd. I. p. .38. 
Schulz, Nadiegda, Ueber die Vernarbung von Arterien nach Unterbindungen und 

Verwundungen. Inaug.-Diss. Bern 1877. 
Semmer, G., Ueber die Faserstoffbildung in dem Amphibien- und Vogelblut, und 

die Entstehung der rothen Blutkörperchen der Säugethiere. Inaug.-Diss. 

Dorpat 1874. 
Seufflehen. Virchoic-'s Archiv Bd. LXXYil. p. 421. 
Slecogt, Ueber die im Blute der Säugethiere vorkommenden Körnchenbilduugen. 

Inaug.-Diss. Dorpat 1883. 
SchimtneJhusch, Die Blutplättchen und die Blutgerinnung. Virchoic's .Archiv Bd. C'I. 

Fortschritte der Medicin. 1885. Nr. 4. 7. 
Schmidt, A., Ueber die Beziehung der Faserstofl'gerinnung zu den körperlichen 

Elementen des Blutes. Theil II. x\rchiv für die gesammte Physik von 

Fflüger. Bd. XL p. 559 u. f. 
Derselbe, Die Lehre von den fermentativen Gerinnungserscheinungen in den eiweiss- 

artigen thierischen Körperflüssigkeiten. Dorpat 1876. 
Stricker, Mikroskopische Untersuchung des Säugethierkreislaufes. Wiener med. 

Jahrbücher. 1871. 



— XII — 

Thoma, Ueber entzündliche Störungen des Capillarkreislaufes beim Warmblüter. 

Virchow's Archiv Bd. LXXIV. p. 360 u. ff' 
Virchow, Cellularpathologie. 10. Vortrag. 

Derselbe, Gesammelte Abhandlungen zur wissenschaftlichen Medicin. 1862. p.57 — 725. 
Weigert, Ueber die pathologischen Gerinnungs Vorgänge. Virchoic's Archiv Bd. LXXIX. 

1880. p. 87. 
Derselbe, Ueber Croup und Diphtheritis. Ein ex^ser. u. anat. Beitrag zur Pathol. 

der specif. Entzündungsformen. Bd. LXX. p. 461 — 489. Virchow's Archiv 

1880. Bd. LXXIX. p. 90. 
Derselbe, Die neuesten Arbeiten über die Blutgerinnung. Fortschritte der Medicin. 

1883. Nr. 12 u. 13. 
Derselbe, Ueber eine neue Methode zur Färbung von Fibrin und von Mikro- 
organismen. Fortschritte der Medicin. 1887. Nr. 8. 
Wooldridge, L. C. M. B. D. Sc. M. R. C. P., Blood Plasma as Protoplasma. An 

extract from the arris and gale lectures delivered at the royal College of 

snrgeons, june 1886. London 1886. Harmsworth dt Co. Hart Street 42. 

Covent Garden. 
Derselbe, Ueber intravasculäre (jerinnungen. Archiv f. Anat. u. Physiol. Physiol. 

Abth. Heft 5. p. 397. 
Zimmermann, Elementarköi-perchen des Blutes als Kunstproducte. Zeitschrift für 

vfissenschaftl. Zoologie. Bd. XL p. 344. 
Derselbe, Rust's Magazin f. d. ges. Heilkunde Bd. LXVI, 2. Heft. p. 174. 
Derselbe, Archiv für physiol. Heilkunde. 1845. p. 65—165. 

Zahn, Untersuchungen über die Thrombose. Virchow's Archiv Bd. LXII. 1875. p. 81. 
Derselbe, Revue medic. de la Suisse romande. 1881. Nr. 1. 
Derselbe, Untersuchung über die Vernarbung von Querrissen der Arterienintima 

und Media nach vorheriger Umschnürung. Virchow's Archiv Bd. XCVL 
Heft 1. p. 1. 



Capitel I. 

Geschichtliches. 

Die Lehre von der Djski-asie des Blutes — John Hunte)- — Virchoiv — Thrombose 
und Embolie — Brücke? Theorie der Blutgerinnung — Mantegazza — Zahn — 
Pitres — A. Schmidt's Theorie der Blutgerinnung — IVe/gerfs Coagulations- 
nekrose — Ä. Köhler — Baumgarten s Versuch — Cohnlieim — v. Recklinghausen — 

Hayem und Bizzozero. 

Als man sicli im Anfang des 17. Jahrhunderts zuerst eingehender 
mit Grerinnselbildungen, mit „Polypen" im Gefässsystem als den Ursachen 
und Folgen von Krankheiten befasste, herrschte die Ansicht vor, dass 
die Bilduno' derartiger Grerinnsel ihren Grund in krankhaften Yerände- 
rungen des Blutes hätte. Die Aerzte sprachen von einem besonderen 
Faserstoffreichthum des Blutes (Superfibrination, Hyperinose), einer 
erhöhten Abscheidungstendenz des Faserstoffs oder nahmen an, dass 
die ^Anwesenheit einer besonderen Substanz, eines Coagulationsfermentes, 
im Blute zur Gerinnselbildung innerhalb der Gefässe Veranlassung gäbe. 

Dieser Ansicht über die Pfropfbildimg im strömenden Blute trat 
mit John Hunter' s Mittheilungen über Phlebitis eine andere gegen- 
über. In den entzündeten Venen fand Hmiter Gerinnsel, „adhesions" 
und er glaubte, dass diese Gerinnsel durch fibrinöse Exsudation aus 
den entzündeten Gefässwänden gebildet würden, und letztere sich also 
analog verhielten wie Pleura, Pericard etc. ,In all cases of inflam- 
mation where adhesions take place, they arise from an extravasation 
of coagulable lymph." Dieser Auffassung nach war die Ursache der 
Gerinnselbildung also nicht im strömenden Blute, sondern in den Ge^ 
fässwänden zu suchen. 

Während die beiden Ideen, dass Gerinnselbildung einerseits vom 
Blute . und andererseits von der Wand aus erfolge , mit einander um 
die Herrschaft rangen, sah man bis in die Mitte unseres Jahrhunderts 
jeden postmortalen Pfropf, den man im Gefässsystem vorfand, als einen 
an Ort und Stelle entstandenen an. 



') John Hunter, Observations on the inflammation of the internal coats of 
veins. Transactions of a society for the improvement of medical and chirurgical 
knowledge. London 1793. 

Eberth imd Schimmelbusch, Die Thrombose. 1 



Virchow war es, der zuerst darauf hinwies, dass die Annahme' 
einer localen Entstehung keineswegs für alle Pfropfe zutreffe, sondern, 
dass eine grosse Anzahl derselben, entfernt von ihrem Fundort, in. 
irgend einem Abschnitt des Circulationsapparates vorher entstanden 
und von dort erst durch den Blutstrom verschleppt worden sei. Er 
nannte diese verschleppten Pfropfe bekanntlich Emboli und stellte- 
ihnen die autochthonen, die Thromben, gegenüber. 

In Bezug auf die Entstehung der Thromben führten ihn seine 
Untersuchungen zu einem von den beiden älteren Anschauungen ab- 
weichenden Resultate. Er fand, dass keineswegs immer bei einer 
Thrombose eine primäre Entzündung der Gefässwand zu constatiren 
ist und dass viel häufiger umgekehrt die Thrombose erst die Ent- 
zündung hervorruft. Durch eine Reihe von Experimenten zeigte er 
dann, dass eine Entzündung der Gefässwand zu einer Exsudation in 
das Lumen überhaupt nicht führt. Virchoiv meinte damals, dass die 
Thrombose eine Blutgerinnung sei, die weder direct auf einer Ge- 
fässentzündung, noch auf einer Blutdyskrasie beruhe, sondern ihre 
Ursache hauptsächlich in mechanischen Verhältnissen habe. In 
seinen ersten Arbeiten macht er auch den Versuch, die verschiedenen 
Fälle von Thrombose alle auf Strom verlangsamung oder Blut- 
stauung zurückzuführen. So gelangt er zu der Auffassung, dass bei 
Eröffnung eines Gefässes die Hemmung des Blutstroms wesentlich 
für die Bildung des Thrombus sei, dass bei gröberer Veränderung der 
mit dem Strome in Berührung kommenden Oberfläche der Stillstand 
des Blutes in den gebildeten Divertikeln und bei nur moleculärer Ver- 
änderung „die partielle Retardation" des Stromes zur Gerinnung 
führe. Später meint er aber, dass es doch nur dann angehen würde, 
die scheinbar weit aus einander gehenden Fälle von Thrombose unter 
dem einfachen Gesichtspunkt der Strom verlangsamung zusammenzu- 
fassen, sobald man nachweisen könne, in welcher Art und Weise die 
Stromverlangsamung das Blut zur Gerinnung bringe. 

In seinen Untersuchungen über die Blutgerinnung war er nun 
zu dem Resultat gelangt, dass der Faserstoff nicht als solcher prä- 
formirt sei, sondern in Gestalt einer Vorstufe, der fibrinogenen Sub- 
stanz im normalen Blute existire und dass aus dieser erst in Folge der 
Einwirkung von Sauerstoff (aus der Luft oder aus den rothen 
Blutkörperchen) der coagulable Faserstoff entstehe. Man konnte sich 
also den Einfluss der Stromverlangsamung in der Weise denken, dass 
auf irgend einem Wege die Activirung des Sauerstoffs ermöglicht werde ^ 
dass also z. B. bei einer Gefasseröffnung das Blut gerinne, weil es bei 
einer langsamen Strömung in innige Berührung mit dem Sauerstoff der 
Luft komme, dass bei der Blutstauung ein Thrombus entstände, weil 
dann die rothen Blutkörperchen zu Grunde gingen und ihren latenten 
Sauerstoff abgäben etc. Aber Virchoiv hält es noch für zu gewagt,, 
diese Erklärungsweise in vollem Umfange anzunehmen, und zieht es 
v^r, „die mehr mechanischen Formen der Thrombose, wie sie bei Blut- 
stockung vorkommen, von den mehr chemischen oder physikalischen 
Formen, wie sie durch directe Sauerstoffeinwirkung oder veränderte 
Flächenanziehung zu Stande kommen, zu unterscheiden". Er theilt 
daher schliesslich die Thromben in solche, die auf „Blutstockung", und 
in solche, die auf „veränderter Molecularattraction zwischen Blut und 



— 3 — 

Oberflächentheilchen" beruhen. Zu den Thromben der ersten Kategorie 
rechnet er die bei Unterbrechung und Verengerung der Gef asslich tung, 
die in Erweiterungen der Gefässe und des Herzens, und die bei ab- 
sohiter Verminderung der Herzkraft, bei Marasmus eintretenden. Zu 
denen der zweiten gehört die Thrombose, die nach Abtödtung der Ge- 
fässwand, bei Entzündungen, Verkalkungen, Verfettungen derselben 
entsteht. Hierher zählt er auch die so wichtige hämorrhagische 
Thrombose, d. h. die nach Continuitätstrennung der Gefässwand. Er 
huldigt hier der Vorstellung, dass der blutstillende Thrombus dadurch 
zu Stande komme, dass der Faserstoff des ergossenen und geronnenen 
Blutes ausserhalb des Gefässes eine Anziehung auf den des flüssigen 
Blutes in dem Gefässe ausübe und dass so das Gerinnsel sich nach 
innen fortsetze. 

Virchow identificirt die Thrombose vollkommen mit der Blut- 
gerinnung. Trotzdem ist es ihrii aber nicht entgangen, dass die meisten 
Thromben sich in ihrer Zusammensetzung, auch wenn sie ganz frisch 
sind, Yon einfachen Blutgerinnseln doch gewöhnlich unterscheiden. Sie 
sehen weisser aus und haben einen mehr oder weniger geschichteten 
Bau. Das erste rührt von ihrem grösseren Gehalt an Faserstoff und 
farblosen Blutkörpern, für ältere Thromben auch wohl von einer Ent- 
färbung der eingeschlossenen rothen Blutkörper her, das letztere ist 
die Folge einer successiven Gerinnung, bei der sich um das erste, den 
„Kern" bildende Gerinnsel weitere ablagern, die jedesmal wie das Blut- 
gerinnsel ausserhalb des Körpers aus einer vorwiegend rothe Blut- 
körperchen enthaltenden Schicht, dem Cruor, und aus einer vorwiegend 
Faserstoff enthaltenden, der Speckhaut, bestehen. Alle diese Ver- 
schiedenheiten in der Zusammensetzung der intravasculären „Blutge- 
rinnsel" hält Virchotv für die Folgen einer verlangsamten Blutströmung 
und ist offenbar wenig geneigt, ihnen grösseres Gewicht beizulegen. 

Die Arbeiten Virchow's sind das Fundament der ganzen Lehre 
von der Thrombose geworden und in manchen Hauptpunkten sind sie 
noch bis jetzt unverändert angenommen. In vieler Beziehung haben 
sich aber natürlich neue und andere Gesichtspunkte bei dem weiteren 
Ausbau dieser Lehre ergeben und besonders ist es die fortschreitende 
Erkenntniss der Blutgerinnung gewesen, von der die Anschauungen 
Virchow's so vielfach ausgegangen sind, die an verschiedenen Seiten zu 
Umgestaltungen führte. So sind zunächst die Untersuchungen von 
Brücke ^) in dieser Hinsicht nicht ganz ohne Einfluss geblieben. In 
seiner ausgedehnten Versuchsreihe constatirte dieser Forscher, theilweise 
im Anschluss an frühere Beobachtungen von A. Cooper und Thackrah, 
dass weder die Berührung mit Luft, noch die Ruhe die specifische Ur- 
sache der Blutgerinnung sind und dass es weder durch Abschluss der 
Luft, noch durch künstliche Bewegung gelingt, das Blut flüssig zu 
halten. Das Blut gerinnt vielmehr in jedem Fall, ausgenommen, wenn 
es mit der lebenden und unverletzten Gefässwand in Berührung steht, 
so dass man sagen kann, „dass alle Körper das Blut gerinnen machen 
und dass nur die lebenden Gefässwände sich gegen dasselbe so in- 
different verhalten, dass sie es nicht thun" ^). Doch bemerkte Brücke 



^) VircJiow's Archiv Bd. XII. 
2j Op. cit. S. 182. 



— 4 — 

dabei noch einen gewissen Unterschied beim Kaltblüter und beim Warm- 
blüter, insofern es bei dem ersteren gelang, so lange nur die leisesten 
Zeichen des Lebens der Gefässwand vorhanden waren, das Blut inner- 
halb des Gefässes flüssig zu finden, beim letzteren aber in der Ruhe 
selbst in lebenden Gefässen das Blut bald coagulirte. Hier will er 
nun nicht entscheiden, ob das unbewegte Blut beim Warmblüter in 
den lebenden Gefässen gerinnt, weil es des erneuten Contacts mit den 
Gefässwänden bedarf, oder weil umgekehrt die Gefässwände die stete 
Erneuerung des Contacts mit dem Blute gebrauchen: „Wenn Bewegung 
das Blut nur in lebenden Gefässen flüssig erhält," meint er, „so muss 
dies durch den stets erneuten Contact mit den Gefässen geschehen und 
diese müssen also eine besondere Eigenschaft haben" ^). 

Im Ganzen greifen diese Ausführungen von Brücke, wie man 
leicht sieht, nur wenig in die Lehren von Virchoiv ein. Der Gedanke 
Virchow's, dass der Sauerstoff der Luft direct oder indirect die Blut- 
gerinnung innerhalb der Gefässe bewirke, wird allerdings eliminirt, 
aber in der Hauptsache harmoniren die Auffassungen beider ziemlich 
gut. Blutstauung und die Veränderung der Oberflächen, mit denen 
das Blut in Berührung kommt, sind nach Brücke die Umstände, die 
zur Blutgerinnung führen und nicht anders nach Virchoiv. In der Be- 
tonung dieser beiden ursächlichen Momente ergeben sich freilich wieder 
Unterschiede. Bei Virchoiv wird auf das mechanische Moment, auf die 
Stromverlangsamung, der grösste Nachdruck gelegt und als er versuchte. 
eine einheitliche letzte Ursache für alle Erscheinungsweisen der Throm- 
bose zu finden, dachte er zunächst dabei an die Stromverlangsamung. 
Bei Brücke aber tritt die Gefässläsion mehr in den Vordergrund und 
findet sich die Neigung, diese als gemeinsames primum movens an- 
zusehen und auch bei der zur Blutgerinnung führenden Stauung im 
lebenden Körper schliesslich eine Alteration der Gefässwand zu ver- 
muthen. 

Weit grössere Differenzen gegenüber den Lehren Virchow's er- 
geben sich aus den Arbeiten von Zahn. Die Ansichten von Zahn geben 
zum ersten Male die Einheitlichkeit aller Thromben auf und weisen 
auf das Bestimmteste daraufhin, dass es verschiedene Arten von Thromben 
giebt. Zakn unterscheidet rothe Thromben, weisse und die Ueber- 
gangsstufen zwischen beiden, die gemischten. Für die rothen Thromben 
gälte in jeder Beziehung das, was Virchoiv gelehrt habe, es seien ein- 
fache Blutgerinnsel; die weissen Thromben aber seien ganz anderer 
Natur. Die weissen Thromben verdanken ihre Farbe auch nicht einer 
nachträglichen Entfärbung und sind nicht anfangs roth gewesen, wie 
man das bis dahin vielfach annahm, sondern sie sind schon in ihrem 
Entstehen weiss. Unterwirft man das strömende Blut in dem Mesen- 
terium eines immobilisirten Frosches der mikroskopischen Betrachtung, 
nachdem man durch verschiedene Insulte Verletzungen der Gefässwände 
hervorgebracht hat, so sieht man, wie im Innern der Gefässe an den 
verletzten Wänden weisse Blutkörper haften bleiben und ein Thrombus 
ausschiesslich dort aus diesen entsteht. Anfangs sind die einzelnen 
weissen Blutkörper deutlich zu erkennen, aber nach und nach zerfallen 
sie und bilden eine körnige Masse. Ein ganz analoges Resultat wird 

1) Op. cit. S. 183. 



erhalten, wenu man beim Warmblüter, beim Kaninchen z. B., eine Vena 
jugularis mit einer Nadel ansticht. In der Ausflussöffnnng bildet sich 
bald ein weisser Pfropf und wenn man das Gefäss aufschneidet, sieht 
man denselben ungefähr so gross wie ein Stecknadelknopf sich nach 
innen fortsetzen. ,Die mikroskopische Untersuchung dieses Thrombus 
ercriebt. dass er aus einem höchst feinkörnigen oder balkig geformten 
Fibrin besteht, in welchem zahllose farblose Blutkörper und Zellkerne 
und relativ sehr wenig rothe Blutkörper eingebettet sind" ^). Dieser 
, weisse Thrombus" besteht also nach der Auffassung von Zahn im 
Wesentlichen aus weissen Blutkörpern, die nach kurzer Zeit zu einem 
körnigen Material zerfallen, das sich in Essigsäure löst und den „Cha- 
rakter des feinkörnigen Fibrins" annimmt. Solche weisse Thromben 
bilden sich überall dort, wo die Gefässwand verletzt ist oder wo ein 
rauher Fremdkörper mit dem Blutstrom in Berührung kommt. So 
bleiben nach Ueberstreichen der Mesenterialgefässe mit stumpfen In- 
strumenten, nach Anstechen, nach Anschneiden von Gefässen, nach An- 
ätzen mit Aether, Ammoniak. Crotonöl, Kochsalz in Substanz etc., nach 
Application von Kälte, nach Einbinden von Fremdkörpern in das Lumen, 
sowohl in grossen wie kleinen Venen und Arterien überall die weissen 
Blutkörper da hängen, wo die intacte Gefässwand fehlt, und bilden 
grössere und kleinere Haufen. Der weisse Thrombus ist es auch, der 
die Stich- oder Schnittwunde eines Gefässes verstopft und die weitere 
Blutung sistirt. Ja, diese hämorrhagische Thrombose hat mit der Ge- 
rinnung des ergossenen Blutes gar nichts zu thun. Am besten kann 
man sich hiervon überzeugen . wenn man intramesenterial ein Gefäss 
beim Frosch verletzt. Hier bleibt das in das Gewebe ergossene Blut 
lange flüssig, während die Pfropfbildung an der verletzten Stelle, ein 
massenhaftes Haftenbleiben farbloser Blutkörper, ungehindert und sehr 
rasch erfolgt. Fragt man, wie und warum an allen Stellen, an denen 
die intacte Gefässwand mangelt, diese Bildung weisser Thromben er- 
folgt, so erhält man von Zalin darauf die Antwort, dass es die Rauhig- 
keit sowohl der Gefässwand als auch der Fremdkörper ist, die dies 
veranlasst. Führte er glatte, vorher geglühte und dann erkaltete Glas- 
stäbe in das Herz des lebenden Thieres, so fand er, dass sich an den 
glatten, vorher angefeuchteten Stäben keine Thromben bildeten. Feilte 
er aber eine Rauhigkeit ein, so traf er stets an dieser Stelle einen 
circumscripten kleinen, fast ganz weissen Thrombus. Der Mangel der 
lebenden unversehrten und glatten Gefässwand genügt aber nicht allein 
zur Bildung des weissen Thrombus: bringt man gleichzeitig einen Ge- 
fässverschluss und ein Aufhören des Blutstroms hervor, so entsteht 
kein Thrombus. Treibt man so z.B. in den Wurzelstamm einer Me- 
senterialvene Quecksilber ein und schiebt einzelne Quecksilberkugeln 
in den Gefässen weiter vor, so werden diese, sobald der Durchmesser 
des Gefässlumens kleiner als der der Kugel wird, verstopft und der 
Blutfluss sivstirt. Das ruhende Blut aber bleibt flüssig und wenn sich 
auch mit der Zeit eine „ Oxydschicht " um die Quecksilberkugel bildet, 
so entsteht doch weder ein Gerinnsel noch ein weisser Thrombus an 
dieser Stelle. Ganz anders hingegen, wenn der Fremdkörper das Ge- 
fässlumen nicht völlig obturirt, wenn also z. B. mehrere kleine Queck- 



Virchows Archiv Bd. LXII. p. 92. 



— 6 — 

silberkügelchen beisammen liegen, die noch eine, wenn auch schwache 
Blutströmung zu Stande kommen lassen; oder wenn z. B. die Form des 
Körpers ein enges Anschliessen der Gefässwände unmöglich macht, er 
etwa kantig ist und das Blut an seinen Seiten Wege zur Passage findet. 
In all diesen Fällen entsteht sofort eine ausgedehnte Thrombose. Daraus 
schliesst nun Zahn, „dass die weissen Thromben nur zu Stande kommen, 
wenn Strömung des Blutes besteht und dass mit dem Aufhören dieser 
die thrombotische Ablagerung sistirt" ^). 

Der Unterschied zwischen den Resultaten Zahn's und denen 
Virchow's ist ganz offenbar. Wenn man in so bestimmter Weise, 
wie Zahn, ausspricht, dass die weissen Thromben mit der Blut- 
gerinnung nichts zu thun haben und auf der anderen Seite sagt, dass 
die weissen Thromben „die thrombotische Abscheidung xat' i^o^crjv" 
repräsentiren , so setzt man sich in nicht geringen Widerspruch mit 
einer Lehre, die davon ausgeht, dass jeder autochthone Thrombus ein 
Blutgerinnsel sei. Ebenso läuft der Satz, dass diese Thromben xat' s^o^yjv 
bei der Blutstockung gar nicht zu Stande kommen, ja der erhaltenen 
Circulation zu ihrer Bildung bedürfen, schnurstracks den Lehren 
Virchoiv's entgegen, welche die ganze Thrombose auf Blutstockung 
zurückzuführen versuchten. Auch die Auffassung der hämorrhagischen 
Thrombose ist bei beiden doch recht different. Nur darin kann man 
eine Uebereinstimmung finden, dass in beiden Theorien die Veränderung 
der Gefässwand als ein Grund zur Thrombenbildung angesehen wird. 
Allerdings ist auch diese Harmonie nicht rein, denn während Virchow 
offenbar jede Veränderung der Gefässwand und jeden Fremdkörper für 
fähig hält, eine veränderte Molecularattraction auszuüben, so wird bei 
Zahn eine „Rauhigkeit" derselben postulirt. 

Die Resultate Zahn's — deren Hauptpunkte übrigens schon 1869 
von Mantegazza^ ohne dass Zahn dies wusste, experimentell gefunden 
wurden, fanden durch die Untersuchungen von Pitres ^) eine Bestätigung. 
Pltres stimmt Zahn vollkommen darin bei, dass der weisse Thrombus 
aus Leucocyten entstehe etc. etc., nur wird bei ihm noch schärfer als 
bei jenem der Unterschied zwischen dem weissen Thrombus und der 
Blutgerinnung hervorgehoben. So weist Pitres darauf hin, dass die 
körnige Masse des weissen Thrombus kein Faserstoff sein könne, da 
sie in den Reactionen von diesem differire und ferner die weissen 
Pfropfe in den Stichkanälen mit Nadeln verletzter Gefässe sich bilden, 
auch wenn das Mesenterium mit Substanzen befeuchtet wird (wie 
Zuckerlösung, lO^/^ige wässrige Lösung von NaoSo^, verdünnte Salz- 
säure), welche die Faserstoffausscheidung resp. -bildung verhindern. 
Pitres hat übrigens auch schon Circulationsbeobachtungen am Warm- 
blüter angestellt, während die Circulationsbeobachtungen von Zahn sich 
auf den Frosch beschränken. Seine Methode ist sehr einfach: Er legt 
das narkotisirte Thier auf eine durchbohrte Holzplatte, spannt nach 
der Laparotomie das vorgezogene Mesenterium mit Nadeln über das 
Bohrloch und beobachtet die ausgespannte Membran. 

Seit diesen Untersuchungen ha,t man daran festgehalten, dass die 
meisten Thromben aus einer Anhäufung von farblosen Blutkörpern her- 



Virchoiv's Archiv Bd. LXII. p. 100. 

Archives de physiologie norm, et path. 1876. p. 230. 



vorgehen, aber obwohl Zahn und besonders Pitres dieselben nicht als 
Blutgerinnsel angesehen haben wollten, hat man trotzdem fortgefahren, 
auch fernerhin die Thrombose als eine Blutgerinnung zu bezeichnen. 
Der Grund hierfür ist in den neueren Theorien über das Wesen der 
Blutgerinnung, besonders denen A. Schmidt' s, zu finden. 

Schon von Virchoic ist ja der Gedanke an eine Präformation des 
gelösten Faserstoffs als solchen im Blute aufgegeben worden. Auch 
Brücke kommt in der erwähnten Untersuchung zu dem Resultat, dass 
der Faserstoff sich erst bei der Blutgerinnung bilde, aus albuminoiden 
Substanzen abspalte. Eine analoge Annahme bildet die Basis der 
Theorien ui. Schmidf><. 'ü^a.ch A. Schmidt^) entsteht der Faserstoff durch 
das Zusammenwirken dreier Stoffe, der fibrinogenen Substanz, der 
Faserstofi'grundsubstanz, die im Plasma des normalen Blutes stets in 
reichlichem Maasse vorhanden ist, der fibrinoplastischen Substanz 
und dem Fibrinferment, welche beide aus den weissen Blutkörpern 
stammen und sich bei deren Untergang, „Zerfall", bilden. Der „Zer- 
fall" der weissen Blutkörper findet nun auch unter physiologischen 
Verhältnissen wie im lebenden Körper immer statt, aber der geringen 
hiermit verbundenen Fermentproduction wird der gesunde Körper ver- 
möge gewisser regulatorischer Thätigkeiten Herr. Im extravasculären 
Blute zerfallen aber unter gewöhnlichen Verhältnissen die weissen Blut- 
körper, deren Zahl im strömenden Blute A. Schmidt für sehr viel grösser 
hält, als man gewöhnlich annimmt, rapide und zum allergrössten Theile, 
das Fibrinferment und die fibrinoplastische Substanz werden frei, regu- 
latorische Apparate sind nicht vorhanden und so bildet sich der Faser- 
stoff. Dabei entsteht zuerst ein gelöstes Product, das aber analog wie 
z. B. die colloidale Kieselsäure, besonders durch den Salzgehalt des 
Blutes gallertig, „pectös" wird. 

Von dem Standpunkte A. Schmidts ^ nach dem die Blutgerin- 
nung einem Zerfall weisser Blutkörper im Plasma gleichzusetzen ist, 
erscheint der von Zahn hervorgehobene Unterschied in der Bildung 
und dem Aussehen des weissen und des rothen Thrombus unwesentlich. 
Die Processe, welche zur Bildung eines weissen oder rothen Thrombus 
führen, sind danach offenbar principiell völlig gleichzusetzende Vor- 
cjänffe und man kann nur darin eine Verschiedenheit beider sehen. 
dass eben der weisse Thrombus einen intensiveren Grad der Blut- 
gerinnung repräsentirt und dichteren Faserstoff besitzt, als ein ge- 
wöhnliches Blutgerinnsel — ganz entsprechend der grösseren Quantität 
von Leucocyten. die an ein und derselben Stelle gleichzeitig der re- 
gressiven Metamorphose unterliegen. 

Eine einheitliche Auffassung der Entstehung des weissen Throm- 
bus und der gewöhnlichen Blutgerinnung im Anschluss an die Theorien 
^4. Schmidfs findet sich in sehr consequenter Weise in den Unter- 
suchungen Weigerfs-) durchgeführt. Unter der sog. Coagulations- 
nekrose versteht derselbe bekanntlich eine eigenthümliche Form 
des Zelltodes, bei der die todten Zellkörper im Gegensatz zu dem 
Verhalten bei anderen nekrotisirenden Processen in eine starre Masse. 
den „Faserstoff", übergehen. Bei dieser Metamorphose erhalten sich 



*) A. Schmidt, Die fermentativen CTerinnuno'sersclieinungeii etc. Dorpat 1876. 
2) Virchow's Archiv Bd. LXX u. LXXTX. " 



einige Zeit die Zellcontouren, es verschwindet aber bald der Kern. 
Nach Weigert findet diese Art der Nekrose überall da statt, wo Zellen 
absterben und dabei von einem stetigen mid reichlichen Strome fibri- 
nogener Flüssigkeiten, d. h. also von Flüssigkeiten, die die Faserstoff- 
grundsubstanz Ä. Schmidfs enthalten, z. B. der Lymphe oder dem 
Blutplasma, durchspült werden. Die absterbenden Zellen sollen das 
Fibrinferment liefern und dies Fibrinferment soll mit der fibrinogenen 
Flüssigkeit den (fibrinoplastischen) Zellleib in Faserstoff' verw^andeln. 
Diesen Gerinnungsprocess machen die weissen Blutkörper nun in einer 
von der Constanz der Erscheinungen bei anderen Zellen abweichenden, 
wechselnden Form durch. Die Leucocyten können sich wie die anderen 
Zellen nach einiger Zeit in , kernlose Schollen" verwandeln; aber sie 
können ausserdem auch in körnige, fädige oder balkige Massen zer- 
fallen. Die Bildung fädiger Massen ist ein den Leucocyten eigner 
Vorgang: „Hier wird eben der zweite zur Fibrinbildung nöthige Stoff' 
in der Flüssigkeit aufgelöst und der alte Zellleib ist verschwunden: 
so kann sich dann das Fibrin in jener, von der ursprünglichen ZeEe 
abweichenden Form niederschlagen" ^). Je günstiger die Verhältnisse 
bei dem Untergang der Leucocyten für eine völlige Lösung derselben 
liegen, um so sicherer würden Fibrinfäden entstehen; wenn aber „die 
absterbenden Leucocyten so dicht an einander gehäuft sind, dass sie sich 
nicht in der umgebenden lymphatischen Flüssigkeit auflösen können", 
so tritt die Schollen bildende Form der Nekrose auf. Dazwischen giebt 
es alle möglichen Uebergänge. Die Gerinnung des Aderlassblutes wäre 
hiernach eine Coagulationsnekrose der weissen Blutkörper, bei der eiiie 
völlige Auflösung derselben erfolgte, die Thrombose aber eine Coa- 
gulationsnekrose mit partieller Erhaltung des Zellkörpers. Dass 
die Substanz des weissen Thrombus sich von dem Faserstoff des Ader- 
lassblutes in ihren chemischen Reactionen unterscheidet, ist für Weigert 
um so weniger wichtig, als der Faserstoff für ihn natürlich kein chemisch 
einfacher Körper ist. Bei der grossen Anzahl der an verschiedenen 
Orten des Körpers und in verschiedenen Zellenmassen vor sich gehen- 
den Gerinnungsprocesse entstehen eben sehr verschiedene Arten von 
Faserstoff. 

In einer ganz anderen Richtung bewegen sich die Untersuchungen, 
die A. Schmidt von einem seiner Schüler, Ärrnin Köhler^), ausführen 
liess. Diese Untersuchungen gehen von dem Gedanken aus. dass, wenn 
die Blutgerinnung an die freie Wirkung des Fibrinfermentes auf die 
Fibringeneratoren (die fibrinoplastische imd fibrinogene Substanz) ge- 
bunden sei, es nicht bloss der herrschenden Ansicht gemäss die Stase 
und die durch fremde Körper gesetzte Blut- und Gefassalteration sein 
könne, die zur Blutgerinnung innerhalb der Gefässe führe. Es müsse 
vielmehr möglich erscheinen, auch ohne diese Vorbedingungen, allein 
durch die Einwirkung des Fibrinfermentes die letztere entstehen zu 
sehen, sei es nun in Folge directer Infusion von Fermentlösnng in die 
Gefässe, sei es in Folge von Krankheitszuständen, die zur Bildung 
grösserer Mengen des Fermentes im Körper Veranlassung gäben. Köhler 



^) Op. cit. p. 116—121. 

"^) Armin Köhler, Ueber Thi-ombose und Transfusion, Eiter und septische 
Infection und deren Beziehung zum Fibrinferment. Inaug.-Diss. Dorpat 1877. 



— 9 — 

glaubt für die Riclitigkeit dieser Vermuthuugen in seinen ausgedehnten 
Versuchen sichere Anhaltspunkte gewonnen zu haben. Bei einer 
grösseren Reihe von Injectionen fermenthaltigen Blutes — das durch 
Schlagen defibrinirte ist ein solches — erzielte er meist mehrfache, 
theils grössere, theils kleinere Thromben. Diese Thromben seien völlis 
unabhängig von etwa mit injicirten kleinen Fremdkörpern, deren Be- 
deutung man bisher überhaupt ungemein überschätzt habe. Der aus- 
schlaggebende Factor bei diesen Thrombosirungen sei das Fibrinferment, 
aber, wie auch bei der extravasculären Blutgerinnung, sei die Mitwirkung 
der fibrinoplastischen Substanz nicht zu entbehren. Bei einer zweiten 
Versuchsreihe glaubt er sich aber überzeugt zu haben, dass bei der 
Infusion septischer StofPe in das Blut der septische Stoff unter anderen 
Fermenten als erstes und wichtigstes das Fibrinferment und zugleich 
die fibrinoplastische Substanz (durch die Einleitung eines Zerfalls weisser 
Blutkörper) erzeuge. Die septische Infection bringe also eine Ferment- 
intoxication hervor und es gebe daher eine Thrombose und Embolia, 
die von der putriden Infection abhängig sei. Was aber für die sep- 
tische Infection gälte, würde vermuthlich auch für alle jene den septi- 
schen sehr nahestehenden Erkrankungen, vor Allem für Typhus, Ruhr, 
Pyämie und Cholera Gültigkeit haben. Es gäbe also eine „Hämitis". 
wenn auch nicht in dem früher gebrauchten Sinne. 

Nicht ohne Einfluss auf die Anschauungen über die Entstehung 
von Thromben sind Versuche von Baumgarten ^) gewesen, die Setiftleben. 
Baah und Böttcher wiederholt und bestätigt haben. Diese Versuche 
wurden bei Gelegenheit von Arbeiten über die sog. Organisation des 
Thrombus angestellt. Baumgarteii legte um Gefässe in einer gewissen 
Entfernung zwei Ligaturen und fand, dass die eingeschlossene Blutsäule, 
wenn die ganze Operation unter aseptischen Cautelen gemacht, und 
eine prima intentio eingetreten war, ausserordentlich lange flüssig blieb, 
ja überhaupt nicht gerann. Wir wissen, dass Brücke die Stase als 
ätiologisches Moment der Blutgerinnung beim Kaltblüter nicht, wohl 
aber bei dem Warmblüter als solches anerkannt hat. Die Resultate 
von Baiimgarteti ergänzen also gewissermassen die Brücke' sehen Be- 
funde, indem sie zeigen, dass in lebenden Gefässen auch beim Warm.- 
blüter, selbst in der Ruhe das Blut flüssig bleibt. 

Cohnlieim '^) . der diese Befunde von Baumgarten acceptirt, lässt 
in seiner Auffassung demgemäss die Blutstauung als eine directe Ver- 
anlassung zur Thrombenbildung fallen; nur meint er, dass sie doch 
indirect durch die weiteren Ernährungsstörungen, die die Blutstauung 
für die Gefässe bedinge, zur Thrombose führen könne ^). Als die 
Ursache der intravasculären Pfropfbildungen erscheint ihm wesentlich 
die Alteration der Gefässwand. Da in einer intacten Gefässwand das 
Blut flüssig bleibt, dies nun aber selbst in Capillaren geschieht, „so 
muss sich unwillkürlich der Gedanke aufdrängen, dass gerade in. 
letzteren das Endothel es ist, dessen Thätigkeit die Gerinnung des 



^1 BoMmgatieii, Die sog. Organisation des Thrombus. Leipzig 1878. 

'^') Cohnheim, Vorlesungen über allgemeine Pathologie. 1882. Thrombose 
und Embolie. S. 16.5—231. 

^) Man sieht leicht ein, dass diese Annahme sich gerade sehr wenig mit 
Baumgarten's Experiment verträgt. 



— 10 — 

Blutes verhindert". Hieraus würde sich unmittelbar ergeben, dass 
das Blut in den Gefässen so lange flüssig bleiben wird, so lange das 
Endothel intact ist und physiologisch functionirt, dass aber, wo und 
wann diese Bedingung nicht erfüllt ist, Gerinnung eintritt. So wird 
also jeder Fremdkörper, der in Berührung mit dem Blutstrome kommt 
und das häufigste, ein bereits vorhandenes Blutgerinnsel der Ausgang 
neuer Thromben sein, weil dort eben das Endothel fehlt. Selbst als 
Grund jener Throrabenbildungen , *bei denen die Stromverlangsamung 
offenbar zu Tage liegt und von Virckoiv als alleiniges ursächliches 
Moment direct angesprochen worden ist, bei der marantischen 
Thrombose, bei der Compressions- und Dilatationsthrombose, sieht 
Cohnheim in erster Linie einen Endotheldefect an, wenn er auch nicht 
leugnet, dass eine Stromverlangsamung oder gar Blutstockung das 
Zustandekommen der Gerinnung dann begünstige. 

Gegenüber den Anschauungen von Armin Köhler, der die Throm- 
bose im Wesentlichen als die Folge einer Constitutionsanomalie des 
Blutes betrachtet, und gegenüber denen von Cohnheim^ der auf die 
Endothelveränderung oder den Endotheldefect den Hauptnachdruck 
legt, haben wir in der Abhandlung v. Becklinghmisen' s ^) über die Pa- 
thologie des Kreislaufs eine Schilderung der Gefässverstopfungen, bei 
der das mechanische Princip wieder mehr zum Durchbruch gelangt. 
Die Versuche Baumgarten' s , auf die Cohnheim ein so grosses Gewicht 
legt, scheinen Recklinghausen nicht überzeugt zu haben. Er nimmt 
vielmehr an, dass das in doppelt unterbundenen Gefässen stagnirende 
Blut gerinne und kennt also eine Stagnationsthrombose. Die 
Häufigkeit der Thrombose nach einer Veränderung der Gefässwand 
erkennt er völlig an, aber er meint, dass man mit der Behauptung zu 
weit gegangen sei, dass schon die kleinsten Rauhigkeiten ein Haften 
des Blutes und alsbald Gerinnung bewirkten. Unter Umständen könnten 
die Veränderungen der Gefässwand recht grossartig werden, es könnten 
umfängliche Zerstörungen und Ulcerationen daran aufgetreten sein, 
ohne dass man Abscheidungen fände. „Auf den atheromatösen Ulce- 
rationen der Aorta, auf ihren abgelösten Rändern, auf den Kalkplatten 
der Arterienwandung, selbst wenn sie durch die atheromatöse Erwei- 
chung des einbettenden Gewebes fast ganz freigelegt sind, vermissen 
wir gewiss in der Mehrzahl der Fälle die Thrombose vollständig; selbst 
in wahren Aneurysmen, deren Innenfläche auch wohl jedesmal uneben 
buckelig, nicht selten mit Ulcerationen besetzt ist, fehlen die Gerinnungen 
lange Zeit gänzlich" ^). Derartige Stellen seien der Thrombose günstig, 
aber die Rauhigkeiten reichten allein wohl niemals aus, um Thrombose 
zu erzeugen, „so lange die Blutströmung energisch ist, so lange 
namentlich Hervorragungen die Strömung nicht alteriren". 
Ganz ähnlich verhält es sich mit den Thromben in den Erweiterungen 
des Gefässsystems, den Dilatationsthromben; auch in diesen Er- 
weiterungen tritt die Thrombose so inconstant auf, dass man unbedingt 
die Concurrenz mehrerer Bedingungen annehmen rauss. Bei der ma- 
rantischen Thrombose müsse, nach v. Recklinghausen^ neben den noch 
ungenauer bekannten allgemeinen Momenten (der Herzschwäche und 



^) Deutsche Chirurgie von Billroth und Lücke. 1883. Lieferung 2 u. 3. 
2) Op. cit. S. 126. 



— 11 - 

der Blutveränderung) jedenfalls auch eine Veränderung der Strom- 
kraft und eine plötzliche Dilatation der Blutbahn zusammentreffen. 
An jenen eigenthümlichen Prädilectionsstellen der marantischen Throm- 
bose lägen die Verhältnisse offenbar so, dass „die Strömung in den 
Wandschichten des Strombettes Wirbel" bilde. Dass diese 
Thrombose schliesslich auch in Folge von im Blute selbst erzeugten 
oder in das Blut gelangten Gerinnungserregern entstehen könne, leugnet 
Recklingliaiisen nicht, wohl aber meint er, dass man sich damit in das 
Gebiet der Hypothese begebe, da der Nachweis solcher Substanzen 
nicht möglich sei, einer Hypothese, die in Bezug auf die Fälle von 
spontaner Thrombose beim Menschen auf sehr schwachen Füssen stehe. 
In all diesen letztgenannten Arbeiten wird angenommen, dass 
die weissen Blutkörper zur Thrombose, ganz besonders zum weissen 
Thrombus, in der engsten Beziehung stehen. In den letzten Jahren 
sind hingegen diese Beziehungen in Frage gestellt worden. Mit der 
fortschreitenden Kenntniss der Histologie des Blutes hat man nämlich 
in den früher als nebensächliche Zerfallsproducte angesehenen und sehr 
verschieden beschriebenen „Körnerhaafen", die man bei mikroskopischer 
Betrachtung im Säugethierblute wahrnimmt, typische Elemente ent- 
deckt, dritte Formbestandtheile des Blutes neben den weissen 
imd rothen Blutkörpern. Durch Hayem und Bizzozero ist zuerst auf 
diese „Hämatoblasten" oder , Blutplättchen" die Aufmerksamkeit in 
höherem Grade gelenkt worden, und seit dieser Zeit sind sie der Gegen- 
stand wiederholter Discussionen gewesen. Die Eigenschaften dieser 
merkwürdigen Blutbestandtheile, ihre grosse Anzahl, ihre ausserordent- 
liche Hinfälligkeit gegen die geringsten Insulte, ihre grosse Tendenz 
unter einander und an Fremdkörper anzukleben — führen unmittelbar 
zu dem Gedanken, dass diese Elemente vielleicht weit mehr als die 
anderen und die bisher ins Auge gefassten weissen Blutkörper mit den 
so räthselhaften Processen der Blutgerinnung und Thrombose in einer 
Beziehung stehen. Thatsächlich ist ihnen auch sowohl von Hayem ^) wie 
von Bizzozero ^) in beiden Vorgängen eine hervorragende , geradezu 
specifische Rolle zugeschrieben worden. Bei der Blutgerinnung 
sollen sie — es hat dies besonders Bizzozero ausgeführt — indem 
sie sich rasch verändern, den Faserstoff wesentlich bilden, 
das Fibrinferment {A. Schmidt) hervorbringen, das Fibrin 
auf sich niederschlagen, radienförmig die Fibrinfäden von 
sich ausstrahlen, kurz den ganzen Process der Blutgerin- 
nung beherrschen. Bei der Thrombose sollen sie es sein, 
die an jedem intravasculären Fremdkörper, jeder lädirten 
Gefässwand zunächst haften bleiben, den primären Wund- 
verschluss vermitteln und den weissen Thrombus zusammen- 
isetzen. 



^) Einzelne Mittheilungen in den Comptes rendus de l'academie des sciences 
1882, 1883 u. 1884. 

2) Virchoiv's Archiv Bd. XC. 



12 — 



Capitel IL 

Die Blutplättchen beim Säugethier. 

Geschichtliches über die Blutplättchen — Vorkommen derselben im Aderlassblut — 
Vorkommen im strömenden Blut — Technik der Circulationsbeobachtung — Die 
Plättchen sind normale Blutbestandtheile — BeschatFenheit der normalen Plättchen — 
Veränderungen der Plättchen — Viscöse Metamorphose — Differenzirung in homo- 
gene und körnige Substanz — Chemische Reactionen — Die Blutplättchen der 
Säuger sind kernlos — Numerische Verhältnisse der Plättchen bei Gesunden und 

Kranken. 

Dass neben den rothen und farblosen Blutkörpern im Säugethier- 
blute noch andere körperliche Gebilde zu finden sind, ist eine schon 
lange bekannte Thatsache. Domie ^) beschrieb 1842 farblose Gebilde 
von ^/soo mm Grösse, bezeichnete sie als „globulins du chyle" und 
glaubte, wie der Name sagt, dass sie aus dem Chylus in das Blut 
ergossen würden. Zimmermann'^') nannte sie „Elementarbläschen", 
„Elementarkörperchen", Beale'-^) ^germinal matter" oder „Bioplasma- 
Körnchen". Dieselben farblosen Elemente finden Erwähnung in den 
Lehrbüchern von Henle^) und KöUiker^). In seinem bekannten Auf- 
satz über einen heizbaren Objecttisch und dessen Verwendung bei 
Untersuchung des Blutes kommt Max Schnitze ^) offenbar auch auf 
dieselben Elemente eingehender zu sprechen. Farblose, homogene 
Kügelchen von 0,001 — 0,002 mm Durchmesser, die seltener isolirt, 
meist durch feinkörnige Massen zu 3, 4, 30 und 100 vereinigt vor- 
kämen, seien ein constanter normaler Befund im Blute. Sie machten 
den Eindruck im Zerfall befindlicher Gewebstheile, und man könnte 
sie am ehesten für zerfallene weisse Blutkörper halten. Sie bestehen 
nach ihm aus einer dem Protoplasma der Zellen ähnlichen Eiweiss- 
substanz, in Wasser quellen sie, in verdünnter Essigsäure werden die 
Haufen sehr durchsichtig, wobei die grösseren Kügelchen scharfe Con- 
touren gewinnen, verdünnte Kalilauge zerstört sie, nach schnellem 
Trocknen aber werden sie weder von Alkohol noch Aether angegriffen. 
Bei der Blutgerinnung unter dem Deckglase ziehen viele Fäden durch 
die Körnchenhaufen hindurch, und es gewinnt oft den Anschein, als 
wenn die Gerinnung von den letzteren ausginge. 



') De l'origine des globules du sang, de leur mode de formation et de leur 
fin. Comptes rendus de l'acad. des sciences 1842. Tom. XIV. p. 366. 

■^) Zimmermann, Elementarköi-perchen des Blutes als Kunstproducte. Zeit- 
schrift für wissenschaftl. Zoologie Bd. XI. p. 344. Ruat's Magazin f. d. ges. Heil- 
kunde Bd. LXVI, 2. Heft. p. 174. Archiv für physiol. Heilkunde 1845. p.^65-165. 

^) Quarterly Journal of microscop. science 1868. Transactions of the micro- 
scop. soc. 1864. 

^) Henle, Anatomie des Menschen. 

■■) Kölliker, Gewebelehre 1863. p. 630. 1867. p. 629. 

^) Max Schnitze, Archiv f. mikroskop. Anatomie Bd. I. p. 38. 1865. 



— 13 — 

Von den Arbeiten \on Bettelheim '^)^ Lostorf er ^) und Nedivetski^), 
die farblose Körnchen im Blute gesunder, wie kranker Individuen er- 
wähnen, lässt sich nicht entscheiden, ob es sich bei ihnen um unsere 
dritten Formbestandtheile handelt; dies ist aber jedenfalls in den Mit- 
theilungen von Biess und Laptschinsky der Fall. Riess*) fand die „Zer- 
fallskörperchen" — er hält die Gebilde für Zerfallsproducte farbloser 
Blutkörper — sowohl bei acuten, wie bei chronischen Krankheiten im 
Blute, und Laptschinsky sah sie besonders zahlreich in einem Fall von 
tuberculöser Meningitis. 

Gegen die Ansicht, dass die farblosen Körnchen des Blutes 
Trümmer farbloser Blutkörper seien, wenden sich Osler-') und Schäfer , 
sie hielten die fraglichen Gebilde anfangs für Bacterien. Später gehen 
sie von dieser Auffassung wieder ab und betonen, dass sie auch im 
normalen Blute vorkommen, aber sie bestreiten auch dann noch eine 
Verwandtschaft mit den Leucocyten. 

Ebenso ist Ranvier ^) nicht der Meinung, dass die Körnchen mit 
den farblosen Blutkörpern etwas zu thun hätten. Er glaubt vielmehr, 
in ihnen Faserstoffmolecüle zu sehen, die Centren der Faserstoff- 
gerinnung des Blutes. Er findet sie sofort nach dem Aderlass schon 
vor und hält es für wahrscheinlich, dass sie sogar im circulirenden Blute 
als solche schon vorhanden seien, eine Ansicht, die also auf die An- 
nahme einer Blutgerinnung im lebenden, unversehrten Blute hinauskäme. 

Weit eingehender und umfassender als alle bisher genannten 
Pubücationen über den dritten Formbestandtheil des Blutes sind die 
von Hayem''). Er hebt besonders hervor, dass diese unregelmässigen 
Körnchenhaufen und Körnchen schon ganz unmittelbar nach dem Ader- 
lass im Blute zu sehen sind, und dass man sie im möglichst schnell 
untersuchten extravasculären Blute in ganz typischer Gestalt erblicken 
kann. Da er sie in einer Reihe von Untersuchungen an Säugethieren 
und speciell am Menschen nie vermisste und sie jedesmal sofort nach 
dem Aderlass im Blute fand , so hält er sie für normale Blutbestand- 
theile. Er beschreibt sie als blass-gelbliche, runde, biconcave, 1 — 5 [jl 
grosse Körper, die sich ausserordentlich rasch extravasculär verändern, 
und betrachtet sie, gestützt auf vermeintliche intermediäre Gebilde 
zwischen ihnen und den rothen Blutkörpern, als die Vorstufen der 
letzteren. Bei der Blutgerinnung unter dem Mikroskope sieht er von 
ihnen die Fibrinfäden ausgehen und glaubt, dass sie eine specifische 
Rolle bei der Blutgerinnung spielen, ohne jedoch diese Anschauung 
näher zu begründen. 

Bizzozero^) bestätigt 1882 zunächst den Befund der von Hayem 



\) Centi-albl. f. d. med. W. 1868. 345. 

-) Lostorfer, Ueber die specielle Untersclieidbarkeit des Blutes Sypliilitischer. 
Centralbl. f. d. med. W. 1872. 

^) Nedwetzki, Zur Histologie des Menschenblutes. Kleine, sich nach allen 
Richtungen hin bewegende Körperchen als constante Bestandtheile des normalen 
Menschenblutes. Centralbl. f. d. med. W. 1873. 

■*) Eiess, Zur pathologischen Anatomie des Blutes. Reichert u. Du Bois- 
ReymoncVs Archiv 1872. 237-250. 

^) Centralbl. f. d. med. W. 1873 u. 1874. Nr. 15. p. 258. 

^) Banvier, Traite technique d'histologie. 

') Archives de physiol. norm, et path. 1878 u. 1879. 

**) Virchow's Archiv Bd. XC. 



— 14 — 

beschriebenen typischen Gebilde im möglichst frisch untersuchten Säuge- 
thierblute, beschreibt dieselben dann ausführlich, wenn auch in einigen 
Punkten von Haijem abweichend, bezeichnet sie als -Blutplättchen" 
und liefert durch Beobachtungen am Mesenterium lebender Thiere den 
wichtigen Nachweis derselben im circulirenden Blute. Seine Ansicht, 
dass die Blutplättchen der integrirende Factor bei der Gerinnung des 
Blutes seien, sucht er durch eine Reihe von Experimenten zu stützen 
und betont schliesslich noch ihre hervorragende Betheiligung bei der 
Thrombenbildung. Diese letztere Rolle schrieb ihnen in seinen weiteren 
Untersuchungen auch Hayem ^) zu. 

Im Jahre 1879 hatte Norris ein drittes typisches Formelement 
im Blute beschrieben, welches für gewöhnlich unsichtbar (invisible 
corpuscle) sei und erst auf Tinction hin deutlich hervortrete , aber 
sowohl Hcujem^), wie Bizzozero^) sind darin einig, dass Xorris dabei 
nur gefärbte Stromata rother Blutkörper vor sich hatte. 

Der Umstand, dass von verschiedenen Forschern die Blutplättchen 
mit anderen Gebilden verwechselt oder gar nicht gefunden wurden, 
führte Laker ^) dazu, eine Reihe von Methoden zu veröffentlichen, die 
das Auffinden derselben wesenthch erleichtern sollten. Obwohl er 
ebenso wenig wie Hayem das Blut intravasculär untersuchte, hält er 
sie doch für präformirte Elemente. Von einem extravasculären Ent- 
stehen derselben aus anderen Blutkörpern, besonders aus den Leuco- 
cyten, konnte er sich nicht überzeugen. 

Ä. Schmidfs Schüler, Xicolai Hei/I'^), hat, als ihm die VeröflFent- 
Kchungen Bizzozero's über die Blutplättchen bekannt wurden, den schon 
früher von seinem Lehrer beschriebenen Körnerhaufen im extravascu- 
lären Pferde- und Hundeblut aufs Neue seine Aufmerksamkeit zu- 
orewandt. Er hat sie zwar nicht in der von Bizzozero seinen Blut- 
plättchen zugeschriebenen typischen Gestalt gesehen, aber er constatirt, 
dass die Körnchen besonders zahlreich nach Zusatz der von Bizzozero 
angewandten Methylviolett-Kochsalzlösung (1 : 37,5 : 5000) zum Blute 
aufträten. Er sieht in ihnen Zerfallsproducte der Leucocyten und 
glaubt, dass sie theilweise präformirt seien, da er sie kurz nach dem 
Aderlass schon findet. 

Rauschenhach^) ^ ein zweiter Schüler A. Schmidfs, wendet sich 
gegen die von Bizzozero behauptete specifische Fermentwirkung der 
Plättchen bei der Blutgerinnung. Die von letzterem für diese Be- 
hauptung ausgeführten Versuche erkennt er nicht als beweiskräftig 
an, spricht aber deshalb den Blutplättchen nicht jedes coagulative Ver- 
mögen ab, weil er das Ferment aus der Wechselwirkung von Proto- 
plasma und Blutplasma entstehen lässt und die A'oraussetzung nicht 



') Haijem, Gaz. medicale de Paris 1883. p. 12-5. Seance du 5 mars 1883. 
Comptes rendus 1882. 

'-) Haijem, Gaz. medicale de Paris 1883. p. 432. Seance du 6 aoüt. 

^) Bizzozero, Virchoiv's Archiv Bd. XC. p. 270. 

•*) Laker, Studien über die Blutscheibchen und den angeblichen Zei-fall der 
weissen Blutkörperchen bei der Blutgeiinnung. Sitzungsber. der k. Akad. zu Wien. 
III. Abth. LXXXVI. Bd. III. p. 173—202. 

"j Nicolai Heiß, Zählungsresultate betreffend die farblosen und die rothen 
Blutkörper. Dorpat 1882. 

*) Rauschenbach , Ueber die Wechselwirkungen zwischen Protoplasma und 
Blutplasma. Inaug.-Diss. Dorpat 1882. 



— 15 — 

von der Hand weist, dass die Blutplättchen protoplasmatische Sub- 
stanzen seien. Die Ausführungen Bizzozero's haben aber auch ihn 
nicht überzeugt, dass dieselben keine intra- und extravasculären Zer- 
fallsproducte der Leucocyten sind. 

Ein dritter Schüler A. Schmidt' s, Feiertag i), hält die Blutplättchen 
für die Trümmer der „rothen Körnerkugeln", die vor ihm schon 
Slevogt^) im Säugethierblute beschrieb. Diese rothen Körnerkugeln, die 
Semmer und A. Schmidt^) zuerst sahen, werden von diesen als den 
Leucocyten nahestehende Gebilde des Blutes und als die vermuthlichen 
Uebergangsstufen der weissen Blutkörper in die rothen aufgefasst. 
Feiertag versucht es am gekühlten Pferdeplasma durch Zählungen der 
Körnerkugeln und der freien Körner, die allmälige Auflösung der 
letzteren im Plasma zu erweisen. Auf die Frage ihrer Betbeiligung 
an der Blutgerinnung geht er nicht näher ein. 

Den Ausführungen von Nicolai Heiß und Rauschenbach schloss 
sich Weigert^) an. Durch die Versuche beider scheint ihm die hervor- 
ragende Rolle der Leucocyten bei der Blutgerinnung sicher gestellt 
und der Angriff Bizzozero's auf diese Lehre zurückgewiesen. Gregen- 
über den Beobachtungen Bizzozero's am circulirenden Blute macht er 
auf die zahlreichen Läsionen und Zerrungen aufmerksam, denen die 
Gefässe dabei ausgesetzt gewesen seien, und hebt hervor, dass auf 
diese Weise leicht so viele Zerfallsproducte weisser Blutkörperchen 
erzeugt werden könnten, dass auch das direct aus dem Herzen kommende 
Blut Trümmer solcher schon enthielte. Er vermuthet dann in den als 
typisch von Bizzozero geschilderten Elementen bloss fixirte intermediäre 
Producte der zerstörten farblosen Körper. 

Gleichfalls für Zerfallsproducte der Leucocyten, und zwar zum 
Theil für deren Kerne, glaubt Hlava^) die Blutplättchen halten zu 
müssen. Er hat sie auch intravasculär gesehen und nimmt ihre Prä- 
formation neben ihrer extravasculären Entstehung an. An der Blut- 
gerinnung betheiligen sie sich seiner Meinung nach unter normalen 
Verhältnissen nicht oder nur in höchst minimaler Weise. 

Auch Halla ^) bringt die Blutplättchen in näheren Zusammenhang 
mit den farblosen Blutkörpern, aber er bildet darin einen gewissen 
Gegensatz zu den letztgenannten Autoren, dass er gegen jede extra- 
vasculäre Entstehung derselben auftritt und nur eine intravasculäre 
annimmt. Diese Auffassung stützt er auf mikroskopische Blutunter- 
suchung kurz nach dem Aderlass und auf eine grössere Anzahl von 



^) Feiertag , Beobachtungen über die sog. Blutplättchen (Blutscheibchen). 
Inaug.-Diss. Dorpat 1883. 

^) Slevogt, Ueber die im Blute der Säugethiere vorkommenden Körnchen- 
bildungen. Inaug.-Diss. Dorpat 1883. 

^) A. Schmidt, Ueber die Beziehung der Faserstoffgerinnung zu den körper- 
lichen Elementen des Blutes. Theil II. Archiv für die gesammte Physik von 
Pflüfjer. Bd. XL p. 559 u. f. 

^) Weigert, Die neuesten Arbeiten über die Blutgerinnung, besprochen von 
Weigert, Fortschritte der Medicin 1883. Nr. 12 u. 13. 

^) Hlava, Die Beziehung der Blutplättchen Bizzozero' s zur Blutgerinnung 
und Thrombose. Ein Beitrag zur Histiogenese des Fibrins. Archiv für exper. Patho- 
logie 1883. 

^) A. Halla, Ueber Hämoglobingehalt des Blutes und die quantitativen Ver- 
hältnisse der rothen und weissen Blutkörper bei acuten, fieberhaften Krankheiten. 
Zeitschrift für Heilkunde Bd. IV. p. 198-251 und 331-379. 



— 1(3 — 

Befunden über quantitative Verhältnisse der Plättchen bei Gesunden 
und Kranken. 

Lavdowsky ^) schliesst sich wieder mehr an Bizzozero an. Er hat 
wie dieser die Blutplättchen intravasculär beobachtet und behauptet 
ebenso ihre specifische Thätigkeit bei der Blutgerinnung. 

Einen von dem Standpunkt dieser Forscher yerschiedenen, am 
meisten noch gewissen Anschauungen A. Schmidfs sich zuneigenden, 
hat Löivit in dieser Frage eingenommen. ISTach ihm sind die Blut- 
plättchen weder Zellen noch directe Zelltrümmer, sondern Globulin- 
ausscheidungen, die zwar aas den Leucocyten hervorgehen können, 
aber in diesen nicht ihre einzige Quelle haben müssen. Diese Globulin- 
plättchen lösen sich, so lange sie homogen sind, im Blutplasma bei 
Körpertemperatur und Behinderung der Fermententwickelung auf und 
kommen also normaler Weise überhaupt im circulirenden Blute nicht 
vor. Jedes coagulative Vermögen spricht er ihnen ab -). 

Äffanassiew ^) hat sich wieder mehr der Auffassung von Hayem 
genähert, und zwar speciell darin, dass er die fraglichen Gebilde zur 
Regeneration der rothen ßlutkörper in Beziehung gebracht hat. Xach 
diesem Autor können die rothen Blutkörper beim Erwachsenen auf drei 
verschiedene Arten sich bilden, und eine von diesen Bildungsweisen ist 
die aus Blutplättchen. Dies geschieht allerdings nicht so, wie das 
Hayem sich denkt, durch einfaches V^achsthum und chemische Um- 
wandlung der Zellsubstanz, sondern durch L'ebergang der Elemente in 
kernhaltige rothe Blutkörper, die dann später ihren Kern erst wieder 
verlieren. Ausser auf vermeintliche Beobachtung dieses IJebergangs 
im Knochenmarke stützt sich der Verfasser besonders auf quantitative 
Verhältnisse während oder nach pathologischen Processen. Auf die 
Blutgerinnung geht Affanissieiv nicht näher ein. 

Aus dieser kurzgefassten historischen Uebersicht geht hervor, 
dass die sog. Blutplättchen schon sehr häufig Gegenstand wissen- 
schaftlicher Betrachtung gewesen sind, dass aber die Ansichten der 
einzelnen Forscher über sie noch immer ausserordentlich differiren und 
in vielen Hauptpunkten in Extremen sich bewegen. In einem Punkte 
nur stimmen alle neueren Untersuchungen überein, nämlich darin, dass 
diese Gebilde im extravasculären Blute bei passender Untersuchung 
kurze Zeit nach dem Aderlass unter normalen Verhält- 
nissen stets zu finden sind. Man kann sich von diesem Factum 
leicht und ohne jede complicirtere Methode überzeugen, wenn man 
einen Stich in die Haut eines Menschen oder Thieres macht, einen 
kleinen Blutstropfen hervorpresst, mit diesem sofort ein Deckplättchen 
in Berührung brino-t und die an diesem haftende minimale Blutmenffe 



^) Lavdoiosky, Zur Frage nach dem dritten Formbestandfheil beim Blut des 
Menschen und einiger Thiere. Wratsch (Arzt) 1883. Nr. 11 — 1-5. (Russisch, uns 
nur aus Referaten in den .Jahresberichten über die Fortschritte der Anat. und Physiol. 
von ScJuralbe- Hoff mann 1883 bekannt.) 

-) M. Löwit, Beiträge zur Lehre von der Blutgerinnung 1. Mittheilung. -- 
Ueber das coagulative Vermögen der Blutplättchen. Sitzungsber. d. k. Akad. d. 
Wissensch. zu Wien. III. Abth. April-Heft 1884. Bd. LXXXIX. p. 270—307. 

^) Affnnassieir, Ueber den dritten Forrabestandtheil des Blutes im normalen 
und pathologischen Zustande und über die Beziehung desselben zur Regeneration 
des Blutes. Deutsches Archiv für Min. Medicin 1884. Bd. XXXV, III. u. IV. Heft, 
p. 217—2.53. 



— 17 — 

durch Auflegen des Plättchens auf den Objectträger in dünner Schicht 
ausgebreitet, sofort unter dem Mikroskope betrachtet. Mit Linsen von 
der Stärke Hartnack VII oder VIII. Ocular 3 wird es einem geschickten 
Beobachter jedesmal gelingen, jene kleinen zackigen; stark lichtbrechen- 
den Elemente aufzufinden, die von den übrigen geformten Bestand- 
theilen des Blutes sich wohl unterscheiden und gewöhnlich an den 
Stellen deutlicher hervortreten, an welchen die rothen Blutkörper spär- 
licher vorhanden sind. Durch häufiges Anfertigen von Präparaten dieser 
Art kann man bei besonders rascher Manipulation sich sogar schon 
davon überzeugen, dass diese zackigen Elemente sofort nach dem Blut- 
austritt weniger zackig, ja fast rund sind. Man nimmt am besten zur 
Abkürzung der Operationszeit die ganze Präparation in unmittelbarer 
ISlähe oder auf dem Tisch des Mikroskopes vor, stellt die Linse schon 
vorher annähernd ein. legt den Objectträger unter dieselbe, sticht den 
Finger an und fasst das Deckglas mit der Pincette. Wird dann der 
Blutstropfen ausgepresst, schnell, wie oben geschildert, aufgefangen imd 
ausgebreitet, so vergehen zwischen Blutaustritt und Beobachtung in 
der That kaum mehr als 10 — 15 Secunden. Man überzeugt sich aber 
bei diesem Experimente nicht bloss von der Existenz der Blutplättchen 
und von ihrem schnellen Zackigwerden, sondern auch von dem völlig 
unveränderten Aussehen fast aller rothen und farblosen Blutkörper, so 
dass keinesfalls ein massenhafter Zerfall des einen oder des anderen 
Elementes unter den Aagen des Beobachters sich vollzieht, und dass, 
wenn etwa die Blutplättchen einem solchen ihr Dasein verdanken, der- 
selbe jedenfalls zum allergrössten Theile innerhalb jener 10 — 15 Se- 
€unden stattgefunden haben muss, die bis zur Besichtigung des Blutes 
verstreichen. Die Operationszeit bei Behandlung des frischen Blutes 
noch mehr abzukürzen, erreicht man nicht. Von Hayem ist vorge- 
schlagen worden, das Blut unter dem Mikroskope in einen capillären 
Raum einströmen zu lassen, der durch Fixiren der Ecken eines Deck- 
glases auf dem Objectträger hergestellt ist. Diese Methode hat den 
Uebelstand, dass Mengen von Blutelementen am Deckglasrande zurück- 
gehalten werden und durch das rasche Einfliessen des Blutes in den 
capillären Raum die Beobachtung einzelner Elemente anfangs doch 
unmöglich gemacht wird. 

Um das Blut unmittelbar nach dem Austritt aus dem Körper 
mikroskopisch zu prüfen, giebt es noch einen anderen Weg, nämlich 
den, dasselbe sofort beim Hervorquellen zu fixiren und so die Möglich- 
keit weiterer Veränderungen auszuschliessen. Man hat hierzu schon 
lange «ine Reihe von Flüssigkeiten im Gebrauch, die ohne weitere 
Zerstörung und ohne Niederschläge im Plasma die einzelnen Zellen 
schnell erhärten sollen. 

Hiyem ') hat eine modificirte P.icm^'sche Flüssigkeit vorgeschlagen, 
die als wesentlichen Factor Sublimat enthält. Von anderen sind mehr 
oder weniger concentrirte Salzlösungen mit oder ohne Farbzusätze in 
Anwendung gebracht worden. Den besten Erfolg haben wir bisher 



') Archives de physiol. norm, et path. 11*^ S. T. V. p. 700. 

1. Destillirtes Wasser 200. 

2. Chlornatrium 1, 

3. Schwefelsaures Natron 5, 

4. Sublimat 0,5. 
Eberth und Schimmelbusch, Die Thrombose. 



— 18 — 

von der l^/oigen Osmiumsäure gesehen, deren Hayem sich schon 
bediente und die auch Laker besonders empfohlen hat. Ohne jeden 
Niederschlag im Plasma werden durch sie die einzelnen Blutbestand- 
theile fast ohne Aenderung ihrer morphologischen Charactere auf längere 
Zeit fixirt. Besonders gut gelingt dies, wenn man auf die vorher sorg- 
fältig gereinigte Haut des Fingers oder des rasirten Thierohres einen 
möglichst grossen Tropfen giebt und durch diesen mit einer feinen 
Nadel das Gefäss ansticht, so dass nur eine sehr kleine Blutmenge 
austritt. Man kann dann sicher sein, dass die Vermischung des Blutes 




Blutplättchen aus der Ohrvene eines jungen Hundes. Trockenpräparat, Färbung mit Methylviolett. 
Die rothen und die farblosen Blutkörper sind nicht in die Zeiclmung mit aufgenommen. System VITT. 

Ocul. 2. Hartnack. 



mit der Osmium säure eine sofortige und völlige ist und die Conser- 
virung sich gleichmässig auf alle Blutbestandtheile erstreckt. 

Eine zweite Möglichkeit der sofortigen Fixation der Blutelemente 
ist in der von Ehrlich besonders ausgebildeten Trockenmethode ge- 
geben. Am meisten haben wir das bequeme Verfahren angewandt, 
einen Blutstropfen mit einem Deckglase aufzufangen und denselben 
durch Auflegen und Abziehen eines anderen auszubreiten und dann 
schnell zu trocknen. Noch etwas rascher aber geht es, wenn man 



— 19 — 

wie Hayem den aufgefangenen Blutstropfen mit einem Glasstabe an- 
streicht oder, wie wir es auch gethan haben, durch Blasen oder eine 
rasche Schleuderbewegung mit dem Glase die Ausbreitung bewirkt (Fig. 1). 

Aber auch die Anwendung dieser beiden Methoden zeigt die 
Plättchen genau so, wie die Untersuchung des frischen Blutes, nur dass 
sie noch weniger zackig, ja fast ganz rund sind. Vor allen Dingen 
kann man sich aber auch hier nicht davon überzeugen, dass man das 
Stadium eines lebhaften Zerfalls irgend eines Blutelementes vor sich 
hat; im Gegentheil machen sowohl die weissen wie die rothen Blut- 
körper den Eindruck ganz intacter Elemente. Man sieht also die Mög- 
lichkeit eines vermutheten rapiden Untergangs irgend einer Zellart auf 
den Moment des Blutaustritts beschränkt und besonders bei der Fixirung 
in l"/oiger Osmiumsäure auf ein so verschwindendes Zeitmaass reducirt, 
dass das ganze Ereigniss einen geradezu explosiven Character an sich 
tragen müsste. 

Diese drei Untersuchungsweisen, des frischen, des getrockneten und 
des mit Osmiumsäure fixirten Blutes, die durch ihre übereinstimmenden 
Ergebnisse sich gegenseitig stützen, können dazu dienen, einige Fragen 
zu entscheiden, die sich jetzt von selbst stellen und darauf beziehen, 
ob äussere Verhältnisse, Kälte oder Wärme, oder Unterschiede der 
Blutart bei einem und demselben Individuum die geschilderten Befunde 
der Plättchen nicht schon beeinflussen. Unsere verschieden variirten 
Versuche haben hier stets ein und dasselbe Resultat ergeben. Wir 
haben bei einer Kälte von — 1 bis — 2*^ gearbeitet und mit einem 
auf Körpertemperatur imd höher temperirten heizbaren Objecttisch, und 
nie die Plättchen vermisst; ebenso haben wir arterielles, venöses und 
capilläres Blut untersucht und sie jedesmal gefunden. Selbst in Trocken- 
präparaten, die durch Eintauchen einer Deckglasspitze in das aus dem 
eröffneten Herzen eines im Augenblick vorher durch Kopfschlag ge- 
tödteten Pferdes, Kaninchens oder Hundes hervorspritzende Blut an- 
gefertigt wurden, waren dieselben ebenso massenhaft wie sonst vor- 
handen. 

Ist so zunächst die Thatsache festgestellt, dass die Plättchen nicht 
bloss überhaupt extravasculär im Blute vorkommen, sondern dass sie 
von Anfang an im Moment des Blutaustritts aus den Gefässen schon 
vorhanden sind, so ist damit ihr Vorkommen im strömenden Blute sehr 
wahrscheinlich gemacht und wohl auch häufig daraus geschlossen worden 
{Hmjem, Laker u. A.), aber noch nicht als bewiesen anzusehen. Die 
Möglichkeit einer explosiven Entstehung durch irgend einen Anlass 
im Augenblick des Blutaustritts muss immerhin zugegeben werden. 



Um nun aber überhaupt darüber Gewissheit zu erhalten, dass die 
Plättchen intravasculär unter Umständen vorkommen können und z.B. 
der Berührung des Blutes mit der Luft ihre Entstehung nicht ver- 
danken, kann man in ähnlicher Weise wie B/zzozero ^) einfach ein 
Stück Omentum oder Mesenterium eines laparotomirten Thieres ab- 
schneiden, dies unter indifferenter Kochsalzlösung feucht gehalten auf 
dem Objectträger ausbreiten und mit einer Wasserimmersion betrachten. 



Virchoiv's Archiv Bd. XC. p. 276. 



— 20 — 

Noch besser aber ist es und bei beabsichtigter längerer Untersuchung 
unumgänglich nöthig, dass man das Omentum oder Mesenterium des 
laparotomirten Thieres schnell auf den Objectträger legt, die noch 
feuchte Membran mit dem Deckglase bedeckt und mit glühendem 
Skalpell, um jede Blutimg zu vermeiden; in einiger Entfernung von 
dessen Rändern abtrennt. Ist ein solches Präparat gelungen, so kann 
man durch Umziehen mit Wachs und Lack ein Eintrocknen verhüten 
und es so längere Zeit conserviren. Bei guter und vorsichtiger Prä- 
paration erhält man sehr schöne Bilder, die das Blut dann unversehrt, 
die Plättchen rund und glatt zeigen. 

Das Mesenterium und Omentum von Säugethieren eignet sich zu 
Beobachtungen des strömenden Blutes in hervorragender Weise. Biz- 
zozero war es, der zuerst die Plättchen hier im circulirenden Gefäss- 
inhalt entdeckte. Man kann sich bei seiner einfachen Versuchs- 
anordnung — Lagerung des Thieres auf einer Glasplatte, Hervorziehen 
und Feststecken des Mesenteriums auf einem Korkring und Befeuchten 
mit indifferenter, lauer Kochsalzlösung — in der That leicht davon 
überzeugen, dass in den Gefässen nebeii den rothen und weissen Blut- 
körpern zahlreich das dritte Formelement zu finden ist. Obwohl dieser 
Befund in ziemlich unzweideutiger Weise für ein Vorkommen der 
Plättchen im normalen Blute spricht, so ist er von einigen Forschern 
{Weigert j Löivit) dennoch nicht als ein stricter BcAveis für die Prä- 
formation angesehen werden. Hauptsächlich wirft man dem Versuche 
Bizzozero's vor, dass er zwar die Existenz von Plättchen im strömen- 
den Blute zeige, nicht aber im normalen. Die grossen Zerrungen, 
denen die Gefässmembran ausgesetzt sei, wenn man sie aufspanne etc., 
und die baldige Abkühlung des immobilisirten Thieres und des beob- 
achteten Stromgebietes erlaubten es nicht, hier von normalen Verhält- 
nissen zu reden; es könnten unter diesen Umständen Trümmer farb- 
loser Blutkörper, Gerinnungsproducte u. a. in Masse entstehen. 

Es muss zugegeben Averden, dass bei den Versuchen von Bizzozero 
Zerrung und Abkühlung nicht vermieden sind. Die Abkühlung wird 
besonders recht bedeutend sein und das Aufträufeln einer erwärmten 
Kochsalzlösung auf das Mesenterium wird bei der starken Verdunstung, 
die hier statthat, sie wenig verringern. Frühere Beobachter der Blut- 
circulation haben auf sehr verschiedene Weise schon danach gestrebt, 
die Uebelstände der Abkühlung und Gefässzerrung möglichst zu ver- 
meiden. Stricker ^) und Burdon Sanderson, die gemeinsam arbeiteten, 
■ersannen einen sehr complicirten Apparat. Das Thier wurde auf eine 
Glasplatte gelagert, sein Mesenterium in einer an diese stossende flache 
Glasschaale auf dem Objecttisch des Mikroskopes ausgebreitet und durch 
warmes Wasser sowohl der Tisch als auch (mit Schläuchen) das Ob- 
jectiv geheizt. Um dann noch das Eintrocknen des Mesenteriums in 
der Glasschaale zu vermeiden, wurde ein, indifferente Kochsalzlösung 
haltender Tropfapparat mit grosser Mühe so regulirt, dass stets eine 
dünne Schicht der Lösung die Membran bedeckte und also nicht mehr 
zufloss als verdampfte. Schon Thoma -) macht darauf aufmerksam, dass 



^) Stricker, Mikroskopische Untersuchung des Säugethierkreislaufs. Wiener 
med. Jahrbücher 1871. 

2) Virchow's Archiv Bd. LXXIV. p. 360 ff. 



— 21 — 

auf diese Weise scliliesslich eine ganz concentrirte Kochsalzlösung das 
Mesenterium umspült. Er half diesem üebelstande dann dadurcli ab, 
dass er das Thier und den etwas erhöhten Objectträger auf eine schiefe 
Holzplatte setzte und nun indifferente Kochsalzlösung auf und an den 
Seiten ungehindert abfliessen liess. Schon vor ihm hatte Caton ^) durch 
einen seitlich verschiebbaren Tubus die bei der Durchmusteruno- des 
Objects durch seine Verschiebung verursachte Erschütterung und Zer- 
rung zu vermeiden gesucht. 

Abgesehen davon, dass es noch sehr fraglich ist, ob bei der 
starken Verdunstung der dünnen auf dem Mesenterium ruhenden 
Flüssigkeitsschicht, überhaupt bei diesen Versuchsanordnungen die Ab- 
kühlung völlig vermieden ist, so leiden doch alle diese Beobachtungs- 
methoden offenbar an dem Fehler, dass sie zwar die Stelle der Beob- 
achtung selbst möglichst vor Schädlichkeiten schützen, dass sie aber 
die auch noch ausserhalb des Abdomens gelegenen Theile des 
Mesenteriums ausser Acht lassen. Wir haben darum einer anderen 
Methode den Vorzug gegeben. 

Wir construirten einen 20 cm langen, 10 cm breiten und 5 cm 
hohen Blechkasten, in dessen Boden eine Glasscheibe eingesetzt Avar. 
Dieser Kasten trug auf der einen Seite in der Nähe des oberen Randes 
eine Abflussöffnung, so dass einströmendes Wasser den Kasten zwar 
bis zum Rande füllen konnte, aber nicht überlief. Der Kasten wurde 
dann durch einen continuirlich auf gleicher Temperatur befindlichen 
grossen' Behälter mit Kochsalzlösung von 0,75 "o gespeist. Durch ge- 
naue Temperirung des grossen Behälters und Regulirung des Koch- 
salzzuflusses kann man leicht eine constante Wärme des Kochsalzbades 
erhalten. Ist dies erzielt, so wird das narkotisirte oder gefesselte Thier 
mit starkem breitem sog. Guttaperchapapier fest umwickelt, so dass 
Kopf und Extremitäten völlig bedeckt sind und dasselbe durch einige 
Schnüre zusammengehalten. Nun wird etwas seitlich von der Gegend 
der Linea alba dm-ch das Guttapercha bis auf das Peritoneum in einer 
Länge von 2 — 3 cm incidirt. Dann kommt das Thier in das Salzbad, 
so dass die über die Schnauze und über die Extremitäten überragende 
Emballage auf den Rändern des Kastens ruht und die Kochsalzlösung 
nicht direct das Thier selbst umspült und so verunreinigt wird. Im 
Kochsalzbad eröffnet man nun die Bauchhöhle vollständig und bringt 
durch sanften Druck auf das Abdomen eine Darmschlinge zum Prolaps: 
bei Meerschweinchen kann man noch bequemer sanft das vorliegende 
Omentum majus hervorziehen. Diese extraperitoneale Membran wird 
dann auf einen allseitig gut geschliffenen, durch einen Korkrahmen 
etwas über den Kastenboden erhobenen Objectträger gelagert und mit 
zwei Nadeln ohne jede Gefässverletzung an den Kork festgesteckt. 
Dann wird der ganze Blechkasten mit einem Boden von Spiegelglas 
auf den Tisch eines Mikroskopes gesetzt und mit immergirendem Ob- 
jectiv das Gefässgebiet unter der indiff'erenten Kochsalzlösung betrachtet. 
Es kamen hierfür theils die Seiherf sehen Immersionen VI, VII. VIII, 
als auch die Tauchlinse X Hartnack in Anwendung. 

Wie schon die Dimensionen des Kastens verrathen, wurden hierzu 
nur kleinere Thiere. nicht über 300 — 500 g. verwandt, und zwar 



') Citirt nach Thoma, Virchotc's hxohxw Bd. LXXIY. p. 360. 



— 22 — 

Meerschweinchen und junge Kaninchen. Bei grösseren Exemplaren 
(und Hunden) wurde in einen entsprechend grösseren Kasten nicht nur 
das Thier, sondern auch das ganze Mikroskop in Kochsalzlösung ge- 
setzt und durch dieselbe hindurch das Licht zur Objectdurchleuchtung 
bezogen, doch steigen mit der Grösse des Thieres die Schwierigkeiten 
ganz beträchtlich. Die Thiere wurden meist mit Chloral narkotisirt; für 
kleinere Thiere genügen 2 — 3 g 5°/oiger Chlorallösung ; nur bei Kanin- 
chen kann man auch ohne jede Narkose bei passender Fesselung arbeiten. 

Bei dieser Beobachtungsweise des strömenden Blutes ist jeden- 
falls die Abkühlung vermieden und bei einiger Vorsicht in der Prä- 
paration die Zerrung der Gefässe auf ein Minimum reducirt. Da man 
nun hier die Blutplättchen ebenso sehen kann wie ohne diese besonderen 
Massnahmen, so wird der Einwand, dass Abkühlung und Zerrung sie 
erst hervorbrächten, zurückzuweisen sein. 

Der Gedanke, das strömende Blut ganz ohne künstliche Vorrich- 
tungen, also unter unzweifelhaft normalen Verhältnissen, einer Betrach- 
tung zu unterziehen, liegt bei der Frage nach der Präformation der 
Blutplättchen sehr nahe. Leider ist die Ausführung desselben um so 
schwieriger. Es sind zwar schon zahlreiche Circulationsbeobachtungen 
an Gefässgebieten vorgenommen worden, die beim Säuger der directen 
Untersuchung ohne Operation etc. zugänglich .sind. Wir erwähnen hier 
nur die Studien an der Palpebra tertia (Baiser), an der Flughaut der 
Fledermäuse, an der menschlichen inneren Lippenschleimhaut (Hueter), 
an der Conjunctiva palpebrarum et bnlbi, an den Ohren albinotischer 
Kaninchen (Smnuel) und Mäuse (Lö/vit). Die Resultate aller dieser 
Versuche sind aber im Ganzen sehr spärliche gewesen, weil die Haupt- 
sache bei der Circulationsbeobachtung , das genaue Erkennen der ein- 
zelnen Blutelemente, wegen der die Gefässe bedeckenden Epidermis- 
schichten, Pigment- oder Fettmassen, resp. Haare, unmöglich oder 
wenigstens nur in sehr beschränktem Grade möglich ist. Die Blut- 
plättchen sind unter diesen Verhältnissen wegen ihrer Kleinheit, Zart- 
heit und Farblosigkeit gar nicht zu sehen. Am meisten Beachtung 
von den genannten Objecten verdient noch der Fledermausflügel. Hier 
war Bizzozero so glücklich, ein Thier mit wenig Pigmentablagerungen 
zur Verfügung zu haben und bei diesem auch die Blutplättchen in 
den Gefässen zu erblicken. 

Die Forscher, welche die Blutplättchen als normale Blutbestand- 
theile nicht anerkennen wollen, betrachten sie als Gerinnungsproducte 
oder Zerfallstrümmer der rothen oder meist der farblosen Körper. 
Unser Bestreben war es nun, solche Trümmer etc. im Blute zu er- 
zeugen, das Blut chemisch und mechanisch zu insultiren; wir haben 
den Process des Absterbens des Blutes zwischen Deckglas und Object- 
träger genau verfolgt; haben das Blut mit den verschiedensten Re- 
agentien behandelt, haben Hunden und Kaninchen deletäre Stoffe, wie 
Wasser, Toluylendiamin, Pyrogallussäure etc., infundirt, ohne dass wir 
uns je davon hätten überzeugen können, dass dabei Blutplättchen 
massenhaft entstanden wären. 

Nehmen wir alle diese Befunde zusammen, so können 
wir wohl sagen, dass die Blutplättchen sicher normale Blut- 
bestandtheile sind. 



— 23 — 

Die unversehrten Blutplättclien sind im strömenden Blute dünne 
platte, farblose Scheiben, die zwar homogen erscheinen, aber nicht oder 
nur wenig glänzen. Es könnte bei Circulationsbeobachtungen so scheinen, 
als ob sie zum Theil oval seien, in der That aber sind sie runde 
Scheiben und täuschen nur bei einer Schrägstellung die ovale Form 
vor (Fig. 2), Die Grösse der Plättchen ist sehr verschieden. Meist 
sind sie dreimal kleiner als die rothen Blutkörper, 
doch finden sich auch häufig solche, die kaum ein ^^S- '^• 

Fünftel des Durchmessers der letztgenannten haben, ,t>^, 

und manche erreichen nahezu die Grösse kleiner _^ 

rother Blutkörper. Wie Bizzozero konnten wir uns ^ _ ^, 

nicht davon überzeugen, dass die Blutplättchen '•■t^ -' t. — <5 

, deutlich biconcav" wie etwa die rothen Blutkörper ßi^^tpiättchen innerhalb 
sind, und glauben wie jener Forscüer, dass die von der Gefässe in völlig 
Hayem und Laker hervorgehobene angeblich aus- fnund^!' av™ud. Fläche, 
gesprochene Delle auf die mehr oder weniger fJ^^eiSi^nlrtlSn' 
künstlichen Verhältnisse zurückzuführen ist, die Ocui. 3. Nach dem m- 
beide bei ihren Beobachtungen herstellten. Wir ^™^ °V'össert^^ 
haben bei Anwendung der Hai/ em'' sehen Conser- 
virungsflüssigkeit für das Blut (Sublimatsalzlösung) in der That ab 
und zu den Eindruck einer ausgeprägten Biconcavität erhalten; Bizzo- 
zero will dasselbe bei Anwendung concentrirter Salzlösungen , Löimt 
im Blute von Hunden nach Peptoninfusion bemerkt haben. Eine 
gelbliche oder grünliche Färbung des Plättchens, die Hayem als vom 
Hämoglobingehalt herrührend beschreibt, vermochten wir gleichfalls 
nicht zu constatiren; auch intravasculär konnten wir an einzelnen so- 
wie, was besonders hervorgehoben werden muss, an Häufchen zusammen- 
liegender Plättchen nur jenes mattgraue Colorit wahrnehmen, welches 
a,uch die sog. farblosen Blutkörper besitzen. Wir befinden uns in 
diesem Punkte übrigens in Uebereinstimmung mit fast allen neueren 
Autoren. 

Es ist die characteristische Eigenschaft der Plättchen, ihre nor- 
male Gestalt auf die scheinbar geringfügigsten Insulte hin zu verändern. 
In welcher Art man sich die Einleitung zu dieser Defiguration zu 
denken hat, welches die eigentlichen Ursachen derselben sein könnten, 
das sind Fragen, die jedenfalls sehr weit führen und die vielleicht auf 
eine Discussion der complicirten vitalen und letalen Erscheinungen des 
Protoplasmas hinauslaufen würden. Jedenfalls möchten wir davor 
warnen, hier an irgend eine specifische Ursache zu denken. So können 
wir nicht der Meinunor von Löwit uns anschliessen, dass die Alteration 
der Plättchen im Blute mit der Gerinnung in Zusammenhang zu bringen 
sei und auf Kosten des sog. Fibrinfermentes von A. Schmidt in letzter 
Instanz gesetzt werden müsse. Wir haben häufig genug, besonders 
intravasculär und extravasculär , auch im Lebervenenblut schon stark 
veränderte und granulirte Elemente gesehen, wo an eine Gerinnung 
noch gar nicht zu denken war, und umgekehrt fanden wir, worauf 
wir später noch ausführlicher zurückkommen werden, sehr gut er- 
haltene Plättchen dicht auf oder sogar in Gerinnseln. Auch die Ein- 
wirkung der Luft ist es nicht allein, welche die Blutplättchen verun- 
staltet, denn wenn dies auch extravasculär so sein könnte, so sieht man 
doch in den Gefässen bei Berieselung mit Salzwasser, wo jeder directe 



— 24 — 

Luftzutritt ja ausgeschlossen ist, die Plättchen unter Umständen ganz 
in der gleichen Weise defigurirt. 

Interessant ist es, die Widerstandsfähigkeit der Blutplättchen mit 
der der anderen Elemente des Blutes zu vergleichen. Extravasculär 
sieht man ihre Alteration derjenigen der farbigen und farblosen Blut- 
körper vorausgehen. Intravasculär ist dies ab und zu anders. So ge- 
lang es uns in einigen Präparaten, die wir auf die früher angegebene- 
Weise durch Ausschneiden von Stücken aus dem Mesenterium des 
Kaninchens gewannen, das Blut intravasculär selbst zwei Tage lang 
bei Zimmertemperatur zu beobachten. Kurz nach Anfertigung der 
Präparate waren die rothen Blutkörper ziemlich gleichraässig in den 
Gelassen vertheilt; in mittelgrossen, circa 0,01 mm breiten Arterien- 
stämmchen, die wir besonders ins Auge fassten, lagen sie dicht zu- 
sammen und Hessen in ihren spärlichen Zwischenräumen nur wenig^ 
Blutplättchen sichtbar werden. Die weissen Blutkörper befanden sich 
mehr in der Nähe der Gefässwand. Etwa ^/^ Stunde später hatten sich 
die rothen Blutkörper zu den bekannten Geldrollen zusammengelegt 
und zeigten nun in den grösser gewordenen Zwischenräumen auf das 
Schönste die zahlreichen intacten Plättchen. Meist standen diese auf 
der Kante, aber ein geringer Druck mit der Präparirnadel auf da» 
Deckglas genügte, um sie beliebig hin und her zu wenden. Die Leuco- 
cyten wanderten inzwischen durch die rothen Blutkörper hindurch und 
trotz der verhältnissmässig niederen Temperatur von 16 '^ waren ihre 
Bewegungen so lebhaft, dass sie innerhalb 10 Minuten oft das ganze 
Gefäss schräg durchmessen hatten. Gegen Abend des ersten Tages 
begannen einzelne rothe Blutkörper zackig zu werden, und am zweiten 
Tage waren es fast alle mehr oder weniger. Die Geldrollenform löste 
sich dadurch etwas, aber immer blieben die rothen Blutkörper noch 
dicht zusammen liegen. Am dritten Tage wurden schliesslich einige 
kugelig und verloren ihr Hämoglobin. Damit endete, wie das in den 
meisten unserer derartigen Präparate schon weit früher sonst geschah, 
die Beobachtung; eine intensive Röthung des Plasmas machte jede ge- 
nauere Verfolgung weiterer Veränderungen unmöglich und Hess nur nach 
4 — 5 Tagen die wandernden Leucocyten hier und dort sichtbar werden. 

Wir wollen dann ferner erwähnen, dass wir bei subcutaner In- 
jection von Mitteln, die notorisch die rothen Blutkörper zerstören, so 
z. B. bei hochgradiger Toluylendiaminintoxication, eine ganz exquisite 
Alteration fast aUer rothen Blutkörper bemerkten, ohne an den Plätt- 
chen, die wir intravasculär und im circulirenden Blute sahen, etwas 

von der Norm Abweichendes constatiren zu 
^^8'- ^- können. Immerhin sind diese Befunde als 

, Ausnahmen anzusehen; fast in allen Fällen 

^^ „ erscheinen die Blutplättchen als die weitaus- 

^^ ^ labilsten Elemente des Blutes. 

Sind die Anlässe zur Plättchenaltera- 
Fiisch aus den Gefässen entleertes tiou offenbar Sehr verschiedenartig, so zeigt 

Blut des Menschen, a rothes Blut- ,. n i • ■ • i.. ^• 

liöll3ercllen,b^undliclle,lDereitsetwas diese selbst mtra- wie extravasculär die 

"'"'^Ton^Äacfit' oSfT'" gleichen Verhältnisse. Die Plättchen werden 

zunächst höckerig, zackig, sie schrumpfen 
etwas und schon Laker hat diesen Vorgang passend mit der stern- 
förmigen Defignration der rothen Blutkörper verglichen (Fig. 3b, 4b, c). 




— 25 — 

Aum. Die kleinen Zacken des veränderten Plättchens machen, in der Rich- 
tung ihrer Achse gesehen, den Eindruck von Körnern und lassen so zerstreute 
Granula auf der homogenen Masse erscheinen. Bizzozero hat dies wohl gesehen, 
wenn er sagt, dass die Blutplättchen aus einer blassen Substanz gebildet seien, in 
der spärliche Kömchen zerstreut lägen {Virchow's Archiv Bd. XC. p. 280). Wir 
möchten wie Hayem und Laker dies schon als eine Veränderung der ursprünglich 
homogen erscheinenden Plättchen ansehen. 

Grleichzeitig tritt eine bedeutende Erhöhuno- des Lichtbrechungs- 
vermögens, ein stärkerer Glanz auf und die characteristische Erschei- 
nung — eine enorme Klebrigkeit. In dem Zusammenballen der Plättchen 
zu grösseren und kleineren Haufen und dem Anhaften an den ver- 
schiedensten Körpern, z. B. dem Deckglase, findet dieselbe ihren Ausdruck. 
Die Festigkeit; mit welcher die Plättchen adhäriren, ist so beträcht- 
lich, dass es weder gelingt, ein am Deckglas angeklebtes Conglomerat 

Fig. 4. 





Plättclien aus Huudeblut. Blut in dünner Schicht auf dem Deckglase an der Luft langsam ge- 
trocknet. Methj'hiolettfärhuug. a rothes Blutkörperchen , b zackige Plättchen , c an einander 
haftende Blutplättchen, d weiter differenzirte Plättchen mit deutlicher, centraler, stark tingirter 
und peripherer, ungefärbter Substanz. Oelimmersion Hartnack II, Ocul. .5. Nach dem Mikroskop- 
bild etwas vergi'össert. 

durch Stösse auf dasselbe wieder in seine Elemente zu zertheilen, noch 
möglich ist, isolirte Plättchen durch einen selbst kräftigen Strahl in- 
differenter Kochsalzlösung so ohne Weiteres davon abzuspülen. 

Die klebrige Veränderung der Blutplättchen — viscöse Meta- 
morphose wollen wir sagen — ist etwas ganz Anderes als die Alte- 
ration der anderen Blutkörper. Die rothen Blutkörper zeichnen sich 
beim Säuger speciell durch ihre ausserordentlich geringe Tendenz zu 
irgend welcher Verklebung aus. Auch sie sind ja recht i^^-^^ällige 
Elemente, und bei geringen schädlichen Einflüssen sieht man sie maul- 
beerförmig werden, zackig, kugelig etc., aber in keinem Stadium dieser 
Veränderungen haben sie eine Vorliebe, an Fremdkörpern anzuhaften 
oder unter einander zu verschmelzen. 

Man ist gewöhnt, die Leucocyten als „klebrige" Elemente zu 
bezeichnen. Es ist ja in der That richtig, dass man sie häufig an 
irgend einem körperlichen Gebilde, an dem Deckglas, an Gefäss- 
wänden etc. festsitzend findet. Aber mit einer einfachen Klebrigkeit 
im gewöhnlichen Sinne des Wortes haben wir es hier nicht zu thun. 
wie schon Lavdonsky ^) treffend erwähnt. Unter gewissen günstigen 

1) Virchoivs Archiv Bd. XCVIII. 



— 26 — 



Fig. 5. 



Bedingungen sehen wir den am Deckglas haftenden Leucocyten weiter 
wandern und den an der Gefässwand sitzenden durch diese hindurch- 
gehen. Da sich nun auf der anderen Seite aber ein im Plasma suspen- 
dirter Leucocyt nicht in gleicher Weise bewegt, sondern stets kugelig 
in dieser Flüssigkeit schwebt, so erscheint die Berührung mit Fremd- 
körpern geradezu als der nötbige erste Anstoss zur Aeusserung der 
Locoraotion. Das „Kleben" der Leucocyten erfolgt auf einen Reiz hin, 
den ein fester Körper auf ihr Protoplasma äussert, und ist in diesem 
Sinne ein vitaler Process. 

Die Verschiedenheit in der Empfindliclikeit und der Art der Ver- 
änderung tritt bei den drei jetzt bekannten Blutelementen schon 
gelegentlich einer einfachen mikroskopischen Unter- 
suchung frischen Blutes deutlicb hervor. Die Plättchen 
sind da bald alle am Deckglas und Objectträger an- 
geklebt, die Leucocyten beginnen umherzukriechen, und 
die rothen Blutkörper flottiren in den capillären Flüssig- 
keitsströmen im Plasma hin und her, bis sie sich zu 
den eigenthümlichen , Geldrollen " zusammengelegt 
haben. Noch deutlicher lassen sich diese Verhältnisse 
machen, und noch flagranter wird die ausserordentliche 
Viscosität der Plättchen demonstrirt, wenn man eine 
Arterie anschneidet und in das spritzende Blut für 
einen Augenblick ein Büschel Zwirn oder besser Glas- 
wollfäden taucht und diese nun in einer die Blut- 
elemente gut conservirenden Flüssigkeit, also etwa in 
1*^/0 iger Osmiumsäure oder Bizzozero's Methylkochsalz- 
lösung abspült. Betrachtet man dann die Fäden unter 
dem Mikroskope, so findet man darunter eine ganze 
Anzahl, an denen bloss Blutplättchen, die nur 
die ersten Stadien ihrer Veränderung aufweisen, kleben 
(Fig. 5). Andere zeigen auch schon anhaftende Leu- 
cocyten, einzelne auch zwischen den Blutplättchen 
eingeschlossene rothe Blutkörper. Es ist dies alleinige 
oder jedenfalls vorherrschende Ankleben der Plättchen, 
wie es in diesem Versuch hervortritt, ganz besonders 
beachtenswerth. Wir werden sehen, welche grosse 
Rolle diese viscöse Veränderung der Plättchen bei 
gewissen pathologischen Verhältnissen des Kreislaufs 
spielt. 

Wird nun ein am Deckglas angeklebtes, zackiges, 
stark lichtbrechendes Plättchen bei gewöhnlicher Blut- 
untersuchung weiter in seinen Veränderungen verfolgt, 
so bemerkt man, wie der anfangs ganz gleichmässig 
vertheilte Glanz auf eine nicht immer central gelegene 
Partie sich reducirt und die peripheren Theile matter, 
blasser und etwas vergrössert erscheinen. Diese homo- 
genen bis feinkörnigen peripheren Massen sind offen- 
bar äusserst weich und dehnbar. In grösseren Plättchen- 
haufen verschmelzen sie scheinbar und bilden einen 
gleichmässigen Klumpen, in dem die glänzenden Partien wie Körner 
eingelagert sind (Fig. 6). 



T~~cc 



a G-lasfaden, für 
einen Augenblick in 
den Blutstrahl einer 
angeschnittenen Ca- 
rotis(Hund) gehalten 
und sofort in Methyl- 
kochsalzlösung ab- 
gespült, b Blutplätt- 
chen. System VIII 
Hartnack, Ocul. 3. 



27 



bei lebhafteren Strö- 
Sebr auffallend ist es, 



•#:. 



Blutplättchen und Plättclieuhaufen aus frischem Menschen- 
blut, ersteres mit seinen Formveränderungen nach 5 Min. 
Centrale, grobkörnige Masse — periphere, feinköraige 
bis homogene. Oelimmersion Hartnack II, Ocul. 3. Nach 
dem Milu'oskopbild vergrössert. 



Wenn diese homogenen Massen vor Ausscheidung des Faserstoffs 
auftreten, so sind sie mehr rund oder polygonal, erscheinen dann nach 
derselben exquisit zackig und wie von den angelagerten Fibrinfädchen 
verzogen, so dass das Ganze den Eindruck macht, als wenn die Fibrin- 
fädchen die directen Fortsätze der Plättchenzacken wären (Fig. 7). Eine 
Anzahl von Forschern hat auch dahin gehende Ansichten geäussert, 
und wir werden genöthigt sein, später noch einmal ausführlicher 
darauf zurückzukommen. 

Die periphere Flättchenmasse wird auch 
mungen unter dem Deckglase vielfach defigurirt. 
dass man manchmal an den sternförmigen Plättchen mit den schärfsten 
Linsen einen deutlichen Wechsel der einzelnen Fortsätze bemerkt. 
Es zieht sich ein Strahl etwas ein, ein anderer streckt sich mehr 
aus und spitzt sich zu, und 

so wechselt in kurzer Zeit Fig. 6. 

das Bild. In Fig. 6 sind / . , 

drei verschiedene solche 
Stadien eines Blutplättchens 
wiedergegeben . welche in- 
nerhalb fünf Minuten zur 
Beobachtung kamen. Hayem 
hat auch schon Aehnliches 
bemerkt und kurz erwähnt. 
Wir möchten wie Hayeni 
in diesem Formenwechsel 
nicht gerade amöboide Be- 
wegungen sehen , sondern 
sind mehr geneigt, unter Be- 
rücksichtigung der grossen 
Weichheit und Dehnbarkeit 
der homogenen Plättchen- 
substanz diese Veränderun- 
gen auch in äusseren mecha- 
nischen Ereignissen, wie Fi- 
brinanlagerungen und Flüs- 
sigkeitsströmen zu suchen. 

Dies ganze Auftreten 
der homogenen bis feinkör- 
nigen peripheren Massen ist, wie alle Veränderungen des Plättchens, 
keineswegs ganz gleichmässig. Unterschiede sowohl in der Erschei- 
nungszeit, als in der Erscheinungsweise sind sehr häufig. Es giebt 
Plättchen, die sich so scharf in die beiden Substanzen scheiden, dass 
die grobkörnige, glänzende wie, ein Kern in der feinkörnigen zu liegen 
scheint (Fig. 6), und wieder andere, bei denen man Mühe hat, über- 
haupt von dem ganzen Vorgange etwas Deutliches wahrzunehmen 
und die einfach feinkörnig aussehen (Fig. 7). Dasselbe beobachtet man 
an grösseren Plättchenhaufen, die sich theils als glattere, feinkörnige 
Klumpen präsentiren, theils eingelagerte Körner zeigen. 

Durch verdünnte Salzlösungen, Wasser und verdünnte Essigsäure 
werden die Plättchendifferenzirungen äusserst rapide und hochgradig 
erzeugt. Besonders Wasser und verdünnte Essigsäure quellen dabei 



'\* 



Fic 



'•r 



Plättchen aus frischem Menschenblut nach bereits be- 
gonnener Fibrinabscheidung ; die Plättchen sind durch 
anhaftende Fibrinnadelu verzogen. Die Differenzirung in 
homogene periphere und körnige centrale Substanz ist 
hier nicht gut wahrzunehmen. Oelimmersion Hartnack II, 
Ocul. 3. Nach dem Mikroskopbüd vergrössert. 



— 28 — 

die äusseren homogenen Partien sehr stark und bilden tropfenähnliche 
Gebilde aus ihnen. Auch nach der Faserstoffabscheidung tritt auf 
Wasser und verdünnte Essigsäure dies Quellen noch ein, und der ein- 
zige Unterschied, den man dann bemerkt, beruht darin, dass, während 
vor dem Auftreten der Faserstofffäden die äussere mattere Substanz 
eines Plättchens gewöhnlich zu einem grösseren Tropfen anquillt 
(Fig. 8), nach demselben mehrere kleinere sich zeigen und so die 
homogene Substanz wie zerschnitten erscheint (Fig. 9). 

Merkwürdiger Weise ist auch im unvermischten Blute, allerdings 
sehr verschieden, oft nach ^/4, oft nach 5 — 6 Stunden dies Anquellen 
der homogenen peripheren Plättchenmassen vorhanden. Wenn man 
Plättchenhaufen im Blute unter dem Deckglase eine Zeit lang beob- 
achtet, so sieht man am Rande jene kreisrunden, matten Bläschen, in 
den mehr centralen Partien vacuolenartige Grebilde später eigentlich 
regelmässig erscheinen. Früher und deutlicher tritt die ganze Er- 

Fiff. 8. 



Plättchen aus frisch entleertem Blut, mit viel verdüüuter Essigsäure geschwemmt. Oelimmersion 

Hartuack 11, Ocul. 4. 



Fig. 9. 



/r\ 



Lzir^. W) r^ -.Ä 



Yeräuderte Plättchen nach Faserstoftahscheiduug (ifo Stunde nach Entleerung des Blutes aus den 
Gefässen) mit Essigsäure behandelt. Oelimmersion Hailnack IT, Ocul. 4. 

scheinung im sog. Peptonblute ein, d. h. jenem Blute, welches kurze 
Zeit nach einer Peptoninfusion einem Hunde entzogen wurde. 

Man muss sich bei allen diesen Untersuchungen davor hüten, 
diese tropfenartigen Elemente mit Theilstücken von Stromata rother 
Blutkörper zu verwechseln. Diese Gebilde sind schon im unvermischten 
Blute auf dem Objectträger zu finden, treten aber ganz besonders 
reichlich nach gewissen Zusätzen auf. Haben sich diese Stromata an 
die klebrigen Plättchen angelegt, so ist es nachher fast unmöglich, 
sie 31oss nach dem optischen Eindruck von der gequollenen homo- 
genen Plättchensubstanz zu unterscheiden. Oft verlieren nämlich 
diese Stromata gänzlich ihr Hämoglobin, und ab und zu wiederum 
sind die homogenen Tropfen deutlich mit Blutfarbstoff gefärbt. Chemisch 
beide aus einander zu halten, ist bei der Schwierigkeit der Reactionen 
auf corpusculäre Blutbestandtheile oft auch nicht möglich. Ein ganz 
sicheres Urtheil gewinnt man jedoch, wenn man die Genese beider 
Elemente berücksichtigt und einerseits das Anquellen der homogenen 
Substanz, das successive Wachsen des kleinen Tropfens um das 5- bis 



— 29 — 

lOfache, und dann andererseits das Ankleben des Stromas verfolgt 
hat. In analoger Weise muss man die gar nicht selten an die ver- 
änderten Blutplättchen angeklebten sonstigen körnigen Blutbestand- 
theile von der körnigen Substanz des differenzirten Plättchens scheiden. 

Um die chemischen Charactere der Blutplättchen präciser fest- 
zustellen, kann man Reactionen mit ihnen entweder in der Weise 
machen, dass man auf die gereinigte Haut des Fingers oder Thier- 
ohres einen Tropfen des Reagens giebt, durch ihn hindurch ein Gefäss 
ansticht und für eine gute Vermischung des austretenden Blutes mit 
der Flüssigkeit sorgt, oder indem man einen Fremdkörper (Deckglas, 
Glasfaden, Capillarröhre etc.) mit dem ausgetretenen Blut in innige 
Berührung bringt, so dass eine grössere Anzahl von Plättchen an 
diesem anklebt und diese anhaftenden Plättchen dann mit dem Reagens 
behandelt. Beide Methoden sind schon von verschiedenen Forschern 
angewandt worden ; sie sind beide in gewissem Sinne incorrect, da bei 
der ersten die Wirkung der Zusatzflüssigkeit durch das Plasma und 
die anderen Blutelemente stark beeinträchtigt wird, bei der zweiten 
schon veränderte, nicht mehr unversehrte Plättchen vorliegen. Immer- 
hin geben sie einige Anhaltspunkte. 

Dass in l°/oiger Osmiumsäure die Blutplättchen sich morphologisch 
eine Zeit lang recht gut halten, ist bereits von uns erwähnt (Fig. 10). 
Ebenso haben wir schon darauf aufmerksam ge- 
macht, dass in Wasser und verdünnter Essig- „-^ ,^ 
säure die Differenzirung in homogene und körnige °' 
Substanz sich sehr schnell vollzieht und die homo- a. 
gene Masse dabei zu tropfenartigen Gebilden | 
anquillt. Bei längerer Einwirkung von Wasser *# ^' "^ S 
verlieren die Plättchen etwas von ihrer Klebris;- 

1 ., -. -r, -r\ 1 1 111? Blutplättclienausrnscnem,!!! 

keit, SO class z. B. am Deckglase angeklebte lo/oiger Osminmsäure aufge- 
Plättchen durch einen massig starken Strcm von Jr^f^^S'^eoSSS 
Wasser dann fortgeschwemmt werden : die Platt- * Piättciieu von der Seite, 

1 1.. -11 • 1 , • TXT n l" von der Fläche gesellen. 

cnen losen sich aber nicht m Wasser aui. Oeümmersion Hartnack n. 

In verdünnter Essigsäure (2 Tropfen auf ^°^" *' 

50 ccm Wasser) quillt die homogene Substanz 

stark an, während die körnige immer mehr schrumpft und schliesslich 
in kleine Granula zerfällt, die nach und nach erblassen. Nach 5 bis 
10 Minuten ist von dem Plättchen nur noch der schwach sichtbare 
runde Contour der homogenen Substanz zu bemerken, und auch dieser 
schwindet sehr bald. Das Plättchen löst sich also in der verdünnten 
Essigsäure auf. Fig. 8 zeigt eine Reihe von Veränderungen an einem 
Plättchen, die nach Essigsäurebehandlung innerhalb 10 Minuten ver- 
liefen. Wenn Laker u. A. angeben, dass die meisten Plättchen er- 
halten bleiben, so ist dies bloss für den Fall richtig, dass eine kleine 
Menge verdünnter Säure zu einer grösseren^ Quantität Blut gesetzt 
wird. Bringt man an den Rand einer dünnen Blutschicht unter dem 
Deckglase einen kleinen Tropfen verdünnter Essigsäure, so kann man 
in der That nach Tagen die Plättchen noch erhalten sehen, jede grössere 
Menge löst sie aber schnell. Sebr rasch, wie auch die anderen Blut- 
körper, lösen die Plättchen sich in verdünnten Alkalien, während sie 
in 35"|oiger Kalilauge sich wenig verändern (Laker). 

Verdünnte und massig concentrirte Salzlösungen (0,5 — 5 "/oige Koch- 



— 30 — 

salz- und 5 — 10 '^/o ige schwefelsaure Magnesialösung) geben der Ober- 
fläche der Plättchen anfangs ein gleichmässig feinkörniges Aussehen, 
und etwas Aehnliches kann man nach längerer Einwirkung concentrirter 
Lösungen dieser Salze bemerken, in denen die intacten Plättchen zu- 
erst homogen erscheinen. In verdünnten und massig concentrirten 
Salzlösungen kommt nach wechselnder Zeit jene DifiFerenzirung in ho- 
mogene und körnige Substanz zu Stande, wobei ähnlich wie in Wasser 
die homogene Substanz stark anquillt. Hat sich nach Zusatz von 5^|oiger 
Kochsalzlösung zu frischem Blut diese Differenzirung vollzogen, so 
schrumpft bei grösseren Mengen 10^/oiger Kochsalzlösung die körnige 
Substanz deutlich, die homogene bleibt aber unversehrt. Löivit giebt 
an, dass dieselbe sich grösstentheils dann löse; wir haben dies jedoch 
nie beobachten können. 

Setzt man Kernfarbstoffe in möglichst indifferenten Lösungen zum 
frischen Blute , so werden bei Concentrationsgraden des Färbemittels, 
welche die Kerne der weissen Blutkörper deutlich tingiren, die Blut- 







plättchen aus Hundeblut. Blut in dünner ScMclit auf dem Deckglase an der Luft langsam ge- 
trocknet. Methylviolettfärbung, a rothes Blutkörperchen, b zackige Plättchen, c an einander 
haftende Blutplättchen, d weiter differenzii-te Plättchen mit deutlicher, centraler, stark tingirter 
und peripherer, ungefärbter Substanz. Oelimmersion Hartnack II, Ocul 4. Nacli dem Mkroskop- 

bild etwas vergrössert. 

plättchen nicht oder nur ganz wenig gefärbt. Sobald aber die Diffe- 
renzirung in die beiden Substanzen eingetreten ist, färbt sich die körnige 
lebhafter, während die homogene zwar schärfer contourirt, aber un- 
gefärbt erscheint. Die getrockneten intacten Plättchen färben sich 
mit Methylviolett, Fuchsin, Anilingrün etc. in concentrirten wässerigen 
oder alkoholischen Lösungen diffus und intensiv. Der Farbenton ent- 
spricht aber nicht ganz dem der Leucocytenkerne in solchen Blut- 
präparaten, wie das von einigen Forschern angegeben wird, sondern 
nähert sich bei verschiedenen Farbstoffen bald mehr dem der rothen 
Blutkörper, bald mehr dem des Protoplasmas der weissen. Bei Doppel- 
färbungen mit Eosin-Anilingrün nach Fixiren in P/oiger Osmiumsäure 
tritt die Differenz der Färbung zwischen Leucocytenkernen und Blut- 
plättchen besonders scharf hervor; die ersteren sind hier hellgrün, die 
letzteren grau. Kamen vor der Trocknung des Blutpräparates Ver- 
änderungen des Plättchens zu Stande — was überhaupt nur bei sehr 
schnellem Trocknen ausbleibt — so ist die Färbung derselben mit den 
oben genannten Kernfarbstoffen nicht mehr diffus. Wie im frischen 



— 31 — 

Zustande der Plättchen färbt sich auch hier bloss die körnige Substanz 
intensiver, während die homogene fast ungefärbt bleibt. Die allmälige 
DiiFerenzirung eines Blutplättchens in homogene und körnige Masse 
lässt sich aus diesem Grunde auch in Trockenpräparaten sehr gut 
verfolgen (Fig. 11 d). 

Die geschilderten morphologischen und chemischen Eigenschaften 
der Plättchen reichen zwar aus, um sie von anderen Bluteleraenten 
zu unterscheiden und ihnen eine selbständige Stellung einzuräumen, 
aber sie sind keineswegs vollständig genug, um exactere Vorstellungen 
über ihren histologischen Bau und ihre chemische Zusammensetzung 
zu ermöglichen. Dass die Blutplättchen der Säuger einen wirklichen 
Kern haben — wie Haijem^) dies zuletzt entgegen seiner früheren 
Annahme behauptet hat — scheint uns nach Obigem nicht' berechtigt 
anzunehmen. In Trockenpräparaten des intacten Plättchens ist von 
einem kernähnlichen Gebilde nichts bei der Tinction zu sehen. Wenn 
Hayem nach intensiver Färbung an Trockenpräparaten einen Kern 
beobachtet haben will, so ist wohl zu verrauthen, dass durch irgend 
einen Umstand vor der Fixirung Veränderungen zu Stande kamen, 
und dass er Plättchen vor sich hatte, in denen schon etwas Difieren- 
zirung in homogene periphere und körnige centrale Substanz eingetreten 
war. Diese letztere etwa als Kern anzusprechen, ist, ganz abgesehen 
von ihrer morphologischen Erscheinung, wegen der chemischen Reac- 
tionen ohne Weiteres schon nicht möglich. 

Vergegenwärtigt man sich diese morphologischen und chemischen 
Charactere der Plättchen, vor Allem die eigenthümliche Differenzirung 
in zwei verschiedene Substanzen, so wird man gerade hieraus sich 
wieder einen neuen Beweis herleiten können, dass die Plättchen zu- 
sammengesetzte protoplasmatische Gebilde und nicht eine einfache Ei- 
weisssubstanz, Fibrin oder Globulin sind, wi,. es einige Autoren be- 
hauptet haben. Das Protoplasma der Zellen ist durch die Neigung, 
bei seinem Absterben in gewissen Theilen zu homogenen Tropfen an- 
zuquellen, ausgezeichnet, und wenn auch das Nähere dieser Verände- 
rung unbekannt ist und noch Niemand sie als eine Reaction auf Proto- 
plasma im Allgemeinen angesehen hat, so weiss doch jeder, wie 
ungeheuer häufig bei den verschiedensten Zellen homogene Tropfen 
beim Tode aus deren Leib hervortreten. Schon bei den rothen und 
farblosen Blutkörpern kann man in jedem länger beobachteten Blut- 
präparat unter dem Mikroskop sich davon überzeugen. Bei den rothen 
Blutkörpern lösen sich die homogenen Tropfen, die hämoglobinhaltig-^ 
sind, sehr leicht von dem Stroma ab und werden in dem Plasma, wie 
auch das Stroma, von ausgetretenem Hämoglobin, welches das Plasma 
röthet, bald verdeckt und unsichtbar gemacht. Die homogenen Tropfen 
der farblosen Blutkörper hängen fester mit ihren Zellen zusammen 
und bilden oft, wie bei den Blutplättchen, eine rosettenartige Figur: 
mit Pseudopodien sind sie ihres scharfen Contours, ihrer Unbeweglich- 
keit und ihres hellen Glanzes wegen kaum zu verwechseln. Wir 
werden später auf diese Quellungserscheinungen noch näher eingehen 
müssen, da ein Autor, Löivit, derartige homogene Tropfen beim Kalt- 



^) Hmjem, Des globules rouges ä noyau dans le sang de l'adulte. — Archive? 
de physiol. norm, et path. 1883. 111. S. T. I. p. 363-372. 



— 32 — 

blüter als Blutplättchen angesprochen hat und darauf eine Theorie 
gründete, nach der die Blutplättchen ein Abscheidungsproduct des Zell- 
protoplasmas im Allgemeinen wären. 

Man könnte denken, dass man durch Zählungen der Blutplättchen 
am schnellsten zu einer Gewissheit über deren Bedeutung gelangen 
würde. Genaue numerische Verhältnisse der Plättchen vor und nach 
grossen Aderlässen, in Blutkrankheiten etc. müssten neben Anderem 
gewiss ein Licht auf die Frage werfen, ob die Blutplättchen Vorstufen 
der rothen Blutkörper seien. Man überzeugt sich jedoch bei den ersten 
Versuchen bald, dass das Zählen der Plättchen eine sehr heikle Sache 
ist. Hayem giebt als Durchschnittszahl der Plättchen beim gesunden, 
erwachsenen Individuum 255,000, Äffanassiew 2 — 300,000, Fusari 
200,000 pro cmm Blut an. Die drei Autoren betrachten die Blut- 
plättchen (Hämatoblasten) als die Vorstufen der rothen Blutkörper und 
sind auch darin einig, dass in Zuständen der erhöhten Regeneration 
der rothen Blutkörper die Blutplättchen vermehrt seien. Der Eindruck 
dieser erfreulichen Uebereinstimmung wird allerdings beträchtlich ab- 
geschwächt durch die sonstigen quantitativen Angaben dieser Forscher. 
Hayem berichtet so unter Anderem über den Einfluss von Mahlzeiten (!) 
auf die Plättchenzahl und giebt folgende Zusammenstellung, die er 
zwar selbst als nicht vollkommen bezeichnet, von drei Personen. 

I. Le matin ä jeun 216,500 

1 heure apres le 1®^ dejeuner (cafe au lait) .... 216,500 

1 heure ^2 apres le 1®^ dejeuner 350,000 

1 heure V-i apres le 2® dejeuner 185,000 

3 heures V^ apres 198,000 

4 heures \'2 apres 231,000 

ir. Le matin ä jeun 186,000 

1 heure ^/4 apres le 1^^' dejeuner 218,000 

III. Enfant de 15 mois ä jeun depuis 3 heures .... 318,000 
1 heure apres un repas avec de la bouillie .... 346,000 

Affanassieiv bringt eine Tabelle, welche sich auf 16 Patienten be- 
zieht. Von zwei Kranken, die sich ungefähr an dem 9. Tage eines 
Abdomnialtyphus befanden, hatte da z. B. die eine 87,000, die andere 
415,000 Blutplättchen pro cmm Blat. In denselben Notizen figurirt 
dann eine Frau, deren Plättchenzahl von einem Tage zum anderen um 
^i der Gesammtmenge zunahm, und ein Mann, bei welchem innerhalb 
der gleichen Zeit die Zahl der Plättchen von 118,000 auf 175,000 
pro cmm stieg ^). 

Diese Schwankungen in den numerischen Verhältnissen der Plätt- 
chen bei einem Individuum und in einer so kurzen Zeitdauer sind doch 
derartige, dass allgemeine Schlüsse sich schwer ziehen lassen und jeden- 
falls viel Willkürliches an sich haben. Dafür sprechen auch die An- 
gaben über cjuantitative Verhältnisse der Blutplättchen, die sich sonst 
in der Literatur vorfinden. 

Halla schreibt z. B.: ,Bei acut entzündlichen Afifectionen, wie 
Pneumonie, Erysipelas etc. findet man sie (die Plättchen) oft so massen- 
haft, dass sie in jedem Gesichtsfeld ein gut Theil der Fläche allein 

1) Op. cit. p. 266. 



— 33 — 

occupiren und sich zu grossen Conglomeraten zusammenlegen." Bei 
Äffanassiew aber lesen wir: „In allen Krankheitsznständen mit starkem 
constantem Fieber nimmt die Quantität der Blutplättchen immer ab. 
z. B. im Typhus, Erysipelas, Icterus gravis mit Fieber u. a. Eine 
Ausnahme in dieser Beziehung bietet die croupöse Pneumonie und die 
Tuberculosis." Fusari bemerkt seinerseits wieder: „In ogni caso in 
cui la temperatura e in aumento la piastrine tendono a diminuire" ^). 
Bei der Leukämie findet Biess die Plättchen („Zerfallskörperchen") 
sehr stark vermehrt, während Affanassiew nur eine ^/2 — 2fache Ver- 
mehrung der normalen Zahl constatiren kann, und Halla berichtet, dass 
er in einem Fall hochgradige, in einem anderen sogar keine Vermeh- 
rung der Plättchen im Blut bemerkte. Bei einer chronischen Anämie 
liat J/. Schnitze seine Körnchenbildungen monatelang sehr zahlreich 
gefunden und etwas Gleiches hat Leuhe beobachtet. Riess giebt dem- 
gegenüber an, dass bei perniciöser Anämie und auch Chlorose „Zer- 
fallskörperchen" fast ganz fehlten. Affanassiew theilt einen Fall mit, 
in dem bei einer Frau mit chronischer Anämie eine fast normale 
Plättchenzahl vorhanden war, die bei der Besserung noch wuchs, und 
einen von Scorbut, bei dem Plättchenverminderung vorlag. Bei 
einer perniciösen Anämie sah Halla verminderte Plättchenmenge, 
in zwei Scorbut fällen waren sie in grosser Menge da, bedeckten 
einen ganzen Theil des Gresichtsfeldes. Fusari giebt dann wieder an: 
„In generale, nelle anemie non accompagnate da febbre, la proporzione 
delle piastrine supera la media fisiologica." 

Man könnte versucht sein, aus den diiferenten Angaben der ein- 
zelnen Forscher, von denen die citirten nur eine Skizze liefern, den 
Schluss zu ziehen, dass die Zahl der Blutplättchen normaler wie ab- 
normer Weise grossen Schwankungen unterworfen ist und selbst be- 
trächtliche Abweichungen nichts Characteristisches bieten. Dazu müsste 
man aber die Ueberzeugung haben, dass bei den angewandten Zähl- 
methoden grössere Fehler vollkommen vermieden worden wären. Wenn 
man aber alle jene Eigenschaften der Blutplättchen im Auge behält, 
die naturgemäss einer genauen Zählung Schwierigkeiten bereiten — 
jene Farblosigkeit und Kleinheit, jene Klebrigkeit der veränderten Ele- 
mente — und den Forschern auf den Wegen folgt, die sie zur Er- 
langung ihrer Resultate einschlugen, so wird man finden, dass die 
meisten zu geringe Rücksicht auf diese eigenthümlichen Verhältnisse 
genommen haben und die durch diese mögliche Beeinträchtigung ihrer 
Ergebnisse zu sehr vernachlässigten. 

Die Klebrigkeit der Plättchen ist es besonders, die vielfach ausser 
Acht gelassen wird. Affanassiew z. B. sticht einen Finger an, lässt 
einen Blutstropfen heraustreten, saugt ihn in die Capillare des Me- 
langeurs und zieht dann erst seine die Blutplättchen conservirende und 
das Blut verdünnende Flüssigkeit nach. Hai/em bedient sich, soweit 
dies aus seinen Angaben zu ersehen ist, eines ganz ähnlichen Ver- 
fahrens. Da nun die Plättchen an jedem Fremdkörper sofort anhaften, 
mit dem sie in Berührung kommen, so bleiben beim Einsaugen in die 
Capillare schon zahlreiche Plättchen in dieser kleben und werden 
so einer Zählung entzogen, wenn man auch rasch eine fixirende 



1) Op. cit. p. 273. 
Eberth und ScliimmelLusch, Die Thrombose. 



— 34 — 

Flüssigkeit folgen lässt. Dass dies unter Umständen nicht geringe 
Mengen sind, kann man beim Betrachten einer Capillarröhre nach 
solcher Anwendung unter dem Mikroskope sehen. 

Bei jenen Resultaten, die auf dem Wege der Schätzung gewonnen 
sind, und zwar an Blutpräparaten, die man durch Ausbreiten eines 
frischen Blutstropf ens mit dem Deckglas auf dem Objectträger anfertigte, 
ist zwar gerade durch die Klebrigkeit der veränderten Blutplättchen 
ein Verlust derselben weiter ausgeschlossen, aber hier kommen andere 
Umstände zusammen, die diese Methode — ganz abgesehen von dem 
Mangel an Exactheit, der jeder Schätzung anhaftet — als noch viel 
schlechter erscheinen lassen. Ein grosser Theil der Plättchen ver- 
schmilzt hier zu grösseren und kleineren Haufen und entzieht sich — 
weil in diesen die einzelnen nicht deutlich sichtbar sind — ganz einer 
quantitativen Schätzung; die anderen aber finden sich — gewöhnlich 
an der Stelle des Glases, welche zuerst mit dem Blute in Berührung- 
kam, am zahlreichsten — so ungleichmässig im Gesichtsfeld vertheilt, 
dass man ganz urtbeilslos diesen in Extremen schwankenden Ansamm- 
lungen gegenübersteht. Dazu kommt noch, dass die einzelnen isolirten 
Plättchen bald durch rothe Blutkörper, bald durch Hämoglobinfärbung' 
des Plasmas verdeckt werden. Wir haben uns vergeblich bemüht, aus 
20 auf diese Weise kurz hinter einander ganz gleichmässig angefer- 
tigten Präparaten eine genauere Vorstellung über das Mengenverhält- 
niss der Plättchen zu bekommen, und können es nur empfehlen, sich 
von der Differenz der Resultate bei dieser Methode zu überzeugen. 
Anfangs hofften wir, dass innerhalb der Gefässe, wenn die Blutplätt- 
chen einzeln zwischen den anderen Blutkörpern dahintreiben, eine Zäh- 
lung möglich sei, mussten uns bei einem eingehenderen Studium der 
Circulation beim Warmblüter (siehe das folgende Capitel) jedoch davon 
überzeugen, dass man auch hier zu unvollkommenen und falschen Vor- 
stellungen gelangen kann. Gerade so wie die Menge der farblosen 
Blutkörper innerhalb der Gefässe wechselt, wie sie z. B. im schnell 
dahinströmenden Blute gering, im entzündeten Gefässgebiet aber be- 
trächtlich sein kann, gerade so ist auch die Zahl der Blutplättchen je 
nach dem Character der Blutströmung gewissen Schwankungen unter- 
worfen. 

Von Laker ist eine Methode angegeben worden, nach der er 
selbst zwar nur wenige Zählungen der Blutplättchen ausführte, die 
aber von allen Zählmethoden die meiste Beachtung zu verdienen 
scheint. Laker ermittelt zunächst in der gewöhnlichen Weise mit einem 
Thoma-Zeis'schen Zählapparat die Anzahl der rothen Blutkörper in 
einem Cubikmillimeter Blut. Darauf lässt er einen Blutstropfen des- 
selben Individuums in eine Conservirungsflüssigkeit fallen und mischt 
ihn hier sorgfältig mit dieser , so dass die Blutplättchen alle einzeln 
bleiben und nirgends zu Haufen verkleben können. In dieser Mischung- 
wird nun durch genaue Zählungen das Verhältniss der rothen Blut- 
körper zu den Blutplättchen ermittelt und es ist dann aus den gefun- 
denen Werthen beider Operationen die absolute Menge der Plättchen 
pro Cubikmillimeter Blut leicht zu berechnen. 

Wir haben bei unserer eingehenden Beschäftigung mit dem 
dritten Formbestandtheil mehr und mehr den Eindruck gewonnen, dass 
die Zahl seiner Elemente im Blute eine sehr s-rosse ist und dass die 



— 35 — 

Angaben von Hayem, Äffanassiew und Fusari, nach welchen auf den 
Cubikminimeter circa 2 — 300,000 Blutplättchen kommen, eher zu niedrig 
als zu hoch gegriffen sind. Wir constatiren mit Befriedigung, dass Laker 
uns hier vollkommen beistimmt und dass er mit seiner neuen Zählmethode 
ungefähr 400,000 Blutplättchen pro Cubikmillimeter Blut ermittelte. 

Es bleibt uns noch übrig, auf eine Reihe von Angaben einzu- 
gehen, welche die Zahl der Blutplättchen nach Behandlung des Blutes 
mit verschiedenen Reagentien betreffen. Es ist gerade diesen Beob- 
achtungen ein besonderer Werth beigelegt worden, und man glaubte 
mit ihnen theils die Frage nach der Präformation der Elemente, theils 
die nach ihrer Grenese entscheiden zu können. Einige Autoren wollen 
grosse Mengen von Blutplättchen gesehen haben, so Löwit nach Auf- 
fangen von Blut in 28°/oiger schwefelsaurer Magnesialösung, Nicolai 
Heyl nach Versetzen von Blutplasma mit Methylviolettkochsalzlösung 
von Bizzozero, — andere wieder machen Angaben über eine Auf- 
lösung der Blutplättchen, so Feiertag im gekühlten Pferdeplasma, oder 
wollen dieselben unter gewissen Bedingungen im Blute ganz vermisst 
haben {Löwit nach Auffangen des Blutes in 20 — 25*'/oiger Kochsalz- 
lösung). 

Wir haben uns soeben des Weiteren über Schätzungen, und Zäh- 
lungen von Blutplättchen verbreitet, und es wird daraus leicht zu er- 
sehen sein, dass, wenn diese Zählungen schon im unvermischten und 
unversehrten Blute ausserordentliche Schwierigkeiten bereiten und leicht 
zu falschen Vorstellungen führen, dies in noch höherem Grade dann 
der Fall sein wird, wenn das Blut eine Behandlung erfährt, die es 
mehr oder weniger stark verändert. Gerade bei allen Zusätzen zum 
Blut wird man im Urtheil bezüglich der Mengenverhältnisse eines so 
labilen und schwer erkennbaren Blutbestandtheils wie die Plättchen 
ganz besonders vorsichtig sein müssen. Tritt z. B., wie das bei ge- 
wissen concentrirten Salzlösungen unausbleiblich ist, Hämoglobin aus 
den rothen Blutkörpern in das Plasma über, oder werden wenn auch 
nur geringe Mengen rother und farbloser Blutkörperchen zertrümmert, 
so ist die Möglichkeit, dass die zarten und kleinen Plättchen übersehen 
werden, eine sehr grosse. Meist aber trifft die Schuld des falschen 
Resultates schon vor dem Zähl- oder Schätzungsact die Art des Ex- 
perimentes und die Unvorsichtigkeit in der Manipulation. Wenn Feier- 
tag z. B. Plasma von geruhtem Pferdeblut abhebt, im gekühlten Gefäss 
aufbewahrt und nun nach Umrühren mit dem Glasstab und häufigem 
Schütteln und Umkehren des Gefässes einen allmälia; immer grösser 
werdenden Verlust des Plasmas an Blutplättchen constatirt, so ist doch 
gewiss bei der grossen Klebrigkeit der Blutplättchen bei Berührung 
mit festen Gegenständen die Abnahme der Plättchenzahl im Plasma 
auf das Ankleben zurückzuführen und nicht, wie der Autor es thut, 
auf eine Lösung. In nicht seltenen Fällen, in welchen merkwürdige 
Schwankungen in der Plättchenzahl bei entsprechender Behandlung des 
Blutes angegeben worden sind, handelt es sich aber auch um Ver- 
wechselung der Blutplättchen mit Niederschlägen, Trümmern anderer 
Blutkörper und Aehnlichem ^). Dass eine massenhafte Plättchenbildung 



^) Eine solche Verwechselung liegt, wie es scheint, in den Arbeiten von 
Löwit vor und hat diesen Autor zu Schlüssen geführt, die von denen anderer 



— Se- 
im extravasculären Blute auf chemische und mechanische Insulte hin 
nicht stattfindet, dafür sprachen unsere Versuche, die wir oben er- 
wähnten. Eine wahre Plättchenverminderung, eine Auflösung von 
Plättchen bei gewissen Behandlungen des Blutes ist selbstverständlich 
möglich. 



Forscher sehr abweichen. Eine grundlegende Beobachtung Löwit's bezieht sich 
auf sog. Peptonblut, d. h. Blut, welches durch Aderlass einem Hunde entzogen 
wurde, nachdem diesem eine gewisse Menge Peptoneiweiss infundirt worden war. 
In diesem Peptonblut sollen Blutplättchen bei der Temperatur von 37,0° und höher 
nicht vorhanden sein, wohl aber bei Abkühlung auftreten. Das sog. Peptonblut 
zeichnet sich bekanntlich dadurch aus, dass es gerinnungsunfähig ist und spontan 
keinen gewöhnlichen Faserstoff abscheidet. In diesem Blute tritt aber, wie Wool- 
drigde gezeigt hat, bei Abkühlung ein Niederschlag auf, der eine zunehmende 
Trübung des Plasmas bedingt. Mikroskopisch stellt sich der trübende Stoff als 
eine grosse Menge rundlicher, blasser, durchsichtiger Kügelchen dar, welche grosse 
Neigung haben, sich zusammenzuballen Der Niederschlag lässt sich, wie Wool- 
drigde weiter angiebt, auf der Centrifuge sammeln, er hat dann das Aussehen eines 
durchsichtigen Häutchens, das sehr an Paserstoff erinnert. Er ist aber nicht Fibrin, 
denn er ist exquisit schleimig, quillt in 47oiger Kochsalzlösung, löst sich aber darin 
nicht auf, schrumpft in verdünnter Essigsäure, quillt stark und löst sich endlich 
in verdünnten Alkalien. Spontan löst er sich bei Erwärmen des Plasmas und fällt 
beim Abkühlen desselben ebenso wieder aus. Mikroskopisch hat dieser Nieder- 
schlag, wie auch Laker zugiebt, einige Aehnlichkeit mit Blutplättchen. Laker hebt 
sehr richtig hervor, dass diese oberflächliche Aehnlichkeit aber nichts beweise, und 
dass man durch Zusätze zum Blut verschiedene Niederschläge erhalten kann, die 
von Blutplättchen sich schwer unterscheiden lassen. Wir wollen uns hier von 
unserem Thema nicht zu weit entfernen und deshalb auf diese für uns bedeutungs- 
losen Niederschläge nicht näher eingehen. Bei genauer Beobachtung der morpho- 
logischen Charactere und exacter Prüfung des chemischen Verhaltens wird man 
die Blutplättchen von diesen Gebilden jedesmal trennen können, man wird vor 
Allem an letzteren jene eigenartige Differenzirung und die spontane Verändei'ung 
beim Absterben im Plasma, die eben nur protoplasmatischen Gebilden zukommen 
kann, regelmässig vermissen. Das Nähere darüber siehe bei Laker, Sitzungsber. der 
Wiener Akademie XCIII. Bd. III. Heft, unter E. p. 33. 



— 37 



Capitel III. 

Die Blutgerinnimg und die Blutplättchen. 

Darstellung des Fibrinnetzes — Das Fibrin scheidet sieb in Nadeln ab — Die Blut- 
gerinnung ist ein Krystallisationsprocess — Weigert's Reaction des Fibrins — Es 
findet kein Uebergang von Plättchen in Fibrin statt — Die Blutplättchen haben 
überhaupt mit der Blutgerinnung nichts zu thun. 

Wenn man einen Blutstropfen unter dem Mikroskope einige 
Zeit beobachtet, so kann man neben den im vorhergegangenen Capitel 
ausführlich geschilderten characteristischen Veränderungen der Plättchen 
und Plättchenhaufen den Beginn der Ausscheidung des fädigen Faser- 
stoffes wahrnehmen. Beide Vorgänge finden dann später auch ziem- 
lich gleichzeitig ihren Abschluss und laufen somit einigermassen parallel. 
Dieser Parallelismus ist es offenbar gewesen, der eine Reihe von 
Forschern zur Annahme eines causalen Zusammenhangs zwischen Blut- 
piättchenveränderung und Blutgerinnung angeregt hat. Mehrere Autoren 
denken sich denselben sehr innig und vermuthen, dass der Faserstoff 
direct durch die Plättchen gebildet werde; ein Theil der Plättchen- 
substanz soll sich in Fibrin unter dem Einfluss des Plasmas verwandeln. 
So sagt z. B. Ralla: ,Hat man aber öfter Blutpräparate einer succes- 
siven Beobachtung bis zur Fibringerinnung unterzogen, so überzeugt 
man sich leicht, dass gerade diejenigen Stellen, an denen zuerst Con- 
glomerate von platten Körnern, sodann Körnerhaufen lagen, dieselben 
sind, an denen man schliesslich jenen dichten Filz von Fibrinfäden 
wiedererkennt. Man kann die successive Umwandlung einer Körner- 
gruppe in einem Körnerhaufen und in einem dichten Fibrinfadenfilz 
mit scheinbar eingelagerten Körnchen continuirlich unter seinem Auge 
verfolgen" ^). Bizzozero betont, „dass sich der Faserstoff gerade dort 
niederschlägt, wo es uns gelingt, die Blutplättchen anzuhäufen, und 
nicht anderwärts, obgleich es der rauhen Oberflächen genug giebt an 
den in der ganzen Flüssigkeit zerstreuten geschrumpften rothen Blut- 
körperchen" ^). Bei seinen Versuchen am Peptonblut beschreibt er 
dann ausführlich das Auftreten der Plättchenveränderungen. „Behält 
man einen Haufen im Auge, so sieht man, dass von seiner ganzen 
Peripherie zu Hunderten, zu Tausenden äusserst feine Faserstofffäden 
ausgehen, die sich unter einander verflechten und sehr langsam in die 
Länge wachsend sich in das umgebende Plasma ausbreiten." Die 
Plättchen stellten also die „wahren Irradiationscentren der Gerinnung" '^) 



^) Dr. A. Halla, Ueber Hämoglobingehalt des Blutes und die quantitativen 
Verhältnisse der rothen und weissen Blutkörper bei acuten fieberhaften Krankheiten. 
Zeitschrift für Heilkunde Bd. IV. p. 218. 

-) Virchow's Archiv Bd. XC. p. 317. 

') Die Blutplättchen im peptonisirten Blute. Centralbl. f. d. med. W. 1883. 



— 38 — 

dar. Lavdowsky hat oifenbar ähnliche Vorstellungen ^). Auch Hayem 
schemt ihnen zu huldigen, obwohl uns seine Ausführungen über diesen 
Punkt nicht ganz klar sind. Er beschreibt zwar ausführKch, dass das 
Fibrinnetz von seinen Hämatoblasten, also unseren Blutplättchen ausgeht, 
setzt dann aber hinzu: ,0n dirait, au moment oü le sang se coagule, 
qu'une sorte de cristallisation partant de petits cristaux preformes en- 
vahit toute la masse liquide" ^). Dieser Gedanke kommt jedenfalls 
mehr auf das hinaus, was Ranvier ^) angenommen hat, der die Blut- 
plättchen für präformirte Faserstoffpartikel ansah, um die sich bei der 
Gerinnung der übrige Faserstoff pericentrisch ansetze. In einer älteren 
Arbeit von Max Schnitze^) wird bei Gelegenheit der Beschreibung der 
Körnermassen im Blute (Blutplättchenhaufen) ein üebergang von 
Körnersubstanz in Fibrinfäden direct in Abrede gestellt. 

Wenn man darüber Gewissheit erlangen will, ob und inwieweit 
ein Üebergang von Blutplättchen in Faserstofffäden besteht, ist es 
offenbar nöthig, die Veränderungen der Plättchen und die Fibringerin- 
nung des Blutes ganz successive in ihren einzelneu Stadien zu verfolgen. 

Am einfachsten wäre es, wenn man die Faserstoffabscheidung 
daraufhin in einem frischen Blutpräparate unter dem Mikroskope beob- 
achten könnte. Dies ist jedocli nicht so leicht, da die Plättchen und 
die Faserstofffäden an sich sehr wenig distincte Bilder wegen ihrer 
Farblosigkeit, Blässe und Kleinheit liefern und dann in den meisten 
Fällen im Blute bald ein lebhafter Hämoglobinaustritt stattfindet und 
eine diffuse Röthung des Plasmas eintritt, die die zarten Details bald 
gänzlich verdeckt. Die wenigen Forscher, die bisher die Abscheidung 
des Blutfaserstoffs unter dem Mikroskope eingehender beobachteten, 
haben daher auch danach gestrebt, das roth gefärbte Plasma zu ent- 
fernen und durch Tinctionen das Bild wieder deutlich zu machen. 
Ranvier ^) gab folgendes Verfahren an: „Apres avoir fait une prepa- 
ration de sang un peu epaisse et bordee ä la paraffine, nous l'avons 
abandonnee ä elle-meme pendant plusieurs heures; puis, apres avoir 
gratte la paraffine et enleve la lamelle nous avons lave ä plusieurs 
reprises la couche de sang coagule en l'arrosant avec une pipette rem- 
pKe d'eau destille jusqu'ä-ce-que la lame ne presentait plus de colo- 
ration du tout, puis nous avons replace sur cette lame une nouvelle 
lamelle." Hayem'') bemerkt schon hierzu, dass so ein mehr oder 
weniger ausgedehnter Theil des Faserstoffnetzes regelmässig zerstört 
wird. Er sucht dies dadurch zu vermeiden, dass er einen Blutstropfen 
wie gewöhnlich durch Auflegen eines Deckglases auf einen Object- 
träger ausbreitet, das Präparat einige Zeit im feuchten Raum gerinnen 
lässt, dann, ohne das Deckglas aufzuheben, mit Hülfe von Fliesspapier 
Wasser durchspült und dies darauf durch Farbflüssigkeit ersetzt. Wir 
haben dies mehrfach versucht, haben aber auf diese Art keine günstigen 

^) Lavdoipshij, Zur Frage nach dem dritten Formbestandtheil beim Blut des 
Menschen und einiger Thiere. Wratsch (russisch) 1883, Nr. 11 — 15. Citirt nach 
Referat in den Jahresberichten über die Fortschritte der Anatomie und Pliysiologie 
von Uoff)nann-Schivalhe Bd. XII. p. 65. 

^) Archives de pliysiologie norm, et path. II. S., T. V. p. 719. 

^) Banvie); Traite technique d'histologie Livr. II. p. 216 — 217. 

^) Archiv für mikroskopische Anatomie Bd. I. p. 1—41. 

•'') Ranvier, Traite technique p. 215. 

^) Archives de physiologie norm, et path. II. S., T. V. p. 710 u. 716. 



— 39 — 

Resultate erlangt. Das Durchscliwemmen von Wasser und Farbflüssig- 
keit, welches, wenn man einigermassen brauchbare Tinctionen haben 
will, doch recht energisch vorgenommen werden muss, ist kaum aus- 
zuführen, ohne das Deckglas etwas zu verschieben, wodurch ganz ähn- 
liche Zerrbilder wie beim gewaltsamen Abheben entstehen. Wir ver- 
suchten dann Blut in dünner Schicht auf einem Objectträger auszubreiten, 
unbedeckt im feuchten Raum eine Zeit lang sich selbst zu überlassen 
und dann getrocknet zu färben, wie dies Hayem auch schon angiebt. 
Auch dies Verfahren führt aber nicht zum Ziel, denn wenn die ßlut- 
schicht sehr dünn ist, so trocknet sie, ohne zu gerinnen, während der 
Manipulation schon auf dem Glase ein; ist sie aber dick, so kann man 
die feinen Details nicht erkennen. Wir haben schliesslich auf folgende 
Weise unseren Zweck erreicht: Circa 1 cm von der Höhlung eines 

Fio-. 12. 




Begimieude Fibrinabsolieidung aus frischem Menschenblut. Isolirte und bereits netzförmig gruppirte 
Tadeln. Auf gehöhltem Objectträger geronnen , mit Wasser abgespült , in der Flamme flxirt , mit 
Methylviolett gefärbt und in Canadabalsam eingeschlossen. Oelimmersion Hartnack II, Ocul. 4. 



hohlgeschliffenen Objectträgers bringen wir auf diesen einen nicht zu 
kleinen Tropfen Blut, breiten ihn durch Auflegen eines Deckglases 
aus und schieben dieses schnell mit einem Ruck über den ConcavschlifP, 
so dass seine Ränder völlig auf dem Planum des Objectträgers auf- 
liegen. Auf diese Art sind die centralen Partien der Blutschicht am 
Deckglase in einen Raum gebracht, der sich bald mit einer minimen 
Menge verdunstenden Plasmas sättigt und länger feucht bleibt. Man 
hat dann bloss nöthig, um die Blutschicht unter den Rändern des 
Deckplättchens vor Eintrocknen zu schützen, dasselbe mit Gel oder 
Paraffin oder Lack zu umziehen oder es in einen feuchten Raum zu 
bringen. Will man den Gerinnungsprocess unterbrechen, so braucht 
man nur das Deckglas abzuheben und das Blut schnell zu trocknen. 
Verfolgt man mit diesem Verfahren den Gerinnungsprocess gewisser- 
massen am hängenden Tropfen systematisch beim Menschenblut und 



40 



fertigt man eine Reihe von Präparaten an, die in kleinen Zeitabständen 
von etwa 30 zu 30 Secunden seit dem Blutaustritt aus den Gefässen 
fixirt sind, so bemerkt man zunächst, dass die Zeit, in welcher man 
die ersten Fibrinablagerungen sieht, sehr beträchtlich schwankt. Im 
Allgemeinen aber erkennt man nach 1 — 2 Minuten die ersten deutlichen 
Anfänge. Es sind dies ganz dünne, spindelförmige, 5 — 20 [x lange 
Nadeln (Fig. 12), die hie und da am Deckglase auftreten. Oft sieht 
man sie noch früher, aber sie sind dann so zart, dass man sie selbst 
mit Hartnack's Oelimmersion, Ocular 4 und Beleuchtungsapparat erst 
nach einiger Uebung des Auges erkennen kann. Diese Nadeln sind 
sehr feine, an beiden Enden zugespitzte Spindeln und erinnern lebhaft 
an die nadeiförmigen Krystalle der Margarinsäure, nur sind sie viel 
dünner und zarter. Sie kleben fest am Deckglase an, so dass man ohne 
Gefahr, sie zu entfernen, schonend einige Tropfen Wasser über dieses 
fliessen und dadurch die nicht festgeklebten Blutelemente abspülen kann. 
Wird dann das Präparat schnell getrocknet und einige Male durch eine 
Spiritusflamme gezogen, so sind die am Deckglase angeklebten Plätt- 
chen und Fibrinnadeln fixirt und für jede Färbung geeignet; man hat 
sich aber vor einem zu starken Erhitzen zu hüten, da dieses nach 
unseren Erfahrungen die Tinctionsfähigkeit der Fibrinnadeln herabsetzt. 
Zur Färbung eignen sich kernfärbende Anilinfarbstoffe, besonders Gen- 
tiana und Methylviolett. 

Je länger man nun den Gerinnungsprocess währen lässt, um so 
zahlreicher und um so dicker werden die Nadeln. Dieselben sind aber 

ziemlich gleichmässig auf dem Deck- 
glase vertheilt und zeigen in ihrer 
Ablagerung absolut keine Vor- 
liebe für irgend eines der körper- 
lichen Elemente. Viele liegen ganz 
isolirt, andere stossen zu zwei und 
mehreren an einander, wieder andere 
gruppiren sich um Körnchen, ein 
Blutplättchen, oder liegen haufen- 
weise , ohne einen körperlichen Be- 
standtheil zu umschliessen, zusammen 
(Fig. 13). Durch Aneinanderlagern 
der Nadeln der Länge nach wird 
dann später der Eindruck von Fäden, 
durch die Kreuz- und Querlagen der 
des Netzes hervorgebracht. 

Wir haben dann auf diese Ver- 
hältnisse hin auch Blutcoagula, die 
intravasculär entstanden waren, nach 
Zerzupfen in Kochsalzlösung unter- 
sucht und auch dort diesen Befund bestätigen können. Ganz das gleiche 
Resultat erhielten wir in Blutgerinnseln aus Gefässpräparaten, die in 
Alkohol und Chromsäure erhärtet waren. Besonders schöne Bilder 
zeigte u. a. ein Coagulum, welches aus der Jugularvene eines Hundes 
stammte und in dem doppelt abgebundenen Gefäss circa 8 Tage in 
0,17oiger Chromsäure gelegen hatte (Fig. 14). 

Diese Beobachtungen ergeben also, dass die Abschei- 



Fig. 13. 




Fibrinabscheidung ausMenschenblut. Dünne 
BlutscMcht aiTf gehöhltem Objectträger ge- 
ronnen, mit Wasser abgespült, in der Flamme 
lixirt, mit Methylviolett gefärbt und in Ca- 
nadabalsam eingeschlossen. Oelimmersion 
Hartnack II, Ocvü. 4. 



— 41 — 

düng des fädigen Blutfaserstoffs ein Krystallisationsprocess 
ist. Die Anordnung der einzelnen Krystalle ist unabhängig 
von körperlichen Elementen des Blutes. Das fädige Fibrin 
entsteht sofort als solches und hat kein homogenes oder 
körniges Vorstadium. 

Die Fibrinfasern sind also auch keine Faltungen einer „primären 
Fibrinmembran", die etwa durch Verschiebungen des Deckglases her- 
vorgebracht sind, wie Laker ^) das neuerdings wieder behauptet hat; 
imd ebensowenig hat man sich wie Rindfleisch ^) etwa vorzustellen, dass 
in der anfangs homogenen Fibrinmasse zahlreiche „Spältchen und Lücken" 
entstehen, „zwischen denen das festwerdende Fibrin als ein mehr oder 
minder zartes, aus runden Fädchen gebildetes Netzwerk zurückbleibt". 

Die sich bildenden Fibrinkry stalle zeichnen sich durch grosse 
Klebrigkeit aus und sind, wo sie sich an festen Gegenständen abge- 
lagert haben, nicht so ohne Weiteres zu entfernen. Dies ist der Grund, 
warum beim gewaltsamen Abnehmen des Deckglases von einer geron- 
nenen Blutschicht immerhin noch ein relativ grosser Theil des Netzes 

Fi^. 14. 




FibiinD adeln von besonderer Dicke aus einer doppelt unterbundenen Jugularvene des Hundes, nach 

Härtung in Oj^oiger Cliromsäui-e. Abspülen in Wasser, Behandlung mit Alkohol, Anilinfarben und 

verdünnten Säiiren. Zupl^räparat. Oelimmersion Hartnaek II, Ocul. 4. 

erhalten bleibt und warum wir mit destillirtem Wasser die einzelnen 
am Deckplättchen haftenden Nadeln nicht wie die rothen Blutkörper 
abspülen können. Wenn man nun aber bedenkt, dass eine ganz ähn- 
liche, nin- noch grössere Klebrigkeit den veränderten Blutplättchen zu- 
kommt, so wird man aus dieser gemeinsamen Eigenschaft die oft innige 
Verbind nng beider Elemente und ihr öfteres Zusammenliegen verstehen. 
Man wird jene Experimente richtig deuten, deren Wichtigkeit für den 
Nachweis der Rolle, welche die Blutplättchen bei der Blutgerinnung- 
spielen sollen. Bizzozero^) so nachdrücklich betonen zu müssen glaubt. 
Im ersten dieser Versuche schlägt Bizzozero frisches Blut mit Zwirns- 
fäden und findet dann, „dass zwei Perioden zu unterscheiden sind: 
während der ersten bleiben, ausser einer Anzahl farbloser Blutkörperchen, 
die im Blute suspendirten Plättchen (vermöge ihrer Klebrigkeit, die 
sie erlangen) an den zum Schlagen benützten Körpern haften, während 

^) Laker, Die ersten Gerinnungserscheinungen des Säugethierblutes unter dem 
Mikroskop. Sitzungsber. d. Wiener Akad. III. Abtli. Bd. XC. 1884. 

-j Rindfleisch, Lelirbuch der pathologischen Gewebelehre. Leipzig 1878. p. 156. 
3) Virchoic's Archiv Bd. XC. p. 316. 



— 42 — 

der zweiten schlägt sich über diese Blutplättchenlagen eine Schicht 
Faserstoff nieder". Bei dem zweiten Versuche legt Bizzozero zwischen 
Deckglas und Objectträger einen Zwirnsfaden, lässt mit indifferenter 
Kochsalzlösung verdünntes Blut hindurchfliessen und bemerkt nun unter 
dem Mikroskope, dass zuerst die Zwirnsfäden sich mit Plättchen über- 
ziehen und dann auf diesen der Faserstoff in langen Faserbündeln sich 
ablagert. Es ist klar, dass die Klebrigkeit der Plättchen und der 
Fibrinnadeln beide Befunde in der ungezwungensten Weise erklärt. 
Im ersten Versuche kleben zuerst die klebrigen Plättchen an den Fäden 
an und dann die später auftretenden Fibrinnadeln, und es liegt ebenso- 
wenig eine Berechtigung vor, an ein causales Verhältniss zwischen 
Plättchen und Fibrin zu denken, wie etwa an eines der Zwirnsfäden 
zu den Plättchen. Dem zweiten Versuche gegenüber hat man nur 
nöthig, im Momente, in welchem unter dem Mikroskope die Fibrin- 
fäden auftreten, das zum Durchspülen verwandte Blut zu untersuchen. 
Man wird regelmässig in diesem dann schon die Fibrinnadeln finden, 
die sich also gar nicht an den Fäden gebildet haben, sondern ganz 
gleich wie im ersten Versuch an die zum Theil mit Plättchen über- 
zogenen Fäden herangebracht wurden und anklebten. 

Jeder Zweifel an einer völligen Unabhängigkeit der Fibrinfäden 
von der Substanz der Blutplättchen ist neuerdings durch die von Weigert^) 
entdeckte specifische Reaction auf Fibrin geschwunden. Behandelt man 
in Alkohol gehärtete Präparate von Gerinnseln analog wie bei der 
Schizomycetenfärbung nach Gräm, differenzirt aber statt in Alkohol 
nach der Jodbehandlung in Anilinöl, so gelingt es, die Bluttplächen 
völlig zu entfärben, die Fibrinnadeln hingegen auf das Intensivste ge- 
färbt zu erhalten. Es ist damit in der That gezeigt, was mit der 
einfachen Färbung durch Methylviolett nicht zu demonstriren war, dass 
die Blutplättchen kein Fibrin sind. 

Wenn man also die Ansicht eines directen Uebergangs der 
Plättchensubstanz in Faserstoff, ein Niederschlagen des letzteren auf 
jene allein, ein radienförmiges Ausstrahlen derselben von den Plättchen etc. 
als unrichtig aufgeben muss, so könnte man immerhin für event. ge- 
rinnungs erregende Eigenschaften der Plättchen gewisse Momente 
geltend machen. Man hat den Theorien A. Schmidt' s gemäss bisher 
immer angenommen, dass unmittelbar nach dem Aderlass im Aderlass- 
•blut ein massenhafter Zerfall von farblosen Blutkörpern stattfinde und 
dieser die Gerinnung errege. Fast alle neueren Autoren sind darin 
einig, dass ein solcher Leucocytenzerfall nicht statthat, sondern dass 
die Leucocyten vielmehr die relativ dauerhaftesten Zellen des Blutes 
sind. Stellt man nun aber diesen Leucocytenzerfall in Abrede, so 
muss man zugeben, dass in der That die Plättchenveränderung die 
„einzige Veränderung morphologischer Blutbestandtheile ist, welche 
während der Gerinnung beobachtet wird" ^), wie das Bizzozero be- 
merkt. Nach Zusatz concentrirter Salzlösungen, so z. B. schwefel- 
saurer Magnesia, schwefelsaurer Natronlösung etc., und von Glycerin 
zum Blute wird ebenso die Plättchenalteration wie die Gerinnung ver- 



^) Weigert, Ueber eine neue Methode zur Färbung von Fibrin und von Mikro- 
organismen. Fortschritte der Medicin 1887. Nr. 8. 
-) Virchoiv's Archiv Bd. XC. 



— 43 — 

zögert, und dasselbe erreicht man bei Abkühlung des Blutes auf 
— ^1 bis — 2° Celsius. Blzzozero giebt ferner an, dass er bei einer durch 
Kopfschlag getödteten weissen Ratte 1 ^,2 Stunden nach dem Tode das 
Blut noch flüssig und die Blutplättchen gut erhalten, wiewohl zum 
grossen Theile haufenweise gruppirt fand; ,zwei Stunden nach dem 
Tode dagegen erschienen die Blutplättchen aufgequollen und verun- 
staltet und dementsprechend war auch das Blut geronnen" ^). Er 
unterband auch die Carotis oder Jugularis von Hunden oder Kaninchen 
und fand, dass, trotzdem er beide völlig von den umgebenden Gefässen 
isolirte, die Blutgerinnung innerhalb derselben mehrere Stunden aus- 
blieb, dass aber, „so lange das Blut im Gefässe flüssig bleibt, die Blut- 
plättchen ihre normale Form bewahren". Es lässt sich gar nicht leugnen, 
dass ab und zu Veränderungen von Blutplättchen und Blutgerinnung 
zeitlich und örtlich zusammentreffen, aber es ist darum noch nicht auf 
einen Zusammenhang beider zu schliessen. Man erhält, wenn man sich 
bemülit, ungeronnenes und geronnenes Blut genau in zahlreichen Fällen 
auf den Zustand seiner Blutplättchen zu untersuchen, sehr häufig Be- 
funde, in denen der angegebene Parallelismus gar nicht besteht. Wir 
haben z. B. aus dem Herzen einer Katze , eines Hundes oder eines 
Menschen zu verschiedenen Zeiten, von 1 — 12 Stunden post mortem, 
kleine Partien vorhandener Grerinnsel eilig in indifferente Kochsalz- 
lösung resp. l°'nige Osmiumsäure getragen und zerzupft und konnten 
uns davon überzeugen, dass in einer ganzen Anzahl von Fällen die 
Blutplättchen ganz unversehrt neben und sogar in dem Gerinnsel lagen. 
Dann aber sahen wir umgekehrt im Lebervenenblut, in welchem die 
Gerinnung bekanntlich verzögert ist, eine rapide Plättchenalteration 
eintreten, die bloss dadurch von der im arteriellen Blute sich unter- 
schied, dass die peripheren Massen der Plättchen und Plättchenhaufen 
durch das Fehlen der Faserstofffäden weniger verzogen und sternförmig 
gestaltet erschienen. Das Lebervenenblut gewannen wir aus frischen 
Leichen dadurch, dass wir die Leber excidirten, eine grössere Leber- 
vene quer durchschnitten, in ihr Lumen ein dies völlig abschliessendes 
enges Reagensglas brachten und den Leberlappen leicht comprimirten. 
Bei kleineren Thieren thut man gut, die Lebervenen vor der Excision 
zu unterbinden, theils damit nicht zu viel Blut verloren geht, theils 
um ein Rückfliessen desselben aus der Cava zu verhüten. Dann sucht 
man einen grösseren Venenast zwischen zwei Lappen auf, schneidet 
ihn an und fängt das Blut mit dem Deckglase auf. Im Lebervenen- 
blut des Menschen fanden wir in einem Fall erst nach 5 Tagen die 
ersten Fibrinnadeln, bei der Katze meist viel früher, und beim Kaninchen, 
dessen arterielles Blut ja sehr rasch extravasculär gerinnt, war nur auf 
Stunden die Faserstoffabscheidung zu vermissen. Ohne auf die Ur- 
sachen einzugehen, die eine Verzögerung der Gerinnung im Leber- 
venenblut bewirken, wollen wir hier bloss die Thatsache registriren, 
dass im unvermischten Blut die Plättchenalteration und die Faserstoflf- 
gerinnung nicht zwei untrennbare Begriffe sind und dass es sich in 
jedem Fall, wo beide zusammen angetroffen werden, um eine einfache 
Coordination zweier von einander unabhängigen Processe handelt. 

Stellt man nun auch in Abrede, dass Blutplättchen aus sich heraus 



Virehow's Archiv Bd. XC. p. 308. 



— 44 — 

Fibrinmassen formen, oder dass irgend ein Zusammenhang zwischen 
ihrer Veränderung und der Blutgerinnung bestehe , so könnte man 
doch den Gedanken an eine Betheiligung derselben bei der Coagula- 
tion aufrecht erhalten, wenn man annähme, dass sie irgend eine un- 
sichtbare Substanz absonderten, die die Gerinnung hervorbrächte. 
Schon Hayem, der zuerst die specifische Rolle der Blutplättchen (Häraato- 
blasten) an der Blutgerinnung behauptete, äussert eine dahin gehende An- 
sicht. Er meint, es sei durchaus nicht nothwendig, dass die Blutplättchen 
immer in corpore beim Gerinnungsprocesse vorhanden wären, und dass 
das Fibrinnetz sich sehr wohl ohne die Anwesenheit veränderter Plättchen 
bilden könne. „Mais," setzt er hinzu, „nous ne croyons pas que cette 
fibrine puisse apparaltre sans que les hematoblastes en s'alterants aient 
perdu quelque chose d'eux memes, aient fourni par consequent au 
plasma la substance qui parait lui manquer pour se prendre en gelee" -^j. 
Ganz dasselbe nimmt Bizzozero an, wenn er sagt, dass seine Ansicht 
durchaus nicht die Gegenwart mikroskopisch sichtbarer Plättchen bei 
der Gerinnung voraussetze , und dann für den Speichel thatsächlich 
die Annahme macht, dass darin zwar keine Blutplättchen vorhanden, 
dennoch aber die gelösten Bestandtheile derselben wirksam seien und 
deshalb derselbe Gerinnung bewirke. Diese Frage, ob die Blut- 
plättchen in mehr chemischer Weise, durch Absonderung eines Fer- 
mentes im Sinne A. Schmidt' s , die Fibringerinnung bewirken , haben 
wir selbst nicht näher geprüft. Lötvit ^) hat sich damit sehr eingehend 
beschäftigt. Er hat u. a. nachgewiesen, dass in der Kaninchenlymphe, 
welche kein Blutplättchen enthält und doch gerinnt, irgend ein in 
Lösung vorhandener Körper als gerinnungserregender Factor (Ferment) 
nicht vorhanden ist. Andererseits stellte er fest, dass auch im Blute 
die Plättchen nicht das gerinnungserzeugende Moment darstellen. 

Nach allen diesen Befunden muss man annehmen, dass 
die Blutplättchen in keiner Weise die Blutgerinnung 
bedingen. 



') Op. cit. 

'-) Löicit, Ueber das coagulative Vermögen der Blutplättchen. LXXXIY. Bd. 
d. Sitzungsber. d. k. Akad. d. W. zu Wien 1884. III. Abth. 



45 — 



Capitel IV. 

Beobachtung von Thrombenbildung im circulirenden Blute 

des Säugethiers. 

Bedeutung der Circulatiousbeobaclitung für die vorliegende Frage — Technische 
Bemerkungen — Normaler Blutstrom — Der axiale Fluss der Blutkörper — Phy- 
sikalische Gesetze der Blutcirculation — Die sog. Randstellung der Leucocyten — 
Die Randstellung der Blutplättchen — Die Bedeutung der Stromverlangsamung 
und der Wirbelbildung — Experimente — Compressionen und Ueberstreichen von 
Gefässen — Rothe hyaline Thromben — Aetzungen von Gefässen — Die Blut- 
plättchen bilden Thromben — Die farblosen und rothen Blutkörper betheiligen 
sich nur in secundärer Weise an der Thrombose — Gemischte und geschichtete 
Thromben — Bedeutung der Gefässwandverletzung für die Erzeugung von Throm- 
ben — Wachsthum und Schwund von Thromben. 

Wie wir aus den einleitenden geschichtlichen Bemerkungen er- 
sehen haben, sind unsere Kenntnisse über das Wesen der Thrombose 
auf sehr verschiedenen Wegen gewonnen. Erfahrung aus klinischen 
Thatsachen, aus Sectionsbefunden , aus dem Thierexperiment und aus 
Beobachtungen des strömenden Blutes setzen sie zusammen. Die Dig- 
nität dieser einzelnen Erfahrungen ist eine verschiedene, entsprechend 
den verschiedenen Seiten dieser Frage. In Bezug auf die Bildungs- 
weise der Thromben tritt aber die Beobachtung des intravasculären 
strömenden Blutes offenbar in den Vordergrund. Nur mit ihrer Hülfe 
ist es eigentlich möglich , die successive Entstehung der Gefässver- 
stopfungen zu verfolgen, und thatsächlich haben wir auch erst seit den 
Circulationsbeobachtungen von Zahn (1875) eine correctere Vorstellung 
über diesen Punkt erhalten. Durch den Gedanken, dass der dritte 
Formbestandtheil des Blutes, die Blutplättchen, an der Thrombose in 
wesentlicher Weise sich betheiligen könnten, ist der Werth der Circu- 
lationsbeobachtung für das Studium der Thrombose noch gestiegen. 
Wir haben ja oben gesehen (Gap. II), dass die Blutplättchen sich bisher 
nur deshalb der genaueren Kenntniss entzogen haben, weil sie überaus 
hinfällige Elemente sind, die auf die geringfügigsten abnormen Ein- 
flüsse bis zur Unkenntlichkeit sich verändern und in ihren physiolo- 
gischen Verhältnissen eigentlich nur im strömenden Blute zu beob- 
achten sind. 

Bizzozero hat zuerst auf das Vorkommen der Blutplättchen im 
strömenden Blute aufmerksam gemacht; er ist es auch, der zuerst 
durch Circulationsbeobachtung beim Warmblüter die Betheiligung der- 
selben an der Thrombose festzustellen suchte. Bei seiner Versuchs- 
anordnung lagerte er ein kleines Meerschweinchen auf eine Glasplatte, 
steckte das Mesenterium des Thieres auf einen Korkring fest und be- 
feuchtete es mit lauer indifferenter Kochsalzlösung — ganz analog wie 
es die Technik beim Frosch vorschreibt. Er giebt an, dass bei der 
unvermeidlichen Zerrung, welche die Gefässmembran bei solchen Experi- 
menten erlitte, in den gezerrten Gefässen Thromben aus Blutplättchen 



— 46 — 

entstünden, und tlieilt dann noch mit, dass es ihm auch gekingen sei, 
nach Compression eines Gefässes mit einer Nadel an der Compressions- 
stelle eine Anhäufung von Bhitplättchen zu sehen. Hlava, der diese 
Verhältnisse nachgeprüft hat, ist, obgleich er die Anwesenheit von 
Blutplättchen im normalen strömenden Blute keineswegs leugnet, 
nach ähnlichen Versuchen aber zu einem anderen Resultate gekommen 
und behauptet, dass auf die oben erwähnten Eingriffe hin doch 
nur Leucocyten auch beim Warmblüter an der Gefässwand haften 
blieben. 

Löwit ^) leugnet in einer neueren Arbeit zwar nicht die hervor- 
ragende Betheiligung der Blutplättchen an der Thrombose beim Säuger, 
wohl aber beim Kaltblüter. Beim letzteren seien die Thromben nur 
echte Leucocytenthromben. 

Dass bisher überhaupt nicht ausgedehntere und häufigere Circu- 
lationsbeobachtungen beim Warmblüter angestellt worden sind, liegt 
hauptsächlich an den technischen Schwierigkeiten. Die von uns er- 
dachte Vorrichtung, Gefässgebiet und Linse beide tief in eine indiffe- 
rente und wohltemperirte Flüssigkeit zu immergiren, hat sich gerade 
hier bei den stundenlangen Beobachtungen der thrombotischen Circula- 
tionsstörungen durch Einfachheit und Güte bewährt. Wir haben die 
technischen Details derselben oben (Cap. II) bereits eingehend ge- 
schildert. Bei kleinen Thieren sind wir genau in der dort angegebenen 
Weise verfahren, d. h. wir haben die ganzen Thiere in die mit Glas- 
boden versehene Wanne gelegt und diese dann auf dem Tisch des 
Mikroskopes placirt. Es hat diese Methode den grossen Vortheil, der 
besonders bei stundenlanger Beobachtung sehr ins Gewicht fällt, dass 
die Thiere selbst in der normalwarmen Badeflüssigkeit liegen und bei 
der langen Dauer absoluter Ruhe, in der sie bleiben müssen, sich nicht 
abkühlen können. 

Wir würden unsere Untersuchungen ausschliesslich wohl mit 
diesem Verfahren ausgeführt haben, wenn wir nicht gerade an klei- 
nen Thieren Mangel, an grösseren und speciell an Hunden ITeberfluss 
gehabt hätten. Bei vielen kleinen jungen Thieren ist aber auch der 
Fettreichthum der Gefässmembranen sehr störend. Die grösste Zahl 
unserer Versuche betrifft daher Hunde von circa ein bis zwei Fuss 
Rückenhöhe. Wir haben hier auf folgende, allerdings weniger schonende 
Art operirt; aber thatsächlich kam es uns ja bei unseren Versuchen 
hier weniger darauf an, Circulationsstörungen ganz zu vermeiden, sondern 
vielmehr, sie stundenlang zu beobachten. 

Auf ein Brett, welches ungefähr in der Höhe des Mikroskop- 
tisches über dem Arbeitstisch angebracht ist, werden die narkotisirten 
Thiere durch straffes Anschlingen der vorderen und hinteren Extre- 
mitäten so gefesselt, dass das Abdomen an der einen Kante des Brettes 
liegt. Durch eine horizontale Rückenstütze wird nun das Abdomen 
des Thieres über den Rand des Brettes hinausgedrängt. Unter dies 
herabhängende Abdomen wird nach der Laparotomie die oben be- 
schriebene Wanne mit Ab- und Zufluss gestellt, welche selbst mit 
ihrem Glasboden auf dem Tisch eines gewöhnlichen Mikroskopes ruht. 
Das Licht Avird links vom Beobachter bezogen, zur rechten Seite steht 



^) Archiv für exper. Pathologie Bd. XXIII. 



— 47 — 

ein Zeichenpult. Wir haben in unseren Versuchen mit Vorliebe das 
Omentum benutzt, welches bei Hunden und auch bei Meerschweinchen 
für unsere Zwecke sehr gut ausgebildet ist. Bei Kaninchen muss man 
sich allerdings au das Mesenterium halten, weil das Omentum meist 
rudimentär und dazu häufig noch erkrankt (mit Cysticercen durchsetzt) 
ist. Der Bauchschnitt wurde gewöhnlich im linken Mesogastrium, 
nicht länger als 2 — 3 cm., angelegt. Zunächst iucidirten wir bloss 
bis auf das Peritoneum und eröffneten dieses erst nach sorgfältiger 
Blutstillung, um das Omentum möglichst rein zu halten. Dieses wurde 
dann sorgfältig herausgezogen und auf einer runden, auf Korkstützen 
über den Boden des Gefässes prominirenden Glasplatte meist ohne 
weitere Fixirung einfach ausgebreitet. 

Als Linsen haben wir für stärkere Vergrösserung Hartnack X 
angewandt, für schwächere, wie auch schon Thoma , mit sehr gutem 
Erfolg die trocknen Systeme IV, V und VI von Hartnack immergirt. 

Von dem zur Immobilisirung der Thiere bei Circulationsbeobach- 
tungen so gebräuchlichen Curare haben wir hier keinen Gebrauch ge- 
macht, vielmehr ausschliesslich Narkotica benutzt, nachdem wir uns 
schon vorher durch Beobachtungen am einfach gefesselten Thiere von 
der Unschädlichkeit derselben in Bezug auf die Verhältnisse des Blutes 
und des Blutstroms im Allgemeinen und für unsere Zwecke besonders 
wiederholt überzeugt hatten. Am geeignetsten fanden wir die com- 
binirte Morphium-Chloralnarkose. Die Dosen dürfen nicht zu klein 
sein und das Morphium muss auf einmal gegeben werden, da es be- 
kanntlich nicht cumulative Wirkung entfaltet. Einem mittelgrossen 
Hund spritzen wir von einer concentrirten wässrigen Lösung von 
Morphium sulf. erst 7 — 10 Pravaz'sche Spritzen voll in die Haut des 
Rückens und dann ebenso nach und nach bis zur völligen Erschlaffung* 
und Anästhesie 1 — 2 g Chloralhydrat. Danach pflegen die Hunde 
regungslos zu schlafen. Während einer solchen langen Immobilisirung 
ist es zweckmässig, sie mit warmen Tüchern bedeckt zu halten, damit 
die Körpertemperatur nicht zu sehr sinkt. 

Hat man in der angegebenen Weise das Omentum eines Hundes 
oder Meerschweinchens zur Beobachtung hergerichtet, und unterwirft 
man dasselbe einer mikroskopischen Betrachtung, so erscheint der Blut- 
strom sowohl in den Arterien wie in den Venen und Capillaren über- 
aus schnell, während er doch in Wirklichkeit relativ langsam ist ^). 
In diesem rapiden Blutstrom, der nach den zahlreichen Erfahrungen, 
die über die Circulation des Blutes schon gesammelt sind, als normaler 
anzusehen ist, strömen nun bekanntlich die Blutkörper nicht bunt 
durch einander, sondern halten in ihrem Laufe eine gewisse constante 
Ordnung ein. Das Gefäss ist nicht gieichmässig mit ihnen erfüllt, 
sondern in der Axe desselben fliesst ein breiterer rother Strom, während 
an den Seiten eine hellere, schmalere Zone von Plasma erscheint. In 
den Venen und den grösseren Capillaren ist dieser Stromcharacter am 
deutlichsten ausgesprochen und in ihnen erblickt man bei der Flächen- 
ansicht in der Mitte des Gefässes einen etwa ^/ö des Durchmessers 
einnehmenden rothen Streif, der sich scharf gegen zwei ihn beiderseits 



^) Nach Weher und Viero7-dt ist die Geschwindigkeit des Stroms in den 
Capillaren 0,5 — 0,9 mm per Secunde. 



— 48 



Fig. 15. 



r 



einfassende, je '/^ Durchmesser einnehmende helle Streifen absetzt 
(Fig. 15). In den Arterien ist der rothe Strom etwas breiter und 
dementsprechend sind die plasmaerfüllten Randzonen etwas verschmälert. 
Nur in den kleinsten Capillaren, die gegen 2 — 7 cm 
breit sind und zum Theil kaum noch für die Passage 
eines Blutkörperchens genügen, hört diese Differenzi- 
rung in Axenstrom und Plasmazone auf; aber hier 
strömt überhaupt das Blut nicht gleichmässig , bald 
fliessen mehr, bald weniger Blutkörper in demselben 
und nicht selten führen sie vorübergehend bloss Plasma. 
In dem Axenstrom ist bei der normalen Strom- 
geschwindigkeit von einzelnen Blutkörpern nichts zu 
sehen, und es wird auch unmöglich sein, sie hier auf 
irgend eine Weise zur Demonstration zu bringen, da 
man bei geringer Vergrösserung die einzelnen Körper 
wegen ihrer Kleinheit, bei grösserer wegen ihrer ent- 
sprechend erhöht erscheinenden Stromgeschwindigkeit 
nicht zu erkennen vermag. Der Axenstrom sieht 
daher im normalen Blutfluss homogen, roth, aus und 
zeigt als einzige Differenzirung eine verschwommene 
Längsstreifung, als Ausdruck des parallelen, gerad- 
linigen Flusses seiner Körper. In den Randzonen 
aber bemerkt man deutlich , wie ab und zu Leuco- 
cyten weit langsamer als die Elemente des Axenstroms 
dahinfliessen (Fig. 15 c), und bei einiger Aufmerksam- 
keit sieht man ganz genau, dass sie kugelig sind und 
ruckweise , rollend an der Gefässwand herabgleiten. 
Es sind also dies die einzigen corpusculären Elemente, 
die der normale Blutstrom einzeln erkennen lässt. 

Dieses scheinbar so räthselhafte Bild des Blut- 
stroms beruht nun auf eigenthümlichen mechanischen 
Verhältnissen, deren Verständniss uns durch die phy- 
sikalische Forschung näher gerückt ist. Zunächst 
wissen wir [Poiseiiüle, Helmlioltz), dass der Flüssigkeits- 
strom in Röhren keineswegs in allen Theilen gleich 
schnell ist, sondern dass von der die Wand benetzen- 
den Flüssigkeitsschicht, deren Bewegung gleich Null 
ist, nach der Axe der Röhre die Geschwindigkeit zunimmt und in 
dieser selbst am grössten ist. Berechnungen statuiren für diese Pro- 
gression den Character einer Ellipse. Man hat also danach nicht zu 
glauben, dass die Bewegung des Blutes im Gefäss wie das einfache 
Durchgleiten eines in seinem Zusammenhange festen Körpers durch eine 
Röhre vor sich gehe — etwa so wie ein Metallstab sich durch eine 
Hülse schiebt — , sondern man muss dabei an einen inneren Fluss der 
einzelnen Theile denken. Man hat sich den Blutstrom etwa als eine 
Reihe in einander gesteckter concentrischer Flüssigkeitscylinder vorzu- 
stellen, von denen die mittleren sich weit schneller als die äusseren 
vorschieben. 

Diese Auffassung des Blutstroms ist aber für die Beurtheilung 
des geschilderten Strombildes schon sehr wichtig. Wenn man anzu- 
nehmen hat, dass die Randzonen um vieles langsamer strömen als die 



i a 7, 



Normaler Blutstrom 
in einem Gefäss des 
Omentum vom Hund, 
a axialer Strom der 
rothen Blutkörper, 
b periphere Zone von 
Plasma, darin c farb- 
lose Blutkörperclien. 



— 49 — 

axialen Partien, so ist damit gleich die einfachste Erklärung dafür gegeben, 
wesshalb die weissen Blutkörper in diesen peripheren Stromschichten 
langsam herabrollen. Man hat es gar nicht nöthig, wie dies von 
vielen Autoren geschehen ist, an die „Klebrigkeit" der farblosen Blut- 
körper zu appelliren (Cohnheim) ^). Umgekehrt kann man sich nun 
aber sagen, dass wenn man in diesen Randzonen weder rothe Blut- 
körper noch Blutplättchen sieht, diese hier überhaupt nicht vorhanden 
sind. Denn wenn die Verlangsamung des Stroms in seiner Peripherie 
so gross ist, dass man Leucocyten so genau und deutlich erkennen 
kann, so ist ja gar nicht abzusehen, warum man hier nicht auch jene 
erblicken sollte, wenn sie da wären. 

Für die Richtigkeit dieser mechanischen Auffassung des Strom- 
bildes hat Schklarewsky ^) den experimentellen Nachweis gebracht. 
Schklarewskij sog theils defibrinirtes Blut, theils verschiedene, in Flüssig- 
keiten suspendirte unlösliche Farbstoffpartikel durch dünne Glascapil- 
laren, während er diese mikroskopisch beobachtete. In all diesen Fällen 
fanden sich vollkommen übereinstimmende Bilder mit denen des Blut- 
stroms im Gefäss: die ausgesprochene und grosse Differenz in der Ge- 
schwindigkeit der mittleren und peripheren Stromschichten und der 
eigenthümliche Axenstrom. Ja sogar die Art der Fortbewegung der 
einzelnen Körper war ganz dieselbe wie die intravasculäre. Ganz wie 
dort die Leucocyten, waren es hier die in der Randzone strömenden 
Elemente, welche in einer mehr rollenden, und hier wie dort die axial 
fliessenden, die in einer parallel zur Axe und mehr geradlinig fort- 
schreitenden Bewegung waren. Das schönste Resultat der Unter- 
suchungen von Schklaretrsky ist offenbar die endgültige Erklärung, 
welche seine Experimente über die Ursache jener eigenthümlichen 
Vertheilung der Blutkörper im Strom — jener, wie sie genannt wird, 
„itio in partes" — geben. Liess Schklarewsky Körner von verschiedenem 
specifischen Gewichte, in Kochsalzlösung suspendirt, durch die Glas- 
capillaren strömen, so z. B. Graphit- und Carminkörner, Carmin und 
Colophonium, Carmin und Milch, Zinnober und Carmin etc., so beob- 
achtete er eine ganz ähnliche Sonderung wie im Blute. So strömten 
z. B. in der Graphit-Carminmischung die Graphitkörner in der Axe 
des Gefässes, die Carminkörner in den peripheren Schichten. Stets 
zeigte es sich nun hier, dass die Körper, die in der Suspensionsflüssig- 
keit am schnellsten fielen, d. h. die specifisch schwersten, im Strom 
in den Partien der grössten Geschwindigkeit, also in der Axe anzu- 
treffen waren, die specifisch leichtesten aber in den Randschichten 
flössen. Von diesem Gesichtspunkt aus erscheint also die „itio in 
partes" als die Folge der verschiedenen Stromgeschwindigkeit in den 
verschiedenen Theilen des Gefässlumens und der Differenzen im spe- 
cifischen Gewichte der Blutkörper. 

Anm. Ein englischer Autor — J. J. Hamilton, M. B. F. R. S. E., Professor of 
pathol. Anatomy of the University of Aberdeen — hat im Journal of Physiology 
(Vol. V, No. 2) den Untersuchungen Schklarewsky' s entgegengehalten, dass es nicht 
auf die ungleiche Stromgeschwindigkeit im Gefässlumen ankomme, sondern viel- 
mehr auf die Differenz des specifischen Gewichts der corpusculären Elemente und 
des Plasmas. Von Körpern, die, in einer Flüssigkeit suspendirt, durch eine Röhre 



^) Co/mÄe»», Vorlesungen über ailgemeiue Pathologie. Berlin 1882. Bd. Lp. 238. 
^) Archiv für Physiologie von Pflüger Bd. I. 
Eberth und Schimmelbuscli, Die Thrombose. 4 



— 50 — 

flössen, strömten nur die in der Axe, deren specifisches Gewicht gleich oder 
"wenigstens nahezu gleich dem der Flüssigkeit sei. Alle specifisch leichteren oder 
schwereren Elemente flössen an der Peripherie, und zwar unterlägen sie dann dem 
Einfluss der Schwerkraft, insofern als die leichteren an der oberen, die schwereren 
an der unteren Wand der Capillare resp. des Gefässes dahinroUten. Die farblosen 
Blutkörper strömten in der weitaus grössten Zahl resp. alle an den oberen Wänden 
der Capillaren oder grösseren Gefässe, was man bei Circulationsbeobachtungen aber 
nur dann sehen könne, wenn man ein Gefäss in horizontaler Lage und mit senk- 
recht und ebenfalls horizontal darauf gerichtetem Tubus mikroskopisch betrachte. 
Der Autor glaubt, dass die Constanz des specifischen Gewichts des Blutplasmas von 
grosser Bedeutung für die Erhaltung normaler Circulationsverhältnisse sei, da z. B. 
bei einer Abnahme des specifischen Gewichts des Plasmas auch eine Difi"erenz des 
specifischen Gewichts zwischen rothen Blutkörpern und Plasma zu Stande käme 
und dann auch diese an die Peripherie des Stromes sich begäben. Träten dann 
grosse Mengen von rothen Blutkörpern an die Gefässwände, so werde die Reibung 
des Blutstroms ganz ausserordentlich vermehrt, und es komme zu Stagnationen. 
Daraus sollen sich die Stauungserscheinungen bei Albuminurie, die Ventrikelhyper- 
trophie etc. erklären. Die Theorie von Hamilton mag geistreich durchgeführt sein, 
aber sie geht von falschen Voraussetzungen aus und zerfliesst damit in ein Nichts. 
Die Ausführungen des Autors basiren auf der Annahme, dass die rothen Blutkörper 
ebenso schwer wie das Blutplasma, die farblosen sogar leichter seien. Aus den 
verschiedensten Umständen — man denke nur an die Senkungserscheinungen der 
Blutkörper in langsam gerinnenden Blutarten, z. B. dem Pferdeblut — geht un- 
zweideutig hervor, dass alle Blutkörper schwerer als das Plasma sind. Darüber 
sind auch alle Physiologen einig, und nach dem Lehrbuch von Landois ist der 
Gewichtsunterschied nicht unbedeutend; die Blutkörper haben das specifische Ge- 
wicht 1,105, das Blutplasma 1,027. Mit der Beobachtung, dass die farblosen Blut- 
körper an der oberen Wand der Gefässe dahinrollten, steht Hamilton jedenfalls 
auch ganz isolirt da ; trotz der zahlreichen Circulationsstudien ist noch von Niemand 
ein derartiges Verhalten des Blutstroms gesehen worden. 

Die weissen Blutkörper fliessen in der Randzone des Blutstroms, 
weil sie specifisch leichter als die rothen Blutkörper, die rothen in dem 
Axenstrom, weil sie die schwersten Elemente sind. Das Verhältniss 
des specifischen Gewichts der Blutplättchen zu dem der anderen Blut- 
körper können wir wegen der ausserordentlichen Veränderlichkeit dieser 
Elemente im extravasculären Blute aus dem Senkungsverhältniss nicht 
entnehmen ; würde aber ein Schluss aus den geschilderten Verhältnissen 
der anderen Blutelemente erlaubt sein, so könnte man sagen, dass die 
Blutplättchen, weil sie im normalen Strom, wie die rothen Blutkörper, 
nicht in der Randzone fiiessen, sondern nur in der Mitte des Gefäss- 
lumens, auch den rothen Blutkörpern in Beziehung auf das specifische 
Gewicht nahe stehen. 

Damit aber sind wir zu einer ziemlich abgerundeten Vorstellung 
über den normalen Blutstrom gelangt. Im normalen Blutstrome 
fliessen die Blutplättchen und die rothen Blutkörper als die 
schwersten Elemente (und vielleicht einige Leucocyten) in 
der Axe desGefässes, wo die grösste Geschwindigkeit herrscht 
und bei der mikroskopischen Beobachtung der Circulation 
kein einzelnes Element unterschieden werden kann. Der 
axiale Strom dieser ist ringsum eingehüllt von einer Zone 
von Plasma, die langsamer strömt — nach unserer Schätzung 
10 — 20mal langsamer — und in der die Leucocyten als die 
specifisch leichtesten Elemente dahinrollen. 



51 



Fi^. 16. 



Von dieser normalen Stromanordnung kennt man nun eine Ab- 
weichung, welche man als „Randstellung der Leucocyten" be- 
zeichnet. Die Erscheinung besteht bekanntlich darin, dass während 
der Blutstrom selbst deutlich sich verlangsamt, so dass z. B. die rothen 
Blutkörper annähernd einzeln zu erkennen sind, die plasmatische Rand- 
zone mit einer ausserordentlich grossen Anzahl von weissen Blutkörpern 
sich füllt (Fig. 16). Statt dass, wie im normalen Blutstrom, ab und 
zu ein Leucocyt an der Gefässwand herabrollt, fliessen sie hier dicht 
hinter einander und lassen in dem Flächenbild den rothen axialen 
Strom perlschnurartig von Leucocyten eingefasst 
erscheinen. Der Name Randstellung, der gewohn- 
heitsgemäss und allgemein gebraucht wird, ist für 
das Phänomen insofern nicht ganz bezeichnend, als 
er die Vorstellung erwecken könnte, dass die in 
der plasmatischen Randzone erschienenen Elemente 
eine feste Stellung hätten, fest sässen. Thatsäch- 
lich aber befindet sich der grösste Theil aller dieser 
Leucocyten in einer langsam vorwärts rollenden 
Bewegung, und besonders ist dies in den geringeren 
Graden der Erscheinung der Fall. In den höheren 
Graden, in welchen massenhaft die weissen Blut- 
körper im Gefäss erscheinen und oft in zwei bis 
drei Schichten über einander sich schieben, sieht 
man allerdings auch immer einzelne an der Gefäss- 
wand anhaften — es sind dies die Elemente, die 
im Begriff sind zu emigriren. Im Allgemeinen hat 
man sich in letzter Zeit der Ansicht zugeneigt, die 
Randstellung der Leucocyten als eine Folge der 
Stroraverlangsamung anzusehen. Es ist dies eine 
Auffassung, die auch von Thoma in seinen Circu- 
lationsbeobachtungen über entzündliche Vorgänge 
im Säugethiermesenterium vertreten worden ist. 
Auch wir können auf Grund unserer Beobachtungen 
uns dieser Meinung nur anschliessen und müssen in 
der Abnahme der Stromenergie das wesentliche 
Moment für diese Anhäufung der Leucocyten er- 
blicken. Man muss nur nicht glauben, dass jede 
kurzdauernde, vorübergehende Verlangsamung 
des Blutflusses gleich ausgedehnte Randstellung 
hervorruft und eine oberflächliche Compression ge- 
nüge, Tim Massen von Leucocyten im Gefäss sicht- 
bar werden zu lassen. Die Randstellung ist eine 
Erscheinung, die zu ihrer Ausbildung eine gewisse 
Zeit erfordert und die ebensowenig plötzlich wieder verschwindet. An 
Ort und Stelle sind im Blute Leucocyten in hinreichender Zahl gar 
nicht vorhanden, um massenhaft hervortreten zu können — auf 300 
rothe Blutkörper kommt bekanntlich günstigen Falls ein weisses — , 
es müssen erst die Massen aus dem Gesammtblute herangetrieben 
und in dem verlangsamten Strombezirk abgesiebt werden. 

Die Randstellung der Leucocyten ist in einer gewissen graduellen 
Abhängigkeit von der andauernden Stromverlangsamung, so dass mit 




Gefäss aus dem Omen- 
tum eines Hundes mit 
verlangsamter Blutströ- 
mung. Randstellung der 
Leucocyten. a axialer 
Strom rother Blutköiiier, 
einzelne Elemente an- 
nähernd sichtbar, h peri- 
phere Plasmazone, c Leu- 
cocyt. 



— 52 — 

der Abnahme der Stromgeschwindigkeit die Randstellung allmäKg zu- 
nimmt. Doch geht dies nur bis zu einem bestimmten Punkte. Bei 
einer gewissen Grösse der Verlangsamung, bei welcher z. B. die ein- 
zelnen rothen Blutkörper schon sehr gut erkannt werden können, er- 
reicht die Erscheinung ihr Maximum, und wenn dann der Blutstrom 
noch langsamer wird, so nimmt sie wieder ab. Es werden weniger 
weisse Blutkörper vom Strome mitgebracht, immer aber von den vor- 
handenen wieder einige fortgespült, während mehr oder weniger aus- 
wandern. Zu dieser Zeit aber tritt noch eine andere Erscheinung auf, 
welche bisher übersehen worden ist. Man bemerkt, wie ab und 
zu ein Blutplättchen aus dem Axenstrom herausfliegt und 
zwischen den Leucocyten in der plasmatischen Randzone 



Fig. 17. 



Fiff. 18. 





Gefäss aus dem Omentum eines Hundes bei 
andauernder starker Stromverlangsamung. 
Beginnende Randstellung der Blutplättchen, 
a axialer Strom der rothen Blutkörper, b plas- 
matische Zone, c Leucocjrt, d Blutplättchen. 



G-efäss aus dem Omentum eines Hundes. Starke 
Stromverlangsamung. Randstellung der Blut- 
plättchen ausgebildet, a a Leueocyt, bb Blut- 
plättchen, c rothe Blutkörper. 



erscheint (Fig. 17). Nimmt die Stromgeschwindigkeit wieder zu, so 
können die einzelnen Blutplättchen wieder in den Axenstrom hinein- 
gezogen werden und die alten Verhältnisse sich allmälig wiederher- 
stellen. Bleibt aber die Stromenergie gering, so häufen sich die Plätt- 
chen sehr bald in der Randzone an, und man erblickt dann nicht mehr 
einzelne, sondern ganze Gruppen derselben, in denen die einzelnen 
Elemente theils parallel zur Gefässwand, theils schräg gestellt, theils 
flottirend forttreiben. Es kommt also hier zu einer völligen Rand- 
stellung der Blutplättchen (Fig. 18). 

Bisher hat man drei verschiedene Bilder des Blutstroms gekannt : 
neben dem normalen Strommodus den mit Randstellung der Leuco- 
cyten und die Stagnation; mit dem Hinzufügen der Blutplättchenrand- 



53 



Fio-. 19. 



Stellung können wir jetzt vier verschiedene Stromtypen unter- 
scheiden. 

Einmal den normalen Strom mit ausgesprochenem axialen 
Fluss der rothen Blutkörper, Blutplättchen und der Mehrzahl der 
Leucocyten, sowie einer deutlichen plas- 
matischen Randzone, in der nur wenig 
Leucocyten rollen (Fig. 19); dann die 
ausgesprochene Randstellung der 
Leucocyten, bei der eine massige Ver- 
langsamimg des Blutstroms und eine er- 
hebliche Vermehrung der weissen Blut- 
körper in der Randzone zu bemerken ist 
(Fig. 20); drittens die Randstellung 
der Blutplättchen, bei der unter be- 
trächtlicher Abnahme der Stromenergie 
ein Erscheinen von mehr und mehr Blut- 
plättchen in der plasmatischen Randzone 
beobachtet wird, während die Leuco- 
cytenrandstellung abnimmt (Fig. 21); 
und viertens bei der Stagnation 

des Blutes eine bunte Vertheilung aller Blutelemente im Glefäss- 
lumen. 

Ausser der länger andauernden Strom verlangsamung giebt es 
dann aber noch ein anderes Moment, welches Leucocyten und Blut- 
plättchen in grösserer Zahl in den peripheren Stromschichten erscheinen 
lässt: die Wirbelbild uns'. Eine solche Wirbelbildunsc kommt im 




Gefäss aus dem Omentum eines Hundes 
im Querschnitt (scliematiscli). Normaler 
sclineller Blutstrom, a Strom in der 
Axe , b plasmatische Randzone , c Leu- 
cocyt. 



Fi^. 20. 



Fior. 21. 




Gefäss aus dem Omentum eines Hundes im 
Querschnitt (schematisch). Verlangsamter Blut- 
strom. Randstellung der Leucocyten. a Leu- 
cocyt, b rothes Blutkörperchen, c Blutplättchen. 




Gefäss aus dem Omentum eines Hundes im 
Querschnitt (schematisch). Andauernde stär- 
kere Verlangsamung des Blutstroms. Rand- 
stellimg der Blutplättchen, a Blutplättchen, 
b und c rothe Blutkörper, d d Leucocyten. 



Blutstrom überall da zu Stande, wo sich Unregelmässigkeiten des Ge- 
fässlumens, grössere Verengerungen oder Erweiterungen, spitze Her- 
vorragungen derart finden, dass die Circulation eine Behinderung er- 
fährt. Diese Wirbelbildung kann partielle Bezirke des Stroms erfassen 
oder auf den ganzen Strom ausgedehnt sein, je nach der Grösse des 
vorhandenen Widerstandes. Ob mehr Leucocyten oder ob mehr Plätt- 
chen bei einem Stromwirbel an die Peripherie treiben imd vor oder 



— 54 — 

hinter dem Hinclerniss sich ansammeln, das scheint wesentlich davon 
abzuhängen, ob zahlreiche Leucocyten in dem Grefäss circuliren oder 
nicht, und das würde also bedeuten, ob in dem Gefässe eine länger 
schon vorhandene Stromverlangsamung besteht. Rollen dicht hinter 
einander die Leucocyten an der Gefässwand hin, so ist es ja natürlich, 
dass sie in grösserer Anzahl vor dem Hinderniss sich anstauen oder 
die Ausbuchtung des Lumens erfüllen. Ist der Strom lebhaft, so ge- 
langen, wie schon oben erwähnt, überhaupt verhältnissmässig wenig 
Leucocyten an die betreffende Stelle, dafür aber immer viel mehr Plätt- 
chen, deren Zahl im Blute ja etwa 40- oder 50mal so gross ist wie 
die der farblosen Blutkörper. Bei der Wirbelbildung im lebhaften 
Strom kommt es dann natürlich mehr zur Anhäufung von Plättchen. 
Die schnelle Circulation mit dem normalen Stromtypus, wie sie 
im Beginn eines wohlgelungenen Experimentes dem Beobachter sich 
darbietet, ist in der Regel, selbst bei guter Function der Apparate, von 
beschränkter Dauer. Gewöhnlich nach einer Viertel-, nach einer halben 
Stunde , seltener erst nach 3 oder sogar 4 Stunden machen sich In- 
constanzen im Strom bemerkbar, er wird ab und zu langsamer. Die 
Verlangsamung tritt natürlich am sichtbarsten in den Capillaren und 
Venen auf und führt in den grösseren der ersteren und in den letzteren 
zu einer ausgesprochenen Leucocytenrandstellung. Lässt die Energie 
des Blutstroms zeitweise in erheblichem Masse nach, so kommt es auch 
hier und da zu einem Erscheinen von einzelnen Blutplättchen in der 
Randzone, zur Blutplättchenrandstellung. Diese Strömungsanomalien — 
die man natürlich jeden Augenblick, wenn sie nicht von selbst eintreten, 
durch vorübergehende Abkühlung oder Verdunstung des Omentums er- 
zielen kann — halten dann aber ihrerseits wieder oft ausserordentlich 
constant und lange an. Viele Stunden kann man den Blutstrom mit 
einer ausgedehnten Leucocytenmenge in der Plasmazone dahiufiiessen 
sehen imd immer aufs neue beobachten, wie hier und dort Blutplättchen 
zwischen den Leucocyten dahintreiben. Aber es ist bemerkenswerth, 
dass trotz der Dauer dieser Erscheinung und trotz ihres hohen Grades 
spontan und ohne dass weitere Schädlichkeiten das Gefäss treffen, eine 
Gefäss Verstopfung weder durch Leucocyten noch durch Blutplättchen 
beobachtet werden kann. Wohl schieben sich die weissen Blutkörper 
oft in mehrfacher Schicht über einander und zeigen sich an einzelnen 
Stellen Gruppen von Blutplättchen, aber beide werden immer wieder 
bald vom Strom aus einander und weiter geschoben. Daraus muss 
man zunächst schliessen, dass eine einfache, uncomplicirte 
Stromverlangsamung — sei es, dass sie zur L eucocyten- oder 
Blutplättchenrandstellung oder -anhäuf ung führt — hierdurch 
an sich und ohne weitere Complicationen zu einer Pfropf- 
bildung innerhalb der Gefässe nicht Veranlassung giebt. 



Um den Effect grösserer Insulte zu studiren, läge es offenbar am 
nächsten, Abkühlung und Verdunstung in höherem Grade auf die Mem- 
bran einwirken zu lassen. Entleert man das Salzbad und bleibt das 
Omentum einige Zeit trocken liegen, so stellen sich die heftigsten Cir- 
culationsstörungen auch bald ein. Man kann auf diese Weise alle 
Stadien derselben hervorbringen, aber die Wirkung ist eine diffuse, 



auf den ganzen, ausserhalb der BaucKhöhle gelegenen Theil des Omen- 
tums yertlieilte und führt leicht zu allgemeiner Stase in dem ganzen 
Gefässbezirk. Weit günstiger sind jedenfalls die Resultate mehr local 
applicirter Insulte und hier am einfachsten des rein mechanischen Ein- 
griffs einer Compression oder des Üeberstreichens der Gefässe mit 
einem stumpfen Instrument. Man muss darauf sehen, dass ein solches 
Werkzeug möglichst glatt ist, damit man besonders beim Ueberstreichen 
nicht Gefässrupturen erhält. Wir haben uns so geholfen, dass wir eine 
dünne und lange Karlsbader Nadel an der Spitze hakenförmig um- 
bogen, mit dem entgegengesetzten Ende in eine Schieberpincette ein- 
klemmten und mit dem Rücken des Hakens die Operation ausführten. 
Bei einer schwachen Vergrösserung — etwa Hartnack IV, Ocular 3 
oder 4 — wählt man nun ein Gefäss aus, verschiebt das Object, so 
dass es in die Mitte des Gesichtsfeldes zu liegen kommt, und hebt den 
Tubus. Das durch die Cylinderblendung fallende Licht lässt auf der 
Membran einen hellen kreisförmigen Fleck erscheinen, und wenn man 
mit dem Haken der Nadel genau in die Mitte dieses Fleckes drückt, 
so wird man in der Regel das ins Auge gefasste Gefäss comprimiren. Man 
drückt nun ziemlich unsanft und stellt dann die Linse schnell wieder 
ein. Ist der Versuch geglückt, so erblickt man in dem insultirten Ge- 
fässe und eventuell mehreren benachbarten Stase, während die an diese 
stagnirenden Partien stossenden Gefässe einen schnelleren Blutstrom 
als vorher zeigen. In dem Gebiet der stagnirenden Gefässe entdeckt 
man auch leicht die Compressionsstelle und überzeugt sich, dass man 
bei dem unsanften Drucke die Gefäss Wandungen völlig zusammen- 
gedrückt hat und dass sie in einem Punkte wie verklebt aussehen. 
Hier sind sie auch meist doppelseitig eingeknickt. Nach beiden Seiten 
von der Compressionsstelle aus befindet sich das Blut bis zur nächsten 
Collaterale in dem Gefässe in Ruhe. Sowohl in dem äusseren wie in 
dem centralen Theile des Lumens sind die Blutkörper anfangs bunt 
vertheilt. Sehr bald aber, oft schon nach 1 — 2 Minuten, beginnen die 
rothen Blutkörper sich enger zusammenzulegen und grössere und 
kleinere, das Lumen meist völlig einnehmende Massen zu bilden, zwischen 
denen Lücken von Plasma bleiben. Diese Massen rother Blutkörper 
erscheinen gleichmässig roth und völlig homogen. Wegen dieses Aus- 
Sehens hat man ihnen auch den Namen der rothen hyalinen Thromben 
gegeben. Sie sind aus den Circulationsbeobachtungen am Frosch- 
mesenterium, wo sie ganz ähnlich auftreten, schon bekannt. Wie be- 
reits aus der ganzen Entstehungsweise derselben hervorgeht, handelt 
es sich bei ihnen nicht um eine primäre Gefässverstopfung, sondern 
am eine secundäre Erscheinung. Man sieht diese hyaline rothe Throm- 
bose sehr häufig entstehen, und man kann sagen, dass sie sich überall 
da bildet, wo eine Blutsäule in einem Gefäss stagnirt, mit dem strö- 
menden Blute frei communicirt und hierdurch einem gewissen Drucke 
ausgesetzt ist. Wenn man zuerst diese hyalinen rothen Massen er- 
blickt, könnte man geneigt sein, an eine weitergehende Veränderung 
der rothen Blutkörper zu denken; die ganz gleichmässige rothe Farbe 
könnte sogar für den Augenblick den Gedanken an einen Hämoglobin- 
austritt wachrufen; aber man überzeugt sich leicht, dass hier weder 
von dem einen noch dem anderen die Rede sein kann. Sieht man zu- 
fällig die Stase in solchen Gefässabschnitten sich lösen, so kann man 



56 — 



Fig. 22. 



'5^ Cy 3 ( r'"^^/- 



^r 



~^\ 



einzeln die intacten rothen Blutkörper wieder fortfliessen sehen. Cohn- 
heim hat beim Frosch aus solchen hyalin thrombosirten Gefässen eine 
reichliche Diapedese rother Blutkörper beobachtet. Es handelt sich 
hier weder um eine Alteration der rothen Blutkörper, noch etwa um 
eine Blutgerinnung, sondern das ganze Phänomen ist offenbar eine 
Druckerscheinung. Wenn man sich Mühe giebt, die allmälige hyaline 
Verschmelzung der rothen Blutkörper zu verfolgen, wird man öfters 
beobachten, wie dieselben nach und nach gegen das Hinderniss im 
Gefässlumen — also etwa die Compressionsstelle — zusammengedrückt 
werden, indem das Plasma transsudirt. Die den rothen Blutkörpern 
eigene ausserordentliche Elasticität ermöglicht dann bei einem gewissen 
Grade der Compression ein optisches Verschwinden der Contouren. 

In dem Falle, dass die rothen Blutkörper gegen die verstopfte 
Stelle so gewissermassen zusammensintern, entsteht dann gewöhnlich, 
wenn das stagnirende Gefäss in ein grösseres mit guter Strömung ein- 
mündet, in dem stagnirenden an der 
Einmündung ein von rothen Blut- 
körpern freier, nur Plasma enthal- 
tender Raum. Führt der vorbei- 
fliessende Blutstrom grosse Mengen 
von Leucocyten in der Randzone, 
so werden diese naturgemäss in diesen 
Raum hineingewirbelt und füllen ihn 
bald mehr, bald weniger aus. Dies 
zeigt sich sehr deutlich in Fig. 22, 
die ein stagnirendes Verbindungs- 
gefäss darstellt, in welchem sich 
hyaline rothe Thrombose gebildet 
hat. Die rothen Blutkörper sind 
von beiden Seiten gegen die Mitte 
des Gefässes zusammengepresst wor- 
den, füllen dasselbe nicht mehr ganz 
aus und lassen daher an beiden Seiten 
gegen die erhaltene Circulation einen 
nur von Plasma erfüllten Raum. Bei 
der ausgesprochenen Leucocyten- 
randstellung, die der Blutstrom in 
den beiden Hauptgefässen zeigt, ist 
diese Lücke beiderseits mit Leucocyten ausgefüllt. In anderen Fällen, 
wo besonders weniger weisse Blutkörper im Blutstrom mitgerollt werden, 
ist die Erscheinung anders und füllen sich diese Lumentheile des stagni- 
renden Gefässes vielmehr mit Plättchen. Man beobachtet dann an der 
Stelle, an welcher der schnelle Blutstrom am stagnirenden Gefässe 
vorbeifliesst, am Rande des Axenstroms einen kleinen Wirbel und sieht 
von hier aus immer einige Blutplättchen in den körperfreien Raum 
hineinfliegen. Der Inhalt des stagnirenden Gefässes ist dabei nur 
selten in vollkommener Ruhe. Meistentheils setzen sich Pulswellen 
aus den strömenden Gefässen in die gestauten Partien fort und er- 
zeugen dort ein Hin- und Herschwanken der Blutsäule, das „va-et- 
vient". Durch dieses „va-et-vient" werden nicht nur die Blutplättchen 
stark durch einander gewirbelt, die von Anfang an im gestauten Blute 




a stagnirendes Gefäss, b Gefässe mit guter 
Blutcirculation , c wandständiger Blutplätt- 
chenthrombus , d d herangetriebene Leuco- 
cyten. Hartnack VIII, Ocul. 3. 



— 57 — 

vorhanden sind und die beim Zusammensintern der rothen Blutkörper 
mit einer gewissen Vorliebe sich in den plasmatischen Lücken sammeln, 
sondern auch die aus dem vorbeiströmenden Blute hineingewirbelten. 
Nach einiger Zeit beginnen diese Blutplättchen sich zu verändern, 
werden zackig etc. und verkleben dann sehr bald zu Haufen, weil sie 
eben stets an einander stossen. Je mehr Blutplättchen nun der Blut- 
strom an diese Haufen heranwirft, um so grösser werden diese, und 
unter Umständen können so recht ansehnliche und die ganze Mündung 
verstopfende Plättchenhaufen sich bilden. 

Ist aber die Compression mit der Nadel oder dem Drahte weniger 
energisch ausgefallen, so dass die Gefässwände nicht so stark zusammen- 
presst wurden, so gestaltet sich der nun folgende Process anders. Die 
Stase, die auch hier anfangs in einem oder mehreren Gefässen besteht, 
beginnt sich nämlich nach einigen Secunden wieder zu lösen. Hat man 
eben noch die Blutsäule in dem comprimirten Gefäss bewegungslos 
gesehen, so ist vielleicht schon im nächsten Moment Gelegenheit da, 
erst einzelne rothe Blutkörper, dann einen dünnen Blutstrom langsam 
die gedrückten Gefässwände wieder etwas aus einander pressen zu sehen. 
Während nun aber der Strom allmälig immer breiter wird und mehr 
und mehr das alte Lumen wiederherstellt, bemerkt man, wie an der 
Innenfläche der Gefässwand, dort wo man comprimirt hatte, Blut- 
plättchen haften bleiben. Nicht lange, so ist die ganze Länge der 
verletzten Stelle mit einer mehrfachen Schicht von Blutplättchen be- 
deckt, an die immer neue, in der plasmatischen Randzone des Blut- 
stroms erscheinende antreiben und sich ansetzen. 

Statt einer sanften Compression wendet man oft besser eine 
Ueberstreichung des ins Auge gefassten Gefässes an. Ganz genau lässt 
sich die Compression verfolgen und auf eine ganz bestimmte Stelle aus- 
üben, wenn man bei Hartnack IV, Ocular 4 oder 5, ohne die Einstellung 
der Linse zu ändern, dicht unter derselben mit einer massig spitzen 
Präparirnadel auf das Gefäss drückt. Dies gelingt bei ruhiger Führung 
der Nadel mit einiger Uebung bald jedesmal. Ab und zu drückt man 
mit der Nadelspitze mitten auf das Gefäss, meist aber weicht dasselbe 
etwas seitlich aus und man knickt es stark ein. Wenn nun an diesen 
Compressionsstellen, an denen die Verletzung der Gefässwand meist 
sehr deutlich sichtbar ist, der Blutstrom langsam vorüb er strömt , oder 
wenn an diesen Einknickungen der Wand Wirbel entstehen, so bemerkt 
man, wie auch hier wieder Blutplättchen haften bleiben und mehr oder 
weniger in das Gefässlumen prominirende Haufen bilden. 

Vergeblich haben wir uns bemüht, Gefässe mit einer Nadel an- 
zustechen, wie dies von Zahn ja beim Kaltblüter geschah. Bei diesem 
ist es auch uns ohne viele Mühe gelungen; aber beim Warmblüter 
haben wir regelmässig grosse Blutergüsse erhalten, die sich wieder- 
holten und das Gesichtsfeld mit einer solchen Unzahl von Blutkörpern 
bedeckten, dass die Beobachtung jedesmal bald aufhörte. 



Sehr schöne Erfolge lassen sich erzielen, wenn man mit An- 
wendung chemischer Mittel Gefässe verletzt. Wir haben hier, analog 
wie das Zahn beim Kaltblüter gethan hat, eine ganze Reihe verschie- 
dener Agentien benützt: Crotonöl, Alkohol, Aether, l'^/oige Sublimat- 



58 — 



Fiff. 23. 



lösung, Silbersalpeter, Kochsalz in Substanz etc. Beim Warmblüter 
ist aber die Application aller dieser Mittel sehr schwierig, weil ausser- 
ordentlich leicht der Insult zu gross wird und statt eines Cyclus von 
Störungen des Blutstroms gleich der Schluss, die Stase, erscheint. Man 
kann auch eigentlich keinem dieser Mittel einen besonderen Vorzug 
geben, denn bei allen ist das richtige Abstufen des Eingriffs ziemlich 
gleich schwer und der Erfolg viel vom Zufall abhängig. Zur Appli- 
cation hoben wir den Tubus, Hessen für den Augenblick das Salzbad 
ab, touchirten mit dem in dem Reagens angefeuchteten Pinsel die be- 
stimmte Stelle und spülten dann mit der indifferenten Salzlösung schnell 
ab, indem wir die Wanne wieder füllten. Auch nach einer gelungenen 

Aetzung sieht man in der Regel bei Wieder- 
aufnahme der Beobachtung in dem touchirten 
Bezirk Stase. In diesen gestauten Partien ist 
das Blut, je nach dem Mittel, welches an- 
gewandt wurde, verschieden alterirt. So findet 
man bei Kochsalzkrystallen und Sublimatlösung 
meist eine diffuse rothe Verfärbung des ganzen 
Blutes, herrührend von einem Hämoglobin- 
austritt aus den rothen Blutkörpern, bei Al- 
kohol totale Zerstörung der letzteren und bei 
l°/oiger Osmiumsäure eigenthümliche hell- und 
dunkelbraun verfärbte Stellen im Gefässinhalt 
und eine eigenartige, haufenweise Gruppirung 
der Blutelemente, die bald dichter, bald weniger 
dicht zusammenliegen. Bei einem gelungenen 
Experimente stellt sich aber in einem grossen 
Theile dieser stagnirenden Gefässe die Circu- 
lation wieder her, und diese Gefässe zeigen 
dann die interessantesten Bilder. Wenn der 
frische Blutstrom das veränderte Blut aus dem 
geätzten Gefässe verdrängt hat und langsam 
hindurchfiiesst, in Folge dieses langsamen 
Flusses zahlreiche Blutplättchen in seiner Rand- 
zone führt und diese mit den geätzten Gefäss- 
wänden in Berührung kommen — so werden 
sie nicht wie in intacten Gefässen längs der 
Gefässwände weitergetrieben, sondern blei- 
ben wieder, wie bei den mechanischen 
Wandverletzungen, haften. Ueberall sitzen 
dann in der ganzen Länge eines solchen Ge- 
fässes, parallel oder schräg zur Wand gestellt, 
die Blutplättchen an dieser fest, so dass das Gefäss wie mit Blut- 
plättchen gespickt aussieht. Dauern diese Verhältnisse des Blut- 
stroms an, so werden immer mehr Blutplättchen fixirt, und bald ist 
das ganze Gefäss mit einer continuirlichen Schicht von Blutplättchen 
austapeziert. Leucocyten werden gleichzeitig durch den schwachen 
Strom immer weniger herangetrieben, während immer einige im Gefäss 
vorhandene noch fortgerollt werden und andere auswandern. Die Zahl 
der festgeklebten und immer neu festklebenden Plättchen wächst nun bald 
ungeheuer an, so dass an ein Zählen der einzelnen gar nicht zu denken 




Gefäss Skiis dem Omentum eines 
Hundes nach Aetzung mit 
l0|oiger Osmiumsäure. Starke 
Antiäufung der Blutplättchen 
bei grosser Stromverlang- 
samung. a eingeengter Blut- 
strom, b Plättchenmassen, 
d dicht an der Wand sitzende, 
schon verklebteBluttplättchen, 
c Leucocyt. 



— 59 — 



ist. Immer mehr wird das Lumen des Gefässes durch diese Schichten 
von Blutplättchen eingeengt, und bald windet sich der Blutstrom nur 
noch wie ein rother Faden durch den engen, ihm gelassenen Canal 
(Fig. 23). Dabei verändern sich die angeklebten Plättchen ziemlich 
schnell. Die frisch angeklebten lassen oft eine morphologische Alte- 
ration selbst bei starker Yergrösserung nicht erkennen, aber sehr bald 
werden sie zackig, differenziren sich immer deutlicher in die körnige 
centrale und homogene periphere Masse und verleihen dadurch den 
Haufen, die sie bilden, ein 



Fig. 24. 



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feinkörniges Aussehen. Sie 
machen also die analogen 
Veränderungen wie im Ader- 
lassblute durch. 

Aus diesen verschie- 
denen Beobachtungen 
geht aber hervor, dass 
wenn bei Verletzungen 
der Gefässwand durch 
eine Verlangsamung oder 
Wirbelbildung des Blut- 
stroms den Plättchen Ge- 
legenheit gegeben ist, in 
den Randschichten des 
Stroms zu erscheinen 
und mit den verletzten 
Stellen der Wand in Be- 
rührung zu kommen, die- 
selben dort ankleben, 
und dass auf diese Weise 
mehr oder weniger aus- 
gedehnte Blutplättchen- 
haufen (Blutplättchen- 
thromben) entstehen. 

Setzen sich nun diese 
Thromben ausschliesslich aus 
Blutplättchen zusammen ? 
Eine grosse Zahl derselben 
thatsächlich. Man sieht die 
Bildung vieler Thromben mit 
einer Anhäufung einiger Blut- 
plättchen beginnen, an denen 
rothe Blutkörper vorbei- 
fliessen, über welche Leuco- 

cyten hinwegrollen, während immer neue Blutplättchen, aber keine 
anderen Elemente sich anlagern. Das Bild eines solchen Thrombus, 
wie er nach Ueberstreichen einer Arterie mit einem gebogenen Drahte 
entstanden ist, zeigt Fig. 24 A. Vielfach jedoch sind in diesen Thromben 
auch andere Blutkörper eingeschlossen. Characteristisch ist es, dass 
dies im Ganzen seltener rothe Blutkörper sind. Nach unseren Er- 
fahrungen über die höchst geringe Tendenz dieser Elemente zum Kleben 
und Anhaften und über ihre Vorliebe für den axialen Stromtheil kann 



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Drei auf einander folgende Stadien eines Plättclien- 
tlu'ombus einer kleinen Arterie des Omeutmns , welche 

mit einer Nadel bei a überstrichen wurde. 
A sofort, nach dem Insult, die Gefässwand bei a leicht 
eingeknickt, a Plättchenthrombus, b Blutstrom, c dünne 
plasmatische Randzone. — B 1/2 Stunde später, bei a 
verldeinerter Plättchenthrombus. '—0 2 Stunden später, 
bei a eine geringe Rauhigkeit der Gefässwand als Rest 
des Plättchen thrombus. Hartnack VIII, Ocul. 3. 



— 60 — 

uns das freilich nictit wundern. Sie kommen in vielen Fällen mit 
dem Thrombus gar nicht in Berührung, und wo sie es thun, gleiten 
sie an ihm ab und werden vom Strom wieder mitgenommen. Die 
weissen Blutkörper, die ja beständig in der plasmatischen Randschichte 
dahinrollen und immer mit den Gefässwandungen Fühlung halten, die 
ausserdem, wenn auch nicht eine gewöhnliche Klebrigkeit besitzen, 
doch die Neigung haben, an Fremdkörpern sich festzuhalten — sie 
sind weit häufiger in Blutplättchenmassen eingeschlossen. Die Menge 
derselben, die im Thrombus sich findet, ist eine wechselnde und hängt 
hauptsächlich davon ab, wie viel Leucocyten in einem Grefässe circu- 
liren. Ist in den Gefässen ausgesprochene Leucocytenrand Stellung vor- 
handen, wie vornehmlich im entzündeten Omentum resp. Mesenterium, 
so ist gewöhnlich dort die Zahl der eingeschlossenen weissen Blut- 
körper auch sehr gross. Bei oberflächlicher Beobachtung kann ein 

Fig. 25. 




A, B, C drei Stadien der Plättclienthrombose eines mit l"i'oiger Osmiumsäure geätzten Gefässes 

aus dem Omentum. A, B, C je 3 und 3 Minuten unterscliieden. Bei a hyaliner^ rotlier Thrombus, 

von oben pendelnd vorgestossen , d Plättclienmassen , e Leucocyten. A b, B c, C c stagnirende 

Blutsäule, B c und C b strömendes Blut. Hartnack Yil, Ocul. 2; 



solcher Thrombus leicht den Eindruck machen, als bestände er nur aus 
Leucocyten, während doch die zwischen den Leucocyten liegenden 
Blutplättchen seine Hauptmasse bilden. 

Die Bildung eines Plättchenthrombus ist in der Regel eine sehr 
wechselvolle. Hat man z. B. ein Gefäss circumscript angeäzt und 
bildet sich an der geätzten Stelle schnell ein Thrombus, so sieht man 
denselben vielleicht bis in die Mitte des Gefässes vorwachsen, dann 
aber von dem noch lebhaften Strome wieder abgerissen und fortge- 
führt werden. Schnell bildet sich der Thrombus wieder, wird wieder 
abgerissen und so geht es oft stundenlang fort, vorausgesetzt, dass die 
Gefässverhältnisse so liegen (wie z. B. in den Venen), dass die fort- 
geschwemmten Pfropfe nicht in unmittelbarer Nähe Gefässobturationen 
veranlassen. Ein anderes Mal kommt es unter dem Einfluss der redu- 
cirten Stromenergie in dem verletzten Gefäss zu äusserst hochgradiger 
Thrombenbildung und sehr bald zu einem wirklichen Gefässverschluss 
durch dieselbe. Plötzlich wird dann die Circulation in der Umgebung 



— 61 — 

des verstopften Gefässes wieder schneller, und pendelnd stösst in diesem 
die stagnirende Blutsäule gegen den Thrombus. Ein Beispiel eines 
solchen Falles ist in Fig. 25 gegeben, in dem nach Aetzung mit 
l°/oiger Osmiumsäure an der gezeichneten Bifurcation einer Arterie 
eine völlige Verstopfung durch Blutplättchen zu Stande kam. Diese 
Thrombose persistirte einige Zeit, die Blutplättchen wurden immer un- 
deutlicher und verschmolzen zu einer feinkörnigen Masse. Von A aus 
stiess nun plötzlich der wieder kräftig gewordene Blutstrom vor und 
drang mit einer kegelförmigen Spitze in die Plättchenhaufen ein. Die 
Säule rother Blutkörper erschien ganz hyalin. Ab und zu wurde das 
eine oder andere rothe Blutkörperchen durch die Plättchenmassen hin- 
durchgepresst (Fig. 25 A). Allmälig, in Secunden, folgten ihrer 
mehrere, sie wuchsen zu einem kleinen Strome, und mit einem Male 
schoss der Blutstrom rapid durch diesen engen gebohrten Kanal in die 
unteren wieder freien Gefässe, erst in das rechte, dann auch das linke 
(Fig. 25 B u. C). Eine Zeit lang strömte so das Blut aus dem 
oberen breiteren Gefässe nach links und rechts in die beiden Aeste. 
Bald aber bohrte sich der Strom auch seitlich in die Blutplättchen- 
thromben ein (B), bröckelte kleinere und grössere Stücke los und 
schwemmte sie wieder in den engen Kanal, in dem er floss. Durch 
diese Emboli wurde derselbe bald wieder verstopft (C) ; es entstand 
ein Wirbel, rothe Blutkörper, weisse und Blutplättchen flogen durch- 
einander und wurden bunt in den aufs Neue hier sich bildenden Throm- 
bus eingeschlossen. 

Aehnliche Vorgänge sieht man sehr häufig, und auf sie ist es 
zurückzuführen, wenn man in thrombotischen Massen manchmal mehr, 
manchmal weniger von den rothen und den weissen Blutkörpern ein- 
geschlossen sieht. Der in einem solchen Wirbel entstandene Thrombus 
kann ganz , gemischt" sein uud rothe Blutkörper, Leucocyten und 
Plättchen in scheinbar gleichen Verhältnissen einschliessen. Ein Throm- 
bus, der vom Strom rother Blutkörper mehr und mehr durchfurcht 
wird, kann das Aussehen einer „Schichtung" darbieten. Die Beob- 
achtung der Bildung dieser Gefässverschlüsse erlaubt es aber gleich- 
zeitig, die Betheiligung der einzelnen Elemente der Dignität nach richtig 
abzuschätzen. Man sieht, dass die Bluttplättchen bei dem Zu- 
standekommen dieser Thromben der integrirende Factor 
sind und die weissen wie die rothen Blutkörper nur acci- 
dentelle Einschlüsse repräsentir en. 



Wir haben oben hervorgehoben, dass bei Anwendung der ver- 
schiedenen Mittel eine grosse Schwierigkeit in dem richtigen Abmessen 
der nöthigen Grösse des Eingriffs besteht, und dass nicht selten der 
Erfolg daran scheitert, dass der Insult zu gross wird uud gleich all- 
gemeine Stase in dem Gefässbezirk erscheint. Wir müssen jetzt aber 
auf eine Reihe von Beobachtungen näher eingehen, welche die Erfolg- 
losigkeit eines applicirten Insultes von einer ganz anderen Seite zeigen. 
Es ist uns nämlich gleich im Beginn unserer Versuche aufgefallen, 
dass bei einer ganzen Reihe selbst energischer Eingriffe weitere 
Störungen der Blutcirculation an der verletzten Stelle gar nicht auf- 
traten. Nun liegt es zwar sehr nahe, zu denken, dass es sich in diesen 



- 62 



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Fällen um eine ungenügende Wirkung der Schädlichkeit handelte, 
besonders da man bei Aetznng eines Gefässes eine mikroskopische 
Veränderung der Gefässwände, speciell des Endothelrohres zunächst 
nicht sieht. Wenn man sich aber davon überzeugen konnte, dass kurz 
nach der Application in dem betroffenen Gefässe vorübergehend Stase 
bestand und hier der Gefässinhalt, speciell die rothen Blutkörper auf 
das sichtbarste alterirt waren, so wird ein Zweifel an der vorhandenen 
Gefässalteration sich nicht mehr erhalten können. Ganz deutlich ist 

aber die Veränderung der Ge- 
fässwände nach mechanischen 
Insulten zu sehen, nach wel- 
chen die Gefässwände oft ver- 
klebt und auf Strecken zer- 
quetscht sind. Sieht man nun 
hier in stundenlanger Beob- 
achtung keine Thromben- 
bildung an der verletzten 
Stelle enstehen, so ist das 
offenbar nach den vielfach 
verbreiteten Anschauungen 
von dem engen Connex zwi- 
schen Gefässveränderung und 
Thrombose ein äusserst auf- 
fallender Umstand. Wir haben 
auch deshalb besonders die 
mechanischen Gefässinsulte 
wiederholt ausgeführt, aber 
je mehr wir in dieser Rich- 
tung experimentirten, um so 
mehr zeigte sich die In- 
constanz eines solchen Ein- 
griffs in Bezug auf die Er- 
zeugung von Thromben als 
eine unleugbare Thatsache. 
Ein endgültiges ürtheil 
und eine einheitliche Auf- 
fassung dieser nach den herr- 
schenden Ansichten auffallen- 
den Ergebnisse erhielten wir 
erst bei der länger fortge- 
setztenBeobachtungder bisher 
nur in ihrer ersten Wirkung 
betrachteten Circulationshin- 
dernisse. 
Wir haben gesehen, dass auf einen Insult hin unter Umständen 
sich ein Thrombus bildet, der erst in Gestalt einer einfachen Blut- 
plättchenschicht die verletzte Stelle der Gefässwand überzieht, dass 
an diese neue Plättchen antreiben und festkleben und der Thrombus 
so durch Apposition sich mehr und mehr vergrössert. Auch wurde 
schon hervorgehoben , dass häufig dann der in das Lumen ragende 
Thrombus von dem immerhin noch kräftigen Strome fortgerissen wird. 



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Drei auf einander folgende Stadien eines Plättelien- 
tlirombus einer kleinen Arterie des Omentums , welche 

mit einer Nadel bei a überstrichen wurde. 
A sofort nach dem Insult, die Gefässwand bei a leicht 
eingeknickt, a Plättchenthrombus, b Blutstrom, c dünne 
plasmatische Eandzone. — B 1/2 Stunde später, bei a 
verkleinerter Plättchenthrombus."— C 2 Stunden später, 
bei a eine geringe Rauhigkeit der Gefässwand als Rest 
des Plättchen thrombus. Hartnack VIII, Ocul. 2. 



— 63 



sich, neu bildet, wieder abgespült wird etc. Nach diesen Erfahrungen 
müsste man denken, dass eine verletzte Stelle der Gefässwand entweder 
zu einem allmälig und continuirlich anwachsenden Plättchenthrombus 
führt, der bald das Lumen des Gefässes definitiv verstopft oder ein 
fortwährendes Abreissen stets wieder neu gebildeter Plättchenthromben 
statthat. Das müsste dann also so lange fort- 
gehen, bis die Schädigung der Gefässwand wieder Fig. 27. 
beseitigt ist, bis also etwa der Endotheldefect 
durch Regeneration ersetzt wäre. Hiernach wäre 
es überhaupt aussichtslos, das Aufhören einer 
Thrombenbildung an einer verletzten Stelle des 
Omentums mikroskopisch zu beobachten. That- 
sächlich aber kann man dies in weitester Aus- 
dehnung. Ja nach unseren Beobachtungen 
ist bei guter Circulation in den Omental- 
gefässen die Entstehung von fortgesetzten 
und obturirenden Thromben auf selbst 
heftige Gefässwandverletzungen hin ein 
geradezu seltenes Ereigniss, welches 
immer noch von weiteren localen Compli- 
cationen abhängt. Fig. 26 zeigt eine Arterie, 
die an der Stelle a mit einem gebogenen Drahte 
überstrichen wurde. Es ist schon im Vorher- 
gehenden geschildert, wie der Strom sich hier 
nach der Quetschung der Gefässwände wieder 
langsam Bahn machte und dabei wandständige 
Plättchenthromben bildete. Diese Thromben 
waren beideiseitig so weit vorgewachsen, dass 
sie etwa noch ^/j, des Gefässlumens frei liessen, 
als der Strom mit grosser Geschwindigkeit wieder 
durch das Gefäss floss. Sofort hörte die weitere 
Thrombenbildung auf. Im Gegentheil wurden so- 
gar von den flachen wandständigen Thromben nach 
und nach immer mehr Stücke abgebröckelt, und 
im Verlauf von ^/2 -Stunde war dies soweit ge- 
diehen, dass nur noch schmale Streifen von 
Thromben an derselben Stelle zu erblicken waren. 
In zwei Stunden weiterer Beobachtung schwanden 
auch diese allmählig, so dass nach 2 Stunden 
Fig. 26 C nur noch ganz spärliche Reste von 
Plättchenmassen zu erkennen waren. Fig. 27 
giebt einen kleinen wandständigen in das Lumen 
hineinragenden Blutplättchenthrombus wieder, der 
nach einer Aetzung sich bildete. Der Pfropf 
war etwa bis in die Mitte des Lumens vorge- 
wachsen, als er aufhörte sich zu vergrössern. 

Er blieb dann wie er war, seine allmälige Abflachung gegen die Strom- 
richtung setzte dem Blutstrom selbst kein grösseres Hinderniss entgegen 
und so wurde auch nichts von ihm abgebröckelt. Mit der Zeit ver- 
änderten sich die anfangs in ihm noch einzeln zu erkennenden Blut- 
plättchen in der bekannten Weise und veranlassten, dass der Pfropf 




a schnell circulireuder axia- 
ler Strom , b plasmatisclie 
RaDclzone mit Leucocyten, 
d wandständiger Blutplätt- 
chen tlirombus. Hartnack 
VIII, Ocul. 3. 



— 64 — 

nach und nach ein mehr feinkörniges Aussehen gewann ; aber in Grösse 
und Gestalt blieb der Thrombus in den drei weiteren Stunden, in welchen 
wir ihn beobachteten, unverändert. Nicht selten sahen wir durch ein selbst 
vorher völlig obturirtes Gefäss den Blutstrom sich wieder Bahn brechen, 
den gebohrten Kanal sich glätten und eine ganze Zeit lang zwischen 
den veränderten Plättchenmassen in dieser gebohrten Röhre wie in 
einem normalen Gefäss dahinfliessen. Der Blutstrom konnte in diesem 
Kanal Leucocytenrandstellang zeigen oder mit normaler Geschwindig- 
keit sich fortbewegen, ganz wie in einem intacten Gefässe, und dieser 
Zustand konnte stundenlang anhalten, ohne dass die Thrombenmassen, 
zwischen denen das Blut floss, sich vergrösserten. 

Wenden wir nun aber in allen diesen Fällen, in denen der Blut- 
strom durch Gefässe fliesst, deren Wandungen nicht mehr intact sind, 
ohne Thromben zu bilden, und an Thromben vorbeiströmt, ohne diese 
zu vergrössern, der Art der Circulation und der Vertheilung der 
Blutelemente unsere Aufmerksamkeit zu, so werden wir bemerken, 
dass hier überall der Strom verhältnissmässig kräftig ist, dass ein 
mehr oder weniger ausgesprochener axialer Charakter und eine plas- 
matische Randzone vorhanden sind, und dass Blutplättchen in letzterer 
nicht erscheinen. Darin haben wir aber auch die leichtverständliche 
Erklärung für diese sonst so räthselhaften Erscheinungen. Die Blut- 
plättchenthromben bilden sich nur dann, wenn wirklich die Plättchen 
an die verletzten Gefässwände etc. herangeworfen werden; kommen 
aber gar keine Blutplättchen mit diesen für ihre Integrität so verhäng- 
nissvollen Orten in Berührung, so bleibt auch die Thrombose aus. 
Diese Plättchenthromben entstehen also nur bei hochgradig 
verlangsamter Circulation oder an Stellen, an welchen der 
axiale Character des Blutstroms durch Wirbelbildung gestört 
ist; der normale oder massig verlangsamte Blutstrom ist 
durch die Strömungs Verhältnisse seiner Blutelemente vor 
Thrombose bewahrt; er schützt die Blutplättchen, indem er 
sie in seiner Axe führt und mit einer Zone von Plasma um- 
giebt, vor der Berührung mit verletzten Gefässwänden etc. 
und damit vor der Veränderung. 



65 — 



Capitel V. 

Die Blutplättchen im extravasculären und strömenden Blute 
der Kaltblüter und Vögel. 

Im Blute der Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische kommen Elemente, die den 
Säuge thierplättchen völlig gleichen, nicht vor — Meinungsdifferenzen über den 
dritten Formbestandtheil des Blutes bei diesen — Beobachtungen des strömenden 
Blates — Gewisse spindelige Gebilde treten in gleicher Weise wie die Blutplättchen 
bei Circulationsstörungen auf — Beschreibung derselben, Farbreactionen und Ver- 
änderungen — Spindeln von Triton cristatus, Leuciscus, Testudo graeca, Vögeln 
(Taube, Huhn) — Die Spindeln sind die Blutplättchen der Kaltblüter — Die Spindeln 
betheiligen sich ebenso wie die Blutplättchen an der Thrombose — Circulations- 
studien am Froschmesenterium — Compression, Anätzung, Stichverletzung und 
andere Insulte von Gefässen — Verhältniss des Blutstroms zur Thrombenbildung — 
Veränderungen der verschmolzenen Spindeln — Verkleinerung und völliger Schwund 
von Thromben — Die Leucocyten betheiligen sich nicht wesentlich am Aufbau 
des Thrombus, sondern sind secundäre Einschlüsse — Kritik der Arbeiten ZaJin's. 

Dem Leser der vorangehenden Capitel hat sich gewiss schon 
längst eine Frage aufgedrängt, die bisher noch gar nicht berührt wurde: 
Wie steht es mit den Blutplättchen bei den niederen Wirbelthieren? 
Diese Frage ist um so berechtigter, als ja gerade die alte bisher gültige 
Ansicht, dass Leucocyten die Hauptrolle bei der Thrombose spielen, 
eine Ansicht, mit der im vorigen Abschnitt völlig gebrochen wurde, 
auf Befunde am Kaltblüter, speciell auf Circulationsbeobachtungen am 
Froschmesenterium {Zahn) zurückzuführen ist. Wenn wir überhaupt 
uns nicht gleich an den Frosch gehalten haben, der zu Circulations- 
beobachtungen so leicht zu verwenden ist, sondern die viel mühsameren 
Untersuchungen am Warmblüter zunächst vornahmen, so ist der Grund 
der, dass die Verhältnisse bezüglich der Blutplättchen bei dem Kalt- 
blüter nicht so ohne Weiteres klar liegen. 

Von dem Vorkommen solcher Gebilde wie die Blutplättchen der 
Säuger — homogener, kreisförmiger Scheiben mit den characteristischen 
Eigenschaften, sich rasch zu verändern und leicht anzukleben — im 
Blute der Fische, Amphibien, Reptilien und auch der Vögel ist nach 
einer Angabe von Löwif ^) nichts bekannt. Homogene rundliche Massen, 
die er beim Auffangen des Blutes von Fröschen und Tritonen in l*^/oiger 
Kochsalzlösung von den weissen Blutkörpern sich ablösen sah, und die 
in vieler Beziehung mit den homogenen Blutplättchen der Säuger über- 
einstimmen sollen, betrachtet Löwit als die Blutplättchen der Kalt- 
blüter. Wir haben dagegen jedoch einzuwenden, dass, wenn man die 
Bedingungen setzt, welche beim Säuger die Blutplättchen in grösserer 
Zahl erscheinen lassen, man beim Kaltblüter vergeblich auf diese Ge- 
bilde warten wird. Die von Löivit beschriebenen Massen sind uns nicht 
unbekannt, wir finden aber, dass sie doch wesentlich anders aussehen 



^) Ueber den dritten Formbestandtheil des Blutes. Separatabdruck aus Lotos, 
Jahrbuch f. Naturw. Neue Folge. Bd. VI. p. 22. 

Eberth und Schimmelbusch, Die Thrombose. 5 



— QQ — 

und auch in der Grösse unter einander weit mehr differiren, als die 
Plättchen der Säuger. Wir kommen weiterhin hierauf noch eingehen- 
der zu sprechen, nach unseren Beobachtungen aber können wir sagen, 
dass wir uns bisher vergeblich bemüht haben, etwas den Säugethier- 
plättchen morphologisch Aehnliches bei oben genannten Thieren zu 
finden. Für die Plättchen dieser Classen werden dagegen von Hayem 
und Bizzozero eigenthümliche kernhaltige, spindel- und keulenförmige 
farblose Zellen angesprochen. 

V. BecMinghausen ^) hielt diese Spindeln nach seinen Beobachtungen 
am Froschblut, welches er in einem Glasgefäss aufbewahrt und täglich 
mit feuchter Luft versorgt hatte, als Uebergangsformen zu rothen 
Blutkörpern. 

Ranvier ^) erwähnt (1875) diese Spindeln aus dem Froschblut. 
Sie tragen bald an jedem Ende einen schmalen Fortsatz, bald ist nur 
das eine Ende zugespitzt, das andere abgerundet. Sie sind feinkörnig 
und farblos und wahrscheinlich abgelöste Gefässendothelien. 

Im strömenden Blut des Frosches sah Hayem ^), sobald eine Strom- 
verlangsamung eingetreten war, zwischen den rothen Blutkörpern zahl- 
reiche ungefärbte, aber von den weissen Körperchen abweichende Ele- 
mente. Während die farblosen Körper, ob gross oder klein, ihre 
Kugelgestalt, so lange sie im Strom dahinrollen, bewahren, sind diese 
Elemente länglich, leicht abgeplattet und fast scheibenförmig wie die 
rothen Blutkörper. Ihre Gestalt erinnert an ein mehr oder weniger 
verlängertes Ovoid, ein Spindel. Sie sind glatt, homogen, manchmal 
besitzen sie einen trüben, centralen Fleck in der Gegend des Kerns 
und an jedem seiner Pole ein oder zwei glänzende Körnchen. Die- 
selbe Form und Beschaffenheit bieten sie auch im extravasalen Blut. 

Hier erscheinen in den ersten Secunden diese spindel- oder mandel- 
förmigen Körper etwa von dem gleichen Volumen wie die farblosen 
Blutzellen. Aber bald zeigen sie eine bemerkenswerthe Viscosität, sie 
haften am Glase und an einander und bilden auf diese Weise Haufen, 
um welche die rothen Blutkörper sich ringförmig anordnen. Während 
dieser Gruppirung der Spindeln zu Haufen haben sich dieselben be- 
reits verändert. Kälte verlangsamt diesen Process. Die Alteration 
besteht in einem Zackigwerden der Körper und in einer Auflösung 
oder Zerklüftung in kleinere Körner, während der Kern deutlicher und 
mehr körnig wird und quillt. 

Auch in Osmiumsäure findet diese Quellung, besonders des Kernes 
statt. Niemals jedoch erscheinen eingeschnürte oder mehrfache Kerne 
an diesen Gebilden wie in den farblosen Blutkörpern. Nach wieder- 
holten Blutentziehungen sah Hayem Zwischenformen zwischen jenen 
Spindeln und den rothen Blutkörpern ; und dies war wohl für ihn die 
Veranlassung, jene in eine innigere Beziehung zu den Blutscheiben 
zu bringen, in ihnen gewissermassen die Vorstufe dieser zu sehen. 
Hayem bezeichnete darum diese Spindeln geradezu als Hämatoblasten. 

Im reinen Blut der Schildkröte sah Hayem die Spindeln alsbald 



1) Archiv für mikroskop. Anatomie Bd. IL p. 137. 1866. 

^) Traite technique d'histologie 1875. p. 191 u. 192. 

3) G. Hayem, Eecherches sur Tevolution des Hematies dans le sang de Thomme 
et des vertebr^s. Archives de Physiologie par Brown-Sequard 2. Serie. Tom. V. 
1878, Tom. VI. 1879. 



— 67 — 

mit kleinen kurzen Spitzen besetzt. Sie bilden kleinere Hänfen und 
auch die Rosetten rother Blutkörper, welche um dieselben sich bilden, 
kommen nicht in dem Grad zur Entwickelung wie beim Frosch. 

Der scheibenförmige Hämatoblast zieht sich leicht in eine feine 
Spitze aus und der grosse Kern lässt ein Kernkörperchen erkennen. 
An vielen Hämatoblasten ist unter dem Einfluss von Reagentien häufig 
eine Art Längsstreifung oder Längsfaltung zu bemerken. 

Die meisten Hämatoblasten zeigen sich derartig mit feinen Spitz- 
chen besetzt , dass sie Bürsten vergleichbar sind , andere haben ihre 
glatte Oberfläche bewahrt. Die farblosen Blutkörper sind im Gegen- 
theil sphärisch oder durch zarte Protoplasmafortsätze stachlig, welche 
sich durch ihre Veränderlichkeit in Folge von Contractionen ihrer Sub- 
stanz leicht von den Zacken der Hämatoblasten unterscheiden. 

Hayem untersuchte auch noch andere Reptilien, jedoch stets mit 
dem gleichen Resultat. Im Blut der Vögel (Ardea cinerea, Ciconia 
alba, Falco, Struthio Camelus) fand er die Spindeln sehr zahlreich. 
Der leichten Gerinnbarkeit des Vogelblutes correspondirt eine grosse 
Vulnerabilität der Spindeln, die oft grosse aus mehreren Hundert von 
Individuen bestehende Haufen bilden. Diese Haufen stellen granidirte 
Massen dar, welche viele Kerne einschliessen, lassen jedoch einzelne 
Elemente nicht mehr deutlich erkennen. Wie beim Froch finden sich 
auch an den Kernpolen der Spindeln, in deren Protoplasma, glänzende 
Körperchen. Im reinen Blut erscheinen die Spindeln ungefärbt, ei- 
förmig und mehr oder weniger an einem Pole ausgezogen. Diese Ver- 
längerung ist wie beim Frosch öfter durch äussere Agentien erzeugt, 
für gewöhnlich sind diese Gebilde eiförmig, fast von der Gestalt der 
rothen Körper. Die glänzenden, polwärts den Kernen anliegenden 
Körnchen sind an den Trockenpräparaten sehr durchsichtig. 

Bizzozero ^) und Torre haben die Spindeln an dem Vogel- und 
Froschblut beschrieben und ihre Nichtbetheiligung an der Bildung 
rother Blutkörper ausdrücklich betont. 

Nach Bizzozero sind diese Zellen abgeplattet und oval, bald an 
den beiden Enden abgerundet, bald an dem einen oder anderen etwas 
zugespitzt. Sie bestehen aus einem grossen, ovalen, feinkörnigen Kern 
und einem, denselben umgebenden, relativ dünnen Ueberzug feinkörnigen 
Protoplasmas. Obgleich sie eine gewisse Aehnlichkeit mit den rothen 
Blutkörperchen zeigen, weichen sie von diesen doch nicht unwesentlich 
schon durch ihre geringere Grösse und ihre constante Farblosigkeit 
ab. Auch von den jungen rothen Blutkörperchen sind die genannten 
Zellen unterschieden. Denn erstere sind mehr rund und dann enthalten 
sie immer Hämoglobin. Von den weissen Blutkörpern differiren die 
fraglichen Gebilde durch ihren einfachen ovalen Kern und ihr nicht 
contractiles Protoplasma. 

Diese Elemente haben nun nach Bizzozero manche Eigenschaften 
mit den Blutplättchen der Säuger gemein, dass er trotz der Kernlosig- 
keit dieser nicht ansteht, dieselben den kernhaltigen Spindelzellen der 
Thiere mit kernhaltigen Blutkörpern an die Seite zu stellen und diese 
Spindeln geradezu als deren Blutplättchen zu bezeichnen. 



^) Ueber einen neuen Formbestandtheil des Blutes und dessen Rolle bei der 
Thrombose und Blutsferinnunw. Vircliow's Archiv Bd. XC. 1882. 



— 68 — 

Hlava^) will diese Spindeln des Froschblutes eher für eine Abart 
der weissen Blutkörper als für Blutplättchen halten. Die verschiedenen 
Formen, unter denen sich jene in Trockenpräparaten zeigen, bald 
als rundliche, elliptische, keulenförmige, birnförmige, bald als kurz- und 
langovale und als spitzovale Formen, finden ihre Erklärung in der 
Fixation des jeweiligen Contractionszustandes und sollen ein Beweis 
dafür sein, dass auch die ovalen Elemente — es sind unsere Spindeln 
gemeint — Contractionsfähigkeit besitzen und dass die runden Formen 
in die ovalen übergehen. 

Dieses Argument ist jedoch nicht stichhaltig. Hlava hat eine 
dünne Blutschichte durch Auseinanderziehen von zwei Deckplättchen 
gewonnen, wobei sehr leicht die verschiedensten Formveränderungen 
der Spindeln sowohl wie der anderen Blutelemente veranlasst werden 
konnten. 

Auch Löwit^) rechnet die Spindeln nach dem Bau ihres Kerns 
zu den weissen Blutkörpern, giebt jedoch zu, dass auch hämoglobin- 
freie Vorstufen der rothen Blutkörper (Erythroblasten) in Spindelform 
existiren. Alle Formen der weissen Blutkörperchen, auch die viel- 
kernigen, können in Spindeln auftreten. 

Lässt man bei der Beobachtung des frischen Blutes in 1 ^/oiger NaCl- 
lösung derartige Spindeln unter dem Deckglase flottiren, so kann man 
sich oft davon überzeugen, dass dieselben die Kugelform annehmen 
können. 

Untersucht man das Blut während der Circulation in den Mesen- 
terialgefässen , so ist häufig Gelegenheit zu beobachten, wie eine ex- 
quisite Spindelzelle bei der Weiterbewegung durch Umlagerung oder 
durch ein entgegenstehendes Hinderniss aufgehalten, Kugelform an- 
nimmt. 

Löiüit glaubt, dass die „ Spindelzellen " nicht einer besonderen Art 
der weissen Blutkörperchen entsprechen, sondern nur einer Form der- 
selben, welche unter besonderen Verhältnissen alle weissen Blutkörper- 
chen des Kaltblüters, sowie auch die Erythroblasten, falls diese im 
kreisenden Blute sich vorfinden, annehmen können. Verfasser beruft 
sich dabei auf Stricker^ der unter dem Mikroskop die Umwandlung der 
Spindelzellen des Frosches in kugelförmige verfolgt habe. 

Wenden wir uns nach diesem kurzen geschichtlichen Abriss von 
dem dritten Formelemente des Blutes der 4 unteren Wirbelthierclassen 
und seiner eventuellen Betheiligung bei der Thrombose gleich an die 
Beobachtung des strömenden Blutes. 

Können wir auch die Technik dieser Versuche als bekannt vor- 
aussetzen, so wollen wir doch nicht unterlassen, einige Einzelheiten 
anzugeben, welche uns speciell bei der hier berührten Frage als be- 
achtenswerth erschienen sind. Es ist hier zunächst darauf hinzuweisen, 
dass für eine detaillirte Beobachtung der morphologischen Bestandtheile 
des Gefässinhaltes nur das Mesenterium als Object zu gebrauchen ist 
und man gut thut, von der in mancher Beziehung bequemer verwend- 
baren Zunge ganz abzusehen. Da es ferner darauf ankommt, ver- 

^) Die Beziehungen der Blutplättchen Bizzozero's zur Blutgerinnung und 
Thrombose. Archiv für experim. Pathologie XVII. Bd. 1883. 

^) Ueber Neubildung und Zerfall weisser Blutkörj^erchen. Sitzungsber. der 
Wiener Akad. XCII. Bd. III. Abth. 1885. 



— 69 - 

schiedene Insulte (Corapressionen, Aetzungen, Ueberstreiclien u. s. w.) 
auf die Gefässe zu appliciren, ist es auch das Beste, das Mesenterium 
nicht vertical in einen Rahmen einzuspannen, sondern horizontal auf 
ein rundes Glasplättchen mit gut abgeschliffenem Rande aufzulegen. 
Dieses wird dann einem Korkring aufgeklebt und dieser wiederum einer 
grösseren Glasplatte, der Lagerungsstelle für den Frosch, aufgekittet. 
Zur Befeuchtung der Membran verwendet man 0,6 "/oige Kochsalzlösung 
von Zimmertemperatur und zur Immobilisirung des Thieres Curare, 
eventuell Aethernarkose. Bei Aetzungen wird es gewöhnlich nöthig, 
nach der Application des Causticums energisch das Mesenterium mit 
Kochsalzlösung abzuspülen, und wir haben es deshalb für praktisch 
befunden, die Glasplatte, auf welche man den Frosch lagert, mit einem 
erhöhten Rande zu umgeben, damit nicht die Spüllösung direct auf 
den Tisch des Mikroskopes fliesst. Man kittet zu dem Zwecke einfach 
Holzleisten auf die Ränder der Platte mit Canadabalsam auf. Die 
Kochsalzlösung, welche nun auf der Glasplatte stehen bleibt, wird mit 
Schwämmchen oder Fliesspapier abgesogen. Eine constante Beriese- 
lung des Mesenteriums haben wir in sehr einfacher Weise und mit 
Umgehung complicirter Tropfvorrichtungen uns derart hergestellt, dass 
wir einen mehrfach zusammengefalteten Streifen Fliesspapier in ein 
erhöht (circa 1 dm) über dem Frosch befindliches, Kochsalzlösung ent- 
haltendes Schälchen mit dem einen Ende eintauchen Hessen und das 
andere Ende an das Mesenterium anlegten. Dieser Streifen saugt lang- 
samer oder schneller, je nach seinem Volumen, die indifferente Koch- 
salzlösung aus dem Uhrschälchen und ergiesst sie auf das Gefässgebiet. 
Ein gleiches, oder besser voluminöser construirtes Fliesspapierstück 
kann man von der Glasplatte, auf welcher der Frosch liegt, die über- 
schüssige Flüssigkeit absaugen und in eine auf dem Arbeitstisch 
stehende Schaale entleeren lassen. 

Zur genauen Beobachtung feiner morphologischer Verhältnisse, 
wie sie hier in Frage kommen, ist eine stärkere Vergrösserung nicht 
zu missen. Man kann nun etwa Hartnack Obj. VII, Ocular 3 oder 2 
in Anwendung ziehen und dann die Linse in die bespülende Kochsalz- 
lösung immergiren lassen, bequemer aber ist es, eine schwächere Linse 
mit weiterem Focus und stärkerem Ocular zu wählen und sich z. B. 
des Obj. IV mit dem Ocular 5 zu bedienen. 

Ist ein Frosch frisch gefangen und die Curareintoxication nicht 
zu hochgradig, so gelingt es bei der nöthigen Vorsicht in der Regel, 
das Mesenterium so herzurichten, dass fast in allen Gefässen das Blut 
mehr oder weniger schnell circulirt ^). In den Gefässen mit sehr 
schnellem Fluss, welche besonders die grösseren arteriellen Stämmchen 
sind, kann man deutlich den axialen rothen Strom und die plasmatische 
Randzone erkennen, im ersteren wird man auch nicht eine Andeutung 
eines differenzirten einzelnen Elementes wahrnehmen, in letzterer ab 
und zu, aber spärlich, ein farbloses rundes Blutkörperchen herabgleiten 
sehen. Die Dififerenzirung in Axen- und Randstrom erscheint auch in 
jenen Gefässen noch deutlich, in welchen die Circulation abgeschwächt 

^) Frisch gefangene Frösche vertragen Curare sehr gut, aber längere Zeit 
schon ihrer Freiheit beraubte Thiere sind sehr widerstandslos dagegen. Schon nach 
geringen Gaben erlahmt bei den letzteren die Circulation, und das vorgezogene 
Mesenterium zeigt überall Stase. 



— 70 



Fior. 28. 



ist und der axiale Blutstrom bald mehr bald weniger deutlich einzelne 
rotbe Blutkörper erkennen lässt, oder wenigstens der rotte Strom nicht 
mehr homogen und gleichförmig erscheint. Eine schnell vorüber- 
gehende Abschwächung der Stromenergie verändert das Bild in den 
Gefässen nicht wesentlich, dauert aber die, wenn auch geringe Strom- 
verlangsamung längere Zeit, minutenlang, so häufen sich allmälig 
farblose Blutkörper in der plasmatischen Randzone an, sie rollen statt 
einzeln und hie und da, nun dicht hinter einander und kleiden dann 
förmlich das Gefäss aus. Achtet man genauer auf die einzelnen 
Elemente, so sieht man die weitaus grösste Zahl sich 
langsam rollend fortbewegen und nur wenige hie und 
da festhaften. Die letzteren sind die Körper, welche 
im Begriff sind, zu emigriren. 

Die einzelnen Leucocyten sind kugelrund und 
nur an jenen wenigen emigrirenden bemerkt man 
Abweichungen von der Kugelform, vielgestaltige Fort- 
sätze etc. Die Grösse der Leucocyten difiFerirt nicht 
gering; viele sind klein, andere oft zwei- bis dreimal 
grösser. Einzelne erscheinen farblos homogen, andere 
grobkörnig, wieder andere enthalten dunkles Pigment^). 
Hält man sich an die Bilder dieser Gefässe mit 
schneller und massig verlangsamter Circulation, so 
gewinnt man den Eindruck, als ob im Blute des 
Frosches nur zwei verschiedene Elemente sich vor- 
fänden, die elliptischen rothen Blutkörper und die in 
ihrer Grösse und der Zusammensetzung ihres Proto- 
plasmas mehrfach von einander verschiedenen runden 
Leucocyten. 

Versucht man nun mit einer nicht allzu spitzen 
Präparirnadel eines der im Gesichtsfeld befindlichen 
Gefässe zu comprimiren, so wird man ausser diesen 
beiden schon lange bekannten Elementen noch ein 
drittes auftreten sehen. Bei der Compression weicht 
das Gefäss meist seitlich etwas aus, und wenn man 
dann niederdrückt, so erhält die Arterie oder Vene 
eine mehr oder weniger tiefe Einbuchtung, wie das 
die Fig. 28 zeigt. Ist diese Einbuchtung nicht allzu 
tief, so dass die Blutmasse, welche das Gefäss passirt, 
sich durch die gesetzte Verengerung des Lumens gut 
noch hindurchdrängen kann, so sieht man nun an 
Ort und Stelle einen Wirbel im Blutstrom entstehen, 
die Plasmazone daselbst verschwinden und anscheinend 
spindelförmige farblose Zellen aus dem Axenstrom herausfliegen 
und an die verletzte Wandstelle antreiben. Sie bleiben dort zum 
Theil an der Wand und unter einander kleben und bilden einen weissen 
Pfropf, einen Thrombus. Wer sich auch vorher nie mit diesen Ge- 
bilden näher beschäftigt hat, dem fällt doch sogleich ihre eigenthüm- 
liche Gestalt auf, die sie von allen anderen Blutelementen, besonders 




a b c 

Gefäss aus dem Me- 
senterium eines Fro- 
sches. Compression 
mit einer Nadel. 
d Nadeldruck, seit- 
liche Einbuchtung, 
a axialer Strom, 
h plasmatischeEaud- 
zone, c Gefässwand, 
e Spindeln. Hartnack 
Vm, Ocul. 3. 



Sommer. 



Es handelt sich hier um- frisch gefangene Frösche im Frühjahr und 



— 71 



FiV 29. 



den kugelrunden Leucocyten gut unterscheidet. Man mag die Com- 
pression an noch so vielen Gefässen in dieser Weise wiederholen, stets 
wird man da, wo es zur Bildung eines Thrombus kommt, diese spindel- 
förmigen Gebilde aus dem Blutstrom herausfliegen, sich anhäufen und 
verkleben sehen. 

Will man sich über die feineren Formverhältnisse der Spindeln 
genauer orientiren, so wird man bald einsehen, dass es an grösseren Ge- 
fässen hier schwer ist, zum Ziele zu kommen, wenn man auch auf das 
Deutlichste das einzelne Element beobachten kann, wie es angeflossen 
kommt, an das Hinderniss bezw. den werdenden Pfropf anfliegt und 
verklebt. Es eignen sich liierzu die kleinsten Capillargefässe am besten, 
jene, die so eng sind, dass sie gerade noch ein Blutkörperchen passireu 
lassen (Fig. 29). Ist in diesen Gefässen die Blutströmung noch etwas 
verlangsamt und sistirt ab und zu, so ist die 
beste Gelegenheit gegeben, die einzelnen Blut- 
elemente mit Muse eingehend zu studiren. Bei 
der geringen Anzahl von Körpern, die diese 
Capillaren passiren, kann es allerdings vorkommen, 
dass es lange Zeit dauert, bis endlich nach vielen 
rothen und farblosen Blutkörpern einmal eine solche 
Spindel erscheint, obwohl, wie wir im Weiteren 
noch sehen werden, die absolute Zahl derselben 
im Froschblute eine sehr grosse ist Man kann 
übrigens auch für die ungestörte Beobachtung der 
Spindeln einem fast ganz verbluteten Thier ein 
Stück des Mesenteriums excidiren und untersucht 
dieses entweder ohne irgend welchen Zusatz, nach- 
dem man durch Umrandung des Deckgläschens 
das Object vor Verdunstung geschützt hat, oder 
in der physiologischen Kochsalzlösung. 

Das Erste, was man nun an den Spindeln 
erkennt, ist ein grosser, ovaler, feinkörniger Kern, 
den ein an den Seiten schmaler, an den Polen sich 
verbreiternder Saum fast homogenen Protoplasmas 
umgiebt. Für gewöhnlich machen diese Körper, 
wie gesagt, den Eindruck von Spindeln, aber es ist 
fraglich, ob sie in Wirklichkeit dies sind. Sicher ist, 
dass sie an beiden Polen spitz zulaufen können, dass sie aber auch viel- 
fach mehr oval sich abrunden. Wir sind auch geneigt, sie nach wieder- 
holter Beobachtung als etwas abgeplattet und nicht als ganz rund im 
Querschnitt anzusehen. In einem Tropfen Froschblut, den man auf 
dem Objectträger einer mikroskopischen Prüfung unterwirft, kann 
man sich über diese Verhältnisse leider nicht näher orientiren, da es 
eine ganz characteristische Eigenschaft dieser Blutbestandtheile ist, sich 
ausserordentlich schnell zu verändern und da, wo es eben ist, am Deck- 
glas oder Objectträger festzukleben. Die ausserordentliche, so eigen- 
artige Klebrigkeit kann es verursachen, dass man bei Untersuchungen 
des Aderlassblutes vom Frosch sie ganz vermisst; es ist das eben 
dann der Fall, wenn das Blut vor der mikroskopischen Besichtigung" 
mit ausgedehnten Wundflächen oder Glasstäben und sonstigen Instru- 
menten wiederholt in Berührung gekommen ist. Wenn man vorsichtig 




Capillare aus dem Me- 
senterium des Frosclies. 
a Spindel von der Fläche, 
c . rotlies Blutkörijerelien, 
b Spindel von der Seite, 
d kleiner Leueocyt. Hart- 
uacklnimersionl, Ocul. TU. 



— 72 — 

das Herz eines Frosches durch theilweises Abtragen des Schultergürtels 
freilegt, am Pericard mit der Pincette etwas heraushebt, mit einem 
Scheerenschlag die Herzspitze abschneidet und auf das herausquellende 
Blut das_ Deckgläschen auftupft, so ist man sicher die Spindeln in 
grosser Menge zu sehen. Die Vernachlässigung dieser minutiösen und 
vorsichtigen Präparation ist die einzige Ursache, warum man bisher den 
dritten Blutbestandtheil des Frosches bei den so zahlreichen Blutunter- 
suchungen oft vermisst hat. 

Die Veränderungen, die eine solche Spindel im Blut auf dem 
Objectträger erleidet, bestehen zunächst in einem Zackigwerden der 
äusseren Contouren. Alsdann quillt das Protoplasma etwas, die Grenzen 
desselben gegen das Blutplasma werden undeutlich und der Zellleib 
scheint zu zerfliessen. Liegen, wie das am häufigsten der Fall, drei 
vier oder ein ganzes Häufchen von Spindeln zusammen, so verschmilzt 
das Protoplasma zu einer hellen bis feinkörnigen Masse. Die Kerne 
sind in dieser zunächst noch gut zu erkennen und es dauert viel länger, 
bis sie einem erst grobkörnigen, später feinkörnigen Zerfall unterliegen. 
Bis dies geschieht, sind gewöhnlich schon die Gerinnungserscheinungen 
eingetreten und feine zarte Faserstoiffäden hie und da sichtbar. Wie 
diese an alle festen Punkte in der Flüssigkeit sich ansetzen, so auch 
an die verschmolzenen Spindelhäufchen. Es ist die Faserstoffabscheidung 
beim Frosch aber nur mit Schwierigkeit zu erkennen und bietet lange 
nicht das in das Auge fallende Bild, wie beim Warmblüter. Dafür 
aber tritt hier eine andere auffallende Erscheinung hervor, nämlich 
eine eigenthümliche strahlenförmige Gruppirung der rothen Blutkörper 
um die Spindelhaufen. Es soll dies übrigens nur erwähnt werden, 
um die Idee von der Hand zu weisen, als liege hier in diesem ziem- 
lich auffallenden Phänomen eine räthselhafte Fähigkeit der Spindeln 
vor; diese Gruppirung rother Blutkörper im Froschblut tritt um alle 
Hervorragungen z. B. auch um zufällige Verunreinigungen des Deck- 
glases ein. 

Man kann die Veränderung der Spindeln durch die bekannten 
conservirenden bezw. fixirenden Lösungen hintan halten. So haben 
wir sowohl 0,6*^/0 ige Kochsalzlösung, wie auch 1 *^/oige Osmium- 
säure mit Erfolg angewandt. Man lässt am besten einen Tropfen Herz- 
blut des Frosches direct nach Abtragung der Herzspitze in ein Uhr- 
schälchen mit der Flüssigkeit fallen. Nach Bizzozero's Methode kann 
man der Kochsalzlösung dann einen blauen Anilinfarbstoff, Methyl- oder 
Gentianaviolett zusetzen und dadurch die Kerne der Spindeln schön 
gefärbt erhalten. Nach einer Weile, oft schon nach 5 — 10 Minuten 
beginnen aber auch hier Veränderungen vor sich zu gehen. Besonders 
eigenthümlich sind diejenigen in 1^/oiger Osmiumsäure. Entnimmt man 
einem TJhrschälchen voll dieser Säure, versetzt mit ein bis zwei Tropfen 
Blut, etwas von dieser Mischung, so wird man trotz der grossen Ver- 
dünnung des Blutes doch immer eine ganze Anzahl von Spindeln auf- 
finden. Wurde geschickt bei dem Auffangen der Blutstropfen mani- 
palirt und durch Schütteln des Schälchens für eine rasche Vertheilung 
in der Osmiumsäure gesorgt, so findet man die Spindeln alle isolirt. 
Unterbleiben diese Massregeln, so ist den Spindeln die Möglichkeit 
zur Veränderung gegeben und man wird dieselben dann zu Häufchen 
vereinigt finden. Nach 10 Minuten beginnen die Kerne der Spindeln 



— 73 



zu quellen und in dem Grad schwindet das Protoplasma bis auf einen 
schmalen feinkörnigen Saum. AUmälig verwischen sich die unter- 
schiede von Kern und Protoplasma immer mehr und das ganze Element 
erscheint wie eine zarte runde feinkörnige Scheibe. Unter dem Deck- 
glase gehen übrigens diese Veränderungen bedeutend schneller vor 
sich als in dem grösseren Flüssigkeitsquantum des Uhrschälchens. Nach 
1 ^/2 Stunden waren hier die Spindeln noch ganz unversehrt und nach 
8 Stunden erst zeigten sich leichte Quellungserscheinungen am Kern. 

An den Osmiumsäure-Präparaten findet man auch mitunter au 
dem Kern der Spindeln einen oder mehr leicht gewundene Längs- 
streifen, wie dies schon Hayem und Bizzozero erwähnt haben. Wahr- 
scheinlich rühren diese von 

einer Art Faltung der Kern- Fig. 30. 

wand oder geschrumpfter Kern- 
substanz her. Der Kern lässt 
ausserdem einige glänzende 
Körner erkennen, von denen 
ein mehr rundliches wohl als 
Kernkörperchen anzusehen ist. 

In Trockenpräparaten des 
Froschblutes, bei deren Her- 
stellung man den Blutstropfen 
unter den beschriebenen Vor- 
sichtsmassregeln auffängt und 
am besten durch eine Schleuder- 
bewegung mit dem Gläschen 
ausbreitet, findet man die 
Spindeln ebenfallt; in grosser 
Menge (Fig. 30). 

Mit Hämatoxylin, mit 
Methyl- und Gentianaviolett 
färbt sich der Kern der 
Spindel intensiv blau, während 
das Protoplasma durch Eosin 
schön rosa gefärbt wird. Uebrigens sind nicht alle Spindeln in einem 
Trockenpräparate gut conservirt, es sind im Gegentheil nur vereinzelte, 
welche noch einen scharf contourirten Zellleib zeigen. Die meisten 
lassen bereits grössere Veränderungen erkennen, die sie während 
des Antrocknens der dünnen Blutschicht erlitten haben und die jeden - 
"'^alls diesem Process selbst zuzuschieben sind, nicht etwa bloss der 
Berührung mit dem Deckgläschen. Diese Veränderungen sind nicht 
ganz gleichmässig bei allen Gebilden ; sie bestehen vorzüglich in 
einem Quellen des Kerns und einer Abnahme des Tinctionsvermögens. 
Die rothen Blutkörper zeigen übrigens sehr ähnliche Zerfallsarten und 
es ist oft bei diesen zerstörten, vertrockneten Elementen schwer zu 
entscheiden, was sie in der That sind, Spindeln oder rothe Blut- 
körperchen. 

Wenn man diese Eigenschaften der Spindeln näher ins Auge 
fasst, so lässt sich nicht leugnen, dass sie sehr viel mit den Blut- 
plättchen der Säuger gemein haben. Jene characteristische schnelle 
Alteration auf geringfügige Anlässe, besonders auf die Berührung mit 




Trockenpräparat vom Herzblut eines Frosches, a rothe 

Blutkörper, h Leucocyt, c Haufen von Spindeln. Hart- 

nack Immersion I, Ocul. 2. 



. — 74 — 

Fremdkörpern oder verletzten Geweben hin, die ausserordentliche 
Klebrigkeit nach dieser Veränderung und schliesslich das Verschmelzen 
zusammenliegender Zellkörper, die Quellungserscheinungen, der körnige 
Zerfall — das alles sind Vorgänge, die wir in ganz ähnlicher Weise 
bei den Blutplättchen der Warmblüter auftreten sehen. Allerdings 
bestehen dann auch wieder Differenzen, aber diese beschränken sich 
eigentlich nur auf zwei Punkte und zwar: auf die äussere Gestalt und 
auf den Kern. Die Säugethierplättchen sind rund, platt und besitzen 
keinen Kern, die Froschspindeln sind mehr oval, länglich und zeigen 
einen unzweifelhaften Kern. Wir glauben aber, dass man gerade diese 
beiden Momente mit wenig Erfolg gegen eine Identificirung der Spin- 
deln mit Blutplättchen wird geltend machen können, weil analoge 
Structurdifferenzen , ja fast ganz dieselben bei einem anderen Blut- 
bestandtheil , nämlich den rothen Blutkörpern sich vorfinden. Diese 
sind ja beim Säuger platte biconcave, kernlose Scheiben, während sie 
beim Batrachier elliptisch und kernhaltig uns entgegentreten. 

Es ist an der Präformation der Säugethierblutplättchen trotz aller 
Momente die für diese sprechen, gezweifelt worden, man hat die Plätt- 
chen trotz ihrer typischen Gestalt etc. für Gerinnungsproducte, speciell 
für Globulin erklärt (Löivit) ^). Gerade für diese Frage der Präfor- 
mation ist es aber von entscheidender Bedeutung, dass sich bei niederen 
Wirbelthieren Elemente vorfinden, welche in allen wesentlichen Ver- 
hältnissen mit den Plättchen der Säuger übereinstimmen, aber als 
Stempel eines Gewebsbestandtheils den Kern tragen. Wenn, wie ge- 
sagt, Forscher darüber in Zv/eifel waren, ob die Plättchen normale 
Blutbestandtheile sind, so hat doch Niemand ihr ausserordentlich häufiges 
Erscheinen und ihre grosse Zahl bei Blutuntersuchungen, z. B. in vor- 
sichtig angefertigten Präparaten des Aderlassblutes oder bei Circu- 
lationsbeobachtungen geleugnet. Nimmt man aber an, dass die Spindeln 
etwas Anderes als die Plättchen des Frosches sind, so wüssten wir in 
der That nicht, welches Element man dann als jene ansprechen sollte. 
Es ist zwar von Löivit^) die Aufmerksamkeit auf gewisse Zerfalls- 
producte farbloser Blutkörper gelenkt worden, aber nach eingehender 
Beschäftigung mit diesem Gegenstand haben wir die Ueberzeugung 
gewonnen , dass diese nichts mit Plättchen zu thun haben. Löivit 
schreibt, dass die absterbenden Leucocyten des Frosches bläschenförmige 
Gebilde austreten Hessen, die alsbald in der Flüssigkeit verschwänden, 
sich auflösten. Nun sind die Leucocyten des Frosches überhaupt sehr 
dauerhafte Gebilde, sie halten sich tagelang zwischen Deckglas und 
Objectträger im Blutstropfen lebendig und man hat nur selten Ge- 
legenheit bei gewöhnlichen Temperatur- und Präparationsverhältnissen 
einen schnellen und massenhaften Untergang von Leucocyten zu sehen. 
Die Erscheinung, die Löivit beschreibt, konnten auch wir an einzelnen 
weissen Blutkörpern beobachten. Es treten an den Rändern helle 
homogene, blasse, kugelige Gebilde hervor, die sehr ungleich gross 
sind, oft lange unverändert bleiben können, unter Umständen aber 
auch von den Leucocyten abgeschwemmt werden. Die Erscheinung 

^) Sitzungsber. der math.-naturwissenschaftliclien Classe der kaiserl. Akademie 
zu Wien. Abth. III. 1885. 

^) Ueber den dritten Formbestandtlieil des Blutes. Lotos, Jahrbuch für Natur- 
wissenschaft. Neue Folsfe. Bd. VI. 



— 75 — 

ist schon Banvier^) aufgefallen und, wie er angiebt, vor ihm bereits 
von Dujardin beschrieben worden, der diese Fortsätze als „exerois- 
sances sarcodiques" bezeichnet. Wir können in diesen Gebilden, die 
wir für gequollene Protoplasmatheile der abgestorbenen Zelle halten, 
auch nicht die geringste Aehnlichkeit mit Blutplättchen finden. Die 
„excroissances sarcodiques" sind kugelig, verändern sich trotz der meist 
innigen Berührung mit dem Deckglas und Objectträger selbst während 
stundenlanger Beobachtung absolut nicht, kleben nirgends an Fremd- 
körper oder unter einander Haufen bildend an, kurz, zeigen auch nicht 
in einer Beziehung die so characteristischen Eigenschaften der Säuge- 
thierplättchen. Wenn man Fäden von Glaswolle in das Blut eines 
Hundes oder eines Kaninchens taucht, während dies im Strahl die 
Arterie verlässt und die Glasfäden dann schnell in einer indifferenten 
Lösung abspült, so bemerkt man, dass die Blutplättchen in Folge ihrer 
grossen Klebrigkeit massenhaft hängen geblieben sind und in einer 
förmlichen Schicht den Faden überziehen, während von anderen Blut- 
bestandtheilen gar keine oder sehr spärliche sich darunter finden. 
Wiederholt man denselben Versuch beim Frosch, so wird man nie 
etwas Aehnliches wie etwa die „excroissances sarcodiques" an den Glas- 
fäden hängen, dafür aber diese in derselben Weise wie beim Säuger 
mit Plättchen, so hier mit Spindeln überzogen sehen. 

Wie oben bemerkt wurde, sind die Spindeln des Frosches schon 
von Haijem 2) und Bizzozero ^) in ihren ersten Untersuchungen als die 
Plättchen des Frosches angesprochen worden. Aber schon früher, 
bevor man über die Existenz der Blutplättchen beim Säuger im Klaren 
war, haben Forscher , die sie im Froschblut antrafen, in richtiger 
Würdigung ihrer Eigenart dieselben für etwas Besonderes erklärt. 
Wiederholt begegneten wir in älteren mikroskopischen Untersuchungen 
des Froschblutes der Auffassung, dass es Gefässendothelien seien 
{Ranvier ^), Zahn)^). Andere Autoren und darunter auch neuere haben 
sie dann aber auch theils zu den rothen, theils zu den farblosen Blut- 
körpern gerechnet. 

Es lässt sich ja nicht leugnen, dass die Spindeln sowohl mit den 
rothen als mit den farblosen Blutkörpern Berührungspunkte haben. 
Mit den rothen den Kern und die ungefähr elliptische Gestalt, mit 
den farblosen die Farblosigkeit und scheinbar auch die sos:. Klebrig- 
keit. Ganz wesentlich diflferiren sie aber von den rothen Blutkörpern 
durch den Mangel des Hämoglobins, ein Umstand, -welcher besonders 
drastisch dadurch illustrirt wird, dass selbst grosse Haufen und Pfropfe 
zusammenliegender Plättchen nar weiss erscheinen, ohne den geringsten 
Schimmer eines gelbliches Tones. Mit der Klebrigkeit ist es eine 
eigene Sache. Sie ist eine ganz hervortretende Erscheinung der ver- 
änderten Spindeln. Die rothen Blutkörper sind gar nicht klebrig, aber 
auch die Leucocyten verdienen, wie wir in früheren Arbeiten schon 
auseinander zu setzen Gelegenheit hatten, dies Attribut im Grunde nicht. 
Die Leucocyten haften mit ihren Protoplasmafortsätzen in Folge eines 

') Traite technique cVhistologie. p. 156. 

^) Archives de phys. norm, et patliol. 1879. 

^) Ueber einen neuen Formbestandtheil des Blutes. Vircltoiv's Archiv Bd. XC. 

^) Traite technique d'histologie. p. 192. 

^) Virclioiys Archiv Bd. LXIl. 



~ 76 — 

vitalen Actes am Fremdkörper fest. So grosse und so eng ver- 
schmolzene Haufen wie die Spindeln im extravasculären Blute und bei 
der Thrombose formiren, bilden sie fast nie und vor Allem gewöhnlich 
nicht auf die Dauer, denn sie können früher oder später wieder fort- 
wandern und sind nicht festgeklebt in Folge einer irreparablen Alte- 
ration ihrer Constitution, wie die Plättchen. 

Es würde uns zu weit führen, eine Parallele zwischen den Spindeln 
und den zahlreichen morphologisch so verschiedenen Leucocytenarten zu 
ziehen. Wir haben dies aber auch gar nicht nöthig, denn die Spindeln 
differiren in einigen so wesentlichen Punkten von allen diesen farb- 
losen Zellen, dass man sie bei genauer Betrachtung mit keiner, weder 
mit einer kleinen noch mit einer grossen , einer poly- oder mononu- 
cleären wird verwechseln können. In erster Linie ist hier der Kern 
der Spindeln ins Auge zu fassen, welcher gross ist und ovale Ge- 
stalt besitzt, wie man sie bei den Leucocytenkernen , die entweder 
rund oder sehr mannigfach zerklüftet sind, nicht findet. Dann ist die 
geringe Widerstandsfähigkeit und die Klebrigkeit der Spindeln zu 
beachten, der eine grosse Widerstandsfähigkeit und Lebensenergie der 
Leucocyten gegenübersteht. (Wir erinnern nur an den Kampf gegen 
Fremdkörper und Bacterien.) Ferner ist die Spindel- oder Keulen- 
form für die Froschplättchen characteristisch, die bei den Leucocyten 
nur durch besondere Momente hervorgerufen werden kann und in der 
Ruhe nie vorhanden ist. Schliesslich wäre noch als ein sehr wichtiges 
Unterscheidungsmerkmal der Umstand anzusehen, dass den Spindeln 
die spontane Locomotion, das Emigrationsvermögen völlig abgeht. 
Man wird in den höchsten Graden der entzündlichen Zellinnltration 
niemals eine Spindel im Mesenterialbindegewebe vorfinden. 

In einer jüngst veröffentlichten Arbeit kommt Löicit ^) wieder auf 
diesen Punkt zurück. Durch Injection eines Cubikcentimeters einer 
kalten gesättigten Kochsalzlösung in das Bein des Frosches soUen nach 
ihm die Spindelzellen auch innerhalb der Circulation zum Verschwinden 
gebracht werden, wenigstens bei manchen Thieren, bei anderen dagegen 
nicht. Die Spindeln werden aber unter dem Einfluss der injicirten 
Salzlösung nicht aufgelöst, sondern gehen nur rascher innerhalb der 
Capillaren in die Kugelform über, als dies ohne Injection der Fall ge- 
wesen wäre. 

Es ist schon sehr auffallend, dass die Wirkung der Kochsalz- 
injection so unzuverlässig ist, dass einmal die Spindeln erhalten bleiben, 
ein anderes Mal kuglig werden. Wir müssen leider nur solche gegen 
Kochsalz unempfindliche Frösche vor uns gehabt haben. Denn 5 bis 
6 Stunden nach der Injection waren die Spindeln nicht nur vortrefflich 
erhalten, sie hielten sich sogar länger und besser als sonst. 

Zu unserem Bedauern sind aber nicht nur bezüglich der Spindeln, 
sondern auch betreffs der Leucocyten unsere Befunde abweichend von 
denen Löivifs. Trotz der starren Rundform, welche die Leucocyten inner- 
halb der Gefässe zeigen, haben sie bei Salzfröschen nach Löicit die Fähig- 
keit nicht verloren, an der Gefässwand haften zu bleiben. Ausserhalb der 
Gefässe, im mesenterialen Bindegewebe, waren sie oft in beträchtlicher 
Zahl vorhanden, aber immer in der ruhenden Kugelform ohne erkenn- 



Blutplättclientlirombose. Archiv für experim. Pathol. XXIV. Bd. 1887. 



— 77 - 

bare amöboide Bewegungen. Wir fanden dagegen die Leucocyten bei 
Salzfrösclien etwas glänzender wie sonst und sahen dieselben kurze Zeit, 
nacbdem das Blut aus den Gefässen entnommen war, ebenso lebhafte 
Bewegungen wie gewöhnlich ausführen. Besonders auffallend trat dies 
verschiedene Verhalten der Leucocyten und Spindeln hervor, wenn diese 
in der nächsten Nähe der erstgenannten gelagert beobachtet wurden. 
Wir haben uns dabei nicht nur damit begnügt, dieselben bloss anzu- 
sehen, sondern wir zeichneten so rasch wie möglich die characteristisch- 
sten Formen auf, und wiederholten dies in Pausen von 2 Minuten. 
Hier Hessen nun die Leucocyten durchaus keine Abschwächung ihrer 
Bewegungen im Vergleich zu denen normaler Frösche erkennen. Die 
daneben gelegenen Spindeln dagegen hatten sich während der Zeit 
(2 Minuten) unverändert erhalten. Bei fortgesetzter Beobachtung — 
von 10 Minuten zu 10 Minuten — waren allerdings gewisse Formver- 
änderungen der Spindeln, aber keine Ortsveränderungen wahrzunehmen. 
Waren die beiden Pole der Spindeln etwas zugespitzt, so konnte man 
manchmal sehen, dass diese Spitzen sich etwas verlängerten, auch wohl 
ein klein wenig bogen und sich dann wieder streckten. Auch zeigt 
die Oberfläche der Spindeln extravasal sich mit kurzen feinen, nicht 
sehr zahlreichen Fädchen und Spitzen besetzt, eine Erscheinung, die von 
Eher'th ^) schon früher beschrieben und als Zeichen einer beginnenden Auf- 
lösung gedeutet wurde. Die im Vergleich zu den Leucocyten schwachen 
Formveränderungen der Fortsätze mancher Spindeln, die in ähnlicher 
Weise, wie beschrieben, an den Zacken der veränderten Blutplättchen 
der Säuger wahrgenommen werden können, sind schwerlich als amö- 
boide Bewegungen aufzufassen, sondern werden vielmehr nur durch 
Strömungen im Präparat oder durch den beginnenden ZerfaU veranlasst. 

Wie die des Frosches, so verhalten sich ungefähr auch die 
Spindeln des Triton cristatus. Sie sind innerhalb der Gefässe ziem- 
lich gross, etwas kleiner wie die rothen Blutkörper, mehr längsoval 
als spindelförmig, farblos, mit glatter Oberfläche, fast hyalin, mit 
grossem, einfachem, ovalem, feinkörnigem Kern, der nur von einem 
ganz schmalen Saum hellen Protoplasmas umschlossen wird. Innerhalb 
der Gefässe erhalten sie sich stundenlang unverändert wie die rothen 
Blutkörper, von amöboiden Bewegungen ist an denselben nichts wahr- 
zunehmen, wenn auch die Leucocyten sich recht lebhaft bewegen. 

Zusatz verdünnter Essigsäure macht die Spindeln cjuellen, der 
Kern hellt sich etwas auf und an der Innenfläche seiner Wand er- 
scheint in Gestalt eines schmalen sichelförmigen Saums oder hellen 
Streifens ein glänzender Belag. 

Die Spindeln der Fische lassen sich leicht in den Capillaren 
des excidirten Mesenteriums auffinden. Sie sind etwas schlanker wie 
die des Frosches, kleiner wie die rothen Bhitkörper, theils rein 
spindelförmig, theils mehr keulen- und birnförmig. Ihr Kern ist 
einfach und von einer schmalen Protoplasmaschicht umgeben. Im 
extravasalen Blut verändern sie sich ungefähr ebenso rasch und in der- 
selben Weise wie die Spindeln des Frosches und Triton. An Trocken- 
präparaten sind die Spindeln meist etwas verbreitert, die keulenförmigen 
leicht gekrümmt. Wie die des Frosches und des Triton haben auch 



^) Kölliker's Gratulationsschrift. Leipzig 1887. 



— 78 — 

die Spindeln von Leu eisen s die Neigung, an einander zu kleben und 
zu grösseren Haufen zu verschmelzen. In Trockenpräparaten färben sie 
sieb ungefähr in der gleichen Weise, wie die der schon besprochenen 
Kaltblüter. 

Die Spindeln der Schildkröte sind in den Gefässen ausge- 
schnittener Stücke des Mesenteriums theils rein spindelförmig mit ge- 
ringer seitlicher Abplattung, theils gestreckt eiförmig. Ihre Oberfläche 
ist glatt, der Kern einfach und etwas grösser wie jener der rothen 
Blutkörper. Amöboide Bewegungen sind weder an den intravasalen, 
noch den freien Spindeln wahrzunehmen. 

An Trockenpräparaten ist in der Nähe des einen oder beider 
Kernpole je ein heller Fleck (Vacuole) zu erkennen. Neben diesen 
mit Erhaltung ihrer Form fixirten Spindeln findet man auch solche, 
die etwas gequollen oder verbreitert sind und an ihren Rändern in 
kurze zackige Fortsätze auslaufen. Auch der Kern dieser Spindeln ist 
vergrössert. Es sind das solche Elemente , die nicht plötzlich fixirt 
wurden und noch Zeit hatten, sich zu verändern. 

Die Neigung, an einander zu kleben und zu grösseren Haufen zu 
verschmelzen, besitzen die Spindeln der Schildkröte in gleich hohem 
Grad wie die der bereits angeführten Kaltblüter. An Schnitten durch 
solche in Alkohol conservirte Haufen sieht man in den Kernen ein 
bis zwei Kernkörpern ähnliche Gebilde neben einzelnen Chromatin- 
körnern und Fäden, die aber kein vollständiges Gerüst bilden. 

Die Spindeln der Vögel (Taube, Huhn) sind mehr eiförmig. Sie 
besitzen einen einfachen Kern, der grösser wie jener der rothen Blut- 
körper ist, kein deutliches Gerüste enthält, dafür aber grössere, un- 
regelmässige Chromatinkörner als Belag auf der Innenfläche der Kern- 
wand erkennen lässt. Bezüglich des Tinctionsvermögens finden sich 
dieselben Verhältnisse wie bei den Kaltblütern; auch haben die Spindeln 
die gleiche Neigung, an einander zu kleben und zu quellen, wie die der 
anderen Thiere, und entbehren ebenso der amöboiden Bewegung. 

Lässt man Froschblut im hängenden Tropfen gerinnen, so ver- 
schmilzt die Substanz der Plättchen zu einer zarten feinkörnigen Masse, 
die sich in Hämatoxylin leicht tingirt. — 

Jeder Zweifel an der Richtigkeit der Auffassung, dass die Spindehi 
die Blutplättchen des Frosches sind, wird aber durch ihr Verhalten 
zur Thrombose beseitigt, bei welcher sie, wie wir oben sahen, die 
Hauptrolle spielen. Wie beim Säuger die Plättchen zusammengetrieben 
werden und zu Pfropfen verkleben, ebenso congiatiniren hier beim 
Frosch die kernhaltigen Spindeln. Die Aehnlichkeit ist ausserordent- 
lich überraschend und lässt sich bis in die feinsten Details verfolgen. 
Es zeigt sich hier, dass wie bei der entzündlichen Leucocytenemigration. 
so auch bei der Thrombose die Verhältnisse beim Kalt- und Warm- 
blüter dieselben sind ^). 

Bei einer Stromverlangsamung , wie sie bei der Entzündung ja 
jedesmal eintritt, treten grössere Massen von farblosen Elementen aus 



^) Löwit, der Spindeln und Leucocyten beim Frosch für ein und dasselbe 
Element hält, kommt hier zu einer für seine Ansichten, wie uns scheint, nicht sehr 
vortheilhaften Differenz. Beim Warmblüter kann er nach Wiederholung unserer 
Circulationsstudien die Betheiligung der Blutplättchen an der Thrombose nicht 
leugnen, beim Kaltblüter sollen aber nur Leucocyten den Thrombus bilden. 



— 79 



Fiff. 31. 



dem axialen Strom heraus und rollen in gedrängter Reihe oft über 
einander gewälzt an der Gefässwand dahin, hie und da sich festhaltend 
und emigrirend. Zum Austritt der Spindeln aus dem axialen Strom 
braucht es aber beim Frosch ebenso wie beim Säuger einer grösseren 
Circulationsstörung, und zwar entweder einer hochgradigen Stromver- 
langsamung oder einer Wirbelbildung, wie sie durch Unregelmässig- 
keiten im Lumen, durch Verengerungen und Erweiterungen, sowie 
durch Prominenzen und sonstige Hindernisse verursacht wird. Wie 
beim Säugethier sind aber beim Frosch die Verände- 
rungen im Strömungscharacter des Blutes und seiner 
corpusculären Elemente überaus mannigfach und ver- 
langen oft ein eingehendes Studium zu ihrer richtigen 
Deutung. 

Das einfachste Mittel, um sich die Plättchen 
sichtbar zu machen, ist die oben beschriebene Altera- 
tion des Stroms durch Wandveränderung an den Ge- 
fässen, wie man sie durch mechanische Insulte, Com- 
pressionen und Ueberstreichungen erreicht. Ein Bei- 
spiel dieser Art bietet Fig. 31. Sie zeigt ein kleines 
Gefäss, welches seitlich mit der Präparirnadel ein- 
gedrückt wurde. Hier findet sich ein kleiner, mit 
einer stumpfen Spitze nach innen gerichteter Vor- 
sprung der Gefässwand: die comprimirte Partie. An 
dieser Verengerung ist der Plasmastrom fast ver- 
schwunden, während er unmittelbar darüber und dar- 
unter die normale Breite hat. Dicht über der Druck- 
stelle ist das Gefäss leicht ausgebuchtet. In dieser 
Ausbuchtung fangen sich die Spindeln und bleiben 
mehrere Minuten an der Gefässwand haften. Dieselben 
werden erst unmittelbar vor dem erwähnten Gefäss- 
vorsprung im Blutstrom sichtbar, in dessen Randzone 
sie in diesem Augenblick parallel mit der Gefässwand 
und dicht an der Grenze des Axenstroms fliessen. 
Auch unterhalb der comprimirten Stelle, dort, wo sich 
das Gefässlumen plötzlich wieder erweitert, sieht man 
spindelige Körper den Axenstrom verlassen und mit 
ihrer Breitseite der Gefässwand sich anlegen. Auf 
diese Weise entstehen Häufchen von 5 — 6 solcher 
Spindeln, die theils einzeln, theils en masse nach 
einem Aufenthalt von ein oder mehreren Minuten durch 
den vorbeischiessenden Strom wieder entführt werden. 
Dieser ist sehr lebhaft, rothe Blutkörper sind einzeln 
nicht zu erkennen und eine Randstellung von Leucocyten ist nirgends 
in dem Gefäss zu sehen. Die Circulationsstörung ist in diesem Fall 
so beschränkt und gering, dass es über die Ansammlung der Plättchen 
nicht hinauskommt und ein definitiver, an der Gefässwand adhärenter 
Pfropf gar nicht entsteht. 

Etwas bedeutender hat sich die Störung in einem Fall gestaltet, 
dessen Bild Fig. 32 wiedergiebt. Mit einer stumpfen Nadel wurde hier der 
Druck mitten auf eine Arterie ausgeübt, die einen sehr schnellen Strom 
ohne jede Randstellung zeigte. Die Gefässwände wurden völlig durch- 




a ö c 



Kleines arterielles 
Gefäss, mit der Prä- 
parirnadel bei d ein- 
gedrückt, a Strom 
derrotlien Elemente, 
b plasmatisclieRand- 
zone, c Wefässwand, 
d Druckstelle, e Spin- 
deln, die sowohl vor 
als lünter der Druck- 
stelle d lose autrei- 
ben. Hartnack VIU, 
Ocul. 3. 



— 80 — 

gedrückt, verklebten aber an Ort und Stelle (Fig. 32 d), so dass eine 
Hämorrhagie nicht erfolgte. Die Circulation sistirte für den Augenblick, 
stellte sich aber in einigen Secunden langsam wieder her. Sobald aber 
der Blutstrom mit Kraft wieder an das Hinderniss anprallte, entstand auch 
in seiner Mitte ein deutlicher Wirbel und Spindeln flogen hier in grosser 
Menge an die runde Compressionsstelle und blieben vornehmlich an 

Fig. 33. 



Fig. 32. 






ä. 



vi I ?■ < PI 



/ 






I 'I. 



I I 

l'L /, 

! L f 



Arterie , bei d mit einer Präparir- 
nadel durchgedrückt, a Strom der 
rothen Blutkörper, b plasmatiscbe 
Randzone, c Gefässwand, e lose ver- 
klebte Spindeln. Hartnack VIII, 
Ocul. 3. 




Grösseres venöses Gefäss mit Spindeltliromben nack 
Trockenwerden des Mesenteriums, a Gefässwand, 
b ausfüllende Masse des stagnirenden Blutes, c ver- 
einzelte rotlie Blutkörper, d Blutströme, e Spindel- 
liaufen, einzelne Spindeln noch gut zu erkennen. 
Hartnack VIII, Ocul. 3. 



den Seiten und dem vom Strom abgekehrten Rande der Druckstelle 
hängen. Wie die Abbildung zeigt, hing ein ganzes Zäpfchen von 
Spindeln flottirend in den Blutstrom. Dasselbe hielt sich eine Zeit 
lang in der angegebenen Grösse, da zwar immer einzelne Spindeln und 
Spindelhäufchen vom lebhaften Strom abgerissen wurden, dafür aber 
stets neue wieder antrieben und anklebten. Nach etwa einer Stunde 



81 



wurde der Strom wieder sehr rapide und damit 
die Pfropfbildung geringer. Es waren von da 
ab nur wenige Spindeln, etwa noch 10, fest 
angeklebt, zu zählen. 

War die Compression oder die Ueber- 
streichung eingreifender, ist es dabei zu einem 
Zerquetschen eines grossen Theiles des Ge- 
fässes gekommen, haben Hämorrhagien, also 
Gefässrupturen dabei stattgefunden etc., so 
wird der Vorgang der Conglutination viel leb- 
hafter und die Bildung grösserer obturirender 
Thromben bleibt dann nicht aus. Die sehr 
festen, durch den Blutstrom zusammengedrückten 
Spindelmassen erfüllen das Gefäss vollkommen 
und buchten oft dasselbe durch ihre Masse 
seitlich aus. 

Ausser den mechanischen Gefässverletzun- 
gen haben wir chemische Mittel, Lapis, Koch- 
salz, Sublimat etc., angewandt. Oft erhält 
man auch den gewünschten Erfolg, wenn man 
einfach von jeder Schonung des Froschmesente- 
riums absieht, auf Zerrungen nicht weiter achtet 
und es ruhig etwas verdunsten lässt. Das Bild 
eines so entstandenen Thrombus liefert die Fig. 33. 
Er besteht aus mehreren Ballen von Spindeln, 
die das Gefäss verschliessen , so dass das Blut 
oberhalb und unterhalb unbewegt erscheint. 
Der Blutstrom versucht aber sich wieder Bahn 
zu brechen, indem er einzelne rothe Blutkörper 
(c) zwischen die Ballen einpresst und hier und 
da sich Wege durch die Pfropfe furcht. 

Von den Gefässinsulten mit chemischen 
Mitteln wollen wir nur derer mit Aether er- 
wähnen, weil sie das Studium der Plättchen- 
randstellung, das massenhafte Ansammeln der- 
selben in der Randzone des Blutstroms besonders 
gut zeigen. Man applicirt den Aether, indem 
man mit einem Glasstab zwei Tropfen auf das 
gut feucht gehaltene Mesenterium fallen lässt. 
Der Eingriff ist nicht immer von ganz gleicher 
Wirkung, aber in der Regel sind nur die 
kleinsten Gefässe so heftig betroffen, dass Stase 
und ausgedehnte Thrombose in ihnen Platz 
greift. In den grösseren Gefässen, besonders 
den Arterien, zeigten sich hie und da starke 
Contractionen der Gefässwand. Dies ist z. B. 
in der Arterie, die in Fig. 34 dargestellt ist, 
der Fall. Hier fliesst zunächst in dem centralen 
und weiten Theile des Gefässes ein Strom mit 
breiter plasmatischer Randzone. In diesem Be- 
zirk, dessen Blutstrom derartig verlangsamt 

Ebertli und Scliinimelbusch, Die Thrombose. 



Fig. 34. 








Arterie, Aetlierapplication. Bei 
d stark contraliirt. a Strom der 
rotlien Blutkörper, b plasma- 
tische Randzone, c Gefässwand, 
e Spindeln, f Leucocyten. Hart- 
nack Vm, Ocul. 2. 

6 



- 82 — 

ist, dass einzelne Blutkörper unterschieden werden können, erscheinen 
im Randstrom nicht nur vereinzelte Spindeln, die vorübergehend an 
der Grefässwand haften, aber alsbald um ihre Queraxe sich drehend 
(Fig. 35) fortgetrieben werden, sondern auch kleinere Gruppen solcher. 
Diese bestehen meist aus vier bis fünf Individuen, die längere Zeit 
an der Innenfläche des Grefässes haften bleiben. In der contrahirten 
Partie, durch welche das Blut so beschleunigt strömt, dass einzelne 
Körper nicht zu unterscheiden sind, gleiten die Plättchen meist in 



Fi.i?. 35. 



Fii?. 36. 



tr^' 



Gefäss mit Stromverlang- 
samung und Raiidstellung 
der Spindeln, a Strom der 
rotben Blutkörper (die ein- 
zelnen Blutkörper sind nicht 
eingezeichnet) , b plasmati- 
sche Randzone, c Gefäss- 
wand, d Leucocyt, e Spin- 
deln, e, e,, e„, zeigt die 
verschiedenen Bewegungs- 
phasen, die eine Spindel 
durchmacht, wenn sie m der 
Queraxe sich überschlagend 
an der Gefässwand herab- 
rollt. Hartnack VIII, Ocul. 3. 



Flächenansicht einer Vene nach AetherappUcation. 
a Wand, b sein- langsam circulirendes Blut, c Leuco- 
cyten, d rosettenartige Häufchen von Spiudeln. Hart- 
nack VIII, Ocul. 3. 



der Längsrichtung, aber auch häufig um ihre Queraxe sich drehend. 
Jenseits der verengten, contrahirten Partie, also peripherisch, ist der 
Strom wieder mehr verlangsamt, so dass hier wieder einzelne Körper 
im Axenstrom gesehen werden können. Hier findet annähernd das- 
selbe Verhalten statt wie in dem centralen Abschnitt vor der Ver- 
engerung. Auch hier gleiten wieder in der verbreiterten Plasmazone 
einzelne und Gruppen von Spindeln dahin. Leucocyten rollten hier 
anfangs nicht sehr häufig an der Gefässwand entlang, später aber 



— 83 



Fig. 37, 



beschleunigte sich der Blutstrom im Ganzen etwas, die Gefässcontraction 
Hess auch etwas nach und hiermit machte die Randstellung der Plättchen 
einer Leucocytenrandstellung mehr und mehr Platz. 

Eine Folge von Aetherapplication stellt auch die Fig. 36 dar. 
Es handelt sich hier um eine Vene, die nach der Verdunstung des 
aufgeträufelten Aethers zwar 
keine localen Contractionen 
oder Dilatationen, wohl aber 
eine allgemeine Dilatation 
und dadurch Stromverlang- 
samung zeigte. In den Venen 
ebenso wie in den Arterien 
sah man zahlreiche Spindeln 
an der Gefässwand dahintrei- 
ben. Während es aber in den 
Arterien ebenso wie in dem 
oben beschriebenen Fall der 
Fig. 34 nicht zu wirklichem 
Ankleben der Plättchen kam, 
sah man, wie die Figur es 
zeigt, die Innenwand der Vene 
mit Spindeln hie und da ganz 
belegt. Eigenthümlich strahlen- 
artig, meist in einschichtiger 
Lage Sassen sie fest und ver- 
liessen in stundenlanger Beob- 
achtung ihren Platz nicht. Es 
ist wohl dieser Unterschied 
zwischen Arterien und Venen 
so zu deuten, dass die dünnere 
Venenwand bis auf ihr Endo- 
thel von dem Aether getroffen 
wurde und nun an dem lädir- 
ten oder zerstörten und abge- 
tödteten Endothel den Spindeln 
Gelegenheit zum Ankleben gegeben war, während die mächtigere Ar- 
terienwand gegen so tiefes Eindringen des Aethers geschützt hatte. 

Wenn die Spindeln viscös ^) werden und zu einem festen 




Arterie , bei c mit einer Präparirnadel comprimirt. 
a Gefässwand, b langsam strömendes Blut, c com- 
primirte Gefässstelle , c, Spitze derselben mit einem 
Thrombus versehen, d einzelne rothe Blutkörper, 
f Spindelthrombus , im Innern von Ijörnigem Aus- 
sehen , e vereinzelte noch gut erkennbare ange- 
klebte Spindeln. Hartnack VIII, Ocul. 3. 



^) Der Ausdruck „viscöse Metamorphose" für ein gewisses Stadium der Ver- 
änderung, in welchem die Plättchen nicht nur an einander, sondern an den ver- 
schiedensten Gegenständen fester kleben, scheint nicht überall Anklang gefunden zu 
haben. Man hat eingewendet, dass Thromben, die ja nach unserer Darstellung 
durch Blutplättchen angelegt werden und später auch zum grossen Theil noch 
aus solchen bestehen, eigentlich nicht klebrig, sondern eher das Gegentheil, sogar 
brüchig seien. Diese Belehrung war eine sehr überflüssige. Indem wir jene Be- 
zeichnung für eine gewisse Umwandlung der Plättchen gebrauchten, haben wir 
uns keineswegs gedacht, dass die Plättchenmassen gerade die Consistenz gemeinen 
Fliegenleims haben müssten, wir wollten damit nur sagen, dass in einem gewissen 
Stadium der Veränderung die Plättchen leichter ankleben. Dass dem in der That so 
ist, kann man ja leicht bei Verfolgung des strömenden Blutes sehen. Denn die mit 
raschem Strom dahin treibenden Plättchen und ebenso jene, welche den axialen 
Strom eben verlassen haben, kleben nicht. Wenn man freilich bei der Bezeichnung 
„viscöse Metamorphose" gleich an Harz denkt, so sagt das Wort , viscös" zu viel. 



— 84 — 

Pfropf zusammenkleben, so ist anfänglich, cl. h. in den ersten 5 bis 
10 Minuten ihr Contour und Form so leidlich noch zu erkennen. 
Ueberaus schnell aber verschmelzen ihre Zellleiber und sehr bald sieht 
man eine feinkörnige Masse, in welcher die einzelnen Kerne zunächst 
noch deuthch sind (Fig. 37). Aber auch die Kerne werden undeutlich 
und man hat dann einen gleichmässig feinkörnigen Pfropf vor sich, 
dem man seine Entstehung aus einzelnen Zellen nicht ansieht. Bei 
der Verfolgung dieser Veränderung, die, wae wir sehen, gleiche Ver- 
hältnisse zeigt, wie die der Spindeln im Aderlassblut, kommt es darauf 
an, Thromben in dünnwandigen Gefässen vor sich zu haben. In dick- 
wandigen erkennt man schon kurz nach der Bildung des Thrombus 
keine Details mehr in ihm. Je mehr der Verklebungsprocess fort- 
schreitet, um so compacter wird der Thrombus und um so seltener hat 
man das Schauspiel, dass dann noch einzelne Spindeln oder kleine Häuf- 
chen vom lebhaften Blutstrom abgerissen und fortgeschwemmt werden. 
Aber nur nach gröberen verletzenderen Eingriffen kommt es zu 
diesen dauernden und festen Pfropfbildungen, nach kleineren Ver- 
letzungen ist oft ausserordentlich früh der Insult überwunden. Be- 
sonders überraschend ist dies bei kleinen Stichwunden und leichten 
Compressionen, wie eine in Fig. 32 wiedergegeben ist. In solchen 
Fällen wird bei lebhaftem Strom sehr bald, oft in einer halben Stunde 
schon die Pfropfbildung immer geringer , es werden mehr und mehr 
Spindeln von dem kleinen Pfropf abgebröckelt, während immer 
weniger antreiben. Schliesslich wird der ganze Thrombus so successive 
gewissermassen abgeschliffen, dass oft nur ein schmaler Saum körniger 
Spindelreste, oft kaum noch etwas an der verletzten Grefässwand zu 
erkennen ist. An diesen Stellen streicht dann der schnelle Strom 
stundenlang, ja einen Tag lang haben wir in einem Fall das Gefäss 
beobachtet, vorbei, als wenn dort nichts geschehen wäre. Bei Stich- 
verletzung schleift sich auch der innere Thrombus, wenn das Loch 
klein ist, sehr bald glatt. Nach längerer Beobachtung aber hat man 
des öfteren Gelegenheit, dann an der Stelle der Gefässperforation einen 
Durchtritt rother Blutkörper zu sehen. Dieselben sitzen oft in grösserer 
Anzahl in dem Stichkanal und bilden in der Mitte mit einem Ende 
eingeklemmt eine rosettenartige Figur. 



Aus den beschriebenen Circulationsbeobachtungen und den Prä- 
paraten erhellt, dass wie beim Säuger das Plättchen, so auch beim 
Frosch ein drittes Formelement, die Spindel, existirt und dass die letztere 
in ganz hervorragender Weise an der Thrombenbildung betheiligt ist. 
Die Ansicht, dass die Leucocyten die Hauptrolle bei der Thrombose 
spielen, die sich bisher allgemeiner Geltung erfreute, hat sich nun ge- 



Aber so sehr die Worte alazuwägen , ist in der Medicin eigentlich nicht Brauch. 
"Wir sprechen ja auch von Chlorose, ohne dass der Teint grün, wir reden von 
Leukämie, ohne dass das Blut weiss ist. Wenn anfangs die jungen Thromben, d. h. 
die zusammengehäuften Plättchen mehr weich, zäh und klebrig sind, die späteren 
Thromben etwas härter und brüchig, so hat dies wohl seinen Grund nicht nur in 
einer Schrumpfung, einer Art Coagulationsnekrose der Platt chen, sondern auch in 
der sehr ungleichen Zusammensetzung des Thrombus — aus Plättchen. Leucocyten, 
rothen Biutkörpem und Fibrin, welche der Thrombus in den späteren Stadien ge- 
winnt und welche zu einer stärkeren Cohäsion der Thrombusmasse gewiss nicht 
beiträgt. 



— «ö — 

rade auf die Verhältnisse beim Frosch gestützt und es ist bekannt, 
dass die Arbeiten Zcüin's, welche den Grrundstein zu dieser Ansicht ge- 
legt haben, wesentlich mit dem Frosch, in Bezug auf Circulations- 
beobachtung sogar nur mit diesem sich beschäftigten. Es wird sich 
daher zunächst fragen, wie eine derartige Abweichung unserer Unter- 
suchungsresultate von den älteren zu erklären ist. Die Beantwortung 
dieser Frage ergiebt eine eingehendere Leetüre der Zrt/?;?'schen ^) Arbeit. 
Die ganze Mittheilung ZaJin's ist getragen von dem Gedanken, dass 
die farblosen Blutkörper die Hauptrolle bei der Thrombose spielen, 
dass sie bei hochgradiger Randstellung sich zusammenballen etc. Aber 
vereinzelte Beobachtungen, und zwar, was besonders betont werden 
muss, gerade jene, in denen Zahn von Anfang an den Insult der Ge- 
fässe verfolgte, haben ihm etwas anderes gezeigt. So z. B. beschreibt 
er p. 88 den Effect einer Ueberstreichung eines Gefässes mit einer 
Nadel und sagt dabei: „Fast augenblickhch nachher nimmt man inner- 
halb dieser Partie farblose spindelförmige Zellen mit deutlich 
ovalem Kern und einer bis zwei kleinen Vacuolen wahr, die anfangs 
der Gefässwand parallel gerichtet sind und der Wand anhaften, bald 
jedoch ihre Lage etwas verändern und zum Theil vom Strom losge- 
rissen und fortgeführt werden." Zahn ist sich über die Bedeutunsr 
dieser Zellen unklar; nach ihrem Erscheinen und Aussehen möchte er 
sie für gelockerte Gefässendothelien halten. Bei der Stich Verletzung 
von Gefässen hat er mehrfach gesehen, wie „ aussen um die Oeffnung 
ein wallartiger Wulst von weissen, keulenförmig ausgezogenen, 
über einander liegenden farblosen Zellen" (p. 92) erscheint, wie sich 
„an den Rändern der Schnittwunde weisse Blutkörper anlegen, die 
dann von dem über sie hinwegwirbelnden Strom ganz in die Länge 
gezogen werden, so dass sie eine exquisite Keulenform annehmen" 
(p. 93). Diese spindelförmigen und keulenförmigen farblosen Zellen 
sind unsere Spindeln. Es ist wohl kaum zweifelhaft, dass Zahn ähn- 
liche Erscheinungen gesehen hat, wie wir sie beschrieben haben, nur 
dass er sie eben anders deutete und die Spindeln zum Theil für Ge- 
fässendothelien, zum Theil für deformirte Leucocyten hielt. Bei dem 
damaligen Stand der histologischen Kenntnisse des Blutes, zu einer Zeit, 
als man von der Existenz eines dritten Blutbestandtheils noch gar 
nichts wusste, ist diese Auffassung leicht begreiflich. Gefördert wird 
die Ansicht, dass Leucocyten wesentlich Thromben bilden, noch durch 
zwei Momente. Das erste ist die weitere Veränderung des Pfropfes, 
der, wie wir gesehen haben, sehr bald keine Zellencontouren und später 
auch keine Zellkerne mehr ohne Weiteres erkennen lässt. Befindet sich 
ein derartig körnig' veränderter Spindelthrombus in einem Gefäss, in 
welchem die Randstellung der Leucocyten stark ausgeprägt ist und 
zahlreiche dieser farblosen Elemente über ihn hinweg^- oder an ihn 
heranrollen, so liegt es ja ausserordentlich nahe, seine Bildung aus 
diesen an ihn heranfliegenden Elementen anzunehmen. Das zweite 
Moment ist noch viel verführerischer. Wie beim Säuger farblose Blut- 
körper sich als gelegentliche und oft auch massigere Einschlüsse der 
Plättchenthromben finden, so auch beim Frosch in den Spindelhaufen. 
Es kommt dies am leichtesten bei starker entzündlicher Leucocyten- 



1) Virchow's Archiv Bd. LXII. 



— 86 — 

randstellung in den Mesenterialgefässen vor. Man kann sich ja nicht 
wundern, dass von den massenhaft hier über den Pfropf hinweg- 
geschobenen Leucocyten ab und zu zahlreiche eingeschlossen werden. 
Hayem ^) und Bizzozero ^) haben auf eine hervorragende Rolle der 
Spindeln bei der Thrombose schon hingewiesen. Es ist ihnen auch 
gelungen, bei Circulationsbeobachtungen am Froschmesenterium diese 
Elemente als die Bestandtheile des* weissen Thrombus zu erkennen. 
Hlava^)^ der in einer Abhandlung über den dritten Formbestandtheil 
des Blutes auch einige Circulationsbeobachtungen am Frosch mittheilt, 
glaubt zwar eine hervorragende Betheiligung der Leucocyten hier ge- 
sehen zu haben. Wir müssen jedoch ganz besonders hervorheben, dass 
Leucocyten an der Thrombose sich beim Kaltblüter ebensowenig wie beim 
Warmblüter wesentlich betheiligen, dass vielmehr nur Blutplättchen 
bezw. Spindeln es sind, welche den ersten Aufbau des Thrombus 
besorgen und die anderen corpusculären Elemente nur secundäre und 
zufällige Einschlüsse repräsentiren, wenn sie auch zahlreich vorhanden 
sind. Es giebt genug Pfropfe beim Frosch, die nur aus Spindeln be- 
stehen, und in unseren Versuchen, in welchen wir starke entzündliche 
Erscheinungen des Froschmesenteriums mit starker Leucocytenansamm- 
lung der Reinheit des Versuchs halber möglichst vermieden und vor- 
läufig nur die ersten Stadien der Pfropfbildung beachteten, sind diese 
reinen Spindelthromben uns fast ausschliesslich entgegengetreten. 



^) Comptes rendus. 1882. 

^) Virchow's Archiv Bd. XC. 

") Archiv für experim. Pathol. u. Pharmakologie Bd. XVII. 



- 87 — 



Capitel VI. 

Die ersten Stadien der Thrombenbildung in grösseren 
Gefässen beim Warm- und Kaltblüter. 

Versuchstechnik — Experimente an den Hals- und Schenkelgefässen von Hunden 
und Kaninchen — Umschnürungen der Art. femoralis — Umschnürungen der Vena 
jugularis — Schnittverletzungen an Venen — Schnittwunden der Arterien — 
Aetzungen mit Höllenstein — Plättchenmassen mit spärlichem Fibrin auf den Aetz- 
schorfen im Lumen — Durchziehen von Zwirnfäden durch Venen, Einführung eines 
HoUundermarkpfropfes — Viel Fibrin auf den eingeführten Fremdkörpern — Wand- 
verletzungen ohne Thrombenbildung — Versuche am Herzen und Aorten von Frosch 
und Schildkröte — ümschnürung — Schnitt — Spindelmassen auf den verletzten 

Gefässwänden. 

Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass die Beobachtung der 
Thrombenbildung im strömenden Blute nicht bloss an sich die ideale 
Methode der Forschung ist, da, wo es gilt, die frühen Stadien dieses 
Processes zu verfolgen, sondern dass die grosse Hinfälligkeit der Blut- 
plättchen, welche überall da zu Tage tritt, wo diese Elemente sich 
nicht im unversehrten Blutplasma innerhalb der Gefässe befinden, die 
Circulationsbeobachtung hier besonders werthvoU werden lässt. Trotz- 
dem muss es wünschenswerth erscheinen; die ersten Phasen der Ge- 
fässverstopfung auch in grösseren Gefässen zu verfolgen. Weniger 
deshalb, weil man meinen könnte, dass in den, einer mikroskopischen 
Betrachtung zugänglichen Gefässen der Process vielleicht etwas anders 
ablaufen könnte als z. B. an Aorten oder den grossen Adern der 
Extremitäten, als aus dem Grunde, weil an jenen kleinen Arterien und 
Venen dem Experimentator durch die Kleinheit des Objectes die Grenzen 
der Versuche ziemlich eng gezogen sind und manche interessante und 
werthvoUe Vorgänge wegen technischer Schwierigkeiten nicht künstlich 
hergestellt werden können. Ist es schon nicht leicht, auf eine mikro- 
skopisch ins Auge gefasste Capillare, Arterie oder Vene einen mecha- 
nischen oder chemischen Insult zu appliciren, so ist es überaus schwierig, 
diesen Insult so gelinde ausfallen zu lassen , dass nicht gleich Stase 
eintritt. Eine nicht unwichtige Gruppe von Versuchen, die Einführung 
von Fremdkörpern in das Gefässlumen, verbietet sich wegen des ge- 
ringen Gefässkalibers von selbst. Dann ist aber auch für gewisse 
Versuche die grosse Zahl der corpusculären Blutelemente beim Säuge- 
thier der Beobachtung hinderlich. So gelang es uns z. B. nicht, die 
hämorrhagische Thrombose bei unseren Circulationsbeobachtungen zu 
studiren. Beim Frosch konnten wir wie Zahn mit einer Nadel ein 
Gefäss anstechen und dann den thrombotischen Verschluss der Wunde 
verfolgen, aber beim Warmblüter wird bei dieser Gefässverletzung 
das Gesichtsfeld so mit rothen Blutkörpern überschwemmt, dass die 
weitere Beobachtung dadurch bald unmöglich wird. Alles dies sind 
Momente , die es nöthig machten , , zur Ergänzung der Circulations- 



beobachtungen eine Reihe weiterer Versuche an grösseren Gefässen 
folgen zu lassen. 

Bewegten wir uns bei unseren Circulationsbeobachtungen am 
Säugethier auf einem noch wenig betretenen Gebiete , so gelangten 
wir hier zu einem um so häufiger in Angriff genommenen ; zahlreiche 
Forscher haben sich schon bemüht, in den grösseren Arterien und 
Venen von Säugern Thrombose künstlich zu erzeugen, um so das Ge- 
nauere über die Bedingungen und näheren Umstände dieses Processes 
zu ermitteln. Im Gegensatz zu den erheblichen technischen Schwie- 
rigkeiten bei den Versuchen am strömenden Blute sind im Allgemeinen 
die Experimente an sich hier ja leicht auszuführen. Es handelt sich 
nur darum, das Gefäss freizulegen und einen bestimmten Insult, z. B. 
ein Cauterium, auf dasselbe zu appliciren. Die Schwierigkeit liegt 
hier in der weiteren Untersuchung des Gefässes, in der Prüfung des 
Gefässinhaltes , in der günstigen Conservirung der Lage- und Form- 
verhältnisse eines entstandenen Thrombus, Umstände, welche leider 
nicht immer hinreichend berücksichtigt wurden. So hat man die Ge- 
fässe geätzt, gebrannt, umschnürt oder gequetscht und verschiedene 
Zeit nach einem solchen Insulte einfach aufgeschnitten und nachgesehen, 
ob das Blut in denselben noch flüssig oder „geronnen" sei. Wenn 
man nun bedenkt, wie wenig Garantie diese makroskopische Prüfung 
des bei der Oeffnung sich schnell entleerenden Gefässinhaltes und der 
blutbedeckten Gefässwand dafür bietet, dass kleinere Pfropfe nicht 
übersehen werden, wird man dieser Art der Untersuchung wenig Ge- 
nauigkeit zuerkennen müssen. Besser ist schon eine Methode , die 
seinerzeit von Pfifzner ^) und neuerdings von S. Luhnitzhij ^) angewandt 
worden ist, um den Verschluss von Arterienschnittwunden zu studiren. 
Das Gefäss wurde hier nach Anlegen einer centralen, den Blutfluss 
aufhebenden Ligatur excidirt, in eine Härtungsflüssigkeit eingetragen 
und später in Serienschnitten untersucht. Dies Verfahren hat den 
Nachtheil, dass das Gefäss beim Herausschneiden sich entleert und 
stark collabirt, zwei Momente, die zu Täuschungen Veranlassung geben 
können. Wir zogen es darum vor, sowohl central wie peripherisch 
von der ins Auge gefassten Strecke des Gefässes je zwei, ca. 1 cm 
von einander abstehende ganz lose Ligaturen anzulegen, die dann bei 
der Excision alle vier rasch festgeknüpft wurden. Das zwischen den 
mittleren Ligaturen befindliche Gefässstück, w^elches dem Versuch ge- 
dient hatte, wurde dann herausgeschnitten, auf ein Kork- oder Wachs- 
täfelchen aufgesteckt und sofort in die Härtungsflüssigkeit eingetragen. 
Vor der Excision hat man besonders Sorge zu tragen, dass alle Col- 
lateralen unterbunden sind, was zumal bei den Femoralgefässen oft 
nicht geringe Schwierigkeiten bereitet. Gelingt dies aber, so bleibt 
der normale Füllungszustand des Gefässes vollkommen erhalten und 
Lageveränderungen des Inhaltes sind so gut wie ganz vermieden. Als 
Härtungsflüssigkeiten haben wir uns sehr verschiedener Agentien be- 
dient. Im Anfang unserer Versuche benutzten wir vielfach ein von 
Flesch angegebenes Gemisch von Chrom- und Osmiumsäure. Die 
Präparate wurden hierin 1 — 2 Tage gelassen, dann gut mit Wasser 



1) VirchoH-'s Archiv Bd. LXXII. 

^) Archiv für experim. Pathol. Bd. XTX. 



— 89 - 

ausgewaschen und in 90 "/oigem Alkohol völlig gehärtet. Die Conser- 
virung der Blutelemente gelingt hiermit verhältnissmässig gut", be- 
sonders die der Leucocyten. Die Tinctionsfähigkeit der Gewebselemente 
leidet aber durch die Chrom-Osmiumsäure derart, dass wir später von 
diesem Conservirungsmittel bald abgingen. Härtungen in 1 *'|oiger 
Osmiumsäure oder in Osmiumsäuredämpfen, die wir dann versuchten, 
beeinträchtigen in der gleichen Weise die Färbung. Ein mehrtägiges 
Einlegen der Gefässe in MüUer'sche Flüssigkeit mit folgender Härtung 
in Alkohol giebt in Bezug auf Conservirung und Färbung recht gute 
Resultate. Wenn wir dennoch dies Verfahren nicht empfehlen können, 
so liegt dies darin, dass die rothen und die farblosen Blutkörper sich 
dabei zu eigenthümlichen Haufen im Gefässe gruppiren und gegen das 
Blutplasma absetzen. Diese Erscheinung, die zum grössten Theile offenbar 
von der langsamen Erhärtung des Blutes und den dabei eintretenden 
Senkungen der Blutkörper im Plasma abhängig ist, kann leicht Irr- 
thümer herbeiführen. Nach diesen nicht befriedigenden Resultaten 
haben wir uns ausschliesslich der reinen Alkoholhärtung bedient. Die 
Gefässe wurden erst einige Tage in 60*^/oigem, dann 8 Tage in 90'^/oigem 
Alkohol conservirt. Um die Präparate schnittgerecht zu machen, wurden 
sie darauf sorgfältig in Celloidin eingebettet. Hierzu entwässert man 
das betreffende Gefäss erst 1 — 2 Tage vollkommen in Alcohol absolutus 
und trägt es dann in eine dünne Lösung von Celloidin in gleichen 
Theilen von Aether und Alkohol ein. Damit die Imbibition eine voll- 
kommene wird, muss man das Gefäss vor dem Eintragen in Celloidin 
anschneiden und ca. 8 Tage unter Luftabschluss darin ruhen lassen; 
erst dann kann man die Luft zutreten, den Aether und Alkohol ver- 
dampfen und damit das Celloidin erhärten lassen. So präparirt wurde 
nun ein Gefässstück in einer grossen Anzahl, oft in mehreren Hunderten 
von Serienschnitten untersucht. 

Als Versuchsthiere gebrauchten wir bei diesen Experimenten mittel- 
grosse Hunde und kräftige Kaninchen. Bei der Operation narkotisirten 
wir die letzteren durch subcutane oder intraabdominale Lijection meh- 
rerer Centigramm Morphium hydrochloricum, bei den ersteren wandten 
wir die schon bei den Circulationsbeobachtungen benutzte combinirte 
Mörphium-Chloralnarkose an. Die Thiere wurden dann mit dem Rücken 
auf ein Brett gelagert und die ausgestreckten vier Extremitäten durch 
Schlingen nach den vier Ecken des Brettes ausgespannt. Eine fünfte 
Schlinge, die hinter den Eckzähnen um die Schnauze greift und an 
der entsprechenden .Kante des Brettes befestigt ist, zieht dann noch 
den Kopf herunter und hält dadurch den Hals gestreckt. In dieser 
Weise sind die Hals- und Schenkelgefässe des Thieres dem Experimen- 
tator bequem zugänglich gemacht. 



Am 31. März 1885 fesselten wir auf die oben beschriebene Art 
einen kräftigen Jagdhund. Es wurde die Arteria femoralis des einen 
Schenkels freipräparirt und mit einem Seidenfaden an einer Stelle fest 
umschnürt. Hierbei füllte sich das central von der Ligatur gelegene 
Stück derselben prall an, während das peripherische collabirte. Nach- 
dem die Ligatur dann eine Viertelstunde lang gelegen hatte, wurde 
sie sorgfältig durch Schnitte gelöst und in demselben Moment erlangte 



— 90 — 

die Arterie auch wieder ihren normalen Füllungszustand. Die Stelle, 
an welcher der Seidenfaden umschnürt hatte , zeigte sich deutlich in 
Form eines helleren weisslichen Ringes, der um das Gefäss verlief. 
Dasselbe wurde so ^/4 Stunden der Blutcirculation überlassen, nach- 
dem die Operations wunde , um ein Eintrocknen zu verhüten, provi- 
sorisch geschlossen war, und dann in der oben beschriebenen Weise 
herausgeschnitten und in Chrom- Osmiumsäure eingetragen. In den 
Längsschnittpräparaten, die dann später angefertigt wurden, sieht man, 



Pis:. 38. 



im 



-e 




Art. femoralis eines Hundes, bei B mit einem Seidenfaden nmsclinürt und nach Lösung der Ligatur 

dann 3/^ Stunden der Blutcirculation überlassen, a gelockerte Adventitia, bb' Media, AA zu 

Wülsten gethürmte, aus einander gepresste Muskelpartien der Media, cc, abgeblätterte Intima, 

d Blutplättchenpitöpfe, e Leucocyten. Hartnack IV, Ocul. 3. 



wie Fig. 38 dies zeigt, die Zerstörung, welche die Umschnürung in 
den Schichten der Arterienwand hervorgebracht hat. Die sehr dünne 
Intima ist völlig zerrissen, die Media zerquetscht und die an diese 
angrenzende, zahlreiche elastische Fasern enthaltende Schicht der Ad- 
ventitia in ihrem Zusammenhang etwas gelockert. Die auseinander- 
gedrängten Massen der circulären Muskelschicht haben sich, zu zwei 
Wülsten A A aufgethürmt , die circulär auf beiden Seiten die Um- 
schnürungsstelle B einfassen und ungefähr um ^/lo des Gefässdurch- 



— 91 — 

messers in das Lumen prominiren. Auf dem central gelegenen Wulste 
liegt die Intima c zum Theil noch an, auf dem peripherischen aber ist 
sie eine Strecke weit ganz abgeblättert und die Elastica flottirt frei 
im Strome. Zwischen die Muskelelemente der Wülste sind hie und 
da grössere und kleinere Mengen rother Blutkörper eingepresst. Von 
der Spitze des central gelegenen Wulstes hängt nun ' ein Thrombus d 
herab, der in seiner grössten Ausdehnung, auf der einen Seite des 
Gefässes bis in die Mitte des Lumens hineinragt. Anderen Stellen 
dieses circulären Wulstes sitzen, wie dies in weiteren Längsschnitten 
zu sehen war, etwas kleinere Ballen auf, die zum Theil bloss in die 
durch die Umschnürung erzeugte Rinne zwischen beiden Wülsten herab- 
hängen. Auf der Spitze des peripherischen Wulstes fehlen Thromben- 
massen oft ganz oder sie sind wenigstens weit geringer als auf dem 
centralen. Fast constant ist die Lamina elastica interna, wo sie ab- 
gelöst frei in das Lumen ragt, mit einem haubenartigen Pfropf bedeckt. 
Kleinere Pfropfe in wechselnden Dimensionen sitzen ferner an einzelnen 
Stellen der Rinne und der Wülste auf. Auch die ganze Furche ist 
manchmal continuirlich mit einem Saume von Thrombenmassen über- 
zogen (s. Fig. 38); an anderen Orten ist dieselbe vöUig frei von Pfropfen. 
Die Thromben bestehen ausser spärlichen eingeschlossenen Leucocyten 
und rothen Blutkörpern ausschliesslich aus Blutplättchen, die zu einer 
feinkörnigen bis homogenen Masse verschmolzen sind. In grösseren 
Ballen treten dunklere und hellere Partien auf, die denselben ein 
wolkiges Aussehen geben, ein Befund, der wohl auf gewisse Unregel- 
mässigkeiten der Bildung, auf dichteres und lockereres Zusammen- 
schweissen der Blutplättchenhaufen zurückzuführen ist. Einzelne, der 
Form nach gut differenzirte Blutplättchen sind in diesen Haufen kaum 
zu erkennen, auch nicht an der Peripherie der Pfropfe, in den jüngsten 
Partien, wo man es eigentlich erwarten sollte. Es erklärt sich dies 
jedenfalls aus dem verhältnissmässig langsamen Eindringen der Härtungs- 
flüssigkeit durch die dicke Gefässwand, wodurch den, im Moment der 
Excision nur wenig veränderten Gebilden Zeit zu weiteren Altera- 
tionen vor der Fixirung gelassen wurde. Rothe Blutkörper sind nur 
an wenigen Stellen und in geringer Zahl in diesen Pfropfen einge- 
schlossen und ebenso findet man weisse Blutkörper in ihnen nur spärlich 
vor, während auf einem solchen Thrombus, besonders wenn dessen 
Oberfläche sehr unregelmässig und wellig ist, ab und zu mehr weisse 
Blutkörper liegen (Fig. 38 e). Immerhin sind diese anderen Blut- 
elemente gegen die enorme Zahl von Blutplättchen, die hier ver- 
schmolzen sind, gering an Zahl. Hie und da sieht man dagegen grössere 
Mengen von Leucocyten in den auseinandergedrängten und radiär ge- 
stellten Muskelfasern der Media, die hierhin immigrirt sein müssen, 
nachdem sie an den rauhen Flächen der verletzten Stelle hängen geblieben. 
Bei einem zweiten ganz analogen Versuche umschnürten wir die 
Arteria femoralis eines Hundes zweimal, so zwar, dass wir zuerst 
central eine Ligatur anlegten und dann 2 Minuten später peripher 
von dieser und im Abstand von ungefähr 1 cm eine zweite. Beide 
Ligaturen wurden dann gleichzeitig gelöst und das Gefäss noch 20 
Minuten lang bis zur Excision dem Blutstrom überlassen. Der Effect 
der Zerquetschung der Media und der Zerreissung der Intima ist hier 
ganz derselbe , wie in dem vorhergehenden Versuche ; die Grösse der 



— 92 — 

Thrombenmassen bleibt im Ganzen etwas unter derjenigen im oben 
geschilderten Versuch, im Uebrigen aber zeigen die Dimensionen und 
Formen der Ballen in verschiedenen Längsschnitten grosse Abweichun- 
gen unter einander, ebenso wie dort. 

Drei Versuche haben wir an den Jagularvenen von Hunden ge- 
macht, um den spontanen Verschluss einer Venenschnittwunde zu 
studiren. Der Schnitt wurde hierbei mit einem spitzen und scharfen 
Lanzenmesser ausgeführt und hatte eine ungefähre Länge von 1 bis 
2 mm. Um die Blutstillung zu begünstigen, wurde die Gefässscheide 
beim Einstechen des Messers verschoben und beim Zurückziehen des- 
selben wieder in ihre frühere Lage gebracht. Die Blutung ergiesst 
sich hierbei in die Scheide, füllt diese prall an und findet dabei einen 
solchen Widerstand, dass sie in wenigen Minuten sistirt. In dem ersten 
Versuche war die spontane Blutstillung schon nach 1 Minute einge- 

Fig. 39. 




Querselmitt der Cmucis cüius lluuu'os. L>a,s Uct'j,»» y, iirdu a,u einer Stelle mit einer glühenden 
Nadel durchgebrannt. Erst in 600|oigem und später in ooo/oigem Alkohol gehärtet, a Media und 
Adventitia, b Elastica intimae, c Blatplättchenthromben, e ausfüllende Blutmasse, d, f Leucoc37ten. 

Hartnack VII, Ocul. 2. 

treten, in dem zweiten nach 2 und in dem dritten nach 5 Minuten, 
Nachdem die Blutung stand, blieb das Gefäss noch 5 Minuten dem 
Blutstrom überlassen; es wurde dann in l°/oige Osmiumsäure einmal 
eingetaucht, 36 Stunden in Osmiumsäuredämpfen suspendirt und nach 
Auswaschen in Wasser in Alkohol gehärtet. Eine grössere Anzahl 
von Querschnitten durch die Stichwunde zeigen die dünne Muscularis 
und ziemlich dicke Adventitia hier glatt durchschnitten; das lockere 
Gewebe der Scheide ist stark mit Blut durchsetzt. Den Stichkanal 
selbst verschliesst ein Plättchenpfropf, der nach aussen vom Gefäss an 
das geronnene, die Scheide erfüllende Blut anstösst, nach innen in das 
Gefässlumen aber als kuglige Masse sich fortsetzt. Gegenüber der 
weitesten Oeflfnung des Stichkanals hat dieser Pfropf auf dem Quer- 
schnitt eine rundliche Gestalt und übertrifft an Durchmesser etwa um 
das Doppelte die Gefässwand. Er bedeckt nicht nur den ganzen Stich- 
kanal der Länge und der Breite nach, sondern ragt allseitig um ein 
Beträchtliches über die Ränder desselben. In der Längsrichtung des 



— 93 - 

Schnittes spitzt er sich dabei central wie peripherisch etwas zu. Dieser 
Thrombus besteht nur aus Blutplättchen und schliesst keines der 
anderen Bluteleniente ein; er zeigt ebenfalls jenes wolkige Gefüge, 
von dem bereits die Rede war. 

Bei Schnittwunden von Arterien wie der Carotis oder Femoralis 
tritt eine Blutstillung ohne weitere Eingriffe nicht ein. Man muss zum 
mindesten die Arterie central etwas comprimiren, um den Blutdruck 
in derselben herabzusetzen und inzwischen die Wunde fest vernähen. 
In dieser Weise hat S. Lubnitzhy ^) den Verschluss von Schnittwunden 
der A. cruralis von Kaninchen studirt. Liibnitzky kommt hier schon 
zu dem Resultate, dass Blutplättchen durch ihre Anhäufung die Wunde 
verstopfen. In den Arterien setzt sich der Thrombus des Schnittkanals 
nicht wie in den Venen als knopfartiger Pfropf mehr oder weniger 
weit in das Lumen fort, sondern er überspannt als einfacher Streif die 

Fig. 40. 




Carotis eines Hundes durcli einen Längsschnitt eröffnet, nach Stillstand der Blutung, a mit 
Blutplättchen verschlossener Schnittkanal, b die mit rothen Blutkörpem ausgefüllten Maschen 
der Plättchenhaufen c ausserhalb des Gefässes, d Muscularis, e Adventitia, f Fibrin. Hartnack II, 

Ocul. 3. 

Lücke in den Gefässwänden. Ein sehr schönes Bild des Wundver- 
schlusses in seinem Entstehen liefert Fig. 39. 

Dieses Präparat wurde bei Gelegenheit eines Cauterisationsver- 
suches erhalten. Wir hatten die Absicht, die Carotis eines Hundes 
der Länge nach mit einer glühenden Nadel zu brennen, als an einer 
Stelle die Cauterisation zu tief ging, die Gefässwand durchgebrannt 
wurde, dass das Blut lebhaft spritzte. Wir unterbanden sofort das 
Gefäss, unter dem, wie wir das ja immer thaten, die Ligaturfäden be- 
reits durchgezogen waren, schnitten es heraus und trugen es in 60 folgen 
Alkohol. Die Figur zeigt den Querschnitt der durchbrannten Stelle. 
Diie Media ist hier tief bis auf einen dünnen Streifen verbrannt und 
an ihren Rändern mit Schorfen bedeckt. Der dünne Streifen der noch 
übrig gebliebenen Media und der Intima hat dem hohen Blutdruck in 

^) Op. cit. 



— 94 — 

dem Gefäss dann nicM mehr Widerstand leisten können und ist durch- 
brochen worden. An der Durchbruchstelle sind die beiden Membranen 
nach aussen gebogen. Zwischen diesen und in dem keilförmigen Spalt 
der Media sitzt der Plättchenpfropf. Gerade in diesem Präparate sind 
in selten schöner Weise die Plättchen erhalten, so dass man deutlich 
die einzelnen Elemente erkennen kann. Dies mag einestheils davon 
herrühren, dass dieser mehr aussen auf der Gefässwand aufsitzende 
Pfropf directer der fixirenden Wirkung des Alkohols ausgesetzt war; 
als andere Thromben, die grösstentheils im Lumen sich befanden, 
anderentheils aber auch davon, dass hier die Blutplättchen gerade in 
den allerersten Anfängen ihrer Veränderung fixirt wurden. Den 
Plättchenhaufen sind weisse ßlutkörper (d, f), deren Kerne intensiv ge- 

Fiff. 41. 



Längssclinitt durch die Vena jugularis eines Hundes. Das G-efäss wurde oberfläclilieli freigelegt 
und mit einer feinen Nadel 20mal gestichelt. Nach der Stichelung blieb es noch 25 Minuten dem 
Blutstrom überlassen und wurde dann excidirt. Zweitägige Härtung in Chrom-Osmiumsäure, dann 
in Alkohol, a Blut, b Thrombus aus Blutplättchen, c Leucocyten, d Gefässwand, e Stichkanal, 
f äusseres, dem G-efäss aufliegendes Blutgerinnsel. Hartnack I, Ocul. 2. 

färbt sind, spärlich eingelagert und zwischen die mehr nach aussen ge- 
legenen Thrombusmassen schieben sich auch Streifen rother Blutkörper. 
Das Bild eines Gefässverschlusses nach Schnittverletzung liefert 
die Fig. 40. Es handelt sich dabei um die Carotis eines Hundes, die mit 
einer Lanzette circa 1 mm lang aufgeschlitzt und über welcher die Wunde 
dann kurze Zeit fest vernäht wurde. Die Excision erfolgte einige Minuten 
nach vollkommener Blutstillung, d. h. nachdem bei Aufhebung jeder 
Gefässcompression die Blutung aus der Wunde völlig sistirte. Der 
Spalt in der Carotis ist ausschliesslich mit Blutplättchen ausgefüllt und 
auch in dem extravasculären Gerinnsel liegen auf der Seite dieses 
Spaltes grosse Massen von Plättchen. Ausser ganz spärlichen Leuco- 
cyten, die die Zeichnung nicht wiedergiebt, liegt in der Spaltöffnung 
kein anderes Element als Plättchen, so dass also diesen allein die Yer- 



95 — 



Fior. 42. 



stopfung der Gefässwunde zuzuschreiben ist. Im extravasculären Ge- 
rinnsel, besonders in der der Wunde entgegengesetzten Seite, sind 
Fibrinfäden sehr reichlich (f). 

Ein ähnliches Resultat wie bei den Schnittverletzungen erzielt 
man bei Stichwunden. Wir haben dieselben in der Weise vorgenom- 
men, dass wir das freigelegte Gefäss mit einer spitzen Nadel viele 
Male, 20 — 30mal acnpunctirten. Aus jedem Stichkanal tritt ein 
kleines Bluttröpfchen aus, aber dies gerinnt bald und es kommt zu 
keiner grösseren Blutung. Von einer Jugularvene eines Hundes, die 
wir nach der Acupunctur noch 25 Minuten der Blutcirculation über- 
liessen, erhielten wir von den zahlreichen Stichkanälen eine ganze Reihe 
von Bildern. Die Gefässwand ist durch 
den Stich meist glatt durchtrennt, selten 
sind die Gefässwände dabei stark zer- 
fasert. Die lockeren äussersten Schichten 
der Adventitia finden sich in der Regel 
etwas mit Blut infiltrirt und die Aussen- 
fläche der Gefässwand ist mit einem 
Faserstoffgerinnsel bedeckt. Der Stich- 
kanal ist wieder mit einem Blutplättchen- 
pfropf ausgefüllt, der in das Gefäss- 
lumen sich fortsetzt und auf dem Längs- 
schnitt bei den verschiedenen Stich- 
kanälen sehr wechselnde Gestalt besitzt. 
Meist ist es ein länglicher sehr unregel- 
massig gestalteter, traubenartiger Pfropf, ^ 
wie in Fig. 41 und 42, der fast nur 
aus Blutplättchen besteht. Einschlüsse 
von rothen und farblosen Blutkörpern 
(Fig. 41c) sind sehr spärlich und nur 
da, wo die Oberfläche des Pfropfes 
sehr zackig und höckerig ist, liegen in den kleinen Lücken und 
Buchten ab und zu Gruppen von Leucocyten. Wie verschieden 
diese Thromben in ihrer Gestalt, so sind sie es auch in der Grösse. 
In der queren Richtung zur Gefässaxe wird der Durchmesser von zwei 
bis drei Wanddicken selten überschritten, aber der Wand entlang 
hängen die Pfropfe am Stichkanal in das Lumen oft in grösserer Aus- 
dehnung herab. 




Wie in Fig. 41. Lupenvergrösserung. 

a aiisfiillende Blutmenge. b Tkrombus, 

c G-efässwand, d Stichkanal. 



Bei einer energischen Aetzung eines Gefässes mit Lapis tritt die 
zerstörende Wirkung des Causticums merkwürdiger Weise viel stärker 
auf den inneren Gefässschichten, besonders auf der ganzen Intima her- 
vor, als auf den äusseren Partien der Media und Adventitia, die doch 
zunächst getroffen wurden. Ein Vorzug der Höllensteinätzung ist es, 
dass die reducirten Silberkörnchen durch die schwarze Färbung in dem 
geätzten Gewebe einen ungefähren Anhalt in Betreff der Ausdehnung 
des Eingriffes geben. Als wir die freigelegte Jugularvene eines Hundes 
wiederholt mit einem Lapisstift touchirten, dann mit einer Kochsalz- 
lösung äusserlich abspülten und nach 24 Minuten langem Warten her- 
ausschnitten, fanden wir auf Querschnitten des in Alkohol gehärteten 
Prä]3arates im Lumen desselben einen erheblichen Aetzschorf. Dieser 



— 96 — 

hat sicli zum grössten Theile von der Grefässwand abgelöst, flottirt im 
Lmnen und haftet nur an einigen peripheriscli und seitlich gelegenen 
Stellen noch an der Gefässwand fest. Der dunkle Aetzschorf schliesst 
das Endothel, sowie die Elastica ein, so dass an den Stellen der Gre- 
fässwand, wo derselbe losgelöst ist, die Intima fehlt und die Muscularis 
gegen den Blutstrom frei liegt ^). An anderen Orten im Aetzbezirk 
ist die abgetödtete und schwarzgefärbte Intima bloss hie und da etwas 
abgeblättert oder liegt sogar noch glatt der Grefässwand an, und hier 
ist das versilberte Endothel oft auch noch völlig in seiner Lage. 

Der abgelöst und im Lumen flottirende Aetzschorf ist nun der 
Ausgangspunkt sehr zahlreicher und verschieden gestalteter Blutplätt- 
chenthromben. Die eine Seite des Schorfes, die besonders weit in den 
Binnenraum des Gefässes ragt, ist der Sitz der ausgedehntesten Pfropfe. 
Von hier hängt eine klumpige vielfach gegliederte Masse bis in die 
Mitte des Gefässrohres. Kleinere, bald runde, bald längliche Throm- 
ben sitzen auf der Breitseite des Schorfes auf und sind besonders auf 
den der Lichtung zugekehrten Partien desselben sehr zahlreich. Wieder 
andere erscheinen frei im Lumen und sind wohl theils als die Durch- 
schnitte herabhängender Zapfen, theils als abgerissene Stücke, die fort- 
zuschwimmen im Begriffe sind, aufzufassen. 

Alle diese Thromben bestehen wieder in der Hauptsache aus com- 
pacten feinkörnigen, zum Theil wolkigen Massen von Blutplättchen, 
die in Lücken und Buchten farblose und rothe Blutkörper hie und da 
einschliesseu. Bei genauer Prüfung bemerkt man aber, dass zu diesen 
drei Elementen sich noch ein viertes gesellt, welches diese hier ent- 
standenen Thromben von den bisher betrachteten wesentlich unter- 
scheidet. Zwischen den Plättchenballen und besonders dort, wo recht 
starke Schorfe diesen zum Ursprung dienen, sieht man dünne Fäden 
von Faserstoff sich ausspannen. Diese Fäden sind ausserordentlich fein 
und werden nur da deutlich sichtbar, wo sich ihrer mehrere zu einem 
kleinen Strange vereinigt haben. Ab und zu ist der, übrigens sehr 
spärliche fädige Faserstoff zu feinen Netzen angeordnet und an diesen 
Stellen liegen dann auch mehr farblose und rothe Blutkörper, die 
naturgemäss hier durch die Fäden festgehalten wurden. Es verdient 
hervorgehoben zu werden, dass die Contouren der einzelnen Leucocyten 
sich auch hier sehr deutlich erkennen lassen und die Kerne äusserst 
scharf gefärbt sind. Bei der Lapis-Aetzung der Arteria femoralis eines 
Hundes bis zur Excision war nach einer halben Stunde der Effect ein 
ähnlicher. Ein Querschnittbild des Gefässes liefert Fig. 43. 

Aus Längs- wie Querschnittsbildern ist man wohl im Stande, sich 
eine sehr klare Vorstellung von dem Effect der Lapistouchirung zu 
machen. An zwei nahe an einander liegenden Stellen (b'und b") springen 
hier (Fig. 43) zwei spitze Aetzschorfe vor und dienen dem Thrombus 
zum Ursprung; der Plättchenpfropf sitzt hier gewissermassen mit zwei 
Schenkeln diesen Prominenzen auf. Man sieht hier auch, wie die Aetzung 
noch ausserhalb der eigentlich direct betroffenen Stelle zerstörende Wir- 
kungen ausüben kann. So fehlt in Fig. 43, so weit die Aetzung geht, 
die Intima vollständig und eine nicht unbedeutende Strecke ist völlig 



^) Die Elastica interna dieser Gefässe entbehrt einev Bekleidung von fase- 
riger Intima. 



— 97 — 

des Endothels und der Elastica beraubt. Hier sind offenbar Schorfe 
von dem kräftigen Blutstrom abgerissen worden und haben Stücke 
der noch gesunden und intacten Intima mitgenommen. Jede durch 
Ablösung eines Schorfs gesetzte Unterbrechung der Intima wird aber 
schon an und für sich durch die Retraction der noch restirenden 
Elastica zu einer verhältnissmässig stärkeren Entblössung der Media 
führen. So findet man im Umkreis verschorfter Partien die Media auf 
grosse Strecken nackt und diese von der retrahirten gefalteten Intima 
eingefasst, die besonders am Rand des Defects grössere Wülste bildet. 
Wir kommen auf diese Befunde im Weiteren noch zu sprechen, wir 
wollen aber jetzt schon darauf aufmerksam machen, dass nirgends 
diese des Endothels beraubten, aber glatten Partien des Gre- 
fässinnern Ausgangspunkt von Thromben sind. 

Fig. 43. 




Querschnitt durch ein mit Höllenstein geätztes Grefäss. Von a bis a reicht die Aetzung, b b in 
das Lumen vorspringende Aetzschorfe, auf denen Blutplättchentliromben c mit ihrer Basis auf- 
sitzen, daneben spärliche Fibrinfäden, d Leucocyten. Hartnack 11, Ocul. 2. 



Die Thromben auf den verschorften und zum Theil abgeblätterten 
Partien der Intima sind Blutplättchenballen, die wie im eben beschrie- 
benen Präparate neben Leucocyten und rothen Blutkörpern auch Pibrin- 
fäden zwischen sich erkennen lassen. Dünne und spärliche Fäden sind 
es, die hier zwischen den einzelnen isolirten Ballen der Pfropfe sich 
ausspannen (Fig. 43), die von Zacke zu Zacke ziehen und in deren 
dünnem Netzwerk viele rothe und farblose Elemente sowie auch kleinere 
Pfropfe von Blutplättchen sich gefangen haben. 

Nie fehlt der fädige Faserstoff in den Thromben, die sich um 
Fremdkörper gebildet haben , welche in das Gefässlumen eingeführt 
wurden. Die Bilder dieser Thromben bekommen durch die Beimengungen 
des Faserstoffs etwas Eigenartiges, von den Eingangs geschilderten 
Pfropfen Abweichendes. Blutplättchenhaufen bilden zwar auch ihre 

Eberth und Schimmelbusch, Die Thrombose. 7 



98 



Hauptmasse, aber zwischen den einzelnen Ballen spannt sich hier oft 
ein enges Maschenwerk von Fibrinfäden aus, in dem dann naturgemäss 
auch weisse und rothe Blutkörper in grösserer Anzahl hängen. Nur 
in den allerersten Stadien der Bildung dieser Thromben um Fremd- 
körper, in den ersten Minuten, scheint der Faserstoff zu fehlen und 
nur Blutplättchen sich wie sonst an den Rauhigkeiten anzusetzen. Im 
Anfang unserer Experimente, als wir uns eine einheitliche Unter- 
suchungsmethode noch nicht ausgebildet hatten, haben wir mehrere 
Versuche in dieser Richtung so ausgeführt, dass wir einen dünnen 
Zwirnsfaden durch ein Gefäss zogen, nach einer gewissen Zeit das Ge- 

fäss central und peripherisch von 



Fig. 44. 



der betreffenden Stelle ligirten 
und dann der Länge nach auf- 
schnitten. Um morphologische 
Alterationen der Blutelemente von 
vorneherein möglichst zu vermei- 
den, gebrauchten wir hierbei die 
Vorsicht, das Gefäss vor dem 
Aufschneiden mit einer die Blut- 
elemente gut conservirenden 
Flüssigkeit, z. B. mit Methyl- 
violettkochsalzlösung oder 1 '^joiger 
Osmiumsäure mittelst Pravaz- 
spritze auszuspritzen. Die Zwirns- 
fäden mit den Thromben, die 
nach der Eröffnung des Gefässes 
behutsam herausgehoben wurden, 
fanden ihre mikroskopische Unter- 
suchung in dem gleichen Con- 
servirungsmittel. Diese Unter- 
suchungsweise, die, wie wir bereits 
Eingangs erwähnten, den Nach- 
theil hat, dass der Thrombus und 
seine einzelnen Theile nicht in 
der Lage bleiben, in welcher sie 
im Gefässe sich befanden, genügt 
immerhin, um sich über die An- 
wesenheit von fädigem Faserstoff 
zu Orientiren. Hier ergaben nun 
die Versuche, bei welchen der 
Faden 4 — 6 Minuten dem Blutstrom im Gefässe ausgesetzt war, das Fehlen 
des Fibrins, während in späterer Zeit, z. B. in 10 Minuten, die Ab- 
scheidung desselben stets zu constatiren war. Wir verfügen hier übri- 
gens auch über ein in Schnitten untersuchtes Präparat, welches die- 
selben Befunde ergiebt. Dasselbe wurde so gewonnen, dass wir vier 
dünne Zwirnsfäden mit einem Zeitintervall von je 3 und 3 Minuten 
quer durch die Femoralvene eines Hundes zogen und weitere 3 Minuten 
nach Durchziehen des letzten Fadens gleich excidirten. An den beiden 
zuletzt eingeführten Fäden, die also die jüngsten Thromben, von 3 
und 6 Minuten gebildet haben, hängen nur Blutplättchenhaufen. Ein 
Schnitt aus diesem Präparate zeigt uns auch das Bild der durch den 




Längssclmitt der Vena femoralis eines Hundes. 
Nach Freilegen des Gefässes wurden drei dünne 
Zwirnsfäden in kurzen Abständen von einander 
quer durch dasselbe gezogen. Das G-efäss blieb 
so 3/^ Stunden der Blutcirculation überlassen. 
Excision, sofortiges Eintragen in Chrom-Osmium- 
säure. Nach 2 Tagen Erhärtung in Alkohol, a Masse 
des ausfüllenden Elutes, b Thromben, c Gefäss- 
wand, d', d", d"' die Querschnitte der drei durch- 
gezogenen Zwirnsfäden. Lupenvergrösserung. 



— 99 — 

Faden verursachten Gefässperforation. Die Wandung ist hier etwas 
zerfasert und gegen das Lumen durch den Zwirn kegelförmig einge- 
stülpt. Die Lücken, die zwischen Gefässwand und Faden vorhanden 
waren, erblickt man ausgefüllt mit Blutplättchenmassen; mehr nach 
aussen sitzt ein gewöhnliches Blutgerinnsel auf, welches auffallend viel 
weisse Blutkörper einschliesst. Man muss hier wohl annehmen, dass 
die an der Gefässwand herabgleitenden Leucocyten vom rauhen Zwirne 
angehalten wurden und nun in grösserer Anzahl theils durch den Blut- 

Fig. 45. 




Vena jugularis des Hundes. Querschnitt. Ein Faden c wurde der Länge nacli durchgezogen und 

dann ','2 Stunde im Blutstrom gelassen, a Gefässwand, b ausfüllende Blutmasse, c Zwirnsfaden, 

d Plättchenmassen, e Leucocyten, f Faserstoff. Hartnack IV, Ocul. 2. 



druck, theils durch spontane Locoraotion das Gefäss durch die Zwischen- 
räume der Fadenfasern verliessen. 

Fig. 44 giebt einen Längsschnitt der rechten Vena femoralis 
eines Hundes wieder, durch die kurz hinter einander drei Zwirnsfäden 
in nur geringen Abständen von einander quer gezogen und darauf 
^/i Stunden dem Strom ausgesetzt wurden. Das Uebersichtsbild bei 
Lupenvergrösserung zeigt die um die drei Fäden d', d" und d'" ge- 
bildeten Thromben b sehr vielgestaltig, wenn auch die Masse der 



— 100 — 

einzelnen ungefähr gleich gross ist. Vom Faserstoff ist unter der Lupe, 
mit der die Zeichnung aufgenommen wurde, natürlich nichts zu sehen, 
aber bei stärkerer Vergrösserung entdeckt man von ihm grössere Mengen. 
Er umspinnt und verbindet mit seinen Fäden die einzelnen Blutplätt- 
chenmassen sehr innig und ist auch der Grund, weshalb in diesen 
Thromben ziemlich viele farblose und rothe Blutkörper zwischen den 
Plättchenballen eingeschlossen sind. 

Ein sehr anschauliches Bild bei stärkerer Vergrösserung von 
einem Fadenthrombus ist Fig. 45. 

Hier wurde ein ganz dünner Zwirnsfaden nicht quer wie in den 
schon beschriebenen Versuchen, sondern der Längsrichtung nach durch 
eine Jugularvene gezogen. Nach Einführung des Fadens blieb dies 
Gefäss noch ^2 Stunde dem Blutstrome überlassen. Der Querschnitt 
des erhärteten Gefässes (Fig. 45) zeigt im Lumen auf der einen Seite, 
der Wand nahe, den quer durchschnittenen Faden c. Man sieht hier 
recht deutlich, wie zuerst Blutplättchen an diesen Faden sich angesetzt 
haben und wie von diesem einhüllenden Plättchenthrombus vielgestaltige 
Plättchenballen d herabhängen, die zum Theil bis über die Mitte des 
Lumens hinüberreichen. Serienschnitte liefern von diesen Blutplättchen- 
pfröpfen so verschiedene Bilder, dass kaum zwei auf einander folgende 
Schnittpräparate sich völlig gleichen. Die Plättchenballen d, die in 
ihren compacteren Partien wieder jenes uns schon bekannte wolkige 
Ansehen bieten, sind hier durch eine ganz beträchtliche Masse fädigen 
Faserstoffs eingehüllt. Gewissermassen in Kreisen ziehen diese ziemlich 
intensiv mit Hämatoxylin gefärbten Fibrinfäden f um den Zwirns- 
faden als einen excentrisch gelegenen Punkt herum. Diese Fäden 
sind hier aber wieder der Ausgangspunkt neuer kleiner Blutplättchen - 
thromben and halten zahlreiche rothe und farblose Blutkörper in ihren 
Netzen fest. 

Die Einführung eines anderen Fremdkörpers in die Jugularvene 
eines Hundes, nämlich die eines Hollundermarkpfropfes, gab uns ein 
ganz analoges Resultat, wie die der Fäden. 

Wir schnitten hier einen prismatischen Pfropf aus trockenem 
HoUundermark, der ungefähr 4 cm lang war und ^/a cm in der Seite 
mass. Dieser Pfropf wurde an dem einen Ende mit einem Faden am 
Gefäss fixirt. Bei der Einführung desselben benützten wir nun den 
Umstand, dass beim Hund die Jugularis externa sich aus zwei starken 
Gesichtsvenen, einer Vena facialis antica und postica sammelt. Während 
wir den Strom durch Compression aller drei Aeste dieser Gabel auf- 
hoben, eröffneten wir die Vena facialis postica und schoben den Hol- 
lundermarkpfropf durch diese Oeffnung in die Vena jugularis vor. 
Central von dieser Einführvmgsstelle wurde darauf die Vena facialis 
postica abgebunden und da nun in dieser Ligatur auch der angeschlungene 
Faden mit dem HoUundermark eingeknüpft ward, so hing dasselbe 
beim Wiederfreigeben der Circulation in dem Blutstrom, der durch die 
Vena facialis antica und durch die Jugularis abfloss. Der Pfropf blieb 
30 Minuten lang in dieser Lage. Darauf wurde das Gefäss excidirt 
und in der bekannten Weise behandelt. Bei der Excision zeigte sich 
die Vena facialis oberhalb des Hollundermarkpfropfes durch dunkel- 
rothe Thrombenmassen verstopft. Das HoUundermark war, wie es 
eingeführt wurde, völlig ausgetrocknet und so kann es nicht auffallen. 



— 101 — 

dass zunächst eine starke Infiltration desselben mit Blut eintrat und 
zwar niclit bloss mit Blutplasma, sondern auch mit corpusculären Ele- 
menten. Ganz hervorragend sind hierbei die rothen Blutkörper be- 
theiligt, die zum Theil recht wohlerhalten die Pflanzenzellen am Rande 
des Pfropfes und hie und da selbst in der Mitte erfüllen. Aeusserlich. 
d. h. dem Blutstrom zugekehrt, ist der Pfropf ganz ähnlich wie die 
Zwirnsfäden mit Blutplättchenmassen und Fibrinfäden bedeckt, die ab 
und zu grössere Mengen rother und farbloser Blutkörper einschliessen. 
An verschiedenen Stellen haben diese umhüllenden Thromben den 
Zwischenraum zwischen Pfropf und Gefässwand schon ausgefüllt und 
wenn an anderen Stellen, wo keine Thromben sind, noch Circulation 
bis zuletzt bestanden hat, so kann es sich hier bloss um einen be- 
schränkten Zufluss aus Collateralen gehandelt haben, da, wie erwähnt, 
bei dem Herausschneiden die Vena facialis sich durch Thromben be- 
reits verschlossen zeigte. 



Bei den bisher mitgetheilten Versuchen haben wir als ein allen 
gemeinsames Resultat zu verzeichnen, dass nach dem Insult der Gefässe 
Thrombose eintrat. In den folgenden Experimenten blieb trotz 
der Verletzung der Gefässwand dieselbe aus. Es sind gerade 
diese Resultate besonders interessant, weil sie dieselbe merkwürdige 
Thatsache uns vorführen, auf die wir schon bei den Beobachtungen 
des circulirenden Blutes gestossen sind; eine Thatsache, die den herr- 
schenden Anschauungen von dem engen Connexe zwischen Wandver- 
letzung und Thrombose widerspricht. 

Bei einem Pinscher wurde die linke äussere Jugularvene frei- 
gelegt, die Gefässscheide eröffnet und das Gefäss nun mit dem Gal- 
vanocauter in der Längsrichtung energisch cauterisirt, so dass ein 
ansehnlicher Schorf sich auf demselben zeigte. Das Gefäss, welches 
2 Stunden nach der Verbrennung herausgeschnitten wurde , härteten 
wir erst in Chrom- Osmiumsäure, später in Alkohol. In den sehr zahl- 
reichen Serienschnitten dieser Vene fand sich nirgends auch nur eine 
Spur eines Thrombus. An der äusseren Circumferenz der Gefässwand 
erblickt man an einer Stelle schwärzliche Schorfe und einen geringen 
Defect im adventitialen Gewebe, aber dies ist auch das einzige Zeichen 
des bei der Ausführung so energisch erscheinenden Eingriffes. Die 
Media, die Intima, das Endothel zeigen nicht die geringsten Textur- 
veränderungen. 

In zwei weiteren Versuchen bemühten wir uns, die oberflächliche 
Cauterisation noch zu verstärken ; einmal brannten wir die Vena 
femoralis eines Hundes mit dem Galvanocauter, ein anderes Mal die 
Carotis mit einer glühenden Nadel. In beiden Fällen gelang es uns 
aber nicht bei der oberflächlichen Verletzung zu bleiben, sondern es 
kam trotz grosser Vorsicht zur Perforation. Das Präparat der per- 
forirten Arteria carotis ist bereits oben besprochen worden. 

Am 16. Juli 1885 klemmten wir die eine Jugularvene eines 
Jagdhundes mit einer Schieberpincette an zwei wenig von einander 
entfernten Stellen seitlich ein, so dass etwa die Hälfte der Gefässwand 
in den gerieften Branchen der Pincette gequetscht wurde. Nach 
5 Secunden langer Quetschung wurden die Pincetten abgenommen und 



— 102 — 

das Gefäss noch 10 Minuten der Circulation überlassen. Deutlich 
markirten sich die geklemmten Stellen als weisse Flecke, die in dünnen 
Streifen die Eindrücke der gerieften Branchen aufwiesen. In ganz 
ähnlicher Weise wurde bei einem anderen Hunde eine Jugularvene 
an vier dicht hinter einander gelegenen Punkten seitlich 2 — 3 Secunden 
lang mit der geschlossenen Schieberpincette geklemmt und gleichfalls 
10 Minuten nach der Verletzung bis zur Excision liegen gelassen. 
Auch hier sah man gut die weiss verfärbten Klemmstellen. In beiden 
Fällen war aber bei der späteren Untersuchung in Hunderten von 
Serienschnitten weder eine Gefässalteration noch ein Thrombus mikro- 
skopisch aufzufinden. 

Zweimal versuchten wir durch Auflegen von Kochsalzkrystallen 
auf ein Gefäss einen Thrombus zu erzeugen, wir bekamen aber 
beide Male ein negatives Resultat. Der erste Fall betraf die linke 
äussere Jugularvene eines Kaninchens, der zweite die rechte des- 
selben Thieres. Die Kochsalzkrystalle blieben auf der ersten 10, 
auf der zweiten Vene 20 Minuten bis zur Excision liegen und er- 
zeugten eine weissliche Färbung an den Stellen, wo sie durch die 
Feuchtigkeit des Gewebes allmälig zu schmelzen begannen. Die 
beiden Gefässe wurden erst in Osmiumsäuredämpfen, später in Alkohol 
erhärtet. 

Wir haben schliesslich noch über eine x4.etzung mit Salzsäure 
und eine mit Lapis zu berichten. Die Salzsäureätzung betraf die 
beiden Schenkelgefässe , die Vena und Arteria femorahs, eines Hun- 
des. Wir verwandten concentrirte rauchende Salzsäure zu diesem 
Versuche und trugen dieselbe zu wiederholten Malen mit einem Watte- 
bäuschchen auf die Gefässe, so dass diese in einer Länge von ca. 2 cm 
völlig weiss verfärbt, nekrotisch aussahen. Nach 15 Minuten Excision des 
Gefässes. Diesem so energischen Insulte entsprach der mikroskopische 
Befund in keiner Weise. Nicht nur dass in mehr als 300 Serienschnitten 
auch nichts von einem Thrombus zu finden war, die Gefässwände selbst 
waren in allen Theilen so vorzüglich erhalten, die Zellcontouren und 
Kernfärbungen überall so scharf zu sehen, dass man auch nicht den 
geringsten Anhaltspunkt bei den Präparaten hatte, welche Stellen der Ge- 
fässwände etwa von der Aetzung betroffen waren, obgleich deren Effect 
sich makroskopisch während des Versuches so deutlich erkennen Hess. 

Zwei Lapisätzungen, die sehr energisch ausgeführt worden waren 
und zu ausgedehnten Zerstörungen und Verschorfungen der inneren 
Gefässwände mit nachfolgender Thrombose Veranlassung gegeben hatten, 
sind oben bereits geschildert worden. Bei einer dritten Lapistouchirung 
fiel der Eingriff nicht so verletzend aus. Das geätzte Gefäss war die 
Carotis eines Hundes, die nach dem Insult noch 16 Minuten lang der 
Circulation ausgesetzt blieb und später in Alkohol erhärtet wurde. 
Die schwarze Silberfärbung verräth wie sonst, wie weit das Aetzmittel 
vorgedrungen ist und die Gefässwand abgetödtet hat. An einer Stelle 
geht die Grenze der Aetzung fast bis zur Elastica intimae, aber an 
einer anderen, recht ausgedehnten hat der Silbersalpeter auch das 
ganze Endothel getroffen und schwarz gefärbt. Im Lumen des Ge- 
fässes ist nirgends ein Thrombus zu finden. Bei den Lapisätzungen 
reisst oft in ausgedehnter Weise die verschorfte Intima ab und die 
Muscularis liegt im Lumen stellenweise frei. In dem Präparat der 



— 103 — 

Fig. 46 ist sogar zu ^/a des Gefässnmfangs von a bis b die ganze 
Intima abgerissen. Auf der Muscularis aber liegen keine Thromben. 
Die gefalteten, schwarz gezeichneten Partien der Intima besitzen ge- 
sundes Endothel. 

Zum Schlüsse wollen wir noch über eine Reihe experimenteller 
Eingriffe an grösseren Gefässen von Kaltblütern berichten. Die Technik 
war für uns dieselbe wie beim .Säuger, Sorgfältiges Unterbinden vor 
der Excision und systematische Untersuchung in Serienschnitten hat 
uns auch hier zum Ziele geführt. 

Wir versuchten zuerst Umschnürungen mit Seidenfäden an den 
Aorten von Fröschen vorzunehmen, laparotomirten zu dem Zwecke die 
Thiere, schoben die Eingeweide zur Seite und drangen auf die grossen 

Ficr. 46. 






Quersclmitt einer mit Lapis geätzten Arterie. Die normale, nur etwas gefaltete Intima ist schwarz 
gezeiclmet, von a bis b fehlt dieselbe und es liegt die Muscularis frei. 

Gefässe vor, um die wir für einige Minuten die Ligatur festschlangeu. 
Dann wurde die Ligatur wieder gelöst und die Circulation für eine 
gewisse Zeit frei gegeben, worauf wir excidirten. Da unsere Frösche 
mit wenigen Ausnahmen klein waren, hatten wir mit dieser an sich 
ja einfachen Operation Schwierigkeiten, die besonders darin bestanden, 
bei den Manipulationen die sehr zarten kleinen Atirten nicht an anderen 
Stellen und tiefer zu verletzen und durch Perforationen blutleer zu 
machen. Doch erhielten wir von kräftigen Fröschen recht schöne 
Präparate. Der Effect der Umschnürung ist ein ganz ähnlicher, wie 
wir ihn Fig. 38 bei der Femoralarterie des Hundes beschrieben haben. 
Die inneren Schichten der Gefässwand sind hier besonders schwer 
verletzt. Das Endothel ist eine ganze Strecke weit abgerissen und 



— 104 — 

die Media stark zerquetscht. Die Gewebsscbichten der Adventitia sind 
gelockert. Auf diesen zerstörten Wandtheilen, besonders auf den 
spitzen Hervorragungen der verletzten lutima sitzen nun genau wie 
beim Säuger die Plättebenhaufen, so hier die Spindeln auf. Der 
Pfropf ist 5 Minuten alt und entsprechend diesem frühen Stadium 
sind die Kerne der Spindeln ausgezeichnet deutlich und intensiv ge- 
färbt zu erkennen. 

Die Präparationsschwierigkeiten an den kleinen Froschaorten 
Hessen uns verschiedentlich den Aortenbulbus dieser Tbiere zur Opera- 
tionsstelle wählen. Wir legten dann um die Vorhöfe eine Ligatur, 
die einige Minuten liegen blieb und dann wieder entfernt wurde. Einmal 
gaben wir dann die Circulation eine, dann 3 und 5 Minuten lang bis 
zur Excision frei. 

Auch hier fanden sich an den zerquetschten Gefässwänden auf 
den Längs- und Querschnitten Haufen von Spindeln ; nur ist die Orien- 
tirung an diesen Herzschnitten, die durch Bulbus, Vorhöfe, Klappen etc. 
gehen, nicht leicht. 

Sehr schöne Bilder haben wir bei der Schildkröte erhalten, deren 
Aorta und Aortenbögen durch ihre Grösse und leicht zugängliche Lage 
die Operation sehr erleichtern. Man geht hier so vor, dass man durch 
Schnitte das Bauchschild in seinen Bandverbindungen mit dem Rücken- 
schild löst und dann von den Weichtheilen abtrennt. Die Aorta ist 
unschwer zu finden. Nach der Operation bindet man mit Fäden die 
Bauchplatte wieder auf. Die Zerstörung der lutima und Media wird 
auch hier sehr stark und vor Allem die Media eine ganze Strecke 
weit von der Adventitia abgelöst. Auf den rauhen und promiaenten 
Wandtheilen sitzen dann hier analog wie beim Frosch wieder die 
Haufen von Spindeln mit ihren deutlichen und gut gefärbten Kernen auf. 

Des Weiteren haben wir noch Stichverletzungen angelegt und 
zwar beim Froschherzen. Diese wurden so ausgeführt, dass wir das 
Herz freilegten, aus dem aufgeschlitzten Pericard durch Druck auf 
den Thorax hervordrängten und dann mit einer Irislancette anstachen. 
Aus diesen Stichwunden liessen wir die Frösche langsam verbluten 
und schnitten dann die Herzen heraus. Die Stichverletzung drang 
gewöhnlich bis in die Mitte des Ventrikels vor; viele Muskeln der 
Trabekel waren zerquetscht oder durchschnitten. An diesen durch- 
trennten Trabekeln sah man nun überall Häufchen und Haufen von 
Spindeln, die wieder durch ihren Kernreichthum sich gut aus der 
umgebenden Blutmasse abhoben. Die äussere, d. h. an der Aussen- 
wand des Herzens gelegene Oeffnung der Wunde ist völlig bedeckt 
mit Schichten von Spindeln und auf diesen Spindelthromben sitzt dann 
noch eine Blutmasse auf, die wieder einzelne Ballen von Spindeln er- 
kennen lässt. 

Wir haben auch Fäden von Zwirn durch Froschherzen gezogen 
und auch an diesen Fäden Haufen von Spindeln hängen gesehen. 



— 105 — 



Capitel VII. 

Aeltere Stadien experimentell erzeugter Thromben. 

Aeltere Stadien von Thromben im Mesenterium bei Circulationsbeobachtungen am 
Säuger und Kaltblüter — Beobaelitungen am Kaninchenobr — Bei geringen und 
nicht progredienten Verletzungen kommt es zu einer Plättchenconglutination, die 
bald vergeht — Experimente an Hals- und Schenkelgefässen von Kaninchen und 
Hunden — Umschnürung — Aetzung mit Lapis — Aetzung mit Salzsäure — Ver- 
brühung — Gefrieren — Verhältnisse nach Unterbindung — Zusammenfassung — 
Betheiligung der Blutplättchen und des Fibrins — Hyalin und kanalisirtes Fibrin — 
Spätere Schicksale des Thrombus. 

Dass im Anfangsstadium bei vielen Thromben nur Blutplätteben 
sich absetzen, können wir nach den Resultaten der Capitel IV und VI 
als sicher annehmen. Der Blutstrom antwortet auf Verletzungen, die 
eine Circulationsstörung mit sich bringen, sofort mit einer Zusammen- 
häufung, einer Conglutination von Blutplättchen und überzieht in kürze- 
ster Zeit die verletzten Wandpartien resp. Fremdkörper mit den be- 
kannten feinkörnigen und wolkigen Massen dieser Elemente. Dabei 
bleibt bei gewissen leichteren Verletzungen zunächst eine Fibrin- 
abscheidung aus. 

Bei den Circulationsbeobachtungen am Omentum und Mesenterium 
von Säugern machten wir dann die Bemerkung, dass auf geringfügige 
Insulte der Grefässwand nur in selteneren Fällen eine dauernde obtu- 
rirende Thrombose sich entwickelte und dass meist, nachdem anfäng- 
lich ein grösserer Pfropf von Plättchen sich gebildet hatte, später das 
Gefässlumen wieder freier resp. ganz frei wurde. So schilderten wir 
den Effect der Ueberstreichung einer kleinen Arterie mit einer stumpfen 
Nadel, bei welchem zuerst ein fast obturirender Blutplättchenpfropf 
entstand, von dem aber bald wieder immer mehr und mehr Plättchen 
abgebröckelt wurden, bis er schliesslich, völlig vom Strom abge- 
schlossen, für das Auge fast ganz verschwand. In diesem Falle war 
auch bei weiterer Beobachtung keine Veränderung an dem betreffenden 
Grefässe zu sehen, und es scheint demnach, als ob es Verhältnisse giebt, 
in welchen die Reaction des Blutstroms auf eine gesetzte Wandver- 
letzung mit einer vorübergehenden Plättchenanhäufung 
abgeschlossen ist. 

Beim Säuger kann man die Verfolgung dieses Vorgangs wegen 
der grossen Hinfälligkeit der Gefässmembran nicht gut länger fort- 
setzen, aber beim Frosch ist man schon besser daran. Wenn ein 
kräftiger und vor allen Dingen frisch eingefangener Frosch gut cura- 
risirt ist und sein ausgespanntes Mesenterium mit der nöthigen Vor- 
sicht behandelt wird, lassen sich einen Tag lang ganz bequem Circu- 
lationsbeobachtungen daran machen. Ja, es gelingt unschwer, selbst 
auf 24 und 36 Stunden dieselben auszudehnen, wenn man die Nacht über 
den Frosch mit seinem Mesenterium, so wie er auf der Glasplatte zur 
Betrachtung aufgelegt ist, mit feuchten Fliesspapier streifen sorgfältig 



— 106 — 

bedeckt und unter eine Glasglocke stellt. Auch darin ist der Frosch 
als Versuchsobject günstiger, dass es leichter ist, geringere, nicht gleich 
zur Stase führende Verletzungen an den Gefässen anzubringen und dass 
diese Verletzungen noch schneller überwunden werden wie beim Säuger. 
Wir verweisen hier auf das Capitel V, wo eingehender geschildert 
ist, wie nach einem Eingriff die Spindeln beim Frosch sich an der ver- 
letzten Stelle anhäufen, dann aber meist die grössere Zahl bald wieder 
fortgetrieben wird und nur noch wenige haften bleiben, welche mit 
ihren zu körnigen Massen verschmolzenen Zellleibern die Unebenheiten 
der Gefässwand ausgleichen und den Blutstrom ruhig wieder vorbei- 
schiessen lassen. Es ist nun interessant, dass an einer solchen Stelle 
beim Frosch 24 und 36 Stunden lang Alles beim Alten bleibt (voraus- 
gesetzt natürlich, dass die Circulation sich erhält), und der Eingriff 
damit also wahrscheinlich überwunden ist. 

Diese Beobachtung legt jedenfalls den Gedanken nahe, dass auch 
beim Frosch nach geringen Verletzungen der Gefässwände, vor allen 
Dingen bei Verletzungen, denen der progressive Character abgeht, der 
reactive Vorgang im Blutstrom mit einer Ablagerung von Blutplättchen 
abgeschlossen ist, dass eine geringe Masse Plättchen eine Ausgleichung 
der Unregelmässigkeiten an den verletzten Stellen ermöglicht und so 
für die Wiederherstellung des normalen Stromcharacters sorgt, und 
dass dies vermuthlich so lange andauert, bis der Heilungsprocess in 
der Gefässwand beendet ist. 

Ob diese Verhältnisse thatsächlich so liegen, kann man experi- 
mentell an grösseren Gefässen, z. B. an Hals- und Schenk elgefässen 
von Säugern oder an den Aorten von Fröschen, nur schwer ermitteln. 
Wir haben allerdings speciell am Frosch einige Präparate erhalten, in 
welchen am 2. und 3. Tag an jener Stelle, an welcher wir das Gefäss 
gequetscht oder leicht umschnürt hatten, nichts von Thrombose zu sehen 
war und höchstens ein Kernreichthum des Endothels auffiel; aber man 
ist bei einem solchen Befunde natürlich immer in dem Zweifel, ob hier 
eine wirklich merkbare Verletzung der innersten Gefässhaut und eine 
Ablagerung von Plättchen, also ein thrombotischer Vorgang vorhan- 
den war. 

Es giebt aber einen anderen Weg, auf welchem man dieser Frage 
näher kommen kann. Bei seinen Unter.suchungen über „Entzündung" 
studirt Samuel ^) auch die Entzündungserscheinungen am Kaninchenohr. 
Er ätzt dasselbe mit verschiedenen Substanzen und beobachtet dann 
die erfolgende Reaction. Als eine der auffälligsten Erscheinungen ver- 
zeichnet er das Auftreten „weisser Ballen" in den Gefässen, welche 
daselbst hin und her geschleudert werden. Die Ballen hält er für 
Leucocyten und sieht das Ballenwerfen als ein Stadium der Entzün- 
dung an. 

Dieser Versuch lässt sich unschwer wiederholen und zwar am 
besten so, dass man das Kaninchenohr sorgfältig rasirt und mit starker 
Lupe bei durchfallendem Tageslicht betrachtet. Es ist für unsere 
Zwecke besser, die Aetz- und Reizmittel möglichst local wirken zu 
lassen und z. B. nur einen kleinen Tropfen verdünnter Salzsäure zu 
appliciren. Das Eindringen der Säure in das Ohr wird wesentlich er- 



^) Samuel, Der Entzündungsprocess. Leipzig 1873. 



— 107 — 

leichtert, wenn man an der Stelle der Application ganz leicht die ober- 
flächlichsten Epidermisschichten mit einer Nadel durchritzt. Die Salz- 
säure dringt an diesen Orten dann ganz radiär sich ausbreitend in das 
Ohrgewebe vor und erzeugt hellere runde Flecke. Ein solcher Fleck 
rergrössert sich allmälig mit der Zunahme der Wirkung. Erreicht 
er eines der Ohrgefässe, so verengt sich dies an der Stelle, um sich 
peripher resp. central um so praller zu füllen. Gar nicht lange dauert 
es, so beginnt in den getroffenen Gefässen die Bildung der erwähnten 
weissen Ballen. Man kann dann sehr gut verfolgen, wie diese Ballen 
sich vergrössern, wachsen, dann abgerissen werden und so weiter. 
Wir kennen die Erscheinung schon aus unseren Circulationsbeobach- 
tungen am Mesenterium und Omentum und wissen, dass es sich hier 
um Plättchenthromben handelt und die ganze Erscheinung nicht, wie 
Samuel damals annahm, in das Gebiet der Entzündung, sondern in das 
der Thrombose gehört. 

Zu detaillirten Beobachtungen über die Ansammlung von Plätt- 
chen und anderen Blutbestandtheilen eignet sich das Kaninchenohr, 
wie schon früher erwähnt, nicht, aber es ermöglicht immerhin das Er- 
kennen von Thrombenbildung an Gefässen, die man dann beliebig lange 
controUiren kann. Fällt die Aetzung des Ohres zu energisch aus, so 
werden natürlich grosse Theile des Ohres nekrotisch. Aber bei ge- 
lindem Insulte verräth an den folgenden Tagen nur ein kleiner gelb- 
licher Fleck die Aetzstelle und eines oder zwei der heftigst betroffenen 
Gefässe sind stark verengt und noch mit Thromben gefüllt. Das Ohr 
ist dann geschwollen und geröthet; die Gefässe, welche die geätzte 
Partie umgeben und durchziehen, sind erweitert. Obgleich man nun 
während und unmittelbar nach der Aetzung in diesen Gefässen aus- 
gedehnte Plättchenthrombose sah, ist nach 12 Stunden und auch im 
weiteren Verlaufe nichts mehr von solcher wahrzunehmen. Trennt 
man, um jede Blutung zu vermeiden, mit glühend heissem Skalpell das 
betreffende Ohr ab und härtet es in Spiritus, so kann man die Lupen- 
beobachtung durch die Untersuchung von Serienschnitten ergänzen. 
Uns liegt ein Ohr vor, in welchem von den zahlreichen Gefässen des 
geätzten Bezirkes, die bei dem Experimente ausgedehnte Thrombose 
zeigten, nur in einem oder zwei grösseren am Ende des zweiten Tages 
noch Thromben sich fanden. 

Für die schnelle Reparation kleinerer und nicht progredienter 
Gefässverletzungen spricht in sehr beredter Weise auch eine Experi- 
mentaluntersuchung von Zahn ^). Derselbe studirte den Vernarbungs- 
process der Arterienwand nach Umschnüren eines Fadens. Die Arterie 
wurde freigelegt und ein Seidenfaden 1 — 2 Minuten fest umgebunden 
und darauf dieser wieder durch Schnitt gelöst. Der Effect ist fast 
immer der gleiche, insofern als das Endothel und die Elastica sich ab- 
blättern und die Media zur Hälfte oder zwei Dritttheilen durchtrennt 
wird. Wir haben in Capitel VI diese Verhältnisse genauer geschildert 
und verweisen zur Illustration derselben auf die Fig. 47. Zahn 
kommt in seiner Untersuchung zu dem Resultat, dass der Heilungs- 
process mit einer Wucherung des Endothels beginne und schon zwischen 
dem 3. und 4. Tage eine continuirliche Endothelschicht über die ver- 



1) Virchotv's Archiv Bd. XCVI. 



— 108 — 

letzte Wandstelle sicli ausbreite. Wir können die Schnelligkeit dieses 
Reparationsvorganges und die Schilderung, die Zahn entwirft, nur be- 
stätigen ; jedoch in einem Punkte stimmen wir nicht mit ihm überein. 
Zahn meint, „dass nach vollständiger Zerreissung der Intima und theil- 
weiser Durchtrennung der Media von Arterien an der RisssteUe keine 
Thrombenbildung statt hat". Es fänden sich wohl auf dem Grunde 
der Rissstelle und auf den Rändern etwas mehr rothe und weisse Blut- 
körper und auch Blutplättchen als anderswo auf der unverletzten In- 



Ficf. 47. 



--e 




Art.. femoralis eines Hundes, bei B mit einem Seidenfaden umsclmürt und nach Lösung der Ligatur 

dann ^i Stunden der Blutcii-culation überlassen, a gelockerte Adventitia, bb' Media, AA zu 

Wülsten getliürmte, aus einander gepresste Muskelpartien der Media, cc abgeblätterte Litima. 

d Blutplättclienpfröpfe, e Leucocyten. Hartnack IV, Ocul. 3. 



tima, aber niemals in genügender Menge, um einen wirklichen Throm- 
bus zu bilden. Unsere Abbildung und Schilderung in Capitel VI zeigt, 
dass es in der ersten Zeit zu recht ansehnlichen, fast bis in die Mitte 
des Gefässlumens hineinreichenden Pfropfen kommt. Diese Differenz 
erklärt sich aber leicht aus der verschiedenen Präparationsweise, die 
Zahn und wir unseren Gelassen angedeihen liessen. Zahn, dem es in 
erster Linie um die Verhältnisse der Wand zu thun war, schnitt meist 
das Gefäss der Länge nach auf, spannte es aus, spülte dann mittelst 



— 109 — 

eines schwachen Strahls destillirten Wassers ab, goss dann Silberlösung 
darüber, spülte nochmals mit Wasser ab und härtete darauf erst in 
Alkohol. Dabei können natürlich so zarte und zierliche Thromben, 
wie unser sorgfältig doppelt unterbundenes und dann excidirtes Grefäss 
zeigt, nicht erhalten bleiben. 

Nach diesen Beobachtungen muss man annehmen, dass 
bei nicht allzugrossen vorübergehenden und nicht progre- 
dienten Grefässverletzungen eine anfangs grössere, später 
immer geringer werdende Conglutination von Plättchen auf 
der verletzten Stelle statt hat, und dass diese Plättchen- 
thrombose ganz schwindet, sobald das regenerirte Endothel 
sich über die Wunde ausbreitet. 

Bei allen energischeren Insulten, in welchen es zu ausgedehnteren 
Zerstörungen der Grefässwand kommt, kann ein baldiges Zurückgehen 
und Schwinden des Thrombus in den älteren Stadien nicht beobachtet 
werden. Statt dass die Blutplättchen abnehmen, nimmt ihre Masse 
dann zu, bis eventuell das Gefässlumen völlig verschlossen wird. Bei 
diesen ausgedehnteren Thromben findet sich constant Faserstoff, und 
zwar auch in jenen Fällen, in welchen in den ersten Stunden nach den 
Versuchen in Capitel VI zunächst vermuthlich reine Plättchenthromben 
vorhanden waren. 

Die vorübergehende Umschnürung von Arterien gehört nach den 
Versuchen Zahn's, und nach unseren nicht bloss die von Arterien, 
sondern auch die von Venen (V. jug.) zu den Gefässverletzungen, 
die, wie eben erwähnt, eine einfache Plättchenthrombose erzeugen und 
schnell heilen. In zahlreichen Versuchen an den Feraoral- und Hals- 
gefässen von Hunden und Kaninchen konnten wir nach einer einfachen 
Umschnürung bei primärer Vereinigung der Operations wunde eine sehr 
schnelle Heilung beobachten. Eine dauernde Unterbrechung der Circu- 
lation in Folge dieses Eingriffs war wenigstens in keinem Falle wahrzu- 
nehmen. In den ersten Minuten nach dem Entfernen der Ligatur stockt 
zwar die Circulation, und der peripherische Theil der Arterie entsprechend 
dem centralen der Vene erscheint coUabirt, aber sehr bald stellt sich der 
Blutstrom wieder her und bleibt dann erhalten. Dennoch aber ge- 
staltet sich in einzelnen Fällen der Insult verletzender und führt nicht 
bloss zu anhaltender Plättchenconglutination, sondern auch zu mehr 
oder weniger ausgedehnter Fibrinabscheidung. Man kann schon makro- 
skopisch diese Fälle bei der Excision erkennen. Deutlich bleibt die 
Umschnürungsstelle in den günstiger verlaufenden Experimenten zwar 
immer längere Zeit. Noch nach 8 Tagen und länger, wenn gar keine 
Thrombose im Gefässlumen vorhanden ist und die innersten Häute der 
Wand längst regenerirt sind, macht sich die Stelle, an der die Seiden- 
ligatur lag, als ein weisslich rother Ring bemerkbar. Bei jenen com- 
plicirteren Ausgängen sieht man aber ausser diesem Ringe noch weiss- 
iiche Flecke meist dicht darüber oder darunter. Wie Schnittpräparate 
zeigen, entsprechen sie ausgedehnteren Thromben und Wandverände- 
rungen, und wir wollen es dahingestellt sein lassen, ob sie nur der 
Ausdruck der Wand Verletzung sind oder ob es sich bei ihnen auch 
um das Durchschimmern von Thromben handelt oder ob beide Mo- 
mente hier zusammentreffen. 

Dns liegt hier eine Jugularvene vor, die 5 Tage nach einer 



— 110 — 

mehrere Minuten dauernden Umsclmürung excidirt wurde. Vereinigung 
vollkommen primär. In den Fällen schneller Heilung und bald über- 
wundener Thrombenbildung ist bei einer Umschnürung einer Jugular- 
vene die Verletzung der Wand im Vergleich zu der bei einer Carotis- 
oder Femoralarterie geringfügig zu nennen. Es liegt hier bloss eine 
Abhebung des Endothels mit Zerfaserung der Intima vor und eine 
Lockerung der Ringmusculatur. Die Venenwand erscheint an der um- 
schnürten Stelle etwas gegen das Lumen vorgebuchtet und verbreitert. 
In Präparaten von 2- und mehrtägigem Alter fehlt dann nicht ein hya- 
lines Aussehen der gequetschten Musculatur, ein Kernschwund in der- 
selben und ein Kernreichthum des gelockerten Endothels. Der Insult 
ist jedenfalls immer sehr eng begrenzt und überschreitet z. B. in seiner 
Breite kaum ^/4 — ^J2 mm. In diesem schweren Falle ist, durch welchen 
Zufall wissen wir nicht, der Eingriff weit verletzender ausgefallen. 
Das Grefäss ist trotz der 5tägigen Dauer seit der Operation noch 
derartig an der Umschnürungsstelle eingeengt, dass das Lumen trichter- 
förmig von beiden Seiten gegen dieselbe verläuft. Die Wand zeigt 
an der verletzten Stelle mehrere tiefe Rinnen und zwischen diesen eine 
besonders in das Lumen prominirende Leiste. Die Musculatur ist nicht 
bloss an der Stelle dieser Unebenheiten auffallend kernarm und von 
hyalinem, homogenem Aussehen, sondern auch eine ganze Strecke weit 
central und besonders peripherwärts.- Die Wucherung des Endothels 
und der Intima ist auf den abwärts gelegenen Partien der Verletzung 
ganz ausserordentlich stark , so dass hier ganze Stränge und Platten 
von Endothelzellen auf den tangentialen Längsschnitten sichtbar werden. 
Hier ist von Thromben auf der Wand nichts mehr zu sehen und es 
hat den Anschein, als wenn hier die Heilung wenigstens bis zur Re- 
stitution des Endothelüberzugs gediehen wäre. Anders ist der Befund 
auf dem mehr peripherisch gelegenen Abschnitte der Umschnürung. Wie 
schon bemerkt, ist hier die Musculatur in einer ziemlichen Ausdehnung 
kernlos und hyalin, aber auch die Intima ist kernarm und ebenso das 
Endothel; eine Infiltration der äusseren Muskelschicht ist deutlich aus- 
gesprochen. Die Innenfläche der Wand erscheint rauh und bröckelig 
und auf diesen Unregelmässigkeiten sitzt nun ein Thrombus, der zum 
Theil aus Plättchen, zum Theil aus feineren und gröberen Fasern von 
Fibrin besteht. In Längsschnitten erstreckt sich besonders weit nach 
oben auf der einen Seite ein dicker Belag von fädigem Fibrin. Die 
Plättchen und Fibrinmassen sind ziemlich gleichmässig mit reichlichen 
Leucocyten durchsetzt. 



Im vorigen Capitel haben wir gesehen, dass eine Aetzung mit 
Silbersalpeter zu einer starken Schorfbildung auf der Intima führt, und 
dass dann auf den theilweise abgelösten Schorfen ausgedehnte Thromben 
entstehen, die neben Blutplättchen sehr bald auch Fibrin enthalten. 
Die Thrombose derart geätzter Gefässe (Arterien wie Venen) wird mit 
der Zeit wohl regelmässig eine vollkommen obturirende, wenigstens ist 
in den älteren Stadien, die uns vorliegen, das Gefässlumen jedesmal 
gänzlich verstopft. Wir müssen allerdings hinzufügen, dass bei diesen 
Versuchen die Aetzung eine recht energische war, obgleich jedesmal 
mit Kochsalzlösung gut neutralisirt wurde. 



— 111 — 

Mit Ausnahme eines Falles erzielten wir stets primären Wund- 
verschluss. Sehr geeignet für die Aetzung sind die Schenkelgefässe, 
weil man hier mit einer Operation Arterie und Vena cruralis gleich- 
zeitig trifft und so in einem Präparat gleich den Effect an beiden Ge- 
fässen studiren kann; allerdings ist bei Hunden die Erzielung einer 
primären Wundheilung in der Inguinalgegend nicht leicht. Bei der 
Excision eines jüngeren Stadiums solcher geätzten Gefässe erscheint das 
Gefäss missfarbig und das umgebende Gewebe leicht ödematös. Die 
älteren, etwa eine Woche alten cauterisirten Arterien oder Venen be- 
reiten beim Herausschneiden grosse Schwierigkeiten. Es sind dann 
schon sehr feste Verklebungen eingetreten und in dem zähen Binde- 
gewebe, welches schon stark vascularisirt ist, lässt das ursprüngliche 
Gefäss sich nur schwer erkennen. Zweimal passirte es uns, dass in 

Fiff. 48. 




Arteria femoralis eines Hundes mit Lapis geätzt. 36 Stunden nach der Aetzung herausgeschnitten 
und in Alkohol gehärtet. Hämatoxylinfärhung und Fibrinreaction (Weigert). Von A bis A dunkler 
Bezirk der Lapisätzung, aab in das Lumen ragende Aetzschorfe zum Theil ohne Plättchen, weil 
das Gefäss oberhalb völlig verstopft und daher stromlos ist, ec Plättchenmassen, d Fibrinfäden. 



Folge der Aetzung das Gefäss rupturirte und ein Aneurysma spurium 
sich bildete. 

Auf Quer- und Längsschnitten zeigen Präparate von einer 3 Tage 
alten Aetzung die bräunlich schwarze Verfärbung der Gefässwand und 
der Schorfe noch sehr deutlich. Selbst Blut- und Thrombenmassen, 
die auf diesen Schorfen aufsitzen, sind theilweise braun verfärbt. In 
einer nach 7 Tagen post operationem herausgeschnittenen Vene ist von 
dieser Färbung nur noch wenig zu erkennen. Die Schorfe und mit 
ihnen das Silber sind hier grösstentheils schon resorbirt. An einzelnen 
Stellen liegen zwar noch gelbliche Bündel von glatten Muskelfasern 
und Bindegewebe, aber in der Hauptsache ist die Wand farblos. 

Die obenstehende Fig. 48 betrifft eine Aetzung der rechten 
Femoralarterie , bei welcher die Excision nach 36 Stunden erfolgte. 
Ausnahmsweise war hier kein reactionsloser Verlauf erzielt worden; 



- 112 — 

bei dem Heraussclineiden fand sich in der Umgebung der Wunde auf 
Druck knisterndes Emphysem und gelblichgrüner Eiter. Die Throm- 
bose setzte sich über den geätzten Bezirk hinaus nicht fort. Ent- 
sprechend der Eiterung um die Gefässe sieht man bei mikroskopischer 
Betrachtung von Schnitten eine starke Infiltration des ganzen peri- 
vasculären Bindegewebes und der äusseren, stellenweise auch der 
sänimtlichen Schichten der Grefässwand, welche an der ganzen geätzten 
Partie tiefbraun bis schwarz verfärbt ist. Diesen Stellen entsprechend 
liegen der Innenfläche entweder auf oder mitten im Lumen schwarze 
bröckelige Aetzschorfe. Die Wandelemente sind hier meist kernlos 
und erscheinen hyalin. An mehreren Orten sind die Gewebe der Wand 
zerfasert, die glatten Muskelzellen und elastischen Elemente sind aus 
einander gedrängt und es finden sich daselbst kleine falsche Aneurysmen. 
Im Bereich dieser Partien ist die Infiltration besonders ausgeprägt, 
die Spalten zwischen den gelockerten Elementen der Gefässwand sind 
dicht mit Leucocyten erfüllt. Bei genauer Durchsicht der Schnittserien 
erkennt man, dass die Thrombose hier eine obturirende war und Cir- 
culation nicht mehr bestand. Die Thromben sind überwiegend Plätt- 
chenconglutinate (c), doch finden sich auch schmälere und breitere 
Faserstofiffäden (d) in reichlicher Menge. Die Thromben sitzen auf 
den grösseren Schorfen und den zerstörten Wänden und sind in 
den mehr central gelegenen Theilen der Gefässe compacter und um- 
fangreicher als Peripherie wärts. Nicht alle Aetzschorfe im Gefässiumen 
werden von Blutplättchenmassen überzogen (a, b), und das kann man 
ja auch gar nicht erwarten. Wenn alle mit einem frischen circuliren- 
den Blutstrom in Verbindung kämen, dann freilich; aber wenn die 
Thrombose wie hier an einer Stelle zu einer obturirenden wird, dann 
hört mit dem Sistiren der Circulation auch die weitere Plättchen- 
ablagerung an anderen Stellen auf. 

Bei einem älteren Stadium der Silbersalpeterätzung fällt, wie be- 
merkt, zunächst der rasche Schwund der Silberfärbung auf. Damit 
treten dann regressive und regenerative Processe in der geätzten Ge- 
fässwand Hand in Hand immer deutlicher hervor. Die Orientirung 
an Längs- resp. Querschnitten solcher älterer Stadien geätzter und 
dann vollkommen thrombirter Gefässe ist durchaus nicht leicht, weil 
es zu der bekannten Ausbildung eines Collateralkreislaufes kommt und 
die alte Gefässwand durch die collateralen Bahnen, durch Granulations- 
gewebe und Infiltration mit Wanderzellen oft sehr verdeckt wird. 
Noch am 8. Tage sind nekrotische Stellen der geätzten alten Wand, 
gelbroth verfärbt, hier und da zu erkennen. 

Glatte Muskelzellen und Bindegewebsfibrillen haben an einzelnen 
Stellen sogar ihre Form noch leidlich erhalten, liegen dann aber un- 
geordnet durcheinander und sind eingebettet in einen Haufen von 
Wanderzellen. 

Bemerkenswerth sind im Umkreis der Nekrosen die Wucherungs- 
erscheinungen der Gefässwand. Sie finden sich im Bereich des ganzen 
Thrombus, gehen aber über diesen selbst nur wenig hinaus. Die Ver- 
dickung der Wand ist hier eine ganz beträchtliche, so dass sie gut 
das Doppelte bis Dreifache des ursprünglichen Dickendurchmessers be- 
trifft. Dabei sind alle drei Wandschichten, die Intima, die Muscularis 
und die Adventitia gleichmässig verdickt. Die Endothellage besteht 



— 113 — 

stellenweise aus einer mehrfaclien Schicht platter Zellen, und von dieser 
Schicht zweigen sich Zellen und Zellstränge ab, die in den Thrombus 
hineinwuchern. In der Media ist der Kernreichthum am meisten auf- 
fallend. Die Kerne sind rund und gehören sehr vergrösserten und, 
wie es scheint, in Neubildung begriffenen Muskelzellen an. Der Thrombus 
enthält Blutplättchen und stellenweise sehr viel Fibrin, welches oft in 
dicken Bändern angeordnet ist. Leucocyten im Thrombus sind an 
einzelnen Orten spärlich, an anderen wieder sehr reichlich. Durch- 
zogen ist der Thrombus vielfach von einwuchernden Zellen und Strängen 
der Intima. Sowohl in dem centralen wie in dem peripherischen Ab- 
schnitte des Grefässes sind an einzelnen Stellen die kuppenförmigen und 
abgerundeten Enden des Pfropfes von einer ein- und mehrfachen Lage 
von Endothelzellen und zum Theil schon von Bindegewebszügen der 
Intima überwuchert und derartig gegen den Blutstrom abgegrenzt. 

Aetzt man- die Hals- resp. Schenk elgefässe statt mit Lapis mit 
Salzsäure , so dass dieselben etwa auf 1 cm weit vollkommen weiss 
und nekrotisch aussehen, so bleibt die Thrombose auch nach diesem 
Eingriff nicht aus und wird unseren Resultaten nach in späterer Zeit, 
d. h. in 48 Stunden und mehr stets eine obturirende. Grosse Zer- 
störungen richtet die Aetzung im Lumen zwar nicht an und zu 
Schorfbildungen kommt es nie. Es sind hier kleinere Verletzungen, 
Unebenheiten der Gefässwand, die als Ursachen der Thrombenbildung 
angeschuldigt werden müssen. Den Ausgangspunkt einer ausgedehnten 
Thrombose zu finden ist besonders hier durchaus nicht leicht, und 
oft durchsucht man grosse Reihen von Schnitten nach einem solchen 
vergeblich. Uns liegt z. B. ein Fall vor, bei welchem in einem Gefäss 
(V. fem.j am 4, Tage nach Salzsäure-Aetzung ausgedehnte Thrombose 
bestand und es uns trotz Prüfung einer grossen Anzahl von Schnitten 
durchaus nicht gelingen wollte, die Stelle zu finden, von welcher die 
Thrombose ausgegangen war. Endlich fanden wir sie und zwar in einer 
kleinen collateralen Vene. In dieser Vene war die Intima geplatzt 
und die abgelösten Theile ragten bis in die Mitte des kleinen Lumens. 
Auf ihnen sassen Plättchenthromben und Fibrin, und dieser Thrombus 
setzte sich dann in den verstopfenden der grossen Vene fort. 

Derjenige Insult, der sich am allereingreifendsten von allen ge- 
staltet, ist die Verbrühung des Gefässes. Wir haben diese so aus- 
geführt, dass wir, nachdem das Gefäss — die Vena jugularis eines Ka- 
ninchens — sorgfältig freipräparirt war, ein Korktäfelchen unter dasselbe 
schoben und nun auf die so isolirte Vene einen Dampfstrahl aus feiner 
Glascanüle einige Minuten wärken liessen. Das Gefäss contrahirt sich 
momentan unh wird graugelb verfärbt. Als wir nach zwei Tagen 
dasselbe herausschnitten und sowohl in Längs- als in Querschnitten 
untersuchten, fanden wir, dass die Verbrühung sofort die ganze Wand 
und den ganzen Gefässinhalt an der Stelle betroffen hatte. Das Ge- 
fäss war mit völlig zerstörten Blutmassen ausgefüllt. Die Zellen der 
Wand sind zu hyalinen scholligen Gebilden entartet, die rothen Blut- 
körper zu einem körnigen Detritus zerfallen. Der volle Blutstrom 
hatte nicht mehr sich Bahn brechen können, wohl aber waren an einzelnen 
Stellen geringe Mengen Blutes in das verbrühte Gefäss vorgepresst 
worden. Diese schmalen Strassen zeigten Faserstoffgerinnung, aber nur 
sehr wenig Blutplättchen. 

Eberth imd Scliimmelbuscli, Die Tln'ombose. 8 



— 114 — 

Wir wollten in gleicher Weise versuchen, ob Erfrierung einen 
ebenso zerstörenden Einfluss auf Gefäss und Gefässinliait ausübte, 
doch gelang uns dieser Versuch nicht ganz. Er scheiterte daran, 
dass wir das Gefäss nicht vollständig durchfrieren konnten. Wir legten 
es frei, schoben eine rinnenförmige Metallplatte darunter und setzten 
auf diese die Gefrierplatte des Aethergefrierapparates eines Schanze' sehen 
Mikrotoms. Obwohl durch Unterlage von Watte für ein Isoliren vom . 
warmen Thierkörper nach Möglichkeit gesorgt war, gelang es doch 
nur ganz oberflächlich das Gefäss zu vereisen. Die Verletzung war 
dementsprechend auch nur eine kleine. Als wir nach 54 Stunden 
excidirten und später in Serienschnitten das Gefäss zerlegten, sassen 
nur in der Nähe einer Klappe ein paar kleine Thromben. Nur an 
der Stelle der Wand, wo diese Thromben sich fanden, war die Intima 
etwas aufgefasert und das Endothel abgelöst. Ausserdem war die 
Wand, speciell die Adventitia, stark mit Wanderzellen infiltrirt. Der 
Thrombus bestand grösstentheils aus Blutplättchen , doch Hessen sich 
auch einige feine Fibrinfäden nachweisen. 

In der vorantiseptischen Zeit legte man bekanntlich grossen Werth 
auf die Bildung langer und fest obturirender Thromben an der Stelle 
einer Gefässunterbindung, weil man damit am besten die Nachblutung 
zu verhüten hoffte , die nach eiteriger Abstossung der Ligatur meist 
drohte. Man gab in dieser Absicht denjenigen Bezirken eines Ge- 
fässes bei der Unterbindung den Vorzug, an welchen auf längerer 
Strecke keine Aeste abgingen etc. Heut zu Tage lässt man den asep- 
tischen Ligaturfaden ruhig einheilen und vermindert die gefürchtete Nach- 
blutung damit sicherer. Bei aseptischem Wundverlauf entsteht in dem , 
unterbundenen Gefässabschnitt nun gar kein Thrombus, wie Baum- 
garten ^) dies zuerst gezeigt hat. Wir hatten hinreichend Gelegenheit, 
uns hiervon zu überzeugen, weil wir nach zahlreichen Excisionen von 
Hals- und Schenkelgefässen, welche zu Versuchen gedient hatten, die 
Gefässe in der Wunde sorgsam unterbanden und für primären Wund- 
verschluss sorgten. 

Es entsteht aber nach Gefässunterbindungen deshalb kein Throm- 
bus, weil die Gefässwand dabei überhaupt auffallend wenig geschädigt 
wird. Es giebt eine Auffassung, und Colinheim ^) theilte sie z. B., 
dass nach Ligaturen die Intima zerreisse und sich aufkrempele oder 
der Endothelüberzug weithin zerquetscht, abgerissen und mortificirt 
werde. Diese Trennung der Intima findet, wie wir in einem fi'üheren 
Capitel gezeigt haben, zwar dann statt, wenn die Ligatur sich wieder 
löst oder gelöst wird und die zusammengepressten Wandstrecken wieder 
aus einander weichen, aber nicht dann, wenn die Ligatur dauernd liegen 
bleibt. Dieselbe presst in so eigenthümlicher Weise die Gefässwände 
zusammen, dass nämlich der Endothelüberzug sich einfach zusammen- 
faltet und die zerquetschten und vom Faden umgriffenen Stellen der 
Wand gar nicht mit dem Blute direct in Berührung kommen. Ober- 
halb des Fadens, d. h. dem gefüllten Lumen zu, legen sich eine ganze 
Strecke weit die nicht gequetschten Gefässwände, wie Fig. 49 zeigt, 
an einander und diese gesunden Wandstrecken verwachsen dann ziem- 



^) Baumgai'ten , Die Organisation des Thrombus. Leipzig 1877. 
2) Allgemeine Pathologie 1882. p. 168. 



— 115 



Hell schnell mit einander, dadurch, dass die Intima und das Endothel 
wuchert und für eine Obliteration und Abrundung des Blindsackes 
sorgt (Fig. 50). Wenn nach einer Ligatur Thrombose eintritt, so 
wird demnach in den seltensten Fällen der Ligatur an sich die Schuld 
dabei zufallen, sondern anderen Momenten, z. B. tiefgreifenden und 
zerstörenden Entzündungen etc., die für die Gefässwand jedenfalls viel 
verderblicher werden können. 



Fassen wir die Resultate dieser Untersuchungsreihe zusammen, 
so werden wir zunächst darauf aufmerksam zu machen haben, dass 
auch aus diesen Experimenten wieder die wichtige Rolle, welche die 
Blutplättchen bei der Thrombose spielen, hervorgeht. Fast alle hier 
beschriebenen Thromben bestehen zum grössten Theile aus Plättchen, 
nur bei einzelnen halten sich Plättchen und Faserstoff das Gleichge- 
wicht oder überwiegt sogar letzterer. Besonders ist hervorzuheben, 
dass nach kleineren einfachen, nicht complicirten Gefässverletzimgen 
eine reine Plättchenconglutination auftritt und so lange dauert, bis 



Fio'. 49. 



Fio-. 50. 




ife: 



Vena jugularis des Hundes. Einen Tag 
nach Ligatur excidirt. a Wand, b Li- 
gatur. 



Vena jugularis beim Hund. 19 Tage nach Seiden- 
ligatur excidirt. a gewiicherte Intima, b Muscu- 
laris, c Narbengewebe. 



die Wunde der Gefässwand oberflächlich verheilt ist. In allen Thromben, 
in welchen Blutplättchen vorhanden sind, ist der enge Zusammenhang 
zwischen Plättchenconglutination und Circulationsstörung wieder sehr 
deutlich. In keinem Falle , in welchem Plättchenpfröpfe vorliegen, 
vermissen wir eine Wandverletzung, bei welcher Schorfe oder nekro- 
tische Wandtheile in das Lumen als Spitzen oder Leisten vorragen 
und dem Blutstrom ein Hinderniss bereiten. Ja, es lässt sich unschwer 
eine gewisse graduelle Abhängigkeit zwischen der Masse der Plättchen 
im Thrombus und der Art der Wandverletzung erkennen, insofern als un- 
gefähr überall da, wo die grössten Unebenheiten in dieser Gefässwand vor- 
handen sind, auch die umfangreichsten Plättchenconglutinate sich finden. 
In zweiter Linie ist darauf hinzuweisen, dass in allen älteren 
Thromben, selbst in jenen, die anfangs ausschliesslich aus Blutplättchen 



— 116 — 

bestehen, Faserstoff in reichlicher Menge auftritt. Bei schwereren und 
ausgedehnteren Gefässverletzungen, so z. B. bei Aetzungen mit Lapis, 
bei Einführung von Fremdkörpern in das Gefässlumen ist ja, wie wir 
im vorigen Capitel sahen, schon nach einigen Minuten Faserstoff vor- 
handen ; aber selbst bei im Ganzen sonst günstig und schnell vorüber- 
gehenden Insulten findet er sich häufig. So haben wir nach Um- 
schnürungen von Venen in nicht sehr umfangreichen wandständigen 
Thromben bereits nach 50 und 54 Stunden Faserstoff nachzuweisen 
vermocht. Wo dieser auftrat, war er immer fädig; niemals gaben 
uns schollige oder körnige Massen die Fibrinreaction. Es nimmt 
allerdings der ältere Thrombus, d. h. der von 5 — 8 Tagen, stellenweise 
oft ein hyalines Ansehen an und erscheint dann von Kanälen durch- 
furcht (kanalisirtes Fibrin), aber in diesen von uns untersuchten,, aller- 
dings ja noch nicht sehr alten Stadien löst sich das sog. kanalisirte 
Fibrin und das Hyalin bei Anwendung der Weigerf sehen Fibrinreaction 
stets in Fäden von Fibrin auf, die nur sehr eng zusammenliegen und 
dann noch durch Blutplättchenmassen verkittet sind. Die Kanäle sind 
zum Theil wohl nur die Lücken des engen Fibringeflechts, zum Theil 
aber entsprechen sie den Wegen des in den Thrombus wuchernden 
Endothels und Bindegewebes oder ev. der Wanderzellen. 

Ueber die Art und Weise, wie der Thrombus zerfällt oder wie 
er schwindet, welchen regressiven Processen er unterliegen kann, 
lässt sich nach diesen Untersuchungen nur wenig aussagen. Etwas 
ist ja schon aus den Circulationsbeobachtungen klar, nämlich, dass 
der Thrombus, solange er aus Blutplättchen besteht, leicht vom 
Blutstrom abgerissen werden kann, und es steht nach allem was wir 
gesehen haben fest, dass die übermässige Plättchenconglutination , die 
nach gewissen Verletzungen eintritt, auf diese Weise schnell wieder 
zum Schwunde gebracht wird, sobald die Gefässwand und der Blat- 
strom sich wieder erholen. Ob der Thrombus, der Fibrin enthält, 
auch so leicht von Ort und Stelle fortbewegt werden kann, ist eine 
Frage , die wir offen lassen müssen , denn bei unseren Circulations- 
beobachtungen haben wir einen fibrinhaltigen Thrombus nicht gesehen 
und beim Schnittpräparat vom gehärteten Gefässe kann man natürlich 
nicht sagen, ob von einem Thrombus etwas fortgerissen ist oder noch 
forttreiben wird. Es ist diese mechanische Entfernung des Thrombus 
ja aber überhaupt nur eine Episode seines Daseins, und um sein end- 
gültiges Schicksal zu erfahren, müsste man ihn als Embolus in irgend 
einem Gefässgebiete weiter verfolgen können. 

Von Verkalkung oder Verfettung konnten wir in unseren älteren 
Präparaten nichts wahrnehmen, aber auch nichts von einem körnigen 
Zerfall. Es ist im Gegentheil auffallend, wie in den unter aseptischen 
Massregeln erzeugten und gealterten Thromben die körnigen Blut- 
plättchenhaufen und das Fibrin bis zu 8 Tagen lang überall gleich- 
massig gut erhalten sind und deutlich ihre morphologischen und 
chemischen Charactere erkennen lassen. Jedenfalls waren wir nie in 
der Lage, bloss im Hinblick auf Plättchen und Fibrin zu sagen, dass 
gewisse Stellen im Thrombus uns den Eindruck älteren, andere den 
jüngeren Datums machten. Bemerkenswerth ist, dass Gewebe den 
Thrombus durchwachsen können, ohne dass der Character der oft dichten 
Fibrin- und Plättchenraassen verändert wird. 



117 — 



Capitel VIII. 

Thrombose nach Infusion deletärer Stoffe in die Blutgefässe. 

Neuere Arbeiten über Gerinnselbildung nach Infusionen — Resultate derselben — 
Eigene Versuche — Infusion von Lackblut vom Hund und Hammel — Lackblut 
durch Gefrieren, Erhitzen und Aetherzusatz hergestellt — Infusion von Wasser — 
von Aether — von Pyrogallussäure — von fein zerriebenen und in Kochsalzlösung 
vertheilten Korktheilchen — Wooldridge's Versuch — Ursachen der Gerinnsel- 
bildungen nach Infusionen. 

Unsere Versuche über die Thrombenbildung haben sich bis jetzt 
auf Verletzungen der Grefässwände und auf Einführung grösserer Fremd- 
körper in das Gefässlumen beschränkt. Wir wissen aber , dass man 
neben der mangelnden Integrität der Gefässwand der Blutmischung 
stets einen Einfluss auf die Entstehung von Pfropfen zugeschrieben hat, 
dass man sogar früher ausschliesslich die Thrombose auf Dyscrasie des 
Blutes zurückführen wollte, und neuerdings wiederholt darauf zurück- 
gekommen ist. Es wird daher nöthig, hier auch dieser Seite der Frage 
näher zu treten. 

Wir haben in dem einleitenden geschichtlichen Capitel von neueren 
Arbeiten in dieser Richtung nur die von Armin Köhler eingehender 
erwähnt, welche unter Leitung von A. Schmidt ausgeführt worden ist. Der 
Vollständigkeit halber müssen hier aber noch mehrere Untersuchungen 
aufgezeichnet werden, welche sich zwar zum Theil nicht direct mit der 
Frage der Thrombose befassen, aber diese Frage doch sehr nahe berühren. 
Zunächst wäre hier die Mittheilung von Naunyn ^) zu erwähnen, sowie 
die von Franken ^), der Naunyn unterstützte. Naunyn entnahm Kaninchen 
und Katzen einige Cubikcentimeter Blut durch Aderlass, Hess es wieder- 
holt gefrieren und aufthauen, bis es vollkommen lackfarben geworden 
war, colirte es durch Leinwand und injicirte es dann mit feiner Stich- 
canüle in eine Vene des Versuchsthieres. Sowohl von der Jugularis, 
als auch von der Femoralis aus wurden so ausgedehnte Gerinnungen 
erzeugt, die sich bis zum Herzen fortsetzten und den baldigen Tod 
des Thieres zur Folge hatten. Das Blut fremder Thiere (Kalb, Füllen, 
Hund) bringt ebenfalls Gerinnungen hervor, und in gleicher Weise 
reine Hämoglobinlösungen, gallensaure Salze und Aether. Die Ge- 
rinnsel sind anfänglich roth, später werden sie weiss und erweichen. 
Diese Gerinnungen auf Fermentwirkungen zurückzuführen, scheint dem 
Verfasser wenig sympathisch zu sein; besonders bei den Thromben nach 
Aetherinfusion und der von gallensauren Salzen ist er mehr geneigt, 
eine directe Wirkung auf die rothen Blutkörper anzunehmen. 



^) Naunyn, Untersuchungen über Blutgerinnung im lebenden Thiere und ihre 
Folgen. Archiv für experim. Pathol. u. Pharm. Bd. I. 1873. 

^) Franken, Ein Beitrag zu der Lehre von der Blutgerinnung im lebenden 
Organismus und ihren Folgen. Inaug.-Diss. Dorpat 1870. 



— 118 - 

Schiffer i) wiederholte die Versuche mit der Einspritzung durch 
Frieren gelösten Blutes bei Kaninchen. Die Mehrzahl der Thiere ging 
während der Injection zu Grunde, ganz gleichgültig, ob dieselbe in 
den peripheren oder centralen Theil der Vena jugularis gerichtet 
wurde. Bei der Section gelang es nur einmal, ein Gerinnsel in der 
Pulmonalarterie nachzuweisen ; das Blut im rechten Herzen war flüssig. 
Die Todesursache will Verfasser nicht entscheiden. Bei Hunden, denen 
25 ccm und mehr infundirt wurden, stellte sich sehr bald Hämo- 
globinurie ein, die Thiere blieben aber alle am Leben. 

Högyes ^) infundirte ebenfalls Thieren lackfarbenes Blut, welches 
er aber nicht wie Naunyn und Schiffer durch Gefrieren, sondern theils 
durch Erhitzen auf 60 ^ , theils durch electrische Schläge gewonnen 
hatte. Seine Resultate sind von denen Naunyn's sehr wesentlich unter- 
schieden, insofern, als er überhaupt nie Thrombose nach derartigen 
Infusionen beobachtete. Das Blut wirke nur dann tödtlich, wenn die 
Blutkörper zu einem körnigen Detritus zerfallen seien, und wirke dann 
einfach toxisch durch die Zersetzungsproducte der Blutkörper. 

Gegen Högyes und für Naunyn sprachen sich Plösz ^) und 
A. Gyorgyai ^) aus. Sie wiederholten die Versuche Naunyn's und inji- 
cirten in die Vena jugularis wie dieser lackfarbenes Blut, welches sie 
durch Gefrierenlassen, resp. durch Aetherzusatz hergestellt hatten. 
Von 14 Versuchen an Kaninchen endeten 12 mit dem baldigen Tode 
der Thiere, wobei Fibringerinnsel gefunden wurden, die „oft dem 
durch Schlagen gewonnenen Fibrin glichen". Zwei Thiere kamen 
durch. Sie vermuthen, dass durch das Erwärmen und Galvanisiren, 
wie es Högyes that, die Fermentwirkung im Blute herabgesetzt werde. 

In ihren weiteren Untersuchungen wandten die Verfasser sich der 
Frage zu, auf welche Art fremdes Blut auf den Organismus eines 
Thieres wirke. Sie infundirten Kaninchen Hühnerblut (10 ccm) und 
erhielten dabei von 14 Thieren nur eines am Leben. In 5 Fällen 
wurde die Section so spät gemacht, dass der Befund nicht als mass- 
gebend gelten konnte, ein Kaninchen wurde getödtet, in den übrigen 
7 Fällen aber wurde 3mal Thrombose grösserer Gefässe völlig vermisst. 

Im Aderlass-, wie im kreisenden Blut des Säugethiers Hess sich 
eine Auflösung und ein allmäliger körniger Zerfall der Vogelblut- 
körperchen nachweisen. 

Sehr eingehend hat sich Landois *) mit Infusionen von Blut ver- 
schiedener Thierspecies gelegentlich seiner Studien über Transfusion 
beschäftigt. Er kommt bekanntlich zu dem jetzt allgemein festge- 
haltenen Resultate, dass nur Blut derselben Species einem Thiere trans- 
fundirt werden dürfe, und dass bei diflferenten Blutarten Tod resp. 
krankhafte Erscheinungen bei dem Blutempfänger sich einstellten. Die 
Ursache des Todes oder der Krankheit nach Infusion fremdartigen 



^) Schiffer^ üeber angebliclie Gerinnung des Blutes im lebenden Thiere nach 
Injection freier, fibrinoplastischer Substanz in die Gefässbahn. Centralbl. f. d. med. 
Wiss. 1872. p. 145. 

^) Högi/eSj Zur Wirkung des zersetzten Blutes auf den thierischen Organis- 
mus. Centralbl. f. d. med. Wiss. 1873. p. 469. 

^) Plösz und Gyorgyai, Zur Frage über die Gerinnung des Blutes im lebenden 
Thiere. 1874. 

^) Landois, Die Transfusion des Blutes. Leipzig 1875. 



— 119 — 

Blutes ist nacTi Landois' zahlreiclien Versuchen nur selten ausgedehnte 
Thrombose, sondern meist sind multiple capilläre Verstopfungen und 
Apoplexien vorhanden. Landois versetzte Blut eines Thieres mit Blut- 
serum irgend eines anderen und verfolgte die gegenseitige Einwirkung 
direct unter dem Mikroskope. Er beobachtete dabei, dass die Blut- 
körper sehr bald sich verändern, sehr klebrig werden und so fest 
zu Haufen verschmelzen, dass sie nicht leicht zu trennen sind. Be- 
sonders gut sei dies zu verfolgen, wenn man Kaninchenblut mit Frosch- 
serum, Säugerblut mit Vogelserum versetzt. Nach und nach ver- 
schwänden die Zellcontouren und die Massen zögen sich fädig aus, so 
dass sie Fibrin cranz ähnlich würden. Landois nennt diese veränderten 
rothen Blutkörper „Stromafibrin". Bei Infusionen von defibrinirtem 
Kaninchenblut in die Bauchvene von Fröschen konnten in den Mesen- 
terialgefässen die verklebten Säugethierblutkörperchen im Blutstrom 
gesehen werden , und unter analogen Verhältnissen liessen sich z. B. 
beim Hund nach Lammbluttransfusion aufgelöste Blutkörperchen im 
strömenden Blute nachweisen. 

Grössere, tödtliche Thromben entstehen nach Landois aber, wenn 
man Blut der gleichen Thierart durch Schlagen defibrinirt, im Wasser- 
bad auf 42 — 58 ^ erwärmt und dann infundirt. Man findet darauf 
lose Gerinnungen und grosse feste Speckhautabscheidungen Die letzteren 
bestehen nach dem Verfasser aus zerstörten Stromata rother Blutkörper : 
„Stromafibrin". 

Die Arbeit von Armin Köhler ^) ist im ersten Capitel schon ein- 
gehender berührt und dort schon gesagt worden, dass dieser Forscher 
durch Einspritzen verschiedentlich behandelten Blutes (sog. Ferment- 
lösung) , durch fremdartiges Blut, körperchenfreies Serum etc. Ge- 
rinnung erzeugte uind hier überall diese auf eine Wirkung des sog. 
Fibrinfermentes von Ä. Schmidt zurückführte. 

In der gleichen Richtung bewegt sich eine Untersuchung von 
Edelberg^), die ebenfalls in Schmidt' s Laboratorium ausgeführt ist. Auch 
hier konnten mit sog. Fermentlösungen Gerinnungen in mehr oder 
weniger ausgedehnter Weise hervorgebracht werden. Besonderes Inter- 
esse haben in dieser Publication aber zwei Stellen. Edelherg bereitet 
sich zu seinen Infusionen Fermentlösungen genau den Angaben 
A. Schmidt's gemäss. Rinderblutserum oder geronnenes, durch Coliren 
sorcrfältia; defibrinirtes Rinderblut, welches der Fermenttheorie nach 
sehr viel Ferment enthält, wird mit Alkohol versetzt. Der entstehende 
Niederschlag reisst das Ferment mit nieder, er wird durch Filtriren 
von der übrigen Flüssigkeit getrennt und darauf mit Wasser extrahirt. 
Dieses wässerige Extract ist die Fermentlösung. — Frisches unge- 
ronnenes Blut enthält keine Spur Ferment — wie wäre es, fragt der 
Verfasser, wenn man dieses in analoger Weise behandelte und diese 
Lösung dann infundirte? Der Versuch wird gemacht, und siehe da! 
Die Fermentfreie, aber sonst gleich zusammengesetzte Lösung bringt 
dieselbe Wirkung hervor. Was nun? Verfasser untersucht dann den 
Fermentgehalt des strömenden Blutes eines Versuchsthieres und findet, 



^) Inaug.-Diss. Dorpat 1877. 

^) lieber die Wirkung des Fibrinfermentes im Organismus. Inaug.-Diss. 
Dorpat 1880. Archiv für experim. Pathol. Bd. XII. 



— 120 — 

class dieser vor der Infusion gleich Null ist, nach derselben sich aber 
als hoch ausweist. Die Infusion ferment freier Lösung hat also im 
Blute Ferment erzeugt. 

Der zweite Passus verdient besondere Aufmerksamkeit, weil in 
ihm einmal von dem Versuch berichtet wird, das Ferment, den ange- 
nommenen gerinnungserregenden Stoff im Blute Kranker nachzuweisen. 
Bei Gesunden wurde von Edelherg im strömenden Blute kein Ferment 
gefunden, hingegen will er thatsächlich im Blute zweier septisch Kranker 
(Daumenamputation und Coxitis) Ferment gefunden haben. Das Blut 
dieser Kranken habe in einer gerinnungsfähigen Reactionsiiüssigkeit in 
10 Minuten resp. ^2 Stunde Gerinnung hervorgerufen. 

Die Idee , dass durch sog. Fermentlösungen Gerinnungen, 
Thromben, im Blute lebender Thiere hervorgerufen werden, kehrt in 
den Dorpater Arbeiten immer wieder. Diese Arbeiten sind aber des- 
halb von Interesse , weil die sog. Fermentlösung , die zur Infusion 
benützt wurde, keineswegs aus ein und demselben Material bestand. 
So hat Otto Groth ^) z. B. Lymphzellen in grösserer Menge infundirt. 
Er gewann diese Leucocyten aus Lymphdrüsen, die er auspresste oder 
aus gutem Eiter, sowie aus der Flüssigkeit seröser Höhlen geschlachteter 
Pferde durch Centrifugiren. Den Zellenbrei, mit 0,5''/oiger Kochsalzlösung 
verdünnt, spritzte er in die Jugularvene von Katzen und Hunden ein. 
Diese Experimente ergaben, dass bei Infusion ganz frischer, lebender 
Leucocyten die Thiere oft während der Operation, bei Infusion älterer, 
schon abgestorbener vielfach nach derselben zu Grunde gingen. In 
den Fällen, in welchen baldiger Tod eintrat, fanden sich ausgedehnte 
Gerinnungen im rechten Herzen und den grossen Gefässen. Nach der 
Infusion, besonders in jenen Versuchen, in welchen die Thiere die 
Operation überstanden, war Gerinnungsunfähigkeit des kreisenden Blutes 
vorhanden, so dass also auf ein kurzes Stadium erhöhter Gerinnungs- 
tendenz während der Infusion ein solches herabgesetzter folgt. Die 
Erklärungen des Verfassers gehen dahin, dass die eingespritzten Leuco- 
cyten im strömenden Blute zerfielen und zu einer plötzlich sehr ener- 
gischen Fermententwickelung Veranlassung geben, die ihrerseits dann 
die Gerinnsel producire. 

Ueber einen Stoff, der, in den Kreislauf von Thieren gebracht, 
dieselben durch sehr ausgedehnte Gerinnungen schnell tödtet, berichtet 
Wooldridge^). Dieser Stoff ist nicht etwa das sog. Fibrinferment 
von Ä. Schmidt, sondern ein Gemisch oder vielleicht eine Verbindung 
von Eiweiss und Lecithin. Er giebt alle Eiweissreactionen und enthält 
viel Lecithin. In grosser Quantität kann man ihn aus den Hoden und 
der Thymus junger Thiere, namentlich Kälber darstellen. Man lässt 
zu dem Zwecke das feingehackte Organ, mit Wasser versetzt, einige 
Stunden stehen, centrifugirt und macht die klare Flüssigkeit stark 
sauer mit Essigsäure. Es entsteht ein voluminöser flockiger Nieder- 
schlag, der gut ausgewaschen und in kohlensaurem Natron ge- 
löst infundirt wird. Fibrinferment (Ä. Schmidt) enthält der Stoff 
keine Spur. Im Safte der Lymphdrüsen ist diese Substanz von 

^) Groth, Ueber die Schicksale farbloser Blutkörper im kreisenden Blute. 
Dorpat 1884. Inaug.-Diss. 

^) Wooldridge, Ueber intravasculäre Gerinnungen. Archiv f. Anat. u. Physiol. 
Physiol. Abth. p. 397. 



— 121 — 

Wooldridge fertig vorhanden, und kann durch Extraction und Aus- 
pressen mit 0,6 ^oiger Kochsalzlösung gewonnen werden; in gleicher 
Weise liegt sie in den Stromata rother Blutkörper vor, die rein, d. h. 
frei von Serumbestandtheilen dargestellt und in kohlensaurem Natron 
gelöst, jedesmal bei Kaninchen ausgedehnte Thrombosen herbeiführen. 
in Anbetracht dieser Wirkung der Stromata sieht Wooldridge die Throm- 
bose , wie sie Naunyn nach Infusion lackfarbenen Blutes erhielt, als 
ein Resultat der Trümmer rother Blutkörper im Lackblut an, und 
nicht als das des freien Hämoglobins. Einspritzung von starken 
Hämoglobinlösungen in den Kreislauf sei vollkommen wirkungslos. 

Auffällig ist es, wie wenig Aufmerksamkeit in fasst allen den 
angeführten Arbeiten den beobachteten Gerinnseln und Thromben ge- 
schenkt wird, und wie sehr dieselben Forscher, die so eingehend sich 
mit der Hervorbringung der tödthchen Gerinnsel in Herz und Lungen- 
gefässen etc. befassen, es vernachlässigen, die erzeugten Producte selbst 
sich näher anzusehen und mit dem Mikroskop auf ihre Zusammen- 
setzung zu prüfen. Einzelne, wie z. B. Landois, scheinen zwar in 
Zupfpräparaten Theile des Gerinnsels betrachtet zu haben, aber eine 
systematische histologische Untersuchung an den wohlgehärteten Objecten 
vermissen wir. Eine neuere Arbeit, die von Hanau'^)^ bringt diese zum 
ersten Male. Hanau erzeugt Thromben durch Injection von Ferment- 
blut, Aether und Zellemulsionen von Tumoren und normalen Leber- 
zellen. Diese Thromben untersucht er jedesmal eingehend auf ihre 
Zusammensetzung und findet, dass sowohl Blutplättchen wie fädiges 
Fibrin und Hyalin sich an ihrem Aufbau betheiligen. Der Autor 
steht auf dem Standpunkte Ä. Schmidt' s und sieht demnach bei der 
Infusion der angeführten verschiedenen Substanzen als ultimum agens 
das sog. Fibrinferment an. Aus seinen erhaltenen Resultaten schliesst 
er, dass alle Thromben beim Menschen wesentlich das Resultat einer 
Fermentintoxication seien und andere Factoren wie die Circulations- 
störung bei der Bildung zurückträten. 

Das Resultat dieser verschiedenen Arbeiten wäre also, dass es 
möglich ist, durch Einführung von lackfarbenem Blute, von Hämo- 
globinlösungen, gallensauren Salzen, Aether, gewissen Eiweisskörpern 
und anderen Substanzen in das Gefässsystem eines Thieres, mehr oder 
weniger ausgedehnte Thromben- „Gerinnsel" zu erzeugen, dass aber in 
einer grossen Anzahl von Fällen auf derartige Infusionen eine Ge- 
rinnselbildung auch ausbleibt. 



Als wir den Entschluss fassten, experimentell dieser Seite der 
Frage näher zu treten, dachten wir zunächst an die von Ä. Schmidt 
hervorgehobene sog. Fermentwirkung defibrinirten Blutes und die von 
ihm und Anderen angegebene Schädlichkeit freien Hämoglobins. Wir 
narkotisirten einen Hund, entnahmen seiner einen Jugularvene 15 ccm 
Blut, defibrinirten es, colirten durch Leinwand, filtrirten und schüttelten 
es dann, bis wir mikroskopisch eine deutliche Hämoglobinfärbung des 
Plasmas beobachteten. Es erfolste auf die Infusion dieses Blutes hin 



^) Hanau, Zur Entstehung und Zusammensetzung der Thromben. Fort- 
schritte der Medicin 188<3. Nr. 12. 



— 122 — 

*voii Seiten des Thieres auch nicht die geringste Reaction, die Athmiing 
blieb ruhig und tief und der Puls regelmässig. Auch mit Entnahme 
grösserer Quantitäten Blutes, mit 25 und 52 ccm, erhielten wir so 
absolut keine abnormen Erscheinungen, obwohl jedesmal der Hämo- 
globinaustritt im Plasma in Folge der zahlreichen mechanischen Insulte 
ein reichlicher war und die entnommene Blutmenge für die Hunde, 
die ca. 2000 — 2300 g wogen, im letzten Falle ungefähr ein Drittel des 
Gesammtblutes ausmachte. 

Unbefriedigt von diesen Erfolgen, entnahmen wir dann einem 
Hunde 50 ccm Blut aus der Jugularis und verrührten es schnell mit 
der gleichen Menge destillirten Wassers. Die Flüssigkeit wurde dann 
filtrirt und das Filtrat eingespritzt. Dieses Filtrat enthielt viele ver- 
änderte rothe Blutkörper, viele sog. Schatten, d. h. hämoglobinfreie 
Stromata, und das wässrige Plasma war intensiv roth gefärbt. Auch 
die Infusion dieser Flüssigkeit hatte absolut keine merkbare Verände- 
rung an dem Thiere zur Folge. 

Wir erwärmten nun Hammelblut längere Zeit bei 60 — 70^, bis 
eine grössere Anzahl rother Blutkörper zerstört war; ein Theil des 
Blutes wurde innerhalb 24 Stunden mehrfach gefroren und wieder 
aufgethaut. Die lackfarbenen Blutmengen wurden erst durch Tücher 
colirt und dann durch doppelte Filter geschickt. Trotz mehrmaliger, 
sehr zeitraubender Filtration gelang es nicht ein mikroskopisch blut- 
körperchenfreies Filtrat zu erlangen. Von diesem lackfarbenen Blute 
infundirten wir dann 2 Hunden je 25 ccm. Die Hunde vertrugen 
auch diesen Eingriff ohne besondere abnorme Reaction. 

Ein anderes Mal wurde Hammelblut mit Aether kräftig geschüttelt 
und nach Verdunstung des Aethers das lackfarbene Blut wieder filtrirt. 
Zerstörte Blutkörper und zahlreiche Körnchen liessen sich auch hier 
durch wiederholtes Filtriren nicht entfernen. Obwohl wir von diesem 
Lackblute nun 50 ccm einspritzten, und zwar wie auch in den zwei 
vorhergehenden Versuchen direct in den centralen Abschnitt der Vena 
jugularis, erhielten wir wieder kein Resultat. In gleicher Weise ver- 
lief schliesslich noch die Infusion reinen, destillirten Wassers, obwohl 
einem Hunde von 5100 g 30 ccm sehr schnell in die Vena jugularis 
eingespritzt wurden. Wir müssen dabei ganz besonders hervorheben, 
dass alle hier gebrauchten Hunde, wenn sie ihre Narkose ausgeschlafen 
hatten, ebenso munter wie früher in ihrem Stall umhersprangen. 

Gegenüber diesen negativen Erfolgen in Bezug auf Gerinnsel- 
bildung stehen uns eine Anzahl von Infusionen mit Aether zu Gebote, 
die ohne Ausnahme den gewünschten Effect brachten und meist in 
kurzer Zeit durch Gerinnungen im Herzen oder den Pulmonalarterien 
den Tod des Versuchsthieres veranlassten. Bei dem ersten Versuche 
spritzten wir in den centralen Abschnitt der Jugularvene eines Hundes 
(2250 g Körpergewicht) 15 ccm Aether. Sofort nach beendigter In- 
fusion setzte der Puls aus, die Athmung wurde unregelmässig, und 
nach einigen tiefen Athemzügen mit weitem Aufsperren des Rachens 
folgte der Tod. Die sofortige Section zeigte Alles normal bis auf das 
Herz. Die rechte Hälfte des letzteren war stark ausgedehnt. Beim 
Aufschneiden derselben entleerte sich aus Vorhof und Ventrikel flüssiges 
dunkles Blut, welches stark nach Aether roch, und an den Klappen 
der Tricuspidalis sass ein bohnengrosses, rothes Gerinnsel. Ein Theil 



— 123 — 

dieses Gerinnsels wurde in indifferenter Kochsalzlösung zerzupft, während 
die Hauptmasse in 60°/oigeni und allraälig in stärkerem Alkohol ge- 
härtet wurde. Das Zupfpräparat in Kochsalzlösung ergab, dass die 
Hauptmasse des Gerinnsels, wie die Farbe schon verrieth, aus rothen 
Blutkörpern bestand, und dass zwischen diesen spärliche zähe, weisse 
Massen vorhanden waren, die anscheinend fädige Structnr besassen. 
Das gehärtete Gerinnsel wurde später in Serienschnitte zerlegt. 

Dabei zeigte sich die Hauptmasse des Pfropfes aus rothen, meist 
gut erhaltenen Blutkörpern bestehend, die aber an verschiedenen Stellen 
bröckelig zerfallen waren. Dazwischen fanden sich vielfach körnige, 
nicht hämogiobinhaltige Bestandtheile, dem Aussehen nach Eiweiss- 
körper des Plasmas, welche der Aether zur Gerinnung gebracht hatte. 
Die Zusammensetzung des Gerinnsels war sonst eine sehr ungleich- 
artige. An einzelnen Stellen waren grössere Haufen von Blutplättchen 
vorhanden, die compacte Ballen bildeten, in anderen kleinere Ballen 
solcher, die nur lose zusammenhingen, Leucocyten fanden sich im 
Ganzen spärlich und nur an sehr wenigen Orten etwas reichlicher, 
nirgends lagen sie in grösseren Haufen beisammen. FaserstoS {Weigert' s 
Färbung) war theils in geringer Menge in langen, dünnen Fäden zu 
einem weitmaschigen Netz angeordnet, theils in welligen, dickeren, 
bandartigen Streifen vorhanden, theils fehlte er auch ganz. 

Ein anderer Hund starb unter ganz ähnlichen Symptomen nach 
Infusion von Aether in die Cruralvene. Es wurden 20 g Aether 
ziemlich schnell mittelst der Spritze infundirt. Bei der sofort ange- 
schlossenen Section zeigte sich die Lunge überall lufthaltig, der Blut- 
gehalt nur etwas ungleich und subpleural einige kleine Blutungen, die 
sich in das Parenchym nur wenig fortsetzten. Im rechten Ventrikel 
befand sich etwas lackfarbenes flüssiges Blut und unterhalb der Tri- 
cuspidalklappe, dieser anhaftend, ein rothes lockeres Gerinnsel. Der 
Stamm der Art. pulm. war vollständig durch ein dunkelrothes Gerinnsel 
verstopft, welches der Wand nirgends anklebte. Die Vena cava inf. 
wurde vollständig von einem festen dunkelrothen Gerinnsel verschlossen, 
und dieses Gerinnsel setzte sich bis an die Einstichstelle der Vena 
cruralis fort. 

Bei Kaninchen wirkt eine Aetherinfusion noch viel prompter als 
bei Hunden; es genügen einige Tropfen Aether, um einen tödtlichen 
Ausgang schnell herbeizuführen. Wir infundirten einmal von der Vena 
jugularis aus und hatten 10 ccm Aether zur Infusion in die Spritze 
genommen. Das Thier wog 1290 g. Kaum hatten wir ein paar 
Tropfen infundirt, so zuckte das Thier krampfhaft zusammen und war 
todt. Die sofortige Section zeigte ein von der Infusionsstelle bis in 
den rechten Vorhof und Ventrikel fortgesetztes Gerinnsel, welches 
glatt war, nirgends adhärirte und roth, stellenweise grauroth aussah. 
Im linken Vorhof befanden sich inmitten flüssigen Blutes kleine 
Klümpchen rother lockerer Gerinnsel, die vermuthlich postmortaler 
Natur waren, da das Blut in diesem Falle sehr schnell gerann und 
die Section des rechten Herzens immerhin einige Minuten in Anspruch 
genommen hatte. Die Lunge zeigte im Ganzen nur wenige hellrothe 
Partien von normalem Aussehen, dagegen sehr ausgebreitete und un- 
regelmässige, dunkelrothe, wie Hämorrhagien erscheinende Flecke. 
Ein anderes Mal wurde von der einen Ohrvene aus Aether eingespritzt. 



— 124 — 

und auch hier starb das Thier während der Infusion. Alle Organe 
waren gesund, nur im rechten Herzen befanden sich neben flüssigem 
Blut weiche dunkelrothe Gerinnsel und ebenso in der Vena cava inf. 
Die Pfortader war frei. 

Die genaue Untersuchung der vorhandenen Gerinnsel an Zupf- 
}3räparaten und in Serienschnitten ergab in allen Fällen den gleichen 
Befund. Grösstentheils bestanden dieselben aus rothen Blutkörpern, 
die zum Theil durch den Aether zerstört waren, daneben aus grösseren 
und kleineren Blutplättchenhaufen, Faserstoff in dicken und dünnen 
Fäden, bald eng-, bald weitmaschig mit dazwischen befindlichen, körnig 
geronnenen Eiweisskörpern des Plasmas und nicht sehr zahlreichen 
Leucocyten. 

Um eine das Blut zersetzende, aber nicht so stark gleich zer- 
störende Substanz zu infundiren, nahmen wir zu einem Versuche 30 ccm 
concentrirter Pyrogallussäure und spritzten dieselbe innerhalb einer 
Minute einer Hündin von 3500 g ein. In den ersten Secunden blieb 
die Athmung ruhig, dann beschleunigten sich Athmung und Pulsschlag, 
es entwickelte sich innerhalb ca. 2 Minuten schwere Dyspnoe, und 
nach einigen tiefen Athemzügen starb das Thier. Während der letzten 
Minute waren die Schleimhäute erst alle langsam abgeblasst, um sich 
dann allmälig intensiv braunroth zu verfärben. Die sofortige Section 
fand das Blut überall dunkelbraun. Musculatur und alle Organe über- 
haupt waren, statt röthlich, braun. Das rechte Herz und zwar sowohl 
der Vorhof als der Ventrikel waren erfüllt mit losen dunkelbraunen 
Gerinnseln, Die mikroskopische Untersuchung des braunen flüssigen 
Blutes zeigte die Blutkörper anfänglich morphologisch wenig verändert. 
Als das Präparat aber ungefähr ^/2 Stunde unter dem Mikroskop ge- 
legen hatte, entwickelte sich allmälig ein Zerfall der rothen Blutkörper, 
der sich besonders durch Schatten- und Hämoglobintropfenbildung 
characterisirte. Das lockere Gerinnsel aus dem Herzen war, abgesehen 
von der Blutveränderung, die einzige, in die Augen fallende Verände- 
rung in der Leiche, die Lunge zeigte speciell nichts Abnormes. Nach 
Härtung in Alkohol wurde das Gerinnsel in Längs- und Querschnitten 
untersucht. Die Hauptmasse bildeten rothe Blutkörper. Zerfallene 
rothe Blutkörper waren dabei nicht zu sehen, im Gegentheil sahen 
dieselben wie im frischen Blutpräparat aUe ganz wohl erhalten aus. 
Zwischen den Haufen rother Blutkörper zogen Fibrinfäden hin, und 
an einzelnen Stellen fanden sich Plättchenballen, so dass sich mit Aus- 
nahme des Fehlens einer Zerstörung von Blutkörpern hier ein analoger 
Befund wie nach Aetherinfusion ergab. 

Es lag nahe, nach den Resultaten, welche die Infusion dieser 
Flüssigkeiten ergeben hatte, einmal die Wirkung infundirter corpuscu- 
lärer Elemente zu studiren. Wir wählten zur Infusion Kork, den wir 
mit einer rauhen Feile fein zerrieben und dann in physiologischer 
Kochsalzlösung suspendirten. Die Menge des pulverisirten Korkes 
betrug trocken 0,75 g, die Suspensionsflüssigkeit 30,0 g und die Grösse 
der Korkpartikelchen, da dieselben durch ein Sieb mit 1 mm grossen 
Löchern durchgeschickt waren, nicht mehr als 1 cmm. Der Hund 
wog 5,5 kg. Um die suspendirten Korktheilchen bei der Infusion 
auch alle einzuspritzen, war es nach vorausgegangenen Versuchen 
nöthig, mit einem Ruck die Infusion schnell zu machen. Dieselbe 



— 125 — 

erfolgte in die Jugularis. Der Tod trat sofort ein, nachdem noch 
einige oberflächKche und drei tiefere Athemziige schnell gefolgt waren. 
Bei der Section sah man schon äusserlich durch die Wand des rechten 
Vorhofs die gelben Korkstückchen durchschimmern. Im ganzen rechten 
Herzen sassen, besonders an der Wand, rothe Gerinnsel, die viele 
Korktheilchen enthielten. Der Hauptstamm der Pulmonalarterie war 
frei, die weiteren Aeste erwiesen sich aber sowohl links wie rechts 
vollkommen verstopft. In der Lunge Hessen sich viele knotige Härten 
durchfühlen, die auf dem Durchschnitt als verstopfte Gefässe sich aus- 
wiesen. Das Resultat der mikroskopischen Untersuchung der in Al- 
kohol gehärteten Gerinnsel und der Lunge war insofern bemerkens- 
werth, als auch hier nur einfache lose Gerinnsel gefunden wurden, 
die Faserstoff und Blutplättchen in spärlicher und im Allgemeinen 
gleicher Menge enthielten. 

Wir schritten darauf zur Nachprüfung des von Wooldridge ange- 
gebenen Versuches, bei welchem eine Blutgerinnung nach Infusion des 
eigenartigen Körpers aus der Thymusdrüse in groser Ausdehnung so- 
fort auftreten soll. 

In Ermangelung einer eigenen Centrifuge, die zu diesen Versuchen 
nöthig ist, auf die Unterstützung eines anderen Laboratoriums ange- 
wiesen , konnten wir diese Nachprüfung bisher nicht sehr eingehend 
anstellen. Ein grosser Hund, dem wir die von Wooldridge vorgeschriebene 
Menge des Eiweisskörpers in die Jugularvene infundirt hatten, starb 
in der Nacht nach dem Experimente, und darum konnte die Section 
erst mehrere Stunden nach dem Tode stattfinden. Es fanden sich 
dabei zwar ausgedehnte Gerinnungen in den grossen Gefässen, aber 
dieser Befund ist belanglos , da mehrere Stunden post mortem auch 
schon grosse Leichengerinnsel sich ausgebildet haben können. Ein 
zweiter Hund reagirte auf eine ähnliche Infusion wieder gar nicht und 
blieb oresund. 



Was unsere Versuchsergebnisse im Allgemeinen angeht, so haben 
wir in einer Anzahl von Infusionen Gerinnungen erhalten, in anderen 
wieder nicht. Wir sind weit davon entfernt, bei jenen Substanzen, 
deren Infusion keinen Erfolg hatte, die Möglichkeit einer vitalen Ge- 
rinnselbildung überhaupt zu leugnen, und ebenso davon, die Flüssig- 
keiten und Lösungen, die uns Gerinnungen ergaben, nun als unfehlbare 
Gerinnungserreger hinzustellen. Dass wir z. B. bei der Infusion von sog. 
Hämoglobinlösungen oder von „Lackblut", mit welchen viele Forscher 
ausgedehnte Gerinnungen erzeugen konnten, keine üesultate zu ver- 
zeichnen hatten, soll uns durchaus nicht dazu führen, die Erfolge der 
anderen Autoren anzugreifen. Wir wollen auch nicht bezweifeln, 
dass ein Experimentator, der Aether oder Pyrogallussäure infundirt, 
einmal keine Gerinnung danach beobachten könnte. Die Ergeb- 
nisse der neueren und älteren Literatur über Infusionen, sowie unsere 
eigenen Experimente führen vielmehr zu der Ueberzeugung , dass 
derartige Einspritzungen in grössere Gefässe selbst bei Herstellung 
annähernd gleicher Versuchsbedingungen sehr schwankende Resultate 
ergeben, dass oft ausgedehnte Gerinnung entsteht, ebenso oft aber 
keine. Etwas scheint freilich fest zu stehen und wird durch unsere 



— 126 — 

Erfalirungen mit der Infusion von Aether und Pyrogallussäure 
bekräftigt, dass nämlich um so sicherer Gerinnung eintritt, je ein- 
greifender und zerstörender das Mittel sich dem Blute gegenüber 
verhält. 

A. Schmidt ist geneigt, in allen Fällen, in welchen nach einer 
Infusion Grerinnung erfolgt, sein sog. „Fibrinferment" hierfür zu be- 
schuldigen. Es ist schon von verschiedenen Autoren, so von Naunyn 
und Landois, ausgeführt worden, dass es doch nicht angeht, so direct 
hier überall eine Fermentwirkung anzunehmen, uns scheint die hypo- 
thetische „Fermentgerinnung" besonders fragwürdig, seit Edelherg 
(s. oben) mit einer Lösung, die der bei Fermeutinfusionen nach 
A. Schmidt üblichen völlig entsprach, jedoch das Ferment selbst nicht 
enthielt, gleiche Gerinnungen wie mit der Fermentlösung erzielen 
konnte. Die von so vielen Autoren vernachlässigte exacte mikro- 
skopische Prüfung, der wir alle unsere Gerinnselbildungen unterwarfen, 
zeigte uns auch, dass es sich darchaus nicht bloss um reine Fibrin- 
fferinnung bei diesen Versuchen handelt. Fibrin fehlt zwar in keinem 
der von uns beobachteten Thromben, aber daneben finden sich 
Blutplättchenconglutinate , zerfallene rothe Blutkörper und ausgefällte 
Eiweisskörper des Plasmas. Je nach der Natur der eingespritzten 
Flüssigkeit schwankt dieses Verhalten. Die meisten der mit Erfolg 
auf Thrombose infundirten Substanzen sind eben solche, die das Blut 
und jedenfalls auch die Gefässwände in sehr heftiger Weise angreifen 
und die bald seine Blutkörper zerstören, bald seine Eiweisskörper 
coaguliren (keine Fibringerinnung!) und damit bald die Bedingungen zu 
einer Plättchenanhäufung und Faserstoffabscheidung setzen. Wenn man 
das Blut ausserhalb des Thierkörpers im Uhrschälchen oder auf dem 
Objectträger mit derartigen Substanzen versetzt, so kann man sich ein 
klares Bild von der höchst eingreifenden Behandlung des Blutes auf 
diese Weise verschaffen, und man wird dann nicht mehr versucht sein, 
nach künstlichen Theorien über Gerinnselbildung auf solche Infusionen 
hin zu suchen. Der Aether löst die Blutkörper, mit denen er in Be- 
rührung kommt, zum Theil auf, bringt sie zum Verkleben, fällt Ei- 
weisskörper in körniger Form aus dem Plasma imd tödtet hier und 
dort, wo er mit der Wand der Gefässe in Berührung kommt, das 
Endothel etc. ab. Derartige Gerinnselmassen werden wirbelnd von 
der Infusionsstelle bis in das Herz vorgetrieben, dort bleiben sie liegen, 
oder sie gelangen in die Pulmonalis. Auf ihrem Weg bis in das Herz 
vergrössern sie sich, Blutplättchen kommen mit ihnen in Berührung 
und kleben an, und Fibrin schlägt sich auf sie nieder, wie auf jeden 
rauhen Fremdkörper, der in die Circulation gelangt. 

Dass das Resultat aller Infusionen ein sehr schwankendes ist, 
kann bei einer solchen Art der Entstehung von Gerinnseln natürlich 
auf sehr verschiedene Momente zurückgeführt werden. Die Art und 
Weise, wie die infundirte Substanz mit dem Blut sich mischt, wird 
gewiss am meisten von Belang sein, ob ausgedehnte Gerinnungen ent- 
stehen oder nicht. Es ist leicht denkbar, dass in einem Falle gleich 
von Anfang an sehr ausgedehnte und compacte Gerinnungen an Ort 
und Stelle hervorgebracht werden, in einem anderen Falle mehr kleine, 
unbedeutende, corpusculäre Trümmer, für die der Thierkörper ja eine 
grosse Toleranz besitzt. 



— 127 — 

Es wird uns im Scblusscapitel vorbehalten sein, auf die practische 
Bedeutung dieser Versuche für die menschliche Pathologie des Näheren 
einzugehen. 



Capitel IX. 

Thromben aus Leichen^). 

Verbindung des Thrombus mit der Gefässwand — Zusammensetzung der Thromben 

— Blutplättchen, Fibrin, Hyalin, Leucocyten, rothe Blutkörper — Dilatations- und 

marantische Thromben — Circulationsstörungen — Circumscripte, endophlebitische 

und endarteritische Processe als Ursachen und Ausgangsstellen von Thromben. 

Die Bhitgerinnung ist ein Vorgang, der, wenn auch nicht so 
plötzKch wie im Aderlassblut, doch so bald in der Leiche eintritt, 
dass man bei jeder Section mehr oder weniger ausgedehnte Gerinnungen 
im Gefässsystem der Leiche vorfinden wird. Den alten Aerzten des 
17. Jahrhunderts haben diese cadaverösen Gerinnungen bei der Er- 
kennung der Thrombose grosse Schwierigkeiten bereitet und zu zahl- 
losen Verwechselungen und Irrthümern Veranlassung gegeben. Die 
zahlreichen, stets vorhandenen Leichengerinnsel haben sogar vorüber- 
gehend den Glauben an eine vitale Pfropfbildung zu erschüttern ver- 
mocht. Die Erkennung vitaler Pfropfe macht jedoch nur wenig 
Schwierigkeiten. 

Irgend ein qualitativer Unterschied zwischen Leichengerinnsel 
und Thrombus besteht natürlich nicht; derselbe ist eben nur quanti- 
tativ. In jedem Blutgerinnsel kommen neben Fibrinmassen Haufen 
von Blutplättchen und Leucocyten vor, sie sind aber meist nicht so 
compact und massig wie in wahren Thromben. Vor allen Dingen gilt 
dies in Bezug auf die Blutplättchen. 

Die Hauptmerkmale, die den Pathologen zur Diagnose eines 
Thrombus führen, sind schliesslich aber mehr makroskopische: die 
Farbe, der Zusammenhang mit der Gefässwand und die leichte Tren- 
nung des Pfropfes von aufsitzendem Blut und sonstigen Gerinnsel- 
massen. 

Das sicherste und constanteste dieser Zeichen ist jedenfalls die 
Adhärenz an der Gefässwand. Man kann das aufgeschnittene Gefäss 
mit dem wandständigen oder mehr oder weniger obturirenden Pfropf 
abspülen und ziemlich alles aufsitzende Blut entfernen, ohne dass er 
selbst dadurch von der Wand abgelöst wird. Wie man sich bei diesem 



^) Für diese Untersuchungen stand uns eine ziemlich grosse Zahl von 
Leichen in der Provinzialirrenanstalt Verstorbener zu Gebote, deren Sectionen von 
EheHh seit Jahren ausgeführt wurden. Zur Verwerthung kam nur das Material 
frischer, nur wenige Stunden alter Leichen. Die Gefässe mit den etwa darin be- 
findlichen Thromben wurden nicht in Wasser, sondern zuerst in 607oigem Alkohol 
vorsichtig abgespült oder in solchen gebracht und dann in stärkerem Alkohol con- 
servirt. Wo es die Kleinheit des Objectes erlaubte, Hessen wir mitunter der Al- 
koholhärtung eine Conservirung in Miiller\c]iQv Flüssigkeit vorausgehen. Der Kürze 
wegen beschränken wir uns darauf, von den zahlreichen Untersuchungen nur einige 
näher zu schildern. 



— 128 — 

Verfahren leicht überzeugen kann, findet der Zusammenhang zwischen 
Pfropf und Gefässwand in den seltensten Fällen derart statt, dass der 
ganze Pfropf mit seiner Basis in continuo fest an der Intima angelöthet 
ist, sondern so, dass er an einer oder an mehreren Stellen adhärirt. 
Die Ausdehnung dieser Stellen variirt; es ist aber characteristisch, 
dass dort die Wand stets zerstört aussieht. Es sind besonders die 
Unebenheiten zu betonen, die Lücken und Erhebungen, die abge- 
blätterten Streifen von Intima und Endothel. Dabei sind diese ab- 
gelösten Gewebstheile manchmal kernarm, sehen nekrotisch und hyalin 
aus. Aus unseren vorhergehenden experimentellen Erfahrungen wissen 
wir, wie man diese Verletzungen der Gefässwand zu beurtheilen hat, 
und dass ihnen und der Circulationsstörung, die sie hervorbringen, die 
Ursache der Entstehung des Pfropfes zuzuschreiben ist. 

Der Thrombus selbst ist weiss ^), grauweiss bis röthlich, und zwar 
manchmal in ganzer Ausdehnung oder nur zum Theil. Die letzteren 
Pfropfe (gemischte Thromben) zeigen zwischen den weisslichen Partien 
dunkelrothe Stellen gewöhnlicher Cruormassen. Die weissen Massen 
haben genau dieselbe Zusammensetzung, wie die in den experimen- 
tellen Thromben, sie bestehen aus Blutplättchen, Leucocyten und Fibrin. 
In Bezug auf die Vertheilung der Elemente lässt sich ebenfalls ein 
gleiches Verhalten wie dort constatiren. Zu betonen ist vor Allem, 
dass der Hauptbestandtheil des weissen Thrombus Plättchen sind, die 
mit ihren körnigen, wolkigen Massen bei der Reaction mit Eosin- 
hämotoxylin besonders deutlich hervortreten. In den meisten uns vor- 
liegenden Thromben, besonders denen, die als exquisit marantische 
aufzufassen sind, bilden die Blutplättchen feinkörnige Haufen und 
lassen regressive Metamorphosen nicht wahrnehmen. In einem sehr 
frühen Stadium eines Thrombus Hessen sich in diesem etwa 36 Stunden 
alten Pfropfe sogar noch einzelne Blutplättchen erkennen (Fig. 51). 
Dieser Thrombus entstammte der Arteria spermatica einer Frau, die 
nach der Operation eines Uterusmyoms an Peritonitis gestorben war. 

In allen Thromben, welchen wir ein jugendliches Alter zusprechen 
konnten, überwogen die Blutplättchen im Allgemeinen bedeutend gegen 
den Faserstoff, während in älteren stellenweise sich viel und dichter 
Faserstoff fand. So ist der in der Fig. 51 abgebildete, eben er- 
wähnte Thrombus der Hauptmasse nach ein reiner Blutplättchen - 
pfropf, der nur sehr spärliche Fibrinfäden aufweist. Auch dieses Ver- 
halten stimmt mit unseren experimentellen Ergebnissen, in welchen 
nur ausnahmsweise, z. B. bei Einführung von Fremdkörpern in das 
Gefässlumen (Zwirnfaden, Hollundermark), schon früh eine sehr leb- 
hafte Fibrinabscheidung auftrat. Ganz reine, nur aus Blutplättchen 
bestehende Pfropfe haben wir in Leichen allerdings nicht gefunden; 



^) Weiss sind ausser den Thromben noch gewisse Leichengerinnsel, wie die 
gewöhnlichen „Speckhautgerinnsel", die oft ein gallertiges, oft ein zähes Gefüge 
haben. In Schnitt- und Zupfpräparaten kann man sich davon überzeugen, dass 
sie aus dicht an einander liegenden Fibrinfäden bestehen und nur sehr selten cor- 
pusculäre Elemente des Blutes einschliessen. Zu ihrem Entstehen in der Leiche 
ist eine Senkung der Blutkörper nöthig und eine klare Schicht von Plasma, aus 
der sie sich dann ausscheiden. Die körnigen, weissen Massen, die man des öfteren 
im Herzen vorfindet, deren körnige Beschaffenheit dieselben wahren Thromben recht 
ähnlich macht, liegen ganz lose im Herzen und bestehen, wie schon verschiedentlich 
beschrieben worden ist, grösstentheils aus Leucocyten. 



— 129 — 

<üe Wand, der sie aufsassen, zeigte aber auch bei allen schwerere 
Veränderungen, Entzündung, Verkalkung etc. 

Der Faserstoff fehlt in keinem unserer Thromben gänzlich, wenn 
er auch, wie in dem eben erwähnten Falle, oft sehr spärlich ist. In 
vielen Thromben ist er sogar sehr reichlich. 

Ob alles das Fibrin, was man im Leichenthrombus findet, prä- 
formirt, d. h. schon während des Lebens vorhanden war, ist eine nicht 
so einfache Frage, die jedenfalls weit schwieriger zu beantworten ist 
als die, ob ein Gerinnsel im Ganzen präformirt oder cadaverös ist. 
Das Fibrin an sich hat als vitales oder cadaveröses ganz dieselbe 
Reaction, und die Grösse und Menge der einzelnen Fäden bieten ab- 
solut nichts Characteristisches. In Leichengerinnseln und ganz schnell 
erzeugten Gerinnungen, z. B. bei solchen nach Infusion, haben wir 

Fig. 51. 






\ 







•Obturirender Thrombus der Arteria spermatica nach septischer Peritonitis, ca. 36 Stunden alt. 
a rothe Blutkörper, b Blutplättchen, c Leucocyten. 

•dünne und dicke Fäden, eng- und weitmaschige Netze gesehen ebenso 
wie in alten Pfropfen. Das Einzige, was zu einem bestimmten Urtheil 
führt, ist das Verhalten zu der Umgebung. Dort, wo das Fibrin in 
dicken Fäden sich um einen Vorsprung der Wand anlegt oder von 
einer Spitze in das Gefässlumen herab^ längt, da verräth sich deutlich 
der Ausdruck einer Thätigkeit des Blu stioms, und da kann man wohl 
unbedenklich dasselbe als präformirt asehen. Die Weigert' sehe Reac- 
tion ermöglicht es, das Fibrin prägnant hervortreten zu lassen, um es 
von anderen Elementen unterscheiden zu können. In Präparaten von 
Leichenthromben, die mit Hämatoxylin und Eosin, sowie mit Picrocarmin 
gefärbt sind, erscheinen oft dicke Balken und Schollen von Fibrin, die 
den Eindruck von hyalinen Massen machen. Es gelang uns jedoch, hier 
ebenso wie in den künstlich erzeugten Thromben dieses „Hyalin" in 
fädige Gebilde mit der Weigert jchen Reaction aufzulösen, so dass wir 

Eberth und Schimmelbusch, Die Thrombose. 9 



— 130 — 

aucli liier annelimen müssen, dass das sog. Hyalin in vielen Fällen nur 
der optische Ausdruck sehr eng an einander lagernder und durch Blut- 
plättchen verkitteter Fibrinfäden ist. Das Fibrin durchzieht den 
Thrombus fast nie gleichmässig, sondern findet sich abwechselnd in 
dichteren und loseren Lagen. Es wird dadurch in einzelnen Pfropfen 
geradezu der Eindruck einer Schichtung hervorgerufen ; in anderen ist die 
Vertheilung aber eine sehr ungleiche. Man sieht dort sehr weitmaschige 
und feinfädige Netze mit dicken Knäueln und Bündeln abwechseln. 

Von den feinen und groben Netzen ist es immerhin recht zweifel- 
haft, ob sie während des Lebens oder erst nach dem Tode entstanden 
sind, obwohl uns ja die experimentell erzeugten Thromben zeigen, 
dass auch hiervon jedenfalls ein Theil vitalen Ursprungs ist. 

Die Leucocyten erscheinen im Thrombus in wechselnder Menge, 
oft sehr spärlich, oft in grosser Anzahl. Im Allgemeinen liegen 
grössere Haufen derselben an der Peripherie der Pfropfe. Nach allen 
unseren früheren Erfahrungen ist das eben der Einfiuss der Blutströ- 
mung, der Stromwirbel und des geringen specifischen Gewichtes der 
farblosen Blutkörper, der diese Ansammlungen in den dem Strom 
zugewandten Buchten des Thrombus veranlasst. Ab und zu liegen, 
auch wohl grössere Mengen im Innern eines Pfropfes, und wir haben 
dann analog den Beispielen unserer Beobachtungen am strömenden 
Blute dieses Verhalten als den Ausdruck einer wechselvollen Bildung 
des Thrombus anzusehen. Diese Leucocytenhaufen sind Einschlüsse, 
die durch Aufeinanderkleben verschiedener, anderweitig losgelöster 
Thrombentheile zu Stande kamen. In vielen Thromben liegen die Leuco- 
cyten ziemlich gleichmässig vertheilt. Es sieht ganz so aus, als wäre der 
Thrombus von diesen Leucocyten infiltrirt. Es ist ja auch sehr wahr- 
scheinlich, dass die Leucocyten, die stets an der Peripherie des Throm- 
bus vom Blutstrom vorbeigeführt werden und mehr oder minder zahl- 
reich dort haften bleiben, schliesslich in den Thrombus immigriren. 

Die rothen Blutkörper schwanken ebenso in ihrer Menge ausser- 
ordentlich. In vielen Thromben sind sie sehr spärlich und liegen bloss- 
in einzelnen Einbuchtungen der äusseren Fläche. In anderen machen 
sie die Hauptmasse aus und werden von einem weitmaschigen Netz 
oder einer dünnen Schaale von Blutplättchen und Fibrin zusammen- 
gehalten. Je mehr rothe Blutkörper ein Pfropf enthält, um so dunkler 
sieht er natürlich makroskopisch aus. 

Bei einer Untersuchung nach der nächsten Ursache eines Leichen- 
thrombus wird es gerathen sein, an die Ergebnisse, welche bei der Beob- 
achtung des strömenden Blutes nach verschiedenen Eingriffen erhalten 
wurden, anzuknüpfen. Wir haben da gesehen, dass insbesondere in 
den feineren Gefässen schon sehr bald eine Bildung von Plättchen- 
thromben nach Stromverlangsamung und Verletzung der Wand ein- 
tritt. Wenden wir diese Erfahrung an auf die Dilatations- und ma- 
rantischen Thromben, so finden wir Verhältnisse, welche um so mehr, 
als es sich da meist nicht sowohl um vorübergehende Störungen, als 
nm solche von längerer Dauer handelt, gerade in den Venenwurzeln zu 
einer Plättchenauhäufung und damit vielleicht auch zu einer Thromben- 
bildung führen können. Es kommt dabei aber noch besonders in Be- 
tracht die ungleiche Geschwindigkeit des Stroms in benachbarten Ge- 
bieten. Wo z. B. ein etwas rascherer Strom an einem Seitenzweig 



— 131 — 

mit verlangsamter Strömung vorbeipassirt, denken wir uns z. B. den 
Strom in der Vena saph. verlangsamt, den in der Cruralis noch an- 
nähernd normal oder zeitweise beschleunigt, da werden leicht Elemente, 
Leucocyten und Blutplättchen in die Mündung des langsam strömenden 
oder fast stromlosen Gefässes hineingewirbelt und bleiben daselbst 
haften, und zwar um so leichter, je mehr in dem einmündenden Ast 
die Stromgeschwindigkeit herabgesetzt ist. 

In erweiterten Gelassen, wie z. B. in varicösen Venen, überzeugt 
man sich leicht auf Serienschnitten, dass da und dort kleine, zottige und 
polypöse Plättchenthromben der Wand der kleinsten Venen aufsitzen. 
Ja man findet häufig genug in den etwas grösseren, dilatirten Venen 
geschichtete, vollkommen freie, aus Plättchen, Leucocyten, rothen Blut- 
körpern und Fibrin bestehende, kleine, globulöse Thromben, die aus 
solchen, oft nur mit schmaler Basis aufsitzenden und später abgelösten 
Plättchenthromben entstanden sind, durch Anlagerung von neuem 
Material sich vergrössert haben und von dem Strom hin und her ge- 
trieben zu kugeligen Ballen abgeschliffen wurden. In ähnlicher Weise 
wie für die varicösen Venen dürfen wir wohl auch für die im Herzen 
bei Dilatation mit gleichzeitiger Entartung oder Atrophie der Muscu- 
latur vorkommenden Thromben die Stromverlangsamung als entschei- 
dendes Moment annehmen. 

Aber trotz der grossen Bedeutung, welche wir der Stromverlang- 
samung und Wirbelbildung für die Entstehung von Thromben zu- 
schreiben müssen, kommen doch selbst für viele, sog. marantische 
Thromben — Venenthromben an der Einmündung von Seitenzweigen, 
Thromben der Venenklappen und solche zwischen den Trabekeln des 
Herzens — Wanderkrankungen in Betracht. Diese stellen sich ja 
allerdings, wenn wir absehen von acuten Processen, nicht gerade dar 
unter demjenigen Bild, welches bei den Arterien als chronische Ent- 
zündung mit ihren verschiedenen Ausgängen angetrofi'en wird, als eine 
auf grössere Gefässbezirke ausgedehnte multiple Erkrankung, sondern 
haben mehr einen localen Character. Der Nachweis solcher, meist 
sehr beschränkter Erkrankungen der Venenintima bietet nicht geringe 
Schwierigkeit, und es bedarf oft der zeitraubenden Untersuchung einer 
grösseren Zahl von Serienschnitten durch den Thrombus und die ihn 
tragende Wand, bis die erkrankte Partie dieser letzteren, welche den 
eigentlichen Ausgangspunkt des Thrombus aller Wahrscheinlichkeit 
nach bildet, gefunden ist. Da zeigt sich dann, dass der Thrombus, 
der mit dem grössten Theil seiner Basis der Gefässwand einfach an- 
liegt, an einer kleinen Stelle inniger mit derselben zusammenhängt 
(Fig. 52b). Hier finden sich beschränkte, endophlebitische Processe, 
die Intima erscheint verdickt, oft haben diese Partien eine Längsaus- 
dehnung von nur 5 — 10 Mieren und erheben sich nur wenig über das 
Niveau der Umgebung. In diesen Verdickungen erscheint die Grund- 
substanz heller, etwas gequollen und gelockert und reich an Rund- und 
Spindelzellen. Es sieht oft so aus, als ob das Gewebe dieser Partien 
unmittelbar in die Substanz des Thrombus überginge. Endothel haben 
wir häufiger in der Umgebung solcher Verdickungen gefunden. 

In anderen Fällen ist die Gefässerkrankung etwas ausgedehnter. 
Zwar fehlen auch hier nicht Heerde von Rundzellen, aber es über- 
wiegt doch eine mehr gleichmässige Verdickung der Intima, die nur 



132 — 



Fig. 52. 



leichte Unebenlieiten an der Oberfläche zeigt. Diese Verdickung hat 
ganz das Bild jener flachen, gallertigen Wucherungen, die ein gewisses 
Stadium der chronischen Endarteritis characterisiren. Es bestehen 
nämlich diese gallertigen Stellen der Venenintima aus einer fast homo- 
genen, wenig fibrillären Grundsubstanz, die, in die Muscularis sich er- 
streckend, zu einer Lockerung dieser führt, so dass man deren Zellen 
neben einigen neugebildeten Stern- und Spindelzellen ganz durch ein- 
ander geworfen flndet. Inflltrationen von Rundzellen kommen aber 
ausserdem in den tieferen Partien vor, und nicht selten sind hier auch 

die Residuen vorausgegangener Blutun- 
gen in Form rundlicher, mit braunen 
Pigmentkörnchen gefüllter Zellen an- 
zutreffen. 

Erinnern wir uns daran, wie 
rasch bei Beobachtungen des strömen- 
den Blutes durch leichte Verletzungen 
der Gefässwand, Ueberstreichen, Com- 
pression, wie dann durch Umschnürung, 
Durchschneidung und Durchstechung 
grösserer Gefässe auf den verletzten, 
bald kleinere, bald grössere Vorsprünge 
bildenden Wandpartien Plättcheu sich 
anhäufen. Man wird sich deshalb 
um so weniger wundern können, dass 
bei solchen, durch pathologische Pro- 
cesse erzeugten Unebenheiten der Ge- 
fässintima das Gleiche erfolgt und 
um so leichter geschieht, wenn in 
Folge anderweitiger Störungen die 
ganze Stromenergie abgeschwächt ist. 
Wir sind natürlich weit entfernt, 
behaupten zu wollen, dass bei allen 
marantischen Thromben solche Wand- 
erkrankungen vorhanden sind, aber 
wir haben in ihnen Bedingungen, welche 
unter geeigneten Umständen die Bil- 
dung von Thromben begünstigen. 

Dass solche Wucherungen wirk- 
lich als die primären aufzufassen sind 
und nicht als secundäre, welche ge- 
wissermassen erst etwa in Folge des von dem Thrombus auf die Wand 
ausgeübten Reizes oder durch Einwanderung von Leucocyten aus dem 
Thrombus in die Wand erzeugt sind, dafür haben wir hinreichend 
Belege. 

Der letztere Vorgang lässt sich ja kaum in Abrede stellen; der 
Umstand jedoch, dass man selbst im Umkreis grosser Thromben 
zwischen den Herztrabekeln im Endocard keine Veränderung, dagegen 
im Grund der Taschen, an den Stellen, an welchen der Thrombus 
besonders innig mit der Wa^d an einer kleinen Unebenheit verbunden 
ist, solche findet, dürfte für obige Ansicht sprechen. 

Dieser verleihen auch eine wesentliche Stütze gerade die Befunde 




Klappenständiger Thrombus aus der Vena 
saphena, bei b der Wand adhärirend. 
a Klappe, c Adventitia, d Blutplättchen, 
e und f rothe Blutkörper, g Fibrinfäden. 



— 133 — 

bei sehr kleinen, offenbar nocb sehr frischen Thromben. So hatten 
wir Gelegenheit, bei winzigen Thromben der Aorta in Form sammt- 
artiger, die Umgebung kaum überragender Excrescenzen, die sich als 
Plättchenmassen herausstellten, uns davon zu überzeugen, dass hier 
von einer Einwanderung leucocytärer Elemente vom Thrombus in die 
Gefässwand ebenso wenig die Rede sein konnte, wie etwa von einer 
secundär durch den Thrombus veranlassten Erkrankung der Aorten- 
intima. Denn diese sammtartigen Thromben enthielten fast gar keine 
Leucocyten, dagegen fand sich die unebene, gelockerte Intima von 
einer grossen Zahl solcher auf eine ziemliche Tiefe durchsetzt, dass 
man bei dem geringen Umfang der Thrombusmasse kaum annehmen 
kann, dass diese Infiltration durch den Thrombus hervorgerufen sein 
könnte. Vielmehr ist der ganze Eindruck der, dass eine sehr circum- 
scripte, kleinzellige Infiltration und Wucherung bestand, welche erst 
die Abscheidung der Plättchenmasse veranlasste. 

Auch die mit breiter Basis anscheinend aufsitzenden, wand- 
ständigen Aortenthromben bestätigen nur die anderwärts gemachte 
Erfahrung von der Bedeutung manchmal nur oberflächlicher Erkran- 
kungen der Intima, wenn sie besonders mit Lockerung und der Bildung* 
von Unebenheiten verbunden sind, für die Abscheidung des Thrombus. 
Bald sind es flächenartig ausgebreitete, umschriebene, kleinzellige In- 
filtrationen, bald ist es eine oberflächliche Wucherung der Intima, die 
zur Bildung mehrerer Lagen meist endothelialer, lose neben einander 
gelegener Zellen führt, auf welche sich die Thrombusmasse absetzt. 
Man trifit in solchen Fällen ähnlich wie bei den Venen auch in den 
übrigen Schichten der Gefässwand, besonders im Umkreis der Vasa 
vasorum, kleinzellige Infiltrationen. 

Auf den eigentlich sklerotischen Stellen kommt es seltener zur 
Abscheidung eines Thrombus, weil über deren glatte Oberfläche trotz 
der Unebenheiten, die sie bilden, das Blut ebenso wie über die glatten 
Kalkplatten hinweg geführt wird und den Plättchen keine Gelegen- 
heit zum Haften gegeben ist. 

Wenn wir nun doch trotz ausgedehnter Zerstörungen der Intima, 
trotz der Geschwüre, Kalkplatten etc. oft genug jegliche Abscheidung 
vermissen, so ist dies wohl nur aus dem Umstand zu erklären, dass 
der Strom noch hinreichend kräftig war und dass die Rauhigkeiten 
darum denselben nicht alterirten. 



134 



Capitel X. 

Schlussbemerkungen. 

Zusammensetzung der Thromben — Blutplättchen — Leucocyten — ßothe Blut- 
körper — Fibrin — Gefässverletzung und Thrombose — Circulationsstörung und 
Thrombose — Dyscrasie und Thrombose. 

Von den herrschenden Ansichten differirt das Bild der Throm- 
bose, welches sich aus unseren Untersuchungen construiren lässt, in 
wesentlichen Punkten. In erster Linie wird die wichtige Rolle, welche 
die Blutplättchen hier spielen, festgestellt. Dieselben sind in keinem 
Pfropfe zu vermissen, werden in den meisten in ungeheuerer Menge 
vorgefunden und setzen manche Pfropfe ganz ausschliesslich zusammen. 
Die Wunde einer Arterie oder Vene verstopft sich zunächst mit Blut- 
plättchenmassen, und auf die verletzten Gefässwände setzen sich Ballen 
von Plättchen ab. Im normalen Zustande sind diese Elemente platte, farb- 
lose Scheiben von etwa einem Drittel der Grösse der rothen Blutkörper. 
Sie sind zahlreicher als die farblosen Zellen. Die ausserordentlich 
hinfälligen Gebilde verändern sich bei der geringsten schädlichen 
Beeinflussung schnell und werden klebrig „viscös". Kommen sie in 
diesem Zustand mit einander in Berührung, so verkleben sie und bilden 
jene, oft mächtigen Haufen, die uns im Thrombus entgegentreten. In 
gleicher Weise kleben sie an verletzten Gefäss wänden, an Fremd- 
körpern etc. an. Anfänglich noch in ihrer ursprünglichen Gestalt un- 
gefähr erhalten, verschmelzen sie in den grösseren Haufen immer 
mehr und mehr, so dass schliesslich diese Plättchenballen feinkörnig 
bis homogen aussehen. 

Diese Massen von Blutplättchen hat man früher theils für zer- 
fallene, farblose Blutkörper, theils für Fibrin angesprochen. Die 
Meinungen über die physiologische und pathologische Stellung der 
farblosen Blutkörper haben bekanntlich in den letzten Decennien 
in sehr eigenartigen und extremen Modificationen sich bewegt. Es 
gab eine Zeit, in welcher man sie als die bildenden Elemente, die 
Ersatzzellen im Allgemeinen betrachtete und glaubte, dass sie bei der 
Regeneration aller Gewebe betheiligt seien {Rollet)-, dann sah man in 
ihnen die Erreger der Blutgerinnung {A. Schmidt). Sie sollten so 
zarte Gebilde sein, dass sie bei dem geringsten Insulte sofort zerfielen, 
dann einen Stoff, das sog. Fibrinferment beim Zerfall lieferten und 
dadurch in Flüssigkeiten, welche fibrinogene Substanzen enthielten, 
Gerinnung erregten. Dagegen ist man in den letzten Jahren mehr 
und mehr zu der Ueberzeugung gekommen, dass sie ausserhalb des 
Körpers längere Zeit, Tage lang, fortleben können, man hat ihr Wandern 
beobachtet, das Emigriren aus den Gefässen bei der Entzündung, die 
Aufnahme von Fremdkörpern, z. B. von Kohlenstaub oder Pigment 
und das Verzehren von Spaltpilzen. 



— 135 — 

Mit der ersten Auffassung der Leucocyten als Plasmazellen, Bil- 
dungszellen schlechtweg, ist noch nicht ganz gebrochen. Dem zweiten 
Gredanken, die Leucocyten seien überaus hinfällige Bestandtheile des 
Körpers, müssen auch wir auf Grund unserer Beobachtungen entschieden 
entgegentreten. Dass weisse Blutkörper an irgend einen Endothel- 
defect bloss anzuprallen brauchten, um sofort zu zerfallen und zu einem 
Trümmerhaufen von Körnern zu verkleben, ist ein Irrthum. Es liegt 
dabei eben eine Verwechslung mit den Blutplättchen vor, deren Haufen 
man für Trümmer farbloser Blutkörper hielt, weil man von der Existenz 
eines dritten Formelementes im Blute keine Kenntniss hatte. Die farb- 
losen Blutkörper, die man im Thrombus findet, machen besonders in 
jungen Thromben durchaus nicht den Eindruck zerfallener, sondern 
vielmehr ganz unversehrter Elemente. Zerzupft man einen kleinen 
Pfropf, den man z. B. auf einem durch ein Gefäss gezogenen 
Zwirnsfaden gewonnen hat, in indifferenter Kochsalzlösung und beob- 
achtet das Präparat längere Zeit auf dem erwärmten Objecttisch, so 
kann man sich davon überzeugen, dass die Leucocyten, die in dem 
Thrombus eingeschlossen sind, hinauswandern. Ebenso gelingt es, bei 
Circulationsbeobachtung am Mesenterium und Omentum von Säugern 
Leucocyten aus wandständigen Pfropfen in das Gewebe emigriren 
zu sehen. 

Die Leucocyten kommen im Thrombus in sehr wechselnder Menge 
vor. Es giebt Thromben, in welchen sie fast ganz fehlen. Das sind z, B. 
jene Blutplättchenpfröpfe , welche die Gefässwunden verschliessen und 
damit die Blutstillung bewirken. In anderen Thromben sind sie reichlich 
und oft massenhaft. Characteristisch ist, dass da, wo grössere Haufen 
von Leucocyten im Thrombus liegen, dieselben mehr die peripherischen 
als die centralen Thrombuspartien einnehmen. In manchen Pfropfen 
und besonders in älteren besteht aber eine mehr diffuse Vertheilung der 
einzelnen Leucocyten über den ganzen Thrombus, so dass der Eindruck 
einer Infiltration hervorgerufen wird. Bei allen unseren Beobachtungen, 
besonders denen am strömenden Blute im Omentum, haben wir uns 
nie davon überzeugen können, dass die Leucocyten sich wesentlich 
an dem Aufbau eines Pfropfes betheiligen. Wir mussten sie stets 
als secundäre und accidentelle Einschlüsse resp. Auflage- 
rungen betrachten. So giebt es z. B. keinen Thrombus, der nur aus 
Leucocyten bestünde, wie man dies nach Zahn angenommen hat, son- 
dern selbst dort, wo soviel farblose Blutkörper in einem Pfropfe vor- 
handen sind, dass er auf den ersten Blick aus diesen allein zu bestehen 
scheint (im entzündeten Mesenterium), konnten wir uns bei genauer 
Prüfung überzeugen, dass doch diese Leucocyten nur von veränderten 
Blutplättchen zusammengehalten wurden. 

Ebenfalls in mehr secundärer und accidenteller Weise parti- 
cipiren an dem Aufbau eines Thrombus die rothen Blutkörper. Sie 
werden wie die weissen daselbst unter Umständen ganz vermisst. Im All- 
gemeinen sind sie auch spärlicher als die anderen Elemente. Es ist ja 
schon eine alte Beobachtung, dass die Thromben meist weiss sind. In 
vielen Thromben aber findet man die rothen Blutkörper oft in grosser 
Menge. Der Befund ist dann manchmal ein solcher, dass nur ein Gerüst 
von Blutplättchenmassen und Fibrin vorliegt und alle Zwischenräume von 
rothen Blutkörpern ausgefüllt werden. Wollte man dann aus der grossen 



— 136 — 

Anzahl dieser einen Schluss auf eine hervorragende Rolle beim Auf- 
bau des Pfropfes ziehen, so würde das durchaus unrichtig sein. So 
labil die rothen Blutkörper im Allgemeinen sein mögen, sie zeichnen 
sich unter gewöhnlichen Verhältnissen dadurch aus, dass sie eine sehr 
geringe Tendenz haben, unter einander oder sonst irgend wo anzu- 
kleben oder haften zu bleiben. Breitet man einen Blutstropfen unter 
dem Deckglase zu mikroskopischer Betrachtung aus, so bleiben momentan 
die Blutplättchen am Deckglas kleben, und auch die Leucocyten haften 
sich an, die rothen Blutkörper aber flottiren stundenlang hin und her,- 
folgen den Capillarströmen und ordnen sich zu den bekannten ,Geld- 
roUen". Wir konnten bei unseren Circiilationsbeobachtungen beim 
Warm- und Kaltblüter uns nie davon überzeugen, dass rothe Blut- 
körper an einer verletzten Gefässwaiid oder einem Fremdkörper in 
Masse festgeklebt und einen Thrombus gebildet hätten. 

x4.uch die Art und Weise, wie die Haufen von rothen Blutkörpern 
in grösseren Thromben auftreten, giebt einen Anhaltspunkt dafür, dass 
sie in secundärer Weise, als Einschlüsse etc. den Pfropf vergrössern. 
Je regelmässiger ein Pfropf gestaltet ist, um so weniger rothe Blut- 
körper pflegt er zu enthalten. So weisen z. B. die Thromben, die 
nach geringfügigen mechanischen Verletzungen eines Gefässes entstehen, 
(auf kleinen Stichwunden) , ferner die kleinen Thromben auf athero- 
matösen Stellen der Aorta, fast gar keine rothen Blutkörper auf. Je 
grösser der Thrombus, je bizarrer seine Contouren sind, um so mehr 
rothe Blutkörper enthält er. 

Als vierten Bestandtheil der Thromben haben wir den Faser- 
stoff zu nennen. Nach unseren Untersuchungen über die Morpho- 
logie des Gerinnungsprocesses und dem glücklichen Fund einer speci- 
fischen Farbreaction von Weigert ist für uns „Fibrin" nicht mehr ein 
allgemeiner Ausdruck für geronnene Eiweisssubstanzen, wie er oft ge- 
braucht wurde, sondern wir bezeichnen damit einen ganz bestimmten 
Eiweisskörper, jenen, welcher in Folge immer noch nicht aufgeklärter 
Vorgänge die Gerinnung des Blutes bedingt. Die Blutgerinnung ist 
nach den Befunden, die in Capitel III angegeben sind, als ein Kry- 
stallisationsprocess anzusehen, bei welchem das Fibrin in feinen 
Nadeln sich ausscheidet und durch massenhaftes Auftreten und 
Aneinanderlagern von solchen Nadeln, Fäden und schliesslich ganze 
Netze und Balken entstehen ^). 

Dieses Fibrin ist von den Blutplättchen völlig zu trennen. Man 
hat zwar bis in die letzte Zeit die körnigen und fädigen Massen im 
Thrombus mit dem Namen Faserstoff, Gerinnsel etc. belegt, sie für 
ein und dieselbe Substanz gehalten und zwischen den Körnermassen, 
den Fäden und schliesslich sogar den Leucocyten alle möglichen 
TJebergänge zu sehen geglaubt. Diese vermeintlichen Uebergänge 
basiren aber nur auf falschen Beobachtungen. Wenn man besonders 
mit den Farbreaction en untersucht, so kann man sehen, dass diese 
Gebilde scharf sich von einander abgrenzen und Uebergänge nicht 
vorkommen. Es wäre zwar möglich, dass alle Elemente im Thrombus 
schliesslich eine gleiche Metamorphose erlitten und in eine Eiweiss- 



^) Ob das Fibrin als solches gelöst im Blute vorbanden ist oder kurz vor 
dem Auskrystallisiren aus Fibrinbildnem entsteht, lassen wir ganz dahingestellt. 



— 137 - 

Substanz sich später verwandelten. Wir konnten zwar Aehnliches bisher 
nicht bemerken, obwohl uns zahlreiche experimentelle und Leichen- 
thromben auch älteren Datums vorgelegen haben. Diese mögliche 
spätere gemeinsame Umwandlung würde aber natürlich auch etwas 
ganz Anderes sein, als ein Uebergang eines Elementes in das andere. 

Vergegenwärtigt man sich die Entstehung von Plättchenpfröpfen 
und von Faserstoff i. e. Fibrinmassen, so wird schon für die Entstehung" 
beider Gebilde eine principieUe Verschiedenheit klar. Der Plättchen- 
pfropf entsteht durch die Verschmelzung eines im Blute 
vorhandenen und zusammenklebenden Zellgebildes, ist die 
Folge einer Verschmelzung, einer Conglutination, während 
das Fibrin aus gelösten Substanzen des Blutes sich bildet 
und abscheidet (Coagulation). 

Das Fibrin nun ist ein sehr häufiger und neben den Blutplättchen 
der wichtigste Bestandtheil der Thromben. Es trägt zu ihrem Ent- 
stehen durch sein Auftreten wesentlich bei. Ob es reine Fibrinpfröpfe 
giebt, so wie man reine Blutplättchenpfröpfe sieht, erscheint uns zweifel- 
haft, weil bei der Ausscheidung von Fibrin im Blute stets auch die 
Blutplättchen verkleben werden, da eine Berührung derselben mit Fibrin 
schon genügt, um sie zur viscösen Metamorphose zu bringen. Die 
meisten Thromben, besonders die älteren, durchzieht das Fibrin in 
dicken Strängen, die nicht selten lamellenartig auf einander lagern 
und häufig ist es zu eng- und weitmaschigen Netzen angeordnet. 

Ob alles Fibrin, was wir im Thrombus vorfinden, präformirt, d. h. 
vitalen Ursprungs ist, lässt sich durchaus nicht so leicht beurtheilen. 
Wir haben zwar eine Reaction, um Fibrin nachzuweisen, aber ein ab- 
solut sicheres Merkmal, um Fibrin, welches postmortal zur Abscheidung 
gekommen ist, von jenem zu trennen, welches während des Lebens 
schon auftrat, besitzen wir nicht. Die Blutgerinnung ist zudem ein 
Process, der oft mit einer solchen Schnelligkeit vor sich geht, dass 
man selbst bei momentaner Untersuchung eines Pfropfes auf das vor- 
gefundene Fibrin als vitales nicht schw^ören kann, weil es unter den 
Händen des Beobachters sich gebildet haben könnte. Man muss sich 
ferner noch sagen, dass der Thrombus wahrscheinlich die Stelle im 
Gefässsystem ist, an und um welche sich die cadaveröse Gerinnung 
des Blutes vermuthlich am ehesten ansetzen wird. Den einzigen An- 
haltspunkt dafür, ob Fibrin im Thrombus vitalen Ursprungs ist oder 
nicht, bietet die Formation desselben. Aber sie genügt auch, um die 
Diagnose mit ziemlicher Sicherheit zu stellen. Legt sich das Fibrin 
in Schichten und Strängen auf Vorsprünge der Gefässwand, und hängen 
an bandartigen Streifen einzelne Thrombentheile wie im Strome suspen- 
dirt, so ist die Wirkung des Blutstroms so evident, dass wir unbedingt 
dieses Fibrin als vital ansprechen können. Immer werden wir da im 
Zweifel bleiben, wo wir Netze sehen, kurz da, wo stagnirendes Plasma 
geronnen ist, denn so gut wie im Thrombus während des Lebens ein- 
geschlossene Blutmengen gerinnen können, ebenso gut kann zu Leb- 
zeiten dort noch flüssiges Blut erst post mortem geronnen sein. 

Sehr häufig begegnet man in der Literatur unseres Gegenstandes 
den Ausdrücken „Hyalin", ^hyaline Thrombose", „hyalines Fibrin der 
Thromben" etc. Dieser Name „Hyalin" ist ebenso, wie es der des 
Fibrins einst war, ein Sammelbegriff, eine Bezeichnung, die mit mehr 



— 138 — 

oder weniger Einschränkung auf alle Eiweissmassen des Körpers aus- 
gedehnt wird, die so zu sagen geronnen sind und ein homogenes Aus- 
sehen haben, dabei das Licht stärker brechen und eine gewisse Re- 
sistenz gegen Säuren und Alkalien aufweisen, v. Recklinghausen, der 
sich bemüht hat, den Begriff „Hyalin" möglichst zu präcisiren, zählt 
zu diesem das Schilddrüsenkolloid, die seröse oder hydropische Zell- 
entartung, den Hauptbestandtheil diphtheritischer Membranen, die intra- 
vasculären Grerinnungen, die Thromben, die sog. wachsige Degeneration 
der Muskelfaser, die von Bernhardt und Lajighans beschriebenen Auf- 
lagerungen („canalisirtes Fibrin", Langhans) auf der Placenta etc. 
Annähernd homogene, hya]ine Massen findet man in Thromben sehr 
vielfach. Die Haufen von Blutplättchen, die anfangs grobkörnig sind, 
werden sehr bald in ihrer weiteren Veränderung feinkörnig und er- 
scheinen schliesslich fast homogen. Dann sahen wir in vielen Thromben 
homogene Massen, die oft bandartig gewunden, dann wieder flächen- 
artig ausgebreitet und vielfach von Lücken durchsetzt waren. Sie 
entsprachen wohl dem, was Langhans als canalisirtes Fibrin beschrieben 
hat. Alles, was wir von derartigen „hyalinen" Massen mit der Fibrin- 
reaction und den Plättchenreactionen näher untersuchten, hat sich uns 
dabei in Fibrin und Plättchen aufgelöst. In den meisten Fällen han- 
delte es sich um sehr breite und dicke Fibrinbänder, die durch Blut- 
plättchen gewissermassen zusammengeschweisst waren. Wir neigen 
nach diesen Befunden zu der Auffassung, dass, was man dem hyalinen 
Aussehen nach für etwas Besonderes im Thrombus ansehen wollte, 
doch meist wohl nur Fibrin und Plättchen sind. Es ist ja möglich, 
dass andere Autoren etwas Anderes noch gesehen haben, dass schliess- 
lich Fibrin und Plättchen in ganz alten oder in irgendwie veränderten 
Thromben noch eine besondere homogene Metamorphose erleiden, oder 
unter Umständen eigenartige Gerinnungen in einem Thrombus vor- 
kommen, doch muss dies jedenfalls nicht so sehr häufig sein, da wir 
in unseren zahlreichen Thromben davon nichts wahrgenommen haben. 

In vereinzelten Thromben, besonders in älteren und solchen, die 
bei infectiösen Processen entstanden sind, kommen Massen körniger 
Natur vor, die äusserlich an Blutplättchen erinnern, in den Farbreac- 
tionen aber nicht mit ihnen übereinstimmen. Sie bleiben z. B. bei 
Färbung mit Hämatoxylin und Methylviolett ungefärbt. Ob sie Zer- 
fallsproducte der corpusculären Elemente und des Fibrins sind, oder 
ob sie eigenartig coagulirte Eiweisskörper des Plasmas repräsentiren, 
wie man solche bei Infusionen deletärer Substanzen in das Gefässsystem 
zu sehen bekommt (vgl. Cap. VIII), lassen wir unentschieden. Jeden- 
falls sind sie in jüngeren Thromben nicht sehr häufig. 

Nach unseren Befunden betheiligen sich die Blut- 
plättchen und das Fibrin in wesentlicher Weise an dem Auf- 
bau eines Pfropfes, während die Leucocyten und die rothen 
Blutkörper, obwohl meist sehr zahlreich im Thrombus, dies 
mehr in accid ent eller Weise thun, d. h. mehr Ein- 
schlüsse sind. 



— 139 — 

Brücke gelangt in seiner bekannten Untersuchung über die Blut- 
gerinnung zu dem Resultat, dass das Blut nur in lebenden und intacten 
Gefässwänden flüssig bleibe, überall aber gerinne, wo die Integrität 
der Gefässwand fehle. Man hat diesen Satz in die Lehre von der 
Thrombose aufgenommen und es ist eine ziemlich allgemein verbreitete 
Ansicht, dass Thrombose direct in Folge einer Gefässläsion entstehe. 
Verschiedene Pathologen, besonders Cohnheim, wie wir gesehen haben 
(Cap. 1), sind dann noch weiter gegangen, indem sie nicht die Gefäss- 
veränderung überhaupt, sondern speciell die des Endothels als die Ver- 
anlassung zur Pfropfbildung betrachteten. 

In dem experimentellen Theile dieser Untersuchung sind wir von 
der Idee ausgegangen, dass die Verletzung der Gefässe zur Pfropf- 
bildung in denselben führe; wir haben die verschiedensten Insulte auf 
Venen und Arterien ausgeübt, um aus der Art und Weise, wie darauf 
Verstopfungen sich bildeten, das Gesetzmässige dieses Processes zu er- 
mitteln. Bei unseren Circulationsbeobachtungen fiel es uns schon sehr 
bald auf, dass wir, neben den zahlreichen Versuchen, bei welchen that- 
sächlich die gewünschte Thrombose der Läsion folgte , eine nicht un- 
bedeutende Zahl anderer zu verzeichnen hatten, in denen die Läsion 
nicht zur Pfropfbildung führte. So blieb z. B. wiederholt in einem 
geätzten Gefässe jede Thrombose aus und das Blut circulirte wie vor 
der Aetzung, obwohl die Gefässwände unzweifelhaft nekrotisirt waren 
und kurz nach dem Insult der vorübergehend stagnirende Gefässinhalt 
sogar durch das Aetzmittel (Osmiumsäure; Sublimat, Lapis) völlig zer- 
stört war. Andererseits entstand öfters eine obstruirende ausgedehnte 
Thrombose, dann brach sich nach einer gewissen Zeit der Blatstrom 
durch diesen Thrombus einen Kanal und zu unserem Erstaunen circulirte 
in diesem gebohrten Kanäle, der also doch gar keine Gefässwände 
besass, das Blut Stunden lang, ohne dass weitere Störungen wieder 
eintraten. In unseren Experimenten an grösseren Gefässen, den Hais- 
und Schenkelgefässen von Hunden und Kaninchen, beobachteten wir 
dieselbe Erscheinung. Je mehr die Zahl unserer Beobachtungen stieg, 
um so deutlicher trat die Thatsache uns vor Augen, dass die Ver- 
letzung der Gefässwand durchaus nicht immer zur Thrombose 
führt. Am Schlüsse des Capitels VI haben wir die Experimente, die 
trotz des Insultes der Gefässe keine Pfropfbildung in denselben er- 
zeugten, zusammengestellt und wenn man ihre Zahl mit denen der 
anderen dieses Capitels vergleicht, wird man zugeben müssen, dass dies 
nicht etwa vereinzelte Ausnahmen sind, sondern recht häufige Befunde. 
Schliesslich haben wir in Leichen, besonders bei ausgebreitetem Atherom 
der Arterien speciell in der Aorta vielfach Stellen gefunden, die tief- 
greifende Veränderungen, Endothelverlust und Verkalkung aufwiesen, 
von Thrombose hingegen gänzlich frei waren. 

Diese Abwesenheit von Thromben auf kranken resp. zerstörten 
Wänden der Gefässe, illustrirt gewiss in hinreichender Weise die Un- 
richtigkeit der früheren Annahme von der unfehlbaren Wirkung 
der Gefässläsion in Bezug auf Thrombose; mindestens ebenso beredt 
sprechen dafür aber alle jene Bilder, in welchen auf verletzten Gefäss- 
wänden Thrombose sich eingestellt hat. Gerade die Art und Weise, 
wie diese hier auftritt, ist der beste Beweis dafür, dass ein Endothel- 
defekt oder eine Endothelalteration aUein noch keine directe Veranlassung 



— 140 — 

zur Pfropfbildung sind. Die Wandzerstörung ist ja eine sehr verschieden 
heftige und ausgebreitete, je nach der Intensität des Insultes oder der 
Krankheit. Oft findet man grosse Wandstrecken von Endothel, ja von 
der ganzen Intima entblösst und die Muscularis frei gegen das Lumen 
liegen. Gerade diese Stellen aber, bei denen es sich um glatte Ablösungen 
verschiedener Schichten der Gefässwand handelt, sind meist nicht Aus- 
gangspunkt der Thrombose: Die Ränder solcher Defecte, die ge- 
faltete zerstörte Intima, die Spitzen und Hervorragungen, der 
in das Lumen hängende Aetzschorf, das sind die Punkte, auf 
welchen Thromben gefunden werden. Das Missverhältniss in der 
Grösse des Defectes und der Ausdehnung der Thrombose ist dabei oft 
ein ganz überraschendes, so dass man auf ausgedehnten sclerotischen 
Partien einer Gefässwand bei Atherom an einzelnen Höckern nur ganz 
unbedeutende Thromben findet, auf einer sonst ganz gesund erscheinenden 
Wandpartie, an der nur an einer Stelle eine beschränkte Endothel- 
ablösung als dünner Streif in das Lumen ragt, hingegen recht compacte 
Thrombusballen bemerkt. 

Man gewinnt aus diesen Bildern den Eindruck, das eben nicht 
die Gefässverletzung an sich es ist, welche zur Pfropfbildung im 
strömenden Blute führt, sondern dass dabei noch ein anderer Factor 
mitspielt. Wenn alle Spitzen und Hervorragungen in dem Gefässlumen 
sich augenblicklich mit Pfropfen bedecken, während mehr glatte, wenn 
auch nicht weniger zerstörte Stellen der Wand davon frei bleiben, so 
deutet das darauf hin, dass dieser Factor ein mechanischer ist, der in 
den Circulationsverhältnissen beruht. Ueber die glatten Flächen kann 
der Blutstrom ungehindert hinwegfliessen, während er an den rauhen 
und unebenen Stellen Hindernisse findet. Wir kommen damit zu 
dem Schlüsse, dass die Gefässläsion nur dann Thrombose 
herbeiführt, wenn eine Circulationsstörung hinzutritt oder 
durch sie hervorsferufen wird. 



Dass auf die Thrombenbildung die Blutströmung von grossem 
Einfluss ist, haben die ältesten Beobachter nicht übersehen. Virchow 
hat dann zuerst in umfassender Weise die Bedeutung der Circulation 
hervorgehoben. Allerdings wurde er dabei von der, damals sehr ver- 
breiteten, Anschauung geleitet, dass es wesentlich die Verlangsamung, 
die Stagnation des Blutes sei, welche dessen Gerinnung hervorbringe. 
Er nahm an, das Blut erlitte bei dem verlangsamten Flusse und der 
Stagnation eine Veränderung in Folge deren der Faserstoff sich abscheide. 
Dieser Gedanke ist durch die Untersuchungen von Brücke und Bmmi- 
garten hinfällig geworden. Seit wir wissen, dass das Blut in einem 
doppelt unterbundenen Gefäss, sobald die Gefässwähde gesund bleiben, 
überhaupt nicht gerinnt {Baumgartefi)^ können wir eine einfache Stag- 
nation in dieser Beziehung als ätiologisches Moment der Thrombose 
nicht mehr ansehen. Weit näher kommen der richtigen Deutung des 
Strömungseinflusses einzelne neuere Forscher, besonders v. Bechling- 
hausen, der zwar die Stauung als Ursache der Thrombose noch fest- 
hält, dabei aber ein Hauptmoment in der Circulationsstörung ver- 
muthet. Vgl. Cap. I. 

Seit wir durch unsere Beobachtungen erfahren haben, dass die 
Thrombose nicht einfach als Gerinnungsprocess aufzufassen ist, sondern 



— 141 — 

dabei besonders zwei verschiedene Vorgänge, die Plättchenconglutination 
und die Fibrinabscheidung, in Betracht kommen, müssen wir uns ein- 
mal die Frage vorlegen, wie die Circulation der Plättchenconglutination 
und dann wie sie der Fibrinabscheidung gegenübersteht. Auf die 
erste Frage geben unsere Resultate eine ziemlich runde Antwort. Wie 
gezeigt wurde, entsteht ein Plättchenthrombus dadurch, dass die ein- 
zelnen Blutplättchen viscös werden und an einander kleben. Um ver- 
kleben zu können, ist es aber eine Hauptbedingung, dass die Plättchen 
überhaupt mit einander in Berührung kommen. In einer stagnirenden 
Blutsäule, die in absoluter Ruhe verharrte, würde eine Plättchen- 
conglutination selbstverständlich ausbleiben, auch wenn es zur viscösen 
Metamorphose käme, weil jedes Plättchen isolirt im Plasma bliebe. 
Wenn es selbst in stagnirenden Blutsäulen zur Bildung von Plättchen- 
ballen kommt, so liegt das nur daran, dass eine absolute Ruhe 
nie vorhanden ist, schon weil die Blutkörper in ihrem specifischen 
Gewicht unter einander und vom Plasma differiren und die Senkungs- 
erscheinungen ein langdauerndes Hin- und Herflottiren im Plasma be- 
wirken. Aber jene Plättchenconglutinate, welche geringen Capillar- 
strömen und den Erschütterungen ihr Dasein verdanken, werden in 
stagnirenden Blutsäulen meist nur sehr bescheidene Dimensionen an- 
nehmen, weil eben nur jene Plättchen verschmelzen können, welche in 
dem abgesperrten Blute vorhanden sind und die Zufuhr fehlt, wie sie 
nur das strömende Blut bietet. Derartig ausgedehnte Plättchenconglutinate, 
wie wir sie in der Leiche und bei experimentell erzeugten Thromben 
antreffen , können nur dann entstehen , wenn der Blutstrom immer 
neue Blutplättchen an die anfangs kleinen Haufen heranwirft und die- 
selben dann ankleben. 

Unsere weiteren Beobachtungen haben uns gezeigt, dass es nicht 
der Blutbewegung, der Circulation im Allgemeinen bedarf, um Plättchen- 
conglutinationen zu Stande zu bringen, sondern dass die Art der Cir- 
culation dabei von ausschlaggebender Wichtigkeit ist. 

Der grösste Theil unseres Gefässsystems besteht aus cylindrischen 
Röhren, die weiter und enger sind. Bis auf die allerfeinsten Capillaren, 
jene, deren Lumen gerade für ein Blutkörperchen zur Passage genügt, 
strömt nun in diesen Röhren der Blutstrom in jener bekannten Weise, 
dass die Hauptmenge der körperlichen Gebilde einen mehr axialen 
Fluss hat und rund herum an den Gefässwänden eine Zone Plasmas 
bleibt. In dem Axenstrom fliessen alle rothen Blutkörper, alle Blut- 
plättchen und die grösste Zahl der Leucocyten; spärliche Leucocyten 
rollen auch im Normalstrom in der Plasmazone langsam dahin. Diese 
Stromanordnung ist insofern sehr wichtig als sie die hinfälligen Blut- 
plättchen in geradlinigem Flusse in der Gefässaxe führt und für ge- 
wöhnlich mit den Gefässwänden nicht in Berührung kommen lässt. 
Es können z. B. die Gefässwände verändert und abgetödtet sein und 
bei dieser Stromanordnung zu einer Plättchenconglutination doch nicht 
Veranlassung geben, weil eben gar keine Blutplättchen wegen der 
isolirenden Plasmazone in Berührung mit ihnen kommen können. 

Diese Verhältnisse ändern sich, einmal, wenn der Strom andauernd 
stark verlangsamt wird und dann, wenn es zur Wirbelbildung kommt. 
In beiden Fällen geben dann nämlich die Blutplättchen ihren axialen 
Fluss auf, sie gelangen -an die Wandpartien, treffen dort an zerstörte 



— 142 - 

Gewebe etc. und congliitiniren. Verlangsamt sich der Strom allmälig, 
so treten zuerst mehr und mehr Leucocyten in die Plasmazone und 
häufen sich dort dicht hinter einander rollend an (entzündliche Rand- 
stellung). Von diesen emigriren viele. Wird der Strom immer lang- 
samer, so erscheinen schliesslich auch Blutplättchen im Plasmastrom 
und je länger die Verlangsamung währt, um so mehr nimmt diese 
Rand Stellung der Plättchen zu, so dass dieselben oft vielfach geschichtet 
der Wand anliegen. Beim Stromwirbel, wie er z. B. bei einem Vor- 
sprung in das Gefässlumen, oder bei einer Dilatation desselben ein- 
treten kann, da wird dann überhaupt der Axenstrom local oder auf 
weitere Strecken ganz aufgehoben und damit kommen dann alle Blut- 
körper und Plättchen dort mit dem Hinderniss resp. der Gefässwand 
in Berührung. 

üeberall wo dann die Plättchen durch eine Berührung , sei es 
mit einer nekrotischen Gefässwand, sei es mit einem Fremdkörper, mit 
vorhandenen Plättchenhaufen oder mit Fibrin, viscös werden, conglu- 
tiniren sie. Die Plättchenhaufen vergrössern sich um so schneller, je 
mehr Elemente durch die Circulationsstörung an Ort imd Stelle hin- 
geführt werden. 

Hieraus ersehen wir also, wie in der That der Circu- 
lation ein integrirender Einfluss auf die Plättchencongluti- 
nation zukommt und dass es ausser der viscösen Metamor- 
phose der Plättchen noch der Stromverlangsamung resp. der 
Wirbelbildung zu ihrer nöthigen Anhäufung bedarf. 

Leider haben uns unsere Beobachtungen über die näheren Be- 
dingungen der Fibrinabscheidung zn keiner so exacten Vorstellung bis- 
her geführt, wie wir sie über die Plättchenconglutination gewonnen 
haben. Da in allen fibrinhaltigen Thromben, die wir gesehen haben, 
auch Plättchen vorhanden waren und vielfach z. B. um Fremdkörper 
in den ersten Minuten erst Plättchen und dann Fibrin sich ansetzte, 
so könnte man zunächst daran denken, dass zwischen der Plättchen- 
conglutination und, der Fibrinabscheidung ein enger Zusammenhang 
bestände, die Fibrinabscheidung die Folge der Plättchenveränderung 
im Plasma wäre, etwa so, dass die Plättchen bei ihrer Veränderung 
ein Coagulationsferment austreten liessen (Bizzozero). Wir haben in 
Capitel III die Frage nach der Abhängigkeit beider Processe eingehend 
erörtert und müssen uns nach den gewichtigen Momenten, die wir dort 
geltend gemacht haben, für eine Verneinung einer solchen specifischen 
Rolle der Plättchen entscheiden. 



Armin Köhler hat unter der Leitung von A. Schmidt den Ver- 
such gemacht, die Thrombose als eine Folge des im Blute Kranker frei 
werdenden Fibrinfermentes hinzustellen, und gelangt am Schlüsse seiner 
Deductionen zu dem Ausspruch, es gäbe im gewissen Sinne eine 
Hämitis. Nimmt man in der That an, dass in Krankheiten besondere 
Substanzen, oder eine besondere Substanz im Blute auftrete, die in 
directer Beziehung zur Pfropfbildung stehe, so ist diese Hypothese 
durchaus keine andere als die der Alten, von der Wirkung veränderter 
Blutmischung, von der Dyscrasie. Die neueren von verschiedenen 
Forschern gemachten Versuche, die Thromben mehr oder weniger direct 
auf eine Dyscrasie des Blutes zurückzuführen, haben wir in Cap. VIII 



— 143 — 

eingehender referirt nnd znm Theil wiederholt nnd erweitert. Sämmt- 
liche Versuche kommen darauf hinaus, durch Infusion verschiedenster 
Substanzen in das Blutgefässsystem „Gerinnungen" zu erzeugen. Es 
wurden Lösungen des sog. Fibrinfermentes, Eiweisssubstanzen, fremde 
Blutarten, Zellemulsionen, Lymphdrüsensaft, schliesslich ganz heterogene 
Dinge wie Aether etc. meist in die Jugular- oder Schenkelvene von 
Hunden und Kaninchen eingespritzt. Wir haben gesehen , dass die 
Resultate dieser Versuche sehr schwankend sind, dass in vielen Fällen 
auf selbst schwere derartige Eingriffe gar keine Reaction von Seiten 
des Versuchsthieres erfolgt und dann wieder Tod eintritt, ohne dass 
irgendwo gröbere Abnormitäten an dem Gefässapparat zu finden sind. 
Ein.es steht hingegen fest, dass nämlich in einer Anzahl von Fällen in 
der That „Gerinnungen" im Gefässsystem und zwar im Herzen oder 
den grossen Venen und Arterien nach solchen Infusionen beobachtet 
werden können. Einzelnen ist es besonders geglückt, Gerinnungen nach 
Lackblutinfusion zu erhalten {Naunyn u. A.), wieder Anderen nach 
bestimmten Organextracten (Thymus, Wooldrigde) ; wir haben vsie am 
leichtesten mit Aether erzielt. Die genaue mikroskopische Unter- 
suchung dieser Gerinnsel mit den sonst angewandten Methoden und 
Reactionen ergab, dass dieselben mit den experimentell erhaltenen und 
in der Leiche gefundenen Thromben im Ganzen weniger Aehnlichkeit 
besassen, als mit einfach geronnenem Blute, dass sie aber meist Trümmer 
rother Blutkörper und körnig coagulirte Eiweisssubstanzen des Plasma 
enthielten, je nach dem zerstörenden und deletären Character, den jene 
gerinnungserregenden Substanzen auf das Blut ausübten. 

Aber abgesehen davon, dass die erhaltenen Gerinnsel sich von 
eigentlichen Thromben in ihrer Zusammensetzung unterscheiden, kann 
man allen diesen Versuchsergebnissen doch nur eine beschränkte Trag- 
weite und kaum eine Beziehung auf das Verhältniss von Thrombose 
und Dyscrasie zugestehen. Spritzt man in eine grosse Vene eines 
Hundes Aether ein und sieht nach ein paar Minuten das Thier asphyc- 
tisch an Gerinnseln im Herzen resp. der Pulmonalarterie zu Grunde 
gehen, und übersetzt man den experimentellen Vorgang in die mensch- 
liche Pathologie, so scheint uns durch denselben nur der Beweis ge- 
liefert zu sein , dass durch Eindringen deletärer Substanzen in das 
Gefässsystem Gerinnungen im Blute gesetzt werden können. Es würde 
der betreffende Versuch nur eine experimentelle Illustration etwa zu 
dem Fall sein, dass z. B. der toxisch wirkende Inhalt eines Abscesses 
sich in eine arrodirte Vene ergösse und Gerinnungen erzeugte. 
Wollte man wirklich die Existenz einer gerinnungserzeugenden Sub- 
stanz im Blute bei Fällen von ausgedehnter Thrombose wahrscheinlich 
machen, so müsste man sich jedenfalls in erster Linie bemühen diese 
Substanz in dem Blute der Kranken nachzuweisen. Dies ist bis jetzt 
nicht geglückt ^). 



^) V. Düring bat Gefässe ligirt und in die Umgebung derselben Blut resp. 
sog. Fermentlösung {A. Schmidt) gespritzt. Es trat dann Thrombose in dem ligirten 
Gefässe ein, und v. Düring nimmt an, dass das gerinnungserregende 
Ferment durch die Gefässwand hindurchgedrungen sei und im Ge- 
fässlumen den Pfropf erzeugt habe. Sollte es nicht wahrscheinlicher sein, dass 
hier eine Veränderung der Gefässwand selbst in Folge der Injection die Hauptrolle 
spielt? 



— 144 — 

Wir stehen ja aber überhaupt nicht mehr auf dem Standpunct, 
dass der Thrombus ein einfaches Gerinnsel darstellt, welches, wie es 
da ist, im Blute sich gebildet hat, ausgefallen ist. Wir wissen, dass 
neben dem Ausfallen des Fibrins eine Anhäufung corpusculärer Ele- 
mente eine Hauptrolle bei der Bildung des Thrombus spielt. Nun 
wäre es ja denkbar, dass schon auf die Conglutination der Blutplätt- 
chen eine allgemeine Blutbeschaffenheit begünstigend wirken könne, 
indem sie dieselben hinfälliger macht, als sie schon sind, und sie dadurch 
dann leichter verklebten; ebenso wie auch eine Erhöhung der Gerinnungs- 
tendenz des Blutes bei Erkrankung desselben eintreten könnte. Wir 
wollen darum auch jede Relation zwischen Blutmischung und Thrombose 
nicht ganz von der Hand weisen. Wenn sich aber auch einmal eine 
directe Abhängigkeit der Thrombose von einer Bluterkrankung heraus- 
stellen sollte, den Umstand, dass erstere nie auf das ganze Gefässsystem 
sich erstreckt, sondern local auftritt, wird man doch nur durch die 
örtlichen Verhältnisse im Gefässsystem erklären können: durch die 
Circulationsanomalien des Blutstroms und durch gewisse 
Veränderungen der Gefässwand. 



j^etiester Verlag von Ferdinand JEnke in Stuttgart. 

Hock, Privatdocent Dr. J., Propädeutik für das Studium der Augen- 
heilkunde bearbeitet für Studirende und Aerzte. Mit 61 in den 
Text gedruckten Abbildungen, gr. 8. 1887. 7 M. 

Jacubaiseli, Dr. H., Lungenschwindsucht und Höhenklima. Aetio- 
logie und Therapie der Tuberkulose. 8, 1887. 2 M. 

Kiscli, Prof. Dr. E. H., Die Fettleibigkeit (Lipomatosis universalis). 
Mit 82 Abbildungen, gr. 8. 1888. 10 M. 

Kobert, Prof. Dr. Rudolf, Compendium der praktischen Toxicologie 
zum Gebrauche für praktische Aerzte und Studirende. Auf Grrund- 
lage des „Lehrbuchs der praktischen Toxicologie" von A. Werber 
als zweite Auflage zeitgemäss umgearbeitet, gr. 8. 1887. 4M. 

Krafft-Ebing, Prof. Dr. R. von, Psychopathia sexualis. Mit be- 
sonderer Berücksichtigung der conträren Sexualempfindungen. Eine 
klinisch-forensische Studie. Zweite vermehrte und verbesserte 
Auflage, gr. 8. 1887. 3 M. 60. 

Kunze, Dr. C. F., Compendium der praktischen Medicin. Neunte 
Auflage. 8. 1887. 10 M. 

lieopold, Prof. Dr. Gr., Der Kaiserschnitt und seine Stellung zur 
künstlichen Frühgeburt, Wendung und Perforation bei engem 
Becken, gr. 8. 1888. 7 M. 

liöhlein, Docent Dr. med. H., Zur Erinnerung an Carl Schröder. 
Rede, gehalten bei der von der Berliner Gesellschaft für Geburtshülfe 
und Gynäkologie zu Ehren ihres ehemaligen Präsidenten veranstalteten 
Gedächtnissfeier am 17. April 1887. gr. 8. 1887, 1 M. 

Möller, Prof. Dr. H., Klinische Diagnostik der äusseren Krank- 
heiten der Hausthiere. Mit besonderer Berücksichtigung der Lahm- 
heiten des Pferdes. Mit 5 Holzschnitten. 8. 1887. 6 M. 

ÄTeisser, Dr. GL, lieber die Katatonie. Ein Beitrag zur klinischen 
Psychiatrie. Mit Holzschnitten und 4 Tafeln, gr. 8. 1887. 4 M. 

srusisbauiii, Geheimerath von, Leitfaden zur antiseptischen Wund- 
behandlung mit Rücksicht auf ihren gegenwärtigen Standpunkt. 
Fünfte gänzlich umgearbeitete Auflage. ^8. 1887. 6 M. 

Peyer, Dr. Alexander, Atlas der Mikroskopie am Krankenbette. 
100 Tafeln, enthaltend 137 Abbildungen in Farbendruck. Zweite 
Auflage, gr. 8. 1887. Elegant in Leinwand gebunden. 16 M. 

Politzer, Prof. Dr. A., Lehrbuch der Ohrenheilkunde für praktische 
Aerzte und Studirende. Zweite gänzlich umgearbeitete Auflage. 
Mit 285 Holzschnitten, gr. 8. 1887. 14 M. 

Fortsetzung siehe Seite 4 des Umschlags. 



JS^euester Verlag von Ferdinand JEnke in Stuttgart, 

Seitz, Prof. Dr. Franz ; Der Abdominaltyphus nach langjähriger 

Beohachtung. gr. 8. 1888. 6 M 

Teit, Docent Dr. J., Die Anatomie des Beckens im Hinblick auf den 
Mechanismus der Geburt. Eine geburtsbülfliche Studie. Mit 11 Ab- 
bildungen im Text und 6 lithographischen Tafeln. 4. 1887. Kart. 8 M. 

Villaret, Dr. A., Handwörterbuch der gesammten Medizin. 2 Bde. 

I. Band. 1. Hälfte. Lex. 8. 1887. 10 M. 

Vogel, Prof. Dr. Alfred, Lehrbuch der Kinderkrankheiten. Neunte 
Auflage. Neu bearbeitet von Dr. Ph. Biedert. Mit 6 lithograph. 
Tafeln, gr. 8. 1887. 14 M. 

IVäcliter, Dr. C, Die Selbstpflege der unterleibskranken Frau. 

8. 1887. 1 M. 

Werth, Prof. Dr., Beiträge zur Anatomie und zur operativen Be- 
handlung der Extrauterinschwangerschaft. Mit 3 Figuren im 
Text und einer Tafel, gr. 8. 1887. 5 M. 

Wiener, Sanitätsrath und Kreisphysikus Dr., Handbuch der Medizinal- 
Gesetzgebung des Deutschen Reichs und seiner Einzelstaaten. 

Mit Kommentar. Für Medizinal-Beamte, Aerzte und Apotheker. 2 Bde. 

II. Band. 3. Theil. (Schluss des Werkes.) Die Medizinal-Gesetz- 
gebung des Königreichs Württemberg und der Grossherzogthümer 
Hessen und Baden, gr. 8. 1887. 14 M. 

Ziegeler, Dr. G. A., Die Analyse des Wassers. Nach eigenen Er- 
fahrungen bearbeitet. Mit 32 Abbildungen. 8. 1887. 3 M. 

Zuekerkaudl, Prof. Dr. E., lieber das Riechcentrum. Eine ver- 
gleichend-anatomische Studie. Mit 7 lithogr. Tafeln und 25 in den 
Text gedruckten Abbildungen, gr. 8. 1887. 5 M. 

, Das periphere Oeruchsorgan der Säugethiere. Eine verglei- 
chend-anatomische Studie. Mit 10 lithogr. Tafeln und 19 in den 
Text gedruckten Holzschnitten, gr. 8. 1887. 7 M. 

Zweifel, Prof. Dr. P., Lehrbuch der Geburtshülfe für Aerzte und 

Studirende. Mit 212 Holzschnitten und 3 Farbendrucktafeln, gr. 8. 

•4'887. ^ 16 M. 

_ l_;'Bei' Einfluss der ärztlichen Thätigkeit auf die Beyölkerungs- 
bewegung. Antrittsrede, gehalten zu Leipzig am 8. Juni 1887. 8. 
1887. IM. 



Druck von Gebrüder Kröner in Stuttgart. 



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Eberth 

P5,e thrombose^